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23.06.2017

San Marino lässt die lange Krise hinter sich

Diversifizierung der Wirtschaft bietet Chancen / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Der Zwergstaat San Marino in Mittelitalien steht an einem Wendepunkt. Nachdem das florierende Bankwesen im Zuge der Weltwirtschaftskrise eine schwere Krise erlitten hatte, setzt das Land jetzt auf die Diversifizierung der Wirtschaft, stabilisiert den Finanzsektor und will den Tourismus ausbauen. Die positive Entwicklung der Wirtschaft seit 2015 dürfte sich mittelfristig fortsetzen.

San Marino ist die älteste Republik der Welt und mit 31.000 Einwohner die drittkleinste der europäischen Zwergstaaten. Komplett umgeben von Italien, liegt San Marino zwischen den Regionen Emilia-Romagna und den Marken unweit von der Adriaküste. San Marino ist kein Mitglied der EU, nutzt aber den Euro als Währung. Das Pro Kopf Einkommen liegt auf einem ähnlich hohen Niveau wie das in den reichen Regionen in Norditalien.

Zwischen 2008 und 2014 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in San Marino um ein Drittel eingebrochen, allen voran wegen des Abflusses ausländischer Bankeinlagen. Hinzu kamen sinkende Exporte und eine schwache Binnennachfrage. Im Jahr 2015 konnte die Talfahrt mit einem BIP-Zuwachs von 1,0% beendet werden. Im Folgejahr ist das BIP laut jüngsten Schätzungen des IWF um 1,1% gestiegen. Prognosen des IWF zufolge wird sich das geringe Wirtschaftswachstum mittelfristig fortsetzen. Sowohl der Privatverbrauch als auch die Investitionen dürften steigen, allerdings wird das Vorkrisenniveau noch lange nicht erreicht werden.

Makroökonomische Daten von San Marino
Fläche (qkm) 61,16
Bevölkerung (Ende 2016) 33.196
BIP zu Marktpreisen (Mio. Euro, 2016) 1.254,3
Inflationsrate (in %, 2016) 0,6
Einfuhren (Mio. Euro, 2015) 1,655
Ausfuhren (Mio. Euro, 2015) 2,098
Beschäftigungsrate (in %, 2016) 91,2
Arbeitslosenquote (in %, 2016) 8,6

Quelle: IMF (Country Report N.16/111)

Die Wirtschaft von San Marino wird vor allem durch den Tourismus und das Bankwesen aber auch durch die Produktion von Keramik und Möbeln sowie durch die Modebranche geprägt. Der Zwergstaat wickelt fast 80% seines Außenhandels mit Italien ab. Vor diesem Hintergrund hat das Land unter der Rezession in Italien stark gelitten.

In den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise hatte sich San Marino als Finanzstandort positioniert. Die niedrigen Sätze für Körperschaftsteuern sowie die geringe Versteuerung von Zinseinkommen machten das Land für ausländische Investitionen attraktiv. Der Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 stürzte den Finanzsektor in eine schwere Krise. Wie in Italien sind die notleidenden Kredite in den Büchern der Banken während der Krise stark gestiegen.

Im Gegensatz zu Italien konnte San Marion aufgrund der soliden Staatsfinanzen gegensteuern und Geld in den Bankensektor pumpen. Im Jahr 2016 betrug die Staatsverschuldung 24,2% des BIP, vor der Krise war das Land nahezu gar nicht verschuldet. Jetzt versucht die Regierung die Regierung die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Bankensektor zu reduzieren. Der IWF fordert eine weitere Diversifizierung der Wirtschaft.

Die engen Wirtschaftsbeziehungen zu Italien haben Vor- und Nachteile. Einerseits hat diese Verflechtung sowohl den Bankensektor (aufgrund der notleidenden Kredite italienischer Kunden) als auch den Außenhandel (durch den Nachfragerückgang aus Italien) in den Krisenjahren gedämpft. Andererseits gilt die verbesserte Zusammenarbeit mit der italienischen Zentralbank als Chance. Ende 2014 hat Italien San Marino auf die weiße Liste der Länder gesetzt, die einen angemessenen Informationsaustausch mit den italienischen Steuerbehörden ermöglichen. Dies macht das Land attraktiver für Investitionen aus dem Ausland.

Ease of Doing Business in San Marino *)
Kriterien 2017
Gesamtrang 79
Unternehmensgründung 98
Baugenehmigungen 72
Anschluss an Stromversorgung 11
Registrierung von Grundeigentum 80
Zugang zu Krediten 181
Investorenschutz 162
Steuersystem 14
Grenzüberschreitender Handel 20
Rechtssicherheit 78
Insolvenzabwicklung 110

*) Rang von insgesamt 190 Ländern

Quelle: Doing Business 2017 - World Bank Group

Internetadressen

Staatssekretariat für auswärtige Angelegenheiten, Politische Angelegenheiten und Justiz

Internet: http://www.esteri.sm/on-line/en/home.html

Staatssekretariat für Finanzen und Budget, Beiträge, Verkehr, Wirtschaftsplanung

Internet: http://www.finanze.sm/on-line/home.html

Staatssekretariat für Industrie, Handwerk, Handel und Arbeit

Internet: http://www.industria.sm/on-line/home.html

Staatssekretariat für Umwelt, Landwirtschaft und Tourismus

Internet: http://www.territorio.sm/on-line/home.html

Portal der Republik San Marino

Internet: http://www.sanmarino.sm/on-line/home.html

Nationales Statistikamt

Internet: http://www.statistica.sm/on-line/home.html

Handelskammer von San Marino

Internet: http://www.cc.sm

Zentralbank der Republik San Marino

Internet: http://www.bcsm.sm/site/home.html

Guida Titano, Unternehmensdatenbank

Internet: http://www.guidatitano.com/en/

Internetportal Tourismus

Internet: http://www.visitsanmarino.com/on-line/home.html

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

San Marino Außenwirtschaft, allgemein, Finanzwesen, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein

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