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29.07.2019

Russlands Online-Shops investieren in neue Lagerhallen

Internethandel wächst rasant / Von Gerit Schulze

Moskau (GTAI) - Händler und Logistikunternehmen reagieren auf den boomenden E-Commerce in Russland und erweitern ihre Lagerkapazitäten. Größter Investor ist die russische Post.

Russlands Verbraucher konsumieren, als gäbe es kein Morgen. Trotz schwacher Wirtschafts- und Einkommensentwicklung legen die Einzelhandelsumsätze zu. Das wirkt sich auch auf das Geschäft mit Logistikdienstleistungen aus. Der Bedarf an modernen Lager- und Verteilzentren wächst. Bevorzugte Region zur Anmietung von Lagerflächen ist das Gebiet Moskau. Besonders die schnell expandierenden Onlinehändler brauchen neue Kapazitäten, um die zunehmenden Bestellungen in möglichst kurzer Zeit abwickeln zu können.

Die Umsätze in Russlands Onlinehandel sind 2018 um ein Fünftel auf umgerechnet 15,5 Milliarden Euro gestiegen, wie Data Insight, eine russische Forschungsagentur für E-Commerce, bekannt gab. Insgesamt gingen 290 Millionen Bestellungen ein. Die Zahl der landesweit beförderten Pakete kletterte um ein Drittel auf 350 Millionen.

Der Onlinehandel wird bis 2024 auf 2,7 Billionen Rubel anwachsen, prognostiziert das renommierte Gaidar-Institut. Das entspricht etwa 37,8 Milliarden Euro (1 Euro = 71,50 Rubel; Stand: 08.07.2019; Quelle: Europäische Zentralbank). Morgan Stanley sagt sogar einen Umsatzanstieg auf 3,5 Billionen Rubel voraus. Eines der dynamischsten Segmente sind Lebensmittellieferungen.

Fehlende Lagerkapazitäten bremsen Wachstum aus

Angesichts des enormen Wachstums müssen die Onlinehändler ihre Logistikprozesse optimieren. Einer der Marktführer, Ozon, erklärte bereits, dass die fehlenden Lagerkapazitäten sein Wachstum ausbremsten. Der Onlinehändler hatte 2018 einen Rekordumsatz von über 42 Milliarden Rubel verzeichnet, zum Jahresende allerdings Probleme bei der Bearbeitung der Bestellflut bekommen.

Deshalb will Ozon mit Hilfe seiner Anteilseigner, dem Mischkonzern AFK Sistema und der Investmentgesellschaft Baring Vostok, 150 Millionen US-Dollar (US$) in zusätzliche Lagerflächen investieren. Das Unternehmen plant ein 100.000 Quadratmeter großes Warenverteilzentrum im Moskauer Gebiet und kleinere Logistikzentren in den Regionen, unter anderem in Tatarstan.

Onlinehändler investieren in neue Lagerflächen

Ein weiterer starker Player im russischen Online-Geschäft wird Yandex.Market. Dafür sorgen die Initiatoren - der führende Internetkonzern Yandex und das größte Geldhaus des Landes, Sberbank. Yandex.Market hat angekündigt, mehr als 150.000 Quadratmeter Lagerfläche in den Logistikzentren Sofino und Tomilino im Moskauer Gebiet anmieten zu wollen. In einer ersten Etappe sollen dort rund 14 Millionen Euro investiert werden.

Auch AliExpress - ein Projekt von Alibaba, Mail.ru Group, Mobilfunknetzbetreiber Megafon und dem Fonds für Direktinvestitionen RFDI - soll ein großer Akteur im russischen Onlinehandel werden. Während die Ware derzeit noch aus China geliefert wird, sind später größere Lagerkapazitäten in Russland geplant. Experten rechnen mit Standorten rund um Moskau, Jekaterinburg und Nowosibirsk.

Der Modehändler Lamoda, der zur Global Fashion Group gehört, will sich in Sofino unweit von Moskau neue Lagerkapazitäten sichern. Im Gespräch sind laut Pressemeldungen bis zu 100.000 Quadratmeter. Ein ähnlich großes Verteilzentrum plant Lamoda zusammen mit der Russischen Post im Moskauer Gebiet, berichtete die Tageszeitung Vedomosti.

Der führende russische Onlinehändler Wildberries hat im März 2019 den ersten Abschnitt seines neues Verteilzentrums in Podolsk bei Moskau in Betrieb genommen. Nach Fertigstellung von zwei weiteren Bauetappen sollen hier auf 150.000 Quadratmetern täglich 1,5 Millionen Bestellungen bearbeitet werden können - fünfmal mehr als bislang. Das Unternehmen plant bereits ein weiteres Verteilzentrum bei Jekaterinburg, berichtete der Wirtschaftsdienst RBK.

Neue Logistikzentren richten außerdem die Handelsketten Wkuswill und Lenta sowie die Baumarktkette Leroy Merlin ein. Non-Food-Discounter Fix Price hat Anfang 2019 einen 28.000 Quadratmeter großen Lagerkomplex nördlich von Moskau gekauft.

Das könnte Sie auch interessieren: "Russische Onlinehändler gründen lokale Amazons", http://www.gtai.de/MKT201903078002

Staatspost baut 38 Verteilzentren im ganzen Land

Von den steigenden Onlineverkäufen in Russland will auch die staatliche Postgesellschaft Potschta Rossii profitieren. Mit Hilfe der VTB-Bank investiert sie bis 2021 über 400 Millionen Euro in den Bau von 38 Logistik- und Verteilzentren. Größere Umschlaghubs sind in Sankt Petersburg, Jaroslawl, Wolgograd, Rostow-am-Don, Krasnodar, Jekaterinburg und Machatschkala geplant. Mit der Umsetzung des Projekts können 80 Prozent der russischen Bevölkerung innerhalb von ein bis zwei Tagen ihre Internetkäufe zugestellt bekommen, verspricht das Unternehmen.

Mitte 2019 hatte Potschta Rossii außerdem ein Abkommen mit Ikea getroffen, um die Onlinebestellungen der Möbelkette auszuliefern. Ein Pilotprojekt dafür läuft bereits in Nischni Nowgorod. Auch für dieses Vorhaben werden neue Logistikkapazitäten benötigt.

Konkurrenz bekommt die Staatspost vom Elektronikhändler Svyaznoy. Dieser hat einen Paketdienst gegründet und bietet nun den Päckchenversand über seine 5.000 Filialen in 900 Städten an.

Landesweit entstehen immer mehr Packstationen

Auch Packstationen werden immer beliebter. Ende März 2019 gab es laut Data Insight landesweit 5.600 Paketautomaten, an denen Kunden ihre Internetbestellungen abholen können. Zu den führenden Anbietern gehören Qiwi und PickPoint.

Yandex.Market will bis Ende 2019 rund 600 "BoxBot"-Stationen in Banken und Supermärkten einrichten, fünf Jahre später sollen es bereits 4.000 sein. Die Kosten einer Abholstation schätzen Experten auf 10.000 bis 15.000 US$. Ozon kooperiert mit dem Handelskonzern X5 Retail Group und will bis Ende 2020 mehr als 2.000 Paketautomaten in Supermärkten einrichten. Auch Alibaba arbeitet mit X5 zusammen, um mehr Abholpunkte anbieten zu können.

Investitionsprojekte in Russlands Logistikbranche (Auswahl)
Projekt / Standort Investitionssumme (in Mio. Euro) Geplante Fertigstellung Anmerkungen / Investor
Bau von 38 Logistik- und Verteilzentren / 34 Standorte in ganz Russland 410,9 2021 Potschta Rossii (Russische Post, http://www.pochta.ru) und VTB-Bank (http://www.vtb.ru)
Aufbau eines Logistikterminals / Gebiet Swerdlowsk 278,0 2020 Business-Park Ural-Yuan (http://www.uralyuan.com)
Bau eines Logistikzentrums für Leroy Merlin / Gebiet Moskau 140,0 2020 Developer PNK Group (http://www.pnkgroup.ru)
Bau von zwei Logistikzentren für die Supermarktkette Lenta / Gebiet Moskau und Nowosibirsk 66,7 ab 2019 70.000 beziehungsweise 30.000 Quadratmeter, Developer PNK Group
Bau eines Logistikzentrums / Nowomoskowsk, Gebiet Tula 34,4 2020 Procter & Gamble (http://www.procterandgamble.ru)
Bau eines Logistikzentrums für Onlinehändler Ozon / Zelenodolsk, Republik Tatarstan 14,0 2021 40.000 Quadratmeter, Ozon (http://www.ozon.ru)
Logistikzentrum für Supermarktkette Wkuswill / Gebiet Moskau k. A. 2019 zunächst 80.000 Quadratmeter, weitere 24.000 Quadratmeter als Option, Developer PNK Group
Bau eines Distributionszentrums für Lamoda / Gebiet Moskau k. A. 2021 100.000 Quadratmeter, erster Abschnitt 40.000 Quadratmeter, Lamoda und Potschta Rossii

Quellen: Pressemeldungen, Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Russland sind unter http://www.gtai.de/russland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland E-Commerce, Einzelhandel, Logistik / Speditionen

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