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29.03.2019

Schwedens Logistikbranche bietet Chancen für deutsche Lagerbauer

Automatisierung auf dem Vormarsch / Von Romy Helm und Michal Wozniak

Stockholm (GTAI) - Der wachsende Onlinehandel beflügelt Investitionen in der Logistikbranche. Die Umsatzrekorde der beiden Vorjahre könnten 2019 nochmals überboten werden.

Der Onlinehandel macht bereits knapp 10 Prozent der Einzelhandelsumsätze in Schweden aus. Für einen Großteil der Bevölkerung gehört der virtuelle Einkauf bereits zum Alltag. Im Jahr 2018 gaben die Schweden etwa 7,5 Milliarden Euro für Waren aus dem Internet aus. Heimelektronik, Bekleidung und Bücher waren dabei am umsatzstärksten. Der Onlinehandel mit Lebensmitteln, welcher weltweit zunehmend an Bedeutung gewinnt, entwickelt sich auch in Schweden rasant. Im Jahr 2018 wuchsen die Umsätze um 27 Prozent. Auch 2019 ist eine ähnliche Dynamik möglich. Das liegt vor allem an Investitionen der großen Lebensmittelhändler wie ICA, Mat.se, Mathem.se und Coop. Diese wollen einen landesweiten Onlinehandel aufbauen.

Neubau für höhere Logistikqualität

Um den wachsenden Anforderungen der E-Commerce-Branche nachzukommen, werden zusätzliche Logistikcenter gebaut. Die Anzahl neuer Lagerflächen wuchs 2018 jedoch weniger stark als noch im Rekordjahr 2017, so das Fachmagazin Intelligent Logistik. Insgesamt wurden im Jahr 2018 rund 538.000 Quadratmeter neue Lagerflächen fertiggestellt. Für das Jahr 2019 wird mit ähnlichen Zahlen gerechnet.

Ausbau von Logistikflächen nach Regionen (in Quadratmetern)
Region Realisierte Vorhaben in den Jahren 2014-2018 Geplante Neuflächen 2019
Großraum Göteborg 502.150 191.450
Stockholm Nord 279.600 76.600
Region Örebro 150.800 52.000
Region Helsingborg 236.200 37.000
Region Malmö 74.300 36.000
Region Eskilstuna 58.000 36.000
Region Växjö 26.000 27.000

Quelle: Intelligent Logistik

Die meisten Vorhaben wurden in den letzten fünf Jahren im Großraum Göteborg realisiert. Auch 2019 werden in der zweitgrößten Stadt Schwedens die meisten Flächen übergeben. Dahinter folgen Stockholm und das in Zentralschweden gelegene Örebro.

Chancen für deutsche Bauunternehmen

Die zahlreichen Bauvorhaben bieten auch ausländischen Unternehmen gute Chancen, auf dem schwedischen Markt Fuß zu fassen. "Der bis 2029 laufende Nationale Transportplan im Wert von 70 Milliarden Euro sowie der Kampf gegen den Wohnungsmangel, der bis 2025 sogar 150 Milliarden Euro für 700.000 Wohneinheiten verschlingen könnte, überlasten die vorhandenen Kapazitäten. Deswegen werden ausländische Bauunternehmen händeringend gesucht", erklärt Ninni Löwgren Tischer, Bereichsleiterin Market Entry & Business Development der Deutsch-Schwedischen Handelskammer (AHK Schweden).

Die Firma Goldbeck hat den Schritt nach Schweden bereits gewagt. Nach zwei realisierten Projekten entschloss sich der deutsche Spezialist für Gewerbebauten im Jahr 2018 eine Niederlassung in Göteborg zu gründen. "Durch unseren systematisierten Bauprozess, positive Skaleneffekte dank unserer Muttergesellschaft, einem globalen Netzwerk und lokalem Wissen können wir die Branche in Skandinavien bezüglich Bauzeit, -kosten und -qualität herausfordern", erklärt Niederlassungsleiter Christoffer Bööj.

Vorsicht beim Arbeitsrecht

Auch Löwgren Tischer bestätigt eine gute Ausgangslage für deutsche Baufirmen. "Dank hoher deutscher Qualität, zeiteffizienter Durchführung und Zuverlässigkeit haben sie sich hier im Norden einen guten Ruf erarbeitet", unterstreicht die Marktexpertin. Neueinsteiger sollten vor allem im Bereich Personal auf erfahrene Partner zurückgreifen. Durch die starke Stellung der Gewerkschaften und dem damit zusammenhängenden strikten Arbeiterschutz sind zahlreiche Vorgaben und Regeln zu beachten. Bei dessen Nichterfüllung drohen hohe Strafen.

Automatisierung ist oberste Priorität

Mit neuen Lagerflächen allein können die Ansprüche heutiger Logistikkunden aber nicht bewältigt werden. Im Kampf um Zeit und Effizienz setzen Lagerbetreiber zunehmend auf Automatisierung. Der deutsche Online-Versandhändler Zalando, für den Schweden laut eigenen Angaben zu den am schnellsten wachsenden Märkten gehört, eröffnete beispielsweise Anfang 2019 ein hochautomatisiertes Logistikzentrum in Brunna nördlich von Stockholm.

Die derzeit etwa 250 Mitarbeiter sind eigentlich nur für die Warenannahme und -ausgabe zuständig. Den Transport innerhalb des Lagers und das Einlagern der Ware übernehmen etwa 50 Roboter der Firma Greyorange. Laut dem Unternehmen könnten dadurch die Produktivität um das Drei- bis Vierfache erhöht und die Lieferzeiten drastisch verkürzt werden.

Deutsches Know-how gefragt

Auch andere große Akteure im Bereich E-Commerce setzen auf fortgeschrittene technische Lösungen. Die Onlineapotheke Apotea, einer der beliebtesten Onlineshops der Schweden, investiert mehrere zehn Millionen Euro in die Automatisierung seiner Logistik. Der Kosmetikhändler Lyko modernisiert sein Zentrallager in Vansbro. Bis 2020 soll es dank Technik von SSI Schäfer auf den neuesten Stand gebracht werden.

Auch Axfood will in Balsta ein vollautomatisiertes Lager bauen. Dafür investiert der Konzern binnen vier Jahren zwischen 150 und 250 Millionen Euro. Das Lager soll sowohl den Onlinehandel als auch den traditionellen Einzelhandel abdecken. Für die Entwicklung und Implementierung der Automatisierungstechnologie wurde eine Absichtserklärung mit der deutschen Firma Witron unterzeichnet.

Ambitionierte Ziele langfristig geplant

Der Lebensmittelhändler ICA Sverige realisiert zwischen 2018 und 2022 ein Investitionsprogramm mit einem Umfang von etwa 60 Millionen Euro. Der Plan verfolgt das Ziel, eine vollautomatisierte E-Commerce-Lösung des britischen Zulieferers Ocado zu implementieren. Damit verbunden ist der Bau eines hochautomatisierten Lagers in der Region Stockholm, das 2022 den Betrieb aufnehmen soll. Zudem wird ein weiteres Lagerhaus in Malmö für die Abwicklung von Onlinebestellungen eröffnet.

RNB Retail and brands hat einen Vertrag mit Nowaste logistics hinsichtlich des Lagermanagements für die Marken Polarn o Pyret und Brothers unterzeichnet. Das neue Lager, welches in Helsingborg entstehen soll, wird mit einer hochautomatisierten Logistiklösung sowohl für den Online- als auch für den Einzelhandel ausgestattet sein, um Synergien und Skalierungsvorteile nutzen zu können.

Ausgewählte Projekte im Logistikbau in Schweden (Investitionswert in Mio. Euro)
Projekt Investitionswert 1) Status Anmerkungen
Halvorsäng; Neubau Logistikzentrum; Biskopsgarden 94,8 Baustart: Dezember 2019 Bauherr: Scandinavian Distripoint AB (Tochtergesellschaft der Göteborgs Hamn AB http://www.goteborgshamn.se)
Greenhub Bro; Neubau Lager; Bro 19 bis 47,4 Baustart: November 2019 Bauherr: Stendörren Fastigheter AB (http://www.stendorren.se)
Viaomradet; Neubau Lager; Kumla 19 bis 23,7 Baustart: 2020 Bauherr: PostNord AB (http://www.postnord.se)
Kvarter C29, Neubau Logistikzentrum; Flughafen Arlanda 14,2 bis 19 Baustart: 2020 Bauherr: Swedavia AB Stockholm Arlanda Airport (http://www.swedavia.com)
Tunbytorp 2; Neubau Lager, Logistik, Büros; Västeras 14,2 bis 19 Baustart: 2020 Bauherr: Castellum Mitt AB (http://www.castellum.se)
Husbyborg 1:82; Neubau Büros, Industrie, Lager; Uppsala 9,5 bis 28,4 Baustart: November 2019 Bauherr: Castellum Mitt AB (http://www.castellum.se), Mieter: Orkla Care AB (http://www.orkla.se)
NLC Park Västerslätt; Neubau Logistikzentrum; Umea 9,5 bis 14,2 Baustart: 2020 Planungsverantwortliche: Gemeinde Umea (http://www.umea.se/umeakommun)
Brunna-Tibble; Neubau Lager, Logistik; Upplands-Bro 9,5 Baustart: 2020 Bauherr: Bro PSSBBS 88 AB (eine Tochtergesellschaft des Castellum-Konzerns, http://www.castellum.se)

1) 1 Euro = 10,5523 skr, Stand: 6. März 2019

Quelle: Byggsök

Mehr zu Schweden erfahren Sie unter http://www.gtai.de/Schweden.

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweden E-Commerce, Logistik / Speditionen

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