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26.06.2019

Russlands Holzindustrie glänzt mit starkem Wachstum

Holzverarbeiter investieren in neue Kapazitäten / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - In Russland wächst die Nachfrage nach Holzprodukten. Investitionen in neue Verarbeitungskapazitäten sollen die lokale Wertschöpfung erhöhen. Ausrüstung aus Deutschland bleibt gefragt.

Russlands Holz verarbeitende Industrie erzielt hohe Produktionszuwächse. Im Jahr 2018 wurden knapp 11 Prozent mehr Holzerzeugnisse als im Vorjahr hergestellt. Auch für 2019 bleiben die Aussichten gut, denn die Nachfrage nach Holzwaren wächst: Im 1. Quartal 2019 legte der Ausstoß um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Die Produktion von Faserplatten - das wichtigste Produktsegment - stieg 2018 um rund 9 Prozent auf 649 Millionen Kubikmeter.

Produktion der russischen Holzverarbeitungsindustrie (Veränderung in Prozent)
Produktgruppe 2018 Veränderung 2018/2017 1. Quartal 2019 Veränderung 1. Quartal 2019 / 1. Quartal 2018
Faserplatten aus Holz oder anderen Holzwerkstoffen (Mio. Kubikmeter) 649,0 8,6 165,0 11,1
Holzmaterialien, in Längsrichtung gesägt oder geteilt, in Schichten geteilt oder geschält, dicker als 6 mm; hölzerne Eisenbahn- oder Straßenbahnschwellen, nicht imprägniert (Mio. Kubikmeter) 26,0 3,6 6,3 7,2
Holzspanplatten und ähnliche Platten aus Holz oder anderen holzigen Stoffen (Mio. Kubikmeter) 9,7 16,5 2,6 18,2
Sperrholz (Mio. Kubikmeter) 4,0 6,9 1,0 8,6
Holzbriketts (1.000 Tonnen) 100 27,6 30,5 33,9

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Mit der im September 2018 verabschiedeten "Strategie zur Entwicklung der Forstwirtschaft" soll bis 2030 die Wertschöpfung in der Holzindustrie um 676 Milliarden Rubel (9,4 Milliarden Euro, 1 Euro = 72,14 Rubel, Stand: 17.06.2019) gesteigert werden. Dies entspräche einer Verdopplung des Anteils an der Entstehung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 1 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, soll mehr Schnittholz im Land verarbeitet werden. Zudem soll die Ausfuhr von Holzwaren bis 2030 um das 2,5-Fache auf 15,6 Milliarden Euro steigen.

Aktuelle Investitionsprojekte in der russischen Holzverarbeitungsindustrie
Projekt / Standort Investitionen (Mio. Euro) Projektstand Unternehmen
Werk für Grobspanplatten / Gebiet Nischni Nowgorod 157,9 Geplante Fertigstellung: 2021 Real Invest, http://www.real-invest.ru, Sichuan Railway Investment Group
Bau eines Sägewerks / Gebiet Archangelsk 148,6 Geplante Fertigstellung: 2021 Pomorskaja Lesopilnaja Kompania
Werk zur Produktion von Sperrholz / Gebiet Kostroma 118,9 Geplante Fertigstellung: 2021 Segezha Group (gehört zur AFK Sistema Holding), http://www.segezha-group.ru
Modernisierung von Pelletwerken / Regionen Primorje, Chabarowsk, Transbaikal, Republiken Burjatien und Sacha (Jakutien) 87,8 k.A. Erex (Japan), http://www.erex.co.jp
Werk zur Herstellung von Sperrholz und Holzplatten / Gebiet Swerdlowsk 84,7 Geplante Fertigstellung: 2021 Birch Holding (Südkorea)
Holzverarbeitungswerk / Republik Komi 76,0 k.A. Luzales, http://www.luzales.ru
Werk zur Produktion von Furniersperrholz / Gebiet Wologda 57,0 Geplante Fertigstellung: 2021 WokhtogaLesDrev; E-Mail: pugacheva@vld35.ru; Tel: +7 (906) 292 22 01
Modernisierung der Holzverarbeitungsanlagen und Beschaffung von Holzerntemaschinen / Gebiet Archangelsk 27,4 Geplante Fertigstellung: 2020 Titan, http://www.titangroup.ru
Bau eines Werks zur Herstellung von CLT-Panelen / Gebiet Wologda 20,2 Geplante Fertigstellung: 2021 Segezha Group, http://www.segezha-group.ru
Ausbau eines Holzverarbeitungswerks / Gebiet Nowgorod 20,0 Geplante Fertigstellung: 2022 Hasslacher, http://www.hasslacher.com

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Lebhafte Nachfrage nach deutschen Holzbearbeitungsmaschinen

Russische Holzverarbeitungsfirmen investieren in moderne Maschinen, um die Produktivität zu erhöhen. Die österreichische Firma Kronospan will eine Anlage zur Herstellung von Holzwerkstoffen in der Region Primorje errichten. Die südkoreanischen Unternehmen Posco Daewoo und Sewon Mars wollen ebenfalls in Primorje eine Holzpelletproduktion aufbauen. Der Holzverarbeiter LespromDW aus Chabarowsk plant künftig Holzpellets aus Trockenholz und Bleistifte zu produzieren.

Der Großteil der Maschinen zur Holzverarbeitung stammt aus dem Ausland. Auch deutsche Unternehmen kommen bei Projekten als Zulieferer zum Zuge. Sie setzten nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) 2018 Maschinen im Wert von 88,6 Millionen Euro in Russland ab - ein Minus von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im 1. Quartal 2019 legten die deutschen Lieferungen aber wieder um 28,7 Prozent auf 17,9 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu.

Der Anlagenbauer Siempelkamp errichtet bis 2020 beim Sperrholzproduzenten CLSC Murom im Gebiet Wladimir eine komplette Anlage zur Herstellung von Grobspanplatten. Die Firma Vecoplan liefert 2019 Hacker zur Verarbeitung von Holzabfällen an das Werk Uralskij +40 von Svesa in der Region Perm.

Bau von Holzhäusern kurbelt Wachstum der Holzindustrie an

Die Holz verarbeitende Industrie profitiert davon, dass der Rohstoff als Baumaterial immer beliebter wird. Beispielsweise entsteht derzeit in Moskau in der Nähe des Geschäftszentrums Moscow City das Öko-Quartier "Wood City". Dabei wird in 20 Häusern Brettsperrholz (CLT) aus russischer Produktion verbaut.

Auch die Herstellung von Holzhäusern ist ein Wachstumstreiber. Das russische Tochterunternehmen der deutschen Firma Tamak produziert im Gebiet Tambow Fertighäuser in Holzrahmen- und Blockbauweise. CEO Dominik Rohmann möchte weiter von der steigenden Nachfrage profitieren: "Die Lebensqualität hängt auch in Russland immer mehr vom Wohnkomfort ab. Durch unseren erfolgreichen Export von Holzrahmenhäusern nach Westeuropa steigt das Interesse an dieser Bauweise auch innerhalb Russlands spürbar." Im Juni 2019 unterzeichnete Tamak eine Vereinbarung zur Modernisierung der Produktionsanlagen im Gebiet Tambow für 9,5 Millionen Euro.

Möbelindustrie wächst dank staatlicher Aufträge

Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Möbelindustrie. Hier legte die Produktion im Wert um 8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu, berichtet der Verband der Unternehmen der Möbel- und Holzverarbeitungsindustrie. Besonders gefragt waren Betten und Schränke. Im 1. Quartal 2019 verzeichneten die Möbelhersteller ein weiteres Plus von 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für 2019 sind die Aussichten stabil. Die hohe Zahl vergebener Hypothekenkredite kurbelt den Wohnungsbau an. Dabei werden die fertigen Wohnungen den Eigentümern immer häufiger möbliert übergeben.

Möbelproduktion in Russland (Veränderung in Prozent)
Produktgruppe 2018 Veränderung 2018/2017 1. Quartal 2019 Veränderung 1. Quartal 2019 / 1. Quartal 2018
Schränke für Küche, Schlafzimmer, Ess- und Wohnzimmer (1.000 Stück) 8.221 12,0 2.046 1,7
Couch, Sofas, Liegen mit Holzrahmen (1.000 Stück) 2.244 5,0 541 11,9
Holzbetten (1.000 Stück) 1.790 12,9 431 16,7
Büromöbel aus Holz (1.000 Stück) 17 3,8 4 -3,4

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Einen weiteren Wachstumsimpuls für die Möbelbranche setzt der russische Staat: Um die Nachfrage nach einheimischen Möbeln anzukurbeln, will das Industrieministerium das bestehende Beschaffungsverbot von importierten Möbeln für föderale und kommunale Behörden bis 1. Dezember 2021 verlängern. Diese nahmen 2018 mit 451 Millionen Euro etwa ein Fünftel der russischen Möbelproduktion ab. Dennoch kommt gut die Hälfte der verkauften Möbel aus dem Ausland, vor allem aus China. Um diesen Anteil zu reduzieren, reagieren russische Hersteller und investieren in moderne Produktionsanlagen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Russland sind unter http://www.gtai.de/russland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein, Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas), Holzbearbeitungsmaschinen

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