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06.11.2018

Russlands Papierindustrie investiert in neue Kapazitäten

Inhalt

Unternehmen wollen qualitativ höherwertige Produkte herstellen / Von Boris Alex (September 2018)

Berlin (GTAI) - Die Produktion der russischen Zellstoff- und Papierindustrie wird 2018 zum fünften Mal in Folge zulegen. Die Unternehmen setzen verstärkt auf das Exportgeschäft.

Allgemeine Markttrends

Zellstoff- und Papierindustrie: Produktion soll bis 2030 um die Hälfte steigen

Russland zählt bei Zellstoff und Papiererzeugnissen zu den weltweit führenden Herstellern und Lieferanten. Beim Binnenkonsum von Papierprodukten gibt es noch Wachstumspotenzial, schätzt der Verband der Zellstoff- und Papierindustrie Bumprom. Vor allem bei qualitativ höherwertigen Papiererzeugnissen ist das Land zum Teil noch auf Importe angewiesen.

Angesichts der wachsenden Ansprüche der Konsumenten an die Produktqualität lohnt es sich für russische Hersteller, in die Fertigung von technisch anspruchsvolleren Papiererzeugnissen zu investieren. Die Unternehmen verfolgen damit mehrere Ziele: Zum einen wollen die Unternehmen Importe von höherwertigen Papierprodukten durch eigene ersetzen und diese letztendlich auch auf Auslandsmärkten absetzen. Zum anderen sollen Umsatzausfälle aus rückläufigen Sparten wie Zeitungspapier kompensiert werden.

Die russischen Zellstoffproduzenten profitieren von dieser Entwicklung. Die Nachfrage nach gebleichter Zellulose wird von den lokalen Papierherstellern und der Papier verarbeitenden Industrie - insbesondere den Produzenten von Hygienepapier - vorangetrieben. Angesichts der erwarteten positiven Nachfrageentwicklung investieren die Zellstoffhersteller in neue Kapazitäten und in die Produktion von qualitativ höherwertiger Zellulose, sowohl für den heimischen Markt als auch für den Export.

Beispielsweise erweitert die Segezha-Group zurzeit die Kapazitäten im Zellulose- und Papierkombinat am Hauptstandort Segezha (Republik Karelien) und plant darüber hinaus den Bau einer neuen Zellstoff- und Papierfabrik in Krasnojarsk. Das Unternehmen will bis 2021 gut 2 Milliarden Euro investieren. Die Branche erlebt derzeit eine deutliche Belebung bei den Investitionen, so der Fachverband Bumprom. Gingen diese im Zuge der Wirtschaftskrise 2014 um ein Viertel auf umgerechnet 450 Millionen Euro pro Jahr zurück, dürften sie in den kommenden Jahren wieder stärker steigen.

Mit der neuen "Strategie zur Entwicklung der Forstwirtschaft bis 2030" will die russische Regierung die Modernisierung der Zellulose- und Papierindustrie unterstützen. Ziel ist es, den jährlichen Ausstoß um rund die Hälfte auf 11,5 Millionen Tonnen zu steigern. Die Unternehmen setzen dabei auf den Wachstumsmarkt China.

Bei der Papierproduktion wollen die Hersteller ihre Portfolios in Richtung höherwertige Sorten wie gestrichenes Papier, dessen Nachfrage in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen ist, weiterentwickeln. Der Bedarf an Zeitungspapier ist in Russland hingegen seit Jahren rückläufig. Die Unternehmen versuchen deshalb, ihren Produktionsüberschuss im Ausland abzusetzen. Indien und die Türkei sind in den letzten Jahren zu wichtigen Abnehmern russischen Zeitungspapiers geworden.

Die stärkere Ausrichtung auf höherwertige Zellstoff- und Papierprodukte sowie die intensivere Bearbeitung der Auslandsmärkte wirken sich nach Einschätzung des Verbands positiv auf die Ertragssituation in der Branche aus. Bei den Zelluloseherstellern lag die Umsatzrendite laut Bumprom 2017 im Schnitt bei 27,1 Prozent und bei den Papierproduzenten bei 18,7 Prozent.

Wellpappe- und Packmittelindustrie: Einzelhandel treibt Nachfrage voran

Die Wachstumsaussichten für die Packmittelindustrie bleiben gut. Die Nachfrage wird vor allem von der positiven Entwicklung im Einzelhandel vorangetrieben. Der Anteil verpackter Lebensmittel ist im Vergleich zu westlichen Industrieländern zwar nach wie vor gering, wird aber in den nächsten Jahren kontinuierlich steigen - und damit auch der Bedarf an Verpackungsmaterial. Ein weiterer Wachstumstreiber ist der E-Commerce und die damit einhergehende Nachfrage nach Wellpappe, Versandverpackungen und Kartons.

Verpackungen aus Papier und Pappe machen etwa ein Drittel des gesamten Marktes aus. Der Branchenverband NKPak geht zwar davon aus, dass deren Anteil in den nächsten Jahren zugunsten flexibler Kunststoffverpackungen zurückgehen wird. Allerdings dürfte die absolute Menge, die auf dem russischen Markt verarbeitet wird, weiterhin steigen.

Entsprechend steht auch in diesem Segment eine Reihe von Investitionen an. Das größte Einzelvorhaben treibt Russlands führender Papierproduzent Ilim Group voran. Das Unternehmen will bis 2021 für 850 Millionen Euro ein Werk zur Herstellung von Wellpappe und Verpackungsmitteln mit einer jährlichen Kapazität von 600.000 Tonnen errichten. Der Papier- und Pappeproduzent Naberezhnye KBK (http://nkbk.ru/) modernisiert derzeit schrittweise seinen Maschinenpark zur Herstellung von Pappe. Die neue Ausrüstung wird vom österreichischen Maschinenbauer Andritz geliefert.

Papierverarbeitungsindustrie: Hygienepapier mit hohen Zuwächsen

Nach einer Prognose des Papierherstellers APPM wird der Verbrauch von Hygieneartikeln aus Zellulose bis 2030 um jährlich 4 bis 6 Prozent auf 800.000 Tonnen pro Jahr zulegen. Das Segment der Toilettenpapiere dürfte im Schnitt um 7 Prozent pro Jahr wachsen. Die russischen Konsumenten fragen dabei verstärkt mehrlagiges Toilettenpapier nach - ein Produkt, das bis vor wenigen Jahren noch Importiert werden musste, inzwischen aber von lokalen Herstellern angeboten wird.

Der Absatz von Babywindeln ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und wird künftig voraussichtlich zwischen 5 und 6 Prozent jährlich zulegen. Der Markt wird von ausländischen Herstellern wie Procter & Gamble, Kimberly Clark und SCA, die alle Produktionen vor Ort haben, dominiert. Inzwischen gibt es auch eine Reihe von lokalen Herstellern wie Satellit-M, Um Lanbato und Laboratorija Podguznikow, die Windeln herstellen.

Der Absatz von Schreibwaren für den Schulbedarf ist aufgrund höherer staatlicher Ausgaben für das Schulwesen seit 2015 zwischen 15 und 20 Prozent pro Jahr gestiegen. Dieser Trend dürfte sich weiter fortsetzen. Der Papierproduzent APPM ist mit einem Marktanteil von 20 Prozent der führende Anbieter von Schulheften und Notizbüchern in Russland.

Ausgewählte Investitionsprojekte in der Papiertechnik
Akteur/Projekt Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkungen
Segezha / Bau einer neuen Zellstoff- und Papierfabrik in Krasnojarsk 1.700 Vorprojektierung; Finanzierung noch nicht gesichert https://segezha-group.com
China Paper Corporation / Bau einer Zellulosefabrik in Amursk 1.276 Absichtserklärung mit Investitionsbehörde unterzeichnet Kapazität: 500.000 t Zellulose/Jahr; http://www.chinapaper.com.cn
Ilim Group / Bau einer Fabrik für Wellpappe u. Verpackungsmittel in Ust-Ilimsk 850 Vorprojektierung; Fertigstellung: 2021 Kapazität: 600.000 t/Jahr; http://www.ilimgroup.com
Segezha / Modernisierung der Zellstofffabrik und Papiermühle in Sagezha 346 Fertigstellung: 2021 Erweiterung der Kapazität auf 450.000 t/Jahr; https://segezha-group.com
SFT Group / Modernisierung der Anlagen zur Pappeproduktion in Majkop 145 Vorprojektierung; Fertigstellung: 2023 http://www.sftgroup.ru

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Marktstruktur/Wettbewerb

Produktion in den meisten Sparten wächst

Der Aufschwung in der russischen Zellstoff- und Papierindustrie hat sich 2018 fortgesetzt. Die Produktion von Zellulose aus Holz stieg im 1. Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent auf 4,2 Millionen Tonnen. Die Hersteller sind damit auf einem guten Weg, das fünfte Jahr infolge ihren Ausstoß zu erhöhen. Die Produktion von Papier und Pappe legte im 1. Halbjahr 2018 um 3,3 Prozent auf 4,4 Millionen Tonnen zu. Nach einem moderaten Wachstum von 1,2 Prozent im letzten Jahr ist jetzt wieder etwas mehr Schwung in die Branche gekommen.

Produktion ausgewählter Zellstoff- und Papierwaren (Veränderung in %)
Warengruppe 2016 2017 2018 *) Veränderung 2018/17 *)
Zellstoff aus Holz (1.000 t) 8.477 8.587 4.218 2,3
Papier und Pappe (1.000 t) 8.467 8.569 4.418 3,3
.Zeitungspapier 1.469 1.438 745 0,2
.Offsetpapier 426 442 236 5,5
.Kraftpapier 1.899 1.888 914 7,3
Wellpappe (Mio. qm) 2.820 2.865 1.362 0,2
Toilettenpapier (Mio. Rollen) 3.864 4.324 2.215 8,9
Schulhefte (Mio. Stück) 239 312 101 -43,9
Etiketten (Mrd. Stück) 33 35 28 12,7

*) Januar bis Juni

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Die Produktion von Zeitungspapier (Rollen und Blätter), die in den letzten Jahren rückläufig war, hat sich in der ersten Jahreshälfte 2018 mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent auf 745.000 Tonnen stabilisiert. Die Produktion von Offsetpapier konnte im betrachteten Zeitraum mit einem Zuwachs von 5,5 Prozent auf 236.000 Tonnen deutlich zulegen. In den beiden Jahren davor war der Ausstoß bereits um 5 und knapp 4 Prozent gestiegen. Die Produktion von Kraftpapier verzeichnete im1. Halbjahr 2018 ein Plus von gut 7 Prozent auf 914.000 Tonnen.

Trotz des prognostizierten Nachfragewachstums für Wellpappe und Verpackungsmittel, legte die Produktion von Wellpappe in der ersten Jahreshälfte 2018 lediglich um 0,2 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Quadratmeter zu. Die Herstellung von Kartons aus Wellpappe verzeichnete hingegen ein deutliches Plus um 14 Prozent.

In der Papier verarbeitenden Industrie hat sich die Produktion je nach Sparte sehr unterschiedlich entwickelt. Während die Herstellung von Toilettenpapier mit einem Plus von 9 Prozent auf 2,2 Milliarden Rollen weiterhin stark wächst, ging die Produktion von Schulheften fast um die Hälfte auf 101 Millionen Stück zurück. In den beiden Vorjahren verzeichnete dieses Segment Zuwächse von jeweils rund 30 Prozent. Das hat zu einem Überangebot auf dem Schreibwarenmarkt geführt, so der Fachverband Bumprom .

Die russischen Zellulosehersteller setzen ihre Produktion verstärkt im Ausland ab. Seit 2014 ist die Ausfuhr von Zellstoff kontinuierlich gewachsen. Im 1. Halbjahr 2018 exportierten die Unternehmen rund 1,1 Millionen Tonnen Zellulose - um 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der mit Abstand wichtigste Abnehmer ist China, gefolgt von Südkorea, Deutschland und Polen. Schätzungen zufolge könnte die weltweite Nachfrage nach Zellstoff aus Russland bis 2030 auf 10 Millionen Tonnen steigen.

Die russische Zellulose- und Papierindustrie ist stark konzentriert. Die zehn größten Unternehmen hatten 2017 zusammen einen Anteil von 80 Prozent am Gesamtumsatz von 5,2 Milliarden Euro. Die Konsolidierung in der Branche wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Zudem dürften ausländische Unternehmen ihr Engagement auf dem russischen Markt - sei es mit eigener Produktion oder durch die Übernahme bestehender Betriebe - verstärken. Im September 2018 hat die deutsch-österreichische Pulp Mill Holding Group die Übernahme des Wellpappeproduzenten Evropack in Woronesch bekannt gegeben.

Umsatz führender russischer Zellstoff- und Papierhersteller (in Mio. Euro)
Unternehmen 2017 Internetadresse
Illim Group 1.647 http://www.ilimgroup.ru
Mondi Syktywkarski LPK 908 https://www.mondigroup.com
Segezha Group 663 https://segezha-group.com
Solikamskbumprom 188 http://www.solbum.ru
Nabereschnotschelninski KBK 149 http://nkbk.ru/
Objedinjonnyje Bumaschnyje Fabriki 127 http://ukobf.ru/
Knauf Petroboard 126 http://www.knaufpetroboard.ru
Kandopoga 124 http://www.oaokondopoga.ru
Syas Pulp and Paper Mill 118 http://syas.ru/
PCBK Group of Enterprises 118 http://pcbk.ru

Quelle: Bumprom.ru

Russland hat beim Altpapiereinsatz Nachholbedarf. Der Anteil von Recyclingpapier an lokal hergestellten Papiererzeugnissen liegt bei etwa 32 Prozent. Zum Vergleich: In der Europäischen Union sind es 75 Prozent. Nur etwa ein Viertel der jährlich anfallenden 9 Millionen Tonnen Papier werden gesammelt und der Wiederverwertung zugeführt. Daher sind die Aufbereitungskapazitäten von 4,5 Millionen Tonnen nicht ausgelastet. Das macht Investitionen in neue Anlagen unrentabel.

In den nächsten Jahren wird sich dies allerdings ändern: Im Zuge der 2014 gestarteten Abfallreform sind die russischen Regionen dazu verpflichtet, bis 2019 Sammel- und Recyclingsysteme für kommunale Abfälle zu installieren. Für die russischen Unternehmen gelten zudem verpflichtende Recyclingquoten. Für Papier und Pappe liegt diese zurzeit bei 25 Prozent; sie wird bis zum Jahr 2020 auf 45 Prozent erhöht.

Deutschland ist der wichtigste Lieferant von Druck- und Papiertechnik nach Russland. Nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau importierte Russland 2017 Maschinen im Wert von 174 Millionen Euro - ein Plus von 33 Prozent. Der positive Trend setzt sich 2018 jedoch nicht fort: Im 1. Halbjahr gingen die deutschen Ausfuhren um 40 Prozent auf 59 Millionen Euro zurück.

Rahmenbedingungen

Altpapiereinsatz soll erhöht werden

In der neuen "Strategie zur Entwicklung der Forstwirtschaft bis 2030" hat das russische Wirtschaftsministerium den Bau von drei neuen Zellstoff- und Papierfabriken als eine der Prioritäten genannt. Ziel ist es, minderwertiges Holz zu verwerten und den Export von Zellstoff und Papierprodukten zu steigern.

Russland will die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Papierrecyclingindustrie verbessern. Mit Hilfe strengerer Recyclingquoten für Unternehmen und der Implementierung von Kreislaufsystemen in den Kommunen soll mehr Altpapier der Wiederverwertung zugeführt werden. Um Investitionen attraktiver zu machen, wurde bereits 2016 die Mehrwertsteuer auf Altpapier abgeschafft.

Internetadressen

Bezeichnung Internetadresse
Verband der Zellstoff- und Papierindustrie http://www.bumprom.ru
Portal für die Holz-, Zellstoff- und Papierindustrie http://www.lesonline.ru
Portal für die Holz-, Zellstoff- und Papierindustrie http://www.lesprominform.ru
Föderale Agentur für die Holzwirtschaft http://www.rosleshoz.gov.ru
Liga der Altpapierverarbeitung http://www.liga-pm.ru
Gemeinschaft der Papiergroßhändler http://www.sbo-paper.ru
Nationaler Verband der Verpackungshersteller http://www.ncpack.ru
Portal für Verpackungen http://www.unipack.ru
Portal für Verpackungsmaterialien und -maschinen http://www.upakovano.ru
Fachzeitschrift für den Verpackungsmarkt http://www.pakkograff.ru
Fachzeitschrift für den Verpackungsmarkt http://www.magpack.ru

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Papier-, Pappe-Erzeugnisse, Druck- und Papiermaschinen

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