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17.07.2019

Schienensektor in den VAE macht Fortschritte

Projekte von der Diesellok über Metroausbau bis zum Hyperloop / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Die lange diskutierte zweite Phase des nationalen Schienennetzes wird nun realisiert. Dubai erweitert sein Metrosystem. Eine erste Hyperloop-Strecke soll in Abu Dhabi gebaut werden.

Die in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) geplante Entwicklung eines nationalen 1.200 Kilometer langen Schienennetzes zum Güter- und Personentransport hatte nach Abschluss der ersten Phase gestockt. Das 2009 gegründete nationale Bahnunternehmen, Etihad Rail, konnte 2016 mit mehrjähriger Verzögerung als Phase 1 eine 264 Kilometer lange, zweispurige Frachtverbindung zwischen den Shah und Habshan Gasvorkommen und dem Hafen Ruwais in Betrieb nehmen, die Baukosten betrugen 0,9 Milliarden US-Dollar(US$).

Die Phase 1 dient vor allem dem Transport des in den Gasfeldern erzeugten Schwefelgranulats. Für den Bahnbetrieb sowie die Instandhaltung der Strecke und des rollenden Materials ist Etihad Rail DB, ein Joint Venture aus Etihad Rail und der Deutschen Bahn Cargo, verantwortlich. Es sind sieben US-amerikanische Diesel-Elektrische-Lokomotiven und 240 chinesische Güterwagen im Einsatz. Die Strecke wurde von einem Konsortium aus den italienischen Firmen Saipem und Tecnimont sowie der lokalen Dodsal Engineering and Construction Company gebaut.

Ausschreibungen für die Phase 2 erfolgten bereits 2012, aber das Projekt kam immer wieder zum Stillstand. Jetzt wird endlich gebaut. Die erneut 2018 und 2019 durchgeführten Ausschreibungen für Einzelpakete der Phase 2 haben bislang zu drei Auftragsvergaben geführt, weitere Verträge dürften noch 2019 oder 2020 folgen.

Vereinigte Arabische Emirate: Projekte der Phase 2 des Etihad- Schienennetzes
Projektbezeichnung Projektstand Investitions-Summe (Mio. US$)
Package A: 138 km railway (Ruwais to Ghweifat/Saudi Border) Hauptauftrag vergeben 409
Package B: 240 km railway (200 km mainline in Abu Dhabi and 40 km branch line to Khalifa port) Hauptauftrag vergeben 544
Package C: 98 km railway (78km mainline in Dubai and 20km branch line to Jebel Ali port) Hauptauftrag vergeben 544
Package D: 127 km railway (98km mainline from Sharjah to Fujairah and 29km branch line to Tawyeen) Angebotsprüfung 600
Package E: Integration of railway and systems, Construction of associated facilities Design 220
Package F1: Operation and maintenance facilities (depots, office buildings etc.) Laufende Ausschreibung 400
Package F2: Freight facilities Laufende Ausschreibung 800

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; MEED Projects

Phase 2 mit deutschem Know-how und chinesischen Baufirmen

Auch für die Phase 2 ist vorerst nur Frachtverkehr mit Diesellokomotiven vorgesehen. Die über 600 Kilometer der Phase 2 sind in vier Teilstrecken unterteilt. Etihad Rail DB begleitet das Bauprojekt als "Shadow Operator". Die französische Egis Group ist als PMC (Project Management Consulting) engagiert. Weitere Berater sind Jacobs, Atkins und Systra.

Der erste Hauptauftrag der Phase 2 (Package A) wurde im März (2019) an ein Joint Venture aus der südkoreanischen SK E&C und der China State Construction & Engineering Corporation vergeben. Das 409 Millionen US$ Projekt umfasst den Bau einer 138 Kilometer Strecke zwischen Ruwais (Anschluss an Phase 1) und der saudi-arabischen Grenze bei Ghweifat.

Im Juni folgte die Vergabe von zwei weiteren Teilstrecken (Package B und C) im Gesamtwert von 1,1 Milliarden US$ an ein Konsortium aus der China Railway Construction Corporation und der lokalen Ghantoot Group. Das Package B besteht aus einer 200 Kilometer langen Strecke zwischen Tarif (Anschluss an Phase 1) und der nördlichen Grenze des Emirats Abu Dhabi sowie einem 40 Kilometer langen Abzweig zum 2012 eröffneten Khalifa Port. Das Package C enthält 70 Kilometer zwischen Dubais südlicher und nördlicher Grenze sowie einen 20 Kilometer langen Abzweig zum Großhafen Jebel Ali.

Insgesamt sieben Konsortien haben Angebote für das 600 Millionen US$ Package D eingereicht. Es sollen 98 Kilometer vom Emirat Sharjah (ab Grenze Dubai) bis Fujairah sowie ein 29 Kilometer Abzweig nach Tawyeen gebaut werden. Zwei Pakete (F1 und F2) für den Bau von Betriebs-, Verwaltungs- und Frachteinrichtungen für insgesamt 1,2 Milliarden US$ sind ausgeschrieben, Bewerbungsfrist ist Ende Juli. Eine 220 Millionen US$ Ausschreibung für die Systemintegration und verschiedene andere Leistungen (Package E) wird noch 2019 erwartet. Die gesamte Phase 2 soll 2027 abgeschlossen sein.

Eine Zeitplanung für die dritte Phase (etwa 300 Kilometer) gibt es bislang nicht. Zur Phase 3 sollen unter anderem eine Strecke zur omanischen Grenze (bei Al Ain) und Verbindungen in die nördlichen Emirate Ras Al Khaimah und Ajman gehören.

Metro-System in Dubai erweitert, Entwicklung in Abu Dhabi unklar

In den VAE bietet bislang nur Dubai schienengebundenen Nahverkehr. Dort gibt es zwei Metro-Linien (Red und Green), eine Tram sowie eine Hochbahn auf der "Palme" (Palm Jumeirah). Die Red Line wird für 2,9 Milliarden US$ um einen Abzweig zum Expo 2020 Gelände (Route 2020) erweitert. Die Arbeiten sind weitgehend abgeschlossen, im Frühjahr 2020 ist die Eröffnung geplant. Der Bauauftrag ging an ein Konsortium aus Acciona (Spanien), Alstom (Frankreich) und Gulekmak (Türkei). Alstom liefert 50 Metro-Züge, davon werden 15 auf der "Route 2020" eingesetzt, die restlichen 35 zusätzlich auf den bestehenden Strecken.

Es wird an Plänen zur Verlängerung der Red und Green Line gearbeitet. Die Green Line soll für 1,5 Milliarden US$ um 21 Kilometer erweitert werden, die Red Line für 0,7 Milliarden US$ um 4 Kilometer. Eine Auftragsvergabe ist aber frühestens 2020 zu erwarten. Langfristig ist der Bau von vier weiteren Metro-Linien vorgesehen, diese Projekte ruhen aber seit Jahren.

Auf die 2014 fertiggestellte erste Phase der Tram in Dubai Marina sollen zwei weitere Ausbauphasen für insgesamt 0,7 Milliarden US$ folgen. Allerdings gibt es hier gegenwärtig keine Bewegung. Dies gilt auch für weitere Transportprojekte in Dubai (Verbindung zwischen Dubai Creek Harbour und Dubai International Airport; Monorail in Dubai Harbour; Automated Vehicle System zwischen Blue Waters Island und Dubai Metro). Die weitere Entwicklung der geplanten Sharjah Waterfront City Tram ist ebenfalls ungewiss.

Auch Abu Dhabi möchte eine Metro bauen. Die Planungen laufen seit über zehn Jahren, ein Baubeginn zeichnet sich allerdings weiterhin nicht ab. Als Berater sind die britische Firma Arup sowie die spanischen Unternehmen Typsa und Sener Ingeniera tätig. Die erste Phase des Metro-Systems soll aus drei Linien (insgesamt 42 Kilometer) bestehen und 3,3 Milliarden US$ kosten.

Hyperloop-Strecken in Planung

In Abu Dhabi und Dubai wird über den Bau von Hyperloop-Strecken (Transportkapseln in Fast-Vakuumröhren mit Geschwindigkeiten bis zu 1.200 km pro Stunde) diskutiert. Das US-Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies (HTT) und das Abu Dhabi Department of Municipal Affairs and Transport haben 2016 eine Vereinbarung über eine Durchführbarkeitsstudie zum Bau einer 145 Kilometer langen Hyperloop-Strecke zwischen Abu Dhabi und Al Ain unterzeichnet. Als Berater sind die Firmen Atkins und Aecom beteiligt. Die Studie müsste abgeschlossen sein.

Das in Abu Dhabi ansässige Immobilienunternehmen Aldar Properties und HTT haben 2018 eine Absichtserklärung über die Entwicklung von Hyperloop-Strecken unterzeichnet. Als erstes Vorhaben ist eine 10 Kilometer Teststrecke in der Nähe des im Bau befindlichen Stadtentwicklungsprojektes Alghadeer vorgesehen. Alghadeer liegt an der Grenze zum Emirat Dubai und etwa 30 Kilometer südlich des Expo 2020 Geländes.

HTT hat die Design- und Ingenieurfirma Dar Al-Handasah zur Realisierung der Abu Dhabi Projekte engagiert. Die zur Dar Gruppe gehörenden Unternehmen Perkins+Will (Architekten, USA), T.Y. Lin International (Ingenieure, USA), GPO Group (Ingenieure, Spanien) und Currie & Brown (Cost Management Consultants, Vereinigtes Königreich) sind ebenfalls beteiligt.

Der Betreiber des Jebel Ali Hafens, Dubai Port World (DP World), hat 2016 mit Virgin Hyperloop One die Erstellung einer Durchführungsstudie für eine Hyperloop-Strecke zum Containertransport zwischen dem Hafen und einem 29 Kilometer entfernten Logistikzentrum im Inland vereinbart. DP World ist mittlerweile einer der größten Virgin Hyperloop One Investoren.

Zwischen Virgin Hyperloop One und der Dubai Road and Transportation Authority (RTA) wurde 2016 eine Vereinbarung über eine Durchführbarkeitsstudie für Hyperloop-Strecken in Dubai und eine 150 Kilometer Verbindung zwischen Dubai und Abu Dhabi geschlossen. Als mögliche Phase 1 des Hyperloop-Projekts ist in Dubai eine 5 Kilometer Strecke geplant.

Das US-Unternehmen Skytran hat 2016 mit der emiratischen Miral Asset Management Company die Prüfung eines Magnetschwebebahnprojekts auf Yas Island (Abu Dhabi) vereinbart. Die Durchführbarkeitsstudie für eine zunächst 1 Kilometer lange Strecke scheint noch nicht abgeschlossen zu sein. Im Juni 2019 haben Skytran und Dubais RTA eine Zusammenarbeit vereinbart.

Weiter Informationen zu den VAE finden Sie unter http://www.gtai.de/vae

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Eisenbahnbau, Schienenfahrzeuge, Schienenverkehr

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Thomas Hundt

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