Suche

27.09.2016

Russland investiert in neue Geburtskliniken und Diagnoselabors

Schwerpunkt liegt auf Perinatalzentren / Private Krankenhäuser bleiben trotz Krise auf Expansionskurs / Von Bernd Hones

Moskau (GTAI) - Russland muss sparen. Das gilt auch für den Gesundheitssektor. Trotzdem entstehen ständig neue Krankenhäuser, Krebsstationen und Tuberkulosezentren. Die staatlichen Mittel konzentrieren sich in den kommenden Jahren vor allem auf neue Geburtskliniken und Frühgeborenen-Stationen. Private Klinikbetreiber richten ihr Angebot vor allem auf betuchte Russen aus. Medizinische Ausrüstung kommt in diesen Kliniken fast ausschließlich aus dem Ausland. (Kontaktanschriften)

Russland hat in den vergangenen Jahren bereits viel Geld investiert in Geburtskliniken und Frühgeborenen-Stationen. Neue Ultraschall-Geräte, renovierte Kreißsäle und Geld für die IT - Dutzende Perinatalzentren haben einen großen Schritt nach vorne gemacht. Von den geplanten 32 neu zu bauenden föderalen Perinatalzentren sind bereits 28 fertiggestellt; die restlichen sollen bis 2019 realisiert werden. Auch im Augenblick liegt das Hauptaugenmerk in der russischen Gesundheitspolitik explizit auf diesem Bereich.

Die russische Hauptstadt Moskau erweitert gerade das bestehende städtische Krankenhaus Nr. 67 um ein riesiges perinatal-kardiologisches Zentrum. Auf einer Fläche von 50.000 qm soll künftig jede fünfte Geburt in der 15-Millionen-Stadt Moskau stattfinden. Jährlich gibt es dort Kapazitäten für 13.000 Geburten.

In den jüngst eingemeindeten Gebieten Moskaus wird ebenfalls fleißig gebaut. In der Siedlung Kommunarka baut die Stadt ein neues Krankhaus mit integrierter Geburtsstation. Kosten: 9,2 Mrd. Rubel (knapp 128 Mio. Euro; EZB-Wechselkurs vom 8.9.16: 1 Euro = 72,15 Rbl). Im stationären Bereich soll Platz für 606 Betten sein. Zusätzlich wird es in der Geburtenstation weitere 150 Betten geben und einen Trakt für Kinder mit 180 Betten.

Auch im Gebiet Moskau - also im Umkreis um die Hauptstadt - werden allein 2016 acht neue größere Projekte fertig gestellt: drei Perinatalzentren, zwei Geburtskliniken, eine Frauenarzt-Klinik, eine Polyklinik und ein Krebsheilzentrum. Die Region hat bereits Ausrüstung für diese Krankenhäuser im Wert von 2,2 Mrd. Rubel bestellt, weitere 1,1 Mrd. Rubel will die Region noch investieren. Insgesamt werden diese Krankenhäuser 20,33 Mrd. Rubel kosten. Außerdem entstehen in der Region Dutzende zusätzliche Trauma-Stationen. Diese Erste-Hilfe-Stationen sind auf Unfallverletzungen spezialisiert.

Projekte in Dutzenden Regionen Russlands

Neue Projekte gibt es nahezu in allen Regionen Russlands, so auch in Karatschaewo-Tscherkessien. Die Region will eine psychoneurologische Fürsorgestelle und eine Polyklinik in der Stadt Karatschajewsk bauen. Der Gesundheitsminister dieser Region, Kasim Schamanow, will beide Projekte aus dem Föderalen Entwicklungsprogramm des Nordkaukasus finanzieren und bereits 2017 mit dem Bau beginnen.

In der Nachbarregion Kabardino-Balkarien sind die Pläne für ein vergleichbares Projekt schon weiter gediehen. Dort soll noch im Dezember 2016 ein neues Perinatalzentrum mit 130 Betten und Platz für die Betreuung von 100 Schwangeren pro Schicht eingeweiht werden. Die Kosten des Projektes belaufen sich auf 1,94 Mrd. Rubel. Außerdem sollen in der Region zwei Dialysezentren gebaut werden. Jedes dieser Zentren soll 450 Mio. Rubel kosten, sagte der Gesundheitsminister der Republik im Frühjahr 2016.

In der Region Altaj (Altajski kraj) könnte noch 2016 der Bau eines Perinatalzentrums abgeschlossen werden. Mehr als 2,2 Mrd. Rubel wurden bereits investiert, 800 Mio. Rubel fehlen noch. Allein in die Ausrüstung der Geburtsklinik hat die Region mehr als 500 Mio. Rubel investiert.

Tuberkuloseklinik in Nordossetien

In der nordossetischen Hauptstadt Wladikawkas soll 2019 ein auf Tuberkulose spezialisiertes Krankenhaus eröffnet werden. Der Wirtschaftsminister der Region, Oleg Gulujew, hat die Kosten dafür im August 2016 auf rund 2 Mrd. Rubel geschätzt. Im Augenblick gibt es in der Republik nur eine Tuberkulose-Fürsorgestelle. Doch auch diese hat bereits Wirkung gezeigt: Jahr für Jahr sinken die Todesfälle durch Tuberkulose. Auch die Krankheitsfälle werden weniger. Während im Jahr 2002 noch vier von fünf an Tuberkulose erkrankten Menschen in der Region starben, hatten 2014 über die Hälfte der Erkrankten Heilungschancen. Mit dem spezialisierten Krankenhaus sollen die Überlebenschancen noch weiter steigen. Im Jahr 2014 gab es in Nordossetien offiziell 335 tuberkulosekranke Menschen; im Jahr 2016 sind 289 Fälle gemeldet.

Privatkliniken bleiben auf Expansionskurs

Der kommerzielle, nicht-staatliche Gesundheitsmarkt Russlands erreichte 2015 ein Volumen in Höhe von 462,9 Mrd. Rubel (etwa 6,8 Mrd. Euro; EZB-Jahreswechselkurs 2015: 1 Euro = 68,07 Rbl). Das waren 9,3% mehr als im Vorjahr. Allerdings: Die Steigerung liegt allein an der Verteuerung medizinischer Dienstleistungen, heißt es bei BusinesStat. Gerade russische Privatkliniken setzen bei ihrer Ausrüstung voll auf ausländische Technik und Arzneien führender Hersteller. Aufgrund des schwachen Rubels müssen sie immer mehr zahlen für Klinikausrüstung, importierte Medikamente und Verbrauchsmaterialien. Die Anzahl der Behandlungen in Privatkliniken und anderer privater medizinischer Leistungen ging 2015 sogar um 8,4% zurück. Das liegt vor allem daran, dass etliche Unternehmen ihre Verträge (zur Versorgung der eigenen Mitarbeiter) mit teuren Privatkliniken gekündigt haben.

Die private Klinikgruppe "Matj i ditja" (Mother and child) ist auf Expansionskurs. Wie Anfang September 2016 bekannt wurde, wird "Matj i ditja" für 140 Mio. Rubel die Neo-Klinik in Tjumen kaufen. Außerdem will "Matj i ditja" eigenen Angaben zufolge ein neues, 15.000 qm großes Krankenhaus am Stadtrand bauen. Die wesentlich kleinere Neo-Klinik befindet sich direkt im Stadtzentrum der westsibirischen Metropole. Der Geschäftsführer von "Matj i ditja" würde gerne schon im Sommer 2017 mit dem Bau des neuen Krankenhauses starten.

Ende September hat "Matj i Ditja" ein Zentrum für Herz-Kreislauf-Chirurgie im klinischen Krankenhaus "Lapino" im Moskauer Gebiet eröffnet (435 Quadratmeter, Investition: 120 Mio. Rubel). Außerdem startete ein ambulantes medizinisches Zentrum in Odinzowo (Investition: 15 Mio. Rubel), nur 10 km von Lapino entfernt. Die Klinikkette setzt damit ihren Kurs fort, - neben Gynäkologie und Kinderheilkunde - ihr Angebot an anderen medizinischen Dienstleistungen zu erweitern. Diese trugen 2015 bereits einen Anteil von 22% oder 2,1 Mrd. Rubel zum Erlös bei. Im 1. Halbjahr 2016 waren es 22% und 1,27 Mrd. Rubel.

Geschäftsentwicklung privater Kliniken in Russland
Rang Unternehmen Umsatz 2015 Anmerkungen / Internet
1 Matj i ditja 140 Mio. Euro http://www.mamadeti.ru
2 GEMC 123 Mio. Euro http://www.emcmos.ru
3 Medsi 120 Mio. Euro http://www.medsi.ru

Anm.: Eine Liste der 25 größten Privatkliniken ist auf Anfrage bei GTAI erhältlich.

Quelle: Wirtschaftszeitung "Wedomosti"

Dutzende neue Diagnoselabors in Russland geplant

Der Sankt Petersburger Diagnose- und Labor-Spezialist Helix will im 2. Halbjahr 2016 rund 70 Diagnosezentren auf Franchise-Basis eröffnen. Außerdem investiert das Unternehmen bis Jahresende 600 Mio. Rubel (8,3 Mio. Euro; EZB-Wechselkurs vom 7.9.16: 1 Euro = 72,48 Rbl) in die technologische Entwicklung seiner Labors. Zurzeit gibt es 210 Labors und Diagnosezentren, davon betreibt Helix selbst 20 Filialen. Der Rest läuft über ein Franchise-Modell. Ein Helix-Diagnosezentrum kostet etwa 3,2 Mio. Rubel. Im Jahr 2015 hat Helix 14 Mio. Labortests durchgeführt; 2017 sollen es bereits 20 Mio. sein.

Die größten Konkurrenten der Helix-Gruppe sind OOO Nesawisimaja laboratorija Invitro und das Sewero-Sapadnyi zentr dokasatelnoi mediziny. Invitro will 2016 mehr als 120 Praxen eröffnen. Ein medizinisches Zentrum kostet - je nach Ausstattung und Lage - zwischen 850.000 und 5 Mio. Rubel. Apropos Ausstattung: Bei der Ausrüstung der Labors gibt es keine Alternative zu ausländischen Herstellern. Weil der Rubel aber stark abgewertet hat, ist das teuer. Deshalb hat Inwitro bei den Zulieferern insistiert, neue Bestellungen auf Rubel-Basis zu einem festgelegten Kurs abzuschließen. In den meisten Fällen mit Erfolg, sagt Sergei Schuljak, Geschäftsführer der auf den Gesundheitsmarkt spezialisierten Marktforschungsgesellschaft DSM Group (http://www.dsm.ru).

Kontaktanschriften:

Labordienst Helix

B. Sampsonijewski prospekt 20, 194044 Sankt Petersburg

Tel.: 007 495/783 36 00

Internet: http://www.helix.ru

OOO Nesawisimaja laboratorija Invitro

ul. Nagatinskaja 1, stroenije 33, 117105 Moskau

Tel.: 007 495/363 03 63

E-Mail: market@invitro.ru, Internet: http://www.invitro.ru

Sewero-Sapadnyi zentr dokasatelnoi mediziny

Tel.: 007 812/600 47 12

E-Mail: info@cdmed.ru, Internet: http://www.cdmet.ru

(H.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Medizintechnik, allgemein, Bio-, Labortechnik u. Optik / Augenoptik, allgemein

Funktionen

Kontakt

Boris Alex

‎+49 30 200 099 605

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche