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01.10.2018

Russland will Kohleförderung bis 2030 um 40 Prozent steigern

Bedarf an Bergbautechnik wächst / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - Russland fördert wieder so viel Kohle wie zu Sowjetzeiten. Die Unternehmen setzen vor allem auf den Export und investieren in neue Abbaukapazitäten.

Russland möchte seine Präsenz auf dem Weltmarkt für Kohle ausbauen. Im 1. Halbjahr 2018 förderten die Bergbaufirmen 210 Millionen Tonnen - um 1,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet das Energieministerium einen Anstieg um 2,7 Prozent auf 420 Millionen Tonnen. Damit nähert sich Russland wieder der Höchstmarke aus dem Jahr 1988 mit 425 Millionen Tonnen.

Derzeit belegt das größte Flächenland der Erde weltweit Platz sechs bei der Förderung. Die russische Regierung will im Rahmen ihres Programms zur Entwicklung der Kohleindustrie bis 2030 die Abbaumenge um etwa 40 Prozent auf 590 Millionen Tonnen pro Jahr steigern. Dabei soll vor allem die Förderung in Ostsibirien und dem Fernen Osten vorangetrieben werden. Zudem liegen in Russlands Hohem Norden etwa 22 Prozent aller weltweit noch unerschlossenen Kohlevorkommen.

Doch Engpässe im Schienentransport, vor allem in Sibirien und im Fernen Osten, könnten die ehrgeizigen Pläne zur Ausweitung der Förderung und des Exports ausbremsen. Nach Schätzungen von Experten müssten etwa 20 Milliarden Euro in den Ausbau der Schienenwege der Transsibirischen Eisenbahn und der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) investiert werden.

Export ist Lokomotive der russischen Kohleindustrie

Der Boom ist vor allem der wachsenden Nachfrage im Ausland geschuldet. Russland belegt bei der Ausfuhr von Kohle weltweit Platz drei, hinter Australien und Indonesien. Im Jahr 2017 übertrafen die Exporte erstmals den Inlandsbedarf von 170 Millionen Tonnen. Für 2018 rechnet Energieminister Alexander Nowak mit einem weiteren Anstieg auf etwa 200 Millionen Tonnen. Dabei kommt Russland zu Gute, dass die Weltmarktpreise aktuell steigen. Kostete eine Tonne russischer Kohle 2017 noch durchschnittlich 74,50 US-Dollar (US$), waren es im 1. Halbjahr 2018 bereits 82 US$. Allerdings können die Preise angesichts der Sanktionspolitik seitens der USA gegen Metallproduzenten aus China und Europa jederzeit wieder nachgeben.

Präsident Wladimir Putin hat die russischen Bergbaukonzerne aufgerufen, ihre Kohleexporte zu steigern. Die Herausforderung der kommenden Jahre besteht darin, die Exportströme von Europa, das verstärkt auf erneuerbare Energien setzt, auf die Wachstumsmärkte Asiens umzulenken. Bereits 2017 ging gut die Hälfte der russischen Ausfuhren nach China, Japan, Südkorea, Indien und Vietnam. Da China den Ausstieg aus der Kohle beschlossen hat, dürfte dieser Absatzmarkt nur noch mittelfristig interessant sein. Mit den steigenden Exporten wird die russische Kohleindustrie noch stärker von der Entwicklung der Weltmarktpreise abhängig sein.

Bergbaukonzerne investieren in Erschließung neuer Vorkommen

Die lebhafte Nachfrage nach russischer Kohle, die aktuell hohen Preise für Energieträger und die Rubelabwertung machen Investitionen in neue Lagerstätten rentabel. Nach Angaben der Branchenagentur Rosinformugol werden bis 2019 etwa 15 neue Kohleminen mit einer Kapazität von insgesamt bis zu 15 Millionen Tonnen pro Jahr und fünf Anreicherungswerke in Betrieb gehen.

Der Bergbaukonzern Mechel sucht Investoren für den Ausbau seiner Mine Jelginskoje in der Republik Sacha (Jakutien), welche die bald erschöpfte Mine in Nerjungri ersetzen soll. Die Wostotschnaja Gornorudnaja Kompania will bis 2025 die Abbaumenge in der Mine Solnzewskoje auf der Insel Sachalin erhöhen. Dazu sollen für etwa 512 Millionen Euro Fördertechnik angeschafft und ein Tiefwasserverladeterminal gebaut werden.

Aktuelle Investitionsprojekte in der russischen Kohleindustrie
Projekt / Standort Investitionen (in Mio. Euro) Fertigstellung Unternehmen
Erschließung einer Kohlemine / Bejsk-Zapadnyj (Republik Chakassien) 641,1 Beginn des Abbaus: 2018 Razrez Majrykhskij (gehört zu Coalstar), http://www.coal-star.com
Abbau von Anthrazit / Kolybanskoje (Gebiet Nowosibirsk) 384,6 k.A. Coalstar, http://www.coal-star.com
Erschließung einer Kohlemine / Apsatskoje (Region Transbaikal) 347,1 Beginn des Abbaus: 2020 SUEK, http://www.suek.ru
Reaktivierung des Kohleschachts Zentralnji / Partisansk (Region Primorje) 320,5 Geplanter Abbaubeginn: 2023 Sutschan Ugol
Erschließung einer Kohlemine / Urgalskoje (Region Chabarowsk) 257,8 Beginn des Abbaus: 2018 Urgal Ugol, http://www.urgalugol.ru
Ausbau der Förderung von Anthrazit / Halbinsel Taimyr (Region Krasnojarsk) 206,6 Volle Kapazität: bis 2025 Arktitscheskaja Gornaja Kompania (gehört zu Wostok Ugol), http://www.vostokcoal.ru
Ausbau der Kohleförderung in der Mine Sajano-Partisanskoje / Region Krasnojarsk k.A. Beginn des Abbaus: Ende 2018 Russkij Ugol (gehört zur Gruppe Safmar), http://www.ruscoal.ru

Quelle: Recherchen von Germany Trade and Invest

Das Kusnezker Becken ist das Herz des russischen Kohlebergbaus. Die Vorkommen des Kohlereviers im Gebiet Kemerowo belaufen sich auf 754 Milliarden Tonnen; der Großteil davon ist Kokskohle. Aus der Region kommen etwa 60 Prozent der in Russland geförderten Steinkohle sowie 80 Prozent des Koks. Die Gebietsregierung hat ehrgeizige Pläne: Bis 2035 soll die Förderung von derzeit 241 Millionen Tonnen auf bis zu 370 Millionen Tonnen steigen. Dies entspricht in etwa der gesamten Abbaumenge Russlands im Jahr 2015.

Moderne Bergbautechnik hoch im Kurs

Mit dem geplanten Ausbau der Kohleförderung wächst auch der Bedarf an Bergbautechnik. Vor allem zur Steigerung der Arbeitsproduktivität sind moderne Abbau- und Fördermaschinen notwendig. Daneben bleiben Sicherheitstechnik und Technologien zur Veredelung und Weiterverarbeitung von Kohle gefragt. Davon profitieren auch deutsche Hersteller. Die Ausfuhren von Bergbaumaschinen aus Deutschland stiegen im 1. Halbjahr 2018 um 21,1 Prozent auf 47,7 Millionen Euro.

Daneben beliefern die Ausrüstungsanbieter ihre Kunden auch von ihren russischen Standorten aus. Der deutsche Baumaschinenhersteller Liebherr eröffnete im Juni 2017 ein Reparatur- und Logistikzentrum im Gebiet Kemerowo. Die schwedische Firma Sandvik Mining and Rock Technology will in Kirowsk (Gebiet Murmansk) ein Servicecenter für Bergbautechnik errichten. Ebenfalls auf der Kola-Halbinsel bauen die Unternehmen Rolt Nord Service und Umptek zwei Servicezentren für Bergbaumaschinen.

Die Einhaltung ökologischer Standards wird im russischen Bergbausektor immer wichtiger. In der Region Primorje stehen beispielsweise bis 2020 etwa 17 Millionen Euro zur Beschaffung von umweltschonender Verladetechnik zur Verfügung. Die deutsche Firma Schade Lagertechnik profitiert bereits von dieser Politik und baut im Hafen von Nachodka ein neues überdachtes Terminal, um die Staubentwicklung beim Verladen von Kohle zu verringern.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Russland sind unter http://www.gtai.de/russland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Kohle, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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