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22.03.2017

Saudi-Arabien ist größter Industriestandort am Golf

Niedrige Ölpreise zwingen zur Diversifizierung / Von Katrin Pasvantis

Dubai (GTAI) - Die seit Mitte 2014 stark zurückgegangenen Erdölpreise haben sich auf die Investitionen in das verarbeitende Gewerbe am Golf ausgewirkt. Bei den umgesetzten Projekten ist seitdem kein signifikantes Wachstum mehr zu verzeichnen. Das gilt auch für Saudi-Arabien als industrielles "Schwergewicht" am Golf. Der Kleinstaat Bahrain setzt dagegen die Expansion seiner Aluminiumproduktion unbeirrt fort.

Öl und Gas sind die treibenden Kräfte hinter dem Wirtschaftswachstum der Länder des Golfkooperationsrates (GCC). Langfristig möchten die GCC jedoch ihre Abhängigkeit reduzieren und die eigenen Wirtschaften diversifizieren. Dem weiteren Ausbau der verarbeitenden Industrien kommt dabei eine bedeutende Rolle zu. Zumeist treiben öffentliche Investitionen die Entwicklung des Sektors an. Die Industrie konzentriert sich in der Regel auf Basischemie, vor allem petrochemische Grundstoffe, sowie die energieintensive Aluminium- und Stahlproduktion. Also Industrien, die von der günstigen Verfügbarkeit von Öl und/oder Gas profitieren. Dieser Wettbewerbsvorteil ist aber wegen der insgesamt niedrigen Ölpreise geringer geworden. Zudem sind die Weltmarktpreise für wichtige Produktionsgüter gesunken und die Nachfrage in wichtigen Abnehmerländern hat nachgelassen.

Seit Beginn des Ölpreisverfalls Mitte 2014 sind die Investitionen in Industrieprojekte in den GCC nicht signifikant angezogen. In 2016 wurden relativ wenig neue Aufträge vergeben und Megaprojekte wie die Waad al-Shamal Phosphate City in Saudi-Arabien nähern sich der Fertigstellung. Die Projektdatenbank Meed registrierte in der GCC Region 2016 neu vergebene Aufträge für Industrieprojekte (ohne Bergbau) im Wert von 6,3 Mrd. US$, im Gesamtjahr 2015 waren es 9,4 Mrd. $.

Bahrain baut Aluminiumproduktion aus

Von den neuen Aufträgen entfiel ein erheblicher Teil (2,5 Mrd. $) auf die Erweiterung der Aluminiumhütte in Bahrain (Alba) um eine sechste Produktionslinie, für die die US-amerikanische Bechtel im April 2016 den Zuschlag bekam. Alba möchte seine Produktion von 870.000 tpa auf 1,2 Mio. tpa ausbauen.

Alba ist der einzige Aluminiumhersteller in den GCC, der derzeit seine Produktion ausbaut. In der Region sind sechs Aluminiumhütten aktiv: In Bahrain, Katar, Oman, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE, sowohl Abu Dhabi als auch Dubai). Zuletzt wurden Erweiterungen in Saudi-Arabien und Abu Dhabi fertig gestellt. Erweiterungen waren in der Vergangenheit in der Branche zwar schon länger im Gespräch, aber es gibt keine konkreten Pläne diese umzusetzen. Nur wenige Stahlprojekte sind in den GCC noch in der Pipeline, einige wurden vorerst gestoppt oder ganz gestrichen.

Ausgewählte Großprojekte in Bahrain
Projektbezeichnung Investitions-Summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektträger
Aluminium Smelter Expansion: Phase 6 2.500 DU Aluminium Bahrain (Alba)
Sitra Ammonia/Urea Plant Expansion 2.500 ST Gulf Petrochemical Industries Company (GPIC)
Aromatics Complex 1.500 FEED Bahrain Petroleum (BAPCO)
Aluminium Casting Unit 140 ST JV Mumtalakat / Synergies Castings
Art Cast House Expansion 55 DU Garmco
Fiber Glass Factory Expansion Phase 2 40 DU CPIC Abahsain Fiberglass

*) Projekte in Frühstadien (Design/Studie) werden häufig nur in stark modifizierter Form realisiert, teilweise ganz gestrichen; ST = Studie, PQ = Präqualifizierung, DE = Design, FEED = Front End Engineering and Design, DU = Durchführung

Quellen: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest

Saudi-Arabien fordert Lokalisierung der Produktion

In Saudi-Arabien ist die Industrie allein schon wegen der schieren Marktgröße (Bevölkerung 2016: rd. 31 Mio.) wesentlich breiter aufgestellt als in den anderen GCC. Offiziellen Angaben zufolge waren 2015 rund 7.000 Industriebetriebe im Königreich aktiv. Sehr viele sind in der Fabrikation von Metallprodukten (953) und Basismetallen (310) aktiv sowie in der Lebensmittelindustrie (940), der Chemie (661) und Herstellung von Plastik- und Gummiprodukten (931) sowie von sonstigen nichtmetallischen Mineralerzeugnissen (1.467).

In jüngster Zeit hat die Anzahl der ausländischen Unternehmen zugenommen, die eine Produktion vor Ort erwägen, um im Geschäft zu bleiben. Das Königreich setzt immer mehr auf "local content" Regelungen, um den Ausbau des Industriesektors zu stärken. Wie hoch der Anteil der erforderlichen lokalen Produktion sein muss, wird unter anderem Sektor abhängig bestimmt. Auf eine Stärkung der Produktion im eigenen Land zielt auch der 2016 vorgestellte Entwicklungsplan Vision 2030 ab; unter anderem sollen die Nicht-Öl-Einnahmen erhöht werden und der Privatsektor ausgebaut werden. Die lokale Pharmaindustrie wurde als strategisch wichtiger Produktionssektor identifiziert und soll besonders gefördert werden. Saudi-Arabien ist (noch) der größte Pharmaimporteur der Region.

Ausgewählte Großprojekte in Saudi-Arabien
Projektbezeichnung Investitions-Summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektträger
Jubail Oil-To-Chemical Complex 30.000 ST Saudi Aramco / Sabic JV
Yanbu Integrated Refinery & Petrochemicals Complex 20.000 ST Saudi Aramco
Waad Al Shamal Solar PV (Photovoltaic) Manufacturing Complex 6.400 ST Saudi Electricity Company / Saudi Arabia Ministry of Petroleum & Mineral Resources JV (SEC/MOPM)
Third Phosphate Fertiliser Manufacturing Facility 6.400 ST Saudi Arabian Mining
JER Expansion Phase 2 5.000 FEED Saudi Aramco Total Refining & Petrochemical Company (Satorp)
Fadhili Gas Plant : Gas Central Processing Facility : Package 1 2.000 DU Saudi Aramco
Jizan Refinery Project: Package 9 - CDU / VDI, Flare & Pipe Rack 1.900 DU Saudi Aramco
Waad Al Shamal Phosphate City: Phosphate Mines & Utilities 1.500 DU Maaden/Mosaic/Sabic
Hail Integrated Steel Complex 1.500 ST Private Developer
Jubail Methyl Methacrylate & Polymethylmethacrylate Plants 1.400 DU SABIC/Lucite

*) Projekte in Frühstadien (Design/Studie) werden häufig nur in stark modifizierter Form realisiert, teilweise ganz gestrichen; ST = Studie, FEED = Front End Engineering and Design, DU = Durchführung

Quellen: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest

(KP)

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate, MENA Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein

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