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08.03.2017

Russlands Lokomotiven fahren mit westlicher Technik

Anzahl ausländischer Technologieanbieter steigt / Hochgeschwindigkeit rückt in den Mittelpunkt / Von Ullrich Umann

Moskau (GTAI) - Russlands Lokomotivenhersteller vertrauen bei der eingesetzten Technik auf ausländische Partner. So arbeiten Transmashholding mit Alstom, Sinara mit Siemens und nun auch Perwaja Lokomotiwnaja Kompanija mit Bombardier zusammen. Westlichen Technologieanbietern gelingt es zunehmend, den Lokalisierungsgrad bei der Montage von modernen Loks zu steigern. Bei Hochgeschwindigkeitszügen kündigt sich eine Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern an.

Die russische Eisenbahn RZD möchte moderner werden und richtet ihren Fokus dabei auf Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge. Da RZD großen Wert auf Züge aus inländischer Produktion legt, beziehen russische Hersteller Technik von westlichen Anteilshaltern oder Joint-Venture-Partnern.

Die Sinara-Gruppe (Internet: http://sinara-group.com) hat bereits vor Jahren ein Joint Venture mit Siemens (Internet: http://www.siemens.com/businesses/ru/ru/mobility.htm) gegründet. Gemeinsam wird unter anderem der Regionalzug Lastotschka (modifizierte Siemens-Plattform Desiro, Lokalisierungsgrad aktuell knapp 80%) im Werk Uralskije Lokomotiwy (Internet: http://ulkm.ru) gebaut. An diesem Werk halten Sinara 51% und Siemens 49% der Anteile.

Milliardenaufträge bis 2020

Bis 2020 sollen im Werk Uralskije Lokomotiwy 1.200 Passagierwaggons beziehungsweise 240 Lastotschka-Züge im Gesamtwert von 2 Mrd. Euro hergestellt werden. Darüber hinaus hat Siemens mit RZD einen Wartungsvertrag für Lastotschka im Wert von 500 Mio. Euro und einer Laufzeit von 40 Jahren geschlossen.

Die von RZD jüngst avisierten acht neuen Hochgeschwindigkeitszüge Sapsan (Velaro Rus) für die Strecke Moskau-Sankt Petersburg sollen im Laufe von zweieinhalb Jahren bei Uralskije Lokomotiwy, mit einem Lokalisierungsgrad von 40%, montiert werden. Seit 2009 fahren 16 Sapsan auf der Strecke Moskau-Sankt Petersburg. Dagegen wurde der Sapsan auf der Strecke Moskau-Nischni Nowgorod nach dem 1.6.15 durch sieben Züge der Serie Strisch (Talgo 250) vom spanischen Hersteller Patentes Talgo abgelöst.

Hersteller mit gefüllten Auftragsbüchern

Allein 2016 hat Uralskije Lokomotiwy 30 Elektrozüge der Serie Lastotschka (Serie ES2G), 89 Güter-Elektroloks Sinara (Serie 2ES6) und 15 dreigliedrige Elektroloks Granit (2ES10) gebaut. Für den Einsatz auf der Baikal-Amur-Magistrale wird gerade die zweigliedrige Wechselstrom-Elektrolok 2ES7 getestet. Eine erste Lok wurde dafür der RZD-Regionaltochter "Fernöstliche Eisenbahn" übergeben. In naher Zukunft soll sie in Serie gehen.

Im Juni 2016 hat Sinara ein zweites Joint Venture gegründet, und zwar mit dem chinesischen Schienenfahrzeughersteller China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC). Demnach wird Sinara eine Montage und die technische Wartung eines Hochgeschwindigkeitszugs chinesischer Bauart organisieren. Dieser Zug soll auf der noch zu bauenden Hochgeschwindigkeitsstrecke Moskau-Kasan eingesetzt werden.

Neben Passagierzügen wird CRRC voraussichtlich in Kooperation mit Sinara auch Cargozüge bauen, die leicht von der russischen Spurbreite auf die chinesische umrüstbar wären. Zudem sollen diese Güterzüge Geschwindigkeiten von 300 bis 350 km/h entwickeln und dabei Lasten zwischen 300 und 600 t befördern können.

Auf diese Weise soll mehr Verkehr auf die künftige Hochgeschwindigkeitsstrecke Moskau-Kasan und ihre eventuellen Verlängerung über Jekaterinburg, Tscheljabinsk bis Peking kommen. Denn allein der Passagierverkehr dürfte die Investitionen in Hochgeschwindigkeit kaum rechtfertigen können.

Bombardier bereitet Markteintritt vor

Bombardier (Internet: http://ru.bombardier.com/ru/products_bt.htm) wird voraussichtlich als dritter westlicher Wettbewerber neben Alstom (Transmashholding) und Siemens (Sinara-Gruppe) spätestens 2018 den Markt für Elektroloks betreten. So hat die Perwaja Lokomotiwnaja Kompanija (PLK), an der Bombardier beteiligt ist, in Engels 2015 das Werk Engelski Lokomotiwny Sawod (ELZ) fertig gestellt. Die Finanzierung erfolgte unter anderem über die zur staatlichen Entwicklungsbank Wneschekonombank (VEB) gehörende VEB Leasing.

Nun hängt alles davon ab, ob die Elektrolok vom Bombardier-Typ Traxx F120MS (2EV120) 2017 die Zulassung zum Einsatz in Russland von den Behörden erhält. Dann sollen bis zu 150 zweigliedrige Elektroloks pro Jahr montiert werden. Die Loks sollen aber auch in Nachbarländer Russlands exportiert werden.

(U.U.)

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