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10.05.2017

Sambia investiert in die Energieversorgung

Wasserkraft weiterhin dominierend / Erster Abnahmevertrag für Solarstrom unterzeichnet

Johannesburg (GTAI) - Steigender Strombedarf sorgt für eine Investitionswelle in Sambias Energiesektor. Das Land will auch künftig vor allem auf Wasserkraft setzen. Neben dem Großvorhaben Batoka Gorge befinden sich zahlreiche kleinere Wasserkraftanlagen in der Planung. Zusätzlich soll Solarstrom zum Energiemix Sambias hinzukommen. Für das laufende Scaling Solar-Projekt konnten im März erste Stromabnahmeverträge geschlossen werden.

Die unzureichende Energieversorgung in Sambia bekommen nicht nur die privaten Haushalte zu spüren; sie wirkt sich besonders nachteilig auf die Gesamtwirtschaft des Landes aus. An den landesweit installierten Erzeugungskapazitäten von 2.400 MW hat Wasserkraft einen Anteil von 90%. Da die Staudämme aufgrund schlechter Regenfälle jedoch nur unzureichend gefüllt sind, konnten zuletzt lediglich rund 1.100 MW produziert werden. Zu wenig, um den Spitzenlastbedarf von 1.900 MW zu decken. Bis 2035 soll die Nachfrage auf 5.500 MW steigen.

Vor diesem Hintergrund wird die Suche nach geeigneten Standorten für Wasserkraftwerke mit Nachdruck vorangetrieben. Um dem Problem der häufigen Stromabschaltungen, die mehrere Stunden anhalten können, zunächst kurz- und mittelfristig entgegenzuwirken, setzt Sambia auch auf Solarenergie.

Zudem will der staatliche Versorger ZESCO künftig verstärkt Strom von privaten Erzeugern einkaufen, wofür die Stromtarife auf kostenreflektierendes Niveau angehoben werden sollen. Um das Interesse privater Investoren zu steigern, ist für 2017 eine Strompreiserhöhung von 75% vorgesehen.

http://www.erb.org.zm/downloads/zescoPCP2017FinalVersionDraft.pdf

Batoka Gorge macht Fortschritte

Der Standort des geplanten Batoka Gorge-Staudamms befindet sich am Sambesi-Fluss etwa 54 km unterhalb der Viktoriafälle. An diesem Großprojekt sind sowohl Sambia als auch Simbabwe beteiligt. Beiderseits des Grenzflusses sollen Turbinen mit einer Leistung von jeweils 1.200 MW (6 mal 200 MW) installiert werden. Dabei ist ein Strompreis von 3,2 US-Cent pro kWh anvisiert.

Mit der Implementierung des Vorhabens wurde die Zambesi River Authority (ZRA) beauftragt. Die erforderlichen Machbarkeitsstudien und die Umweltverträglichkeitsprüfung sind schon weit fortgeschritten (Studio Pietrangeli, Italien; Environmental Resources Management, Südafrika) und auch Konsultationen mit ZESCO und der ebenfalls staatlichen Zimbabwe Power Company (ZPC) haben bereits stattgefunden.

Die Finanzierung soll vor 2018 abgeschlossen sein, dann folgen bis Mitte 2019 die Ausschreibungen für das geplante Public-Private-Partnership Modell (PPP). Bei einer im März 2017 abgehaltenen Investorenkonferenz für das Vorhaben hatten sich bereits Geber wie die African Development Bank (AfDB), Europäische Investitionsbank (EIB) und Weltbank beteiligt. Nach Schätzungen dürften die Baukosten etwa 4 Mrd. US$ betragen. Die Anlage soll 2024 fertiggestellt werden.

Mehrere Wasserkraftprojekte in der Pipeline

Darüber hinaus laufen für zahlreiche kleine und große Wasserkraftprojekte in verschiedenen Regionen des Landes bereits Machbarkeitsstudien. Andere Projekte befinden sich im Bau.

Wasserkraftprojekte in Sambia
Name Projektstand Anmerkungen
Lufubu River In Bau; Entwickler: Lufubu Power Company; Konstrukteur: Studio Pietrangeli, Italien 1. Phase: Drei Wasserkraftwerke nacheinander mit 66 MW, 43 MW und 54 MW. 2. Phase: Verdopplung auf insgesamt 326 MW.
Kalungwishi River Planung; Baubeginn 2018, voraussichtliches Bauende 2022 247 MW-Wasserkraftwerk; Kostenschätzung: 690 Mio. US$. Sambischer Projektentwickler Lunzua Power Authority hat mit Commonwealth Development Corporation (CDC) neuen Eigenkapital-Partner; Verhandlungen über Stromabnahmevertrag mit ZESCO laufen bereits.
Luapula River Machbarkeitsstudien in Arbeit (6 Mio. US$ von Development Bank of Southern Africa; DBS) Vier mögliche Standorte, Gesamtkapazität 1.000 MW. 2016 hat Copperbelt Energy Corporation (CEC) in Standortuntersuchungen 4 Mio. US$ investiert. Laut Energieminister Mabumba Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit CEC und anderen Partnern. *)
Kabompo Hydro Power Project Planung; Verzögerungen wegen Sicherung von Landrechten laut Energieminister David Mabumba in Kürze behoben; 2017 Beginn der Finanzierungsverhandlungen CEC; 40 MW-Wasserkraftwerk; Baukosten rund 220 Mio. US$.
Ngonye Falls Planung; Vinci und Eiffage (beide Frankreich), südafrikanische Baugesellschaft WBHO und Mota-Engil Africa als Auftragnehmer vorausgewählt Western Power Company (WPC) will das 45-MW-200-Mio.-US$-Projekt an den Ngonye Wasserfällen des Sambesi umsetzen; Vertragsabschluss zur Stromabnahme mit ZESCO in Bälde erwartet, danach Baubeginn.

*) CEC versorgt die Kupferminen Sambias mit Energie und verfügt über ein eigenes rund 1.000 km langes Leitungsnetz, will künftig aber auch selbst Strom produzieren.

Quellen: Presseberichte; Recherchen von Germany Trade & Invest

Scaling Solar-Projekt geht in die Umsetzung

Die sambische Regierung hat sich im Rahmen des Scaling Solar-Projekts das Ziel gesetzt, mit Photovoltaik (PV)-Anlagen Kapazitäten von insgesamt 600 MW zu schaffen. Die Finanzierung wird mit Unterstützung der International Finance Corporation (IFC) der Weltbank-Gruppe gestemmt.

Im März ging das Projekt in die konkrete Phase: Zwischen der französischen Firma Neoen S.A.S und ZESCO wurden für die erste 50 MW-Anlage Verträge über die Stromabnahme (25 Jahre) unterzeichnet. Der vereinbarte Tarif beträgt 6,02 US-Cent pro kWh.

Für die Abwicklung des Projekts wurde eigens die Bangweulu Power Company ins Leben gerufen, die zu 80% Neoen und zu 20% der sambischen Industrial Development Corporation (IDC) gehört. Neoen wird die Anlage in Partnerschaft mit dem amerikanischen Solarhersteller First Solar errichten, der an die 450.000 Module liefert. Der Standort befindet sich in der Lusaka South Multi-Facility Economic Zone (LS-MFEZ).

Sambias Finanzminister Felix Mutati bezeichnete den Bau der Anlage als einen Meilenstein, und der französische Entwicklungsminister Jean-Marie Le Guen beschrieb das Abkommen zwischen Neoen und IDC als "das beste der Welt, da es viel Interesse in Frankreich, dem weiteren Europa und der restlichen entwickelten internationalen Gemeinschaft erweckt hat."

Eine weitere 50 MW-Anlage wird durch die italienische Enel Green Power errichtet, die zu einem Tarif von 7,84 US-Cent pro kWh in das Netz einspeisen wird.

Für die 2. Runde des Scaling Solar Programms mit einem Volumen von 200 MW war Anfang Mai Bewerbungsschluss zur Präqualifizierung. Die restlichen 300 MW sollen in einer 3. und letzten Runde ausgeschrieben werden.

Unterstützung für das Lusaka Transmission Distribution Rehabilitation Projekt

Zur Modernisierung des Stromnetzes der Hauptstadt Lusaka unterzeichneten im März 2017 Sambias Finanzminister Mutati und Neven Minica von der Europäischen Kommission in Brüssel ein Finanzierungsabkommen in Höhe von 65 Mio. Euro. Diese Mittel sollen unter anderem dazu verwendet werden, mehr als 63.000 neue Kunden an das Netz anzuschließen. Weitere 60 Mio. US$ stellte bereits die United States Agency for International Development (USAID) zur Verfügung.

(He.St.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Sambia können Sie unter http://www.gtai.de/sambia abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Sambia Kraftwerksbau, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, Strom-/Energieerzeugung, Solarthermie

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