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23.07.2019

Russland will 50 Milliarden Euro in die Entwicklung Sibiriens investieren

Insgesamt 32 Einzelvorhaben bis 2035 in der Pipeline / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - Die drei sibirischen Regionen Krasnojarsk, Chakassien und Tywa wollen gemeinsam ihre Wirtschaft modernisieren. Für deutsche Anlagenbauer bieten sich zahlreiche Geschäftschancen.

Im Herzen des eurasischen Kontinents verbindet der Fluss Jenisej Russlands Grenzgebiet zur Mongolei mit dem Polarmeer. In dieser Region soll das nach dem zweitlängsten Strom Russlands benannte Investitionsprogramm "Jenisejskaja Sibir" die Wirtschaft der Region Krasnojarsk sowie der Republiken Chakassien und Tywa modernisieren, Wachstum generieren und Synergien erzeugen. In dem 2,5 Millionen Quadratkilometer großen Gebiet lagern 75 Prozent des russischen Nickels, 55 Prozent des Aluminiums und 36 Prozent des Kupfers. Zudem befinden sich hier 17 Prozent der russischen Holzreserven sowie 15 Prozent der Stein- und Braunkohlevorkommen.

Fokus liegt auf Infrastruktur und Industrie

Präsident Wladimir Putin hatte im April 2018 das umgerechnet 50 Milliarden Euro schwere und bis 2035 laufende Investitionsprogramm am Rande des Krasnojarsker Wirtschaftsforums genehmigt. Der Schwerpunkt der 32 Vorhaben liegt auf dem Ausbau der Infrastruktur und der Industrieförderung. Daneben sollen neue Rohstoffvorkommen erschlossen werden.

Die Region Krasnojarsk und die Republik Chakassien sind mit je zwölf Projekten, die Republik Tywa mit acht vertreten. An deren Umsetzung beteiligen sich insgesamt 60 Unternehmen in der Region wie Rusal, Norilsk Nickel oder SUEK. Die Finanzierung wird zudem über Mittel aus dem föderalen und regionalen Haushalt bestritten.

Investitionsprojekte bieten Potenzial für Lieferanten

Bei der Umsetzung der Projekte sollen moderne Technologien zum Einsatz kommen, was Absatzpotenzial für Lieferanten von Maschinen und Anlagen sowie Industrie 4.0-Lösungen bietet.

Im Rohstoffsektor stehen eine ganze Reihe von Großvorhaben in den Startlöchern. Zwischen Kysyl, der Hauptstadt der Republik Tywa, und Kuragino in der Region Krasnojarsk soll eine neue Schienenstrecke den Abtransport von Kohle aus der Lagerstätte Jelegest ermöglichen. Bis 2024 fließen 4,8 Milliarden Euro in den Bau der etwa 400 Kilometer langen Trasse, die das Unternehmen TEPK im Rahmen einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft realisiert.

Die Neftegasholding und Tajmyrneftegas (gehören beide zur NNK Gruppe) und die China National Chemical Engineering Company (CNCEC) arbeiten an der Erschließung des Pajacha-Erdölvorkommens. Bis zum geplanten Beginn der ersten Bohrungen im Jahr 2024 sollen insgesamt 4,6 Milliarden Euro in das Projekt fließen. Das Unternehmen Interegro investiert bis 2025 etwa 2,6 Milliarden Euro in den Bau eines Werks zur Herstellung von Metallen für Batterien.

Projekte im Rahmen des Investitionsprogramms "Jenisejskaja Sibir" (Auswahl) *)
Projekt / Standort Investitionen (Mio. Euro) Projektstand Unternehmen
Entwicklung der Wirtschaftszone Angara-Jenissej: u.a. Erweiterung des Bogutschansker Aluminiumwerks, Bau eines Holzverarbeitungswerks und einer Zellstoffproduktion / Bezirk Nischnoje Priangarje 2.220 Geplante Fertigstellung: 2027 AO Poljus Krasnojarsk, http://www.polyus.com; AO Wasiljewskij rudnik, http://www.vrgm.ru; OOO Sowrudnik, http://www.sovrudnik.ru; OOO GRK Amikan, Tel: +7 (391) 263 60 18; OOO Nowoangarski obogatitelnyj kombinat, http://novoangarsk.ru; OOO Lesosibirskij LDK (gehört zu Segezha, https://segezha-group.com/about-company/structure/ldk1; OOO DOK Jenisej, http://www.dok-enisey.ru
Aufbau eines Zentrums für die Holzindustrie: Produktion von Zellstoff, Holzverarbeitung, Bau der Schieneninfrastruktur / Nischnebogutschansk 1.890 Geplante Fertigstellung: 2023 Rockwell Capital, https://rockwellcm.com; Kraslesinvest (gehört zur Vneschekonombank, https://www.kraslesinvest.ru)
Erschließung der Kohlemine Bejsk-Sapadnyj, Bau eines Anreicherungswerks / Bejsk, Republik Chakassien 1.827 Geplanter Förderbeginn: 2027 Razrez Majrykhskij (gehört zu Coalstar), http://coalstar.ru
Bau eines Wasserkraftwerks / Nischnebogutschansk 1.579 Geplante Fertigstellung: 2025 Nischnebogutschanskaja GES, http://www.boges.ru; Rusal Energoset, https://energo.rusal.ru
Ausbau des Südlichen Clusters (Modernisierung und Erweiterung der Kupfer- und Nickelgrube Sapoljarnaja) / Norilsk 1.527 Geplante Fertigstellung: 2026 Norilsk Nickel, https://www.nornickel.ru; OOO Medweschij rutschej, Tel: +7 (391) 926 11 51
Gründung eines Fuhrparkbetreibers für Kohlewaggons / Bejsk, Republik Chakassien 1.047 Geplante Fertigstellung: 2027 Razrez Majrykhskij (gehört zu Coalstar), http://coalstar.ru
Entwicklung und Modernisierung der Wärmeversorgung / Krasnojarsk 1.018 Geplante Fertigstellung: 2022 Krasnojarskaja TEZ-1; Jenisejskaja TGK (gehören alle zur Sibirskaja Generirujuschaja Kompania; Krasnojarskaja Teplotransportnaja Kompania https://www.sibgenco.ru/main)
Errichtung eines Transport-, Logistik-, Güter- und Passagierverkehrshubs u.a. für Fluggesellschaft Aeroflot / Flughäfen Jemeljanowo und Tscheremschanka 878 Geplante Fertigstellung: 2027 Era Group, https://e-r-a.ru; private Investoren für Infrastrukturbau
Aufbau eines "Technologie-Tals" (mit SWZ) / Krasnojarsk 375 Geplante Fertigstellung: 2027 Rusal, https://www.rusal.ru
Errichtung eines Kohlebergbauzentrums / Meschegejsk (Republik Tywa) 153 Geplante Fertigstellung: 2027 Meschegejugol (gehört zu Evraz, http://www.evraz.com)

*) Eine Übersicht aller 32 Investitionsprojekte ist in russischer Sprache unter https://ensib.ru/projects/invest abrufbar

Quelle: Recherchen von Germany Trade and Invest

Interessenten müssen Auswahlverfahren durchlaufen

Die "Gesellschaft zur Entwicklung des Programms Jenisejskaja Sibir" (Ensib; https://ensib.ru) steht Unternehmen, die sich an den Projekten beteiligen möchten, als Ansprechpartner zur Verfügung. Ab Herbst 2019 soll eine Onlineplattform darüber informieren, welche Technologien für die einzelnen Projekte benötigt werden.

Deutsche Unternehmen, die sich an den Vorhaben als Lieferanten von Maschinen und Ausrüstung beteiligen möchten, müssen ein Auswahlverfahren durchlaufen. Bei Industrieprojekten nehmen die jeweiligen Investoren die Auswahl vor. Bei Infrastrukturprojekten, in die auch öffentliche Gelder fließen, treffen die föderale und regionale Regierung die Entscheidung.

Mit SAP beteiligt sich bereits ein deutscher Konzern an der Ausbildung von IT-Spezialisten für das Projekt "digitales Tal Krasnojarsk". In einem Next-Gen Lab werden Lösungen zum maschinellen Lernen, Big Data, Internet of Things sowie Smart Cities entwickelt.

Kontaktadresse

Gesellschaft zur Entwicklung des Programms Jenisejskaja Sibir

Ansprechpartner: Aleksej Nikolajew, Direktor für Entwicklung

Ul. Maertschaka 10

660075 Krasnojarsk

T +7 (0)983 610 75-15

nav@ensib.ru

Gesellschaft zur Entwicklung des Programms Jenisejskaja Sibir

Ansprechpartner: Natalia Gawrilenko, Abteilungsleiterin Investor Relations

Ul. Maertschaka 10

660075 Krasnojarsk

T +7 (0)950 988 87-75

gnv@ensib.ru

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Russland sind unter http://www.gtai.de/russland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Regionalstruktur

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GUS/Südosteuropa

‎+49 228 24 993 214

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