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11.07.2019

Senegal - Tor zu Afrika

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Politischer Stabilitätsfaktor in der Region / Von Judith Geller, GIZ

Eschborn (GIZ) - Der Senegal ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Afrika, Europa und Amerika. Mit der Förderung von Privatinvestitionen will die Bundesregierung Perspektiven schaffen.

Die Republik Senegal liegt an der westlichen Spitze des afrikanischen Kontinents. Aufgrund seiner geografischen und strategischen Lage wird das Küstenland oft auch als "Tor zu Afrika" bezeichnet. Auf einer Gesamtfläche etwa halb so groß wie Deutschland erstreckt sich das Land von den Ausläufern der Sahara im Norden bis an den Beginn des tropischen Feuchtlandes im Süden. Im Westen grenzt der Senegal mit einer circa 500 Kilometer langen Küste an den Atlantischen Ozean, im Norden an Mauretanien, im Osten an Mali und im Süden an Guinea und Guinea-Bissau. Der südliche Landesteil Casamance ist vom Rest des Senegals durch eine Enklave getrennt, welche die ehemalige britische Kolonie Gambia bildet.

Am Übergang zwischen Sahelzone und subtropischem Klima gelegen, ist das flache Land im Wesentlichen von zwei Jahreszeiten geprägt: Von November bis Mai herrscht Trockenzeit, zwischen Mai und Oktober eine Regenzeit, die von heißen Monsunwinden aus dem Süden begleitet wird. Der Norden ist ganzjährig geprägt von trockenen, heißen Winden, die zwischen November und März roten Sand aus der Sahara mit sich tragen.

Im Gegensatz zum östlichen Afrika oder den waldreichen Küstenländern in Äquatornähe ist die Tierwelt des Senegals nicht sehr augenfällig, jedoch von außerordentlicher Vielfalt. So durchqueren zahlreiche europäische Vogelarten das Land auf ihrer Wanderung Richtung Süden und der Nationalpark Djoudj dient vielen von ihnen als erster Rastplatz nach der Sahara. Im gesamten Landesgebiet gibt es zudem eine Vielzahl von Reptilien und auch die Meeres- und Süßwasserfauna ist trotz Überfischung relativ reichhaltig.

Traditionell ist der Senegal ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt zwischen Afrika, Europa und Amerika. Die Infrastruktur ist im westafrikanischen Vergleich relativ gut ausgebaut, mit einem wichtigen Hafen und einem internationalen Großflughafen nahe der Hauptstadt Dakar.

Die Möglichkeiten zur landwirtschaftlichen Nutzung sind stark eingeschränkt; zwei Drittel des Landes liegen in der Sahelzone, das Klima ist zudem äußerst unbeständig. So kommt es regelmäßig zu Dürreperioden oder aber sintflutartigen Starkregenfällen mit verheerenden Überschwemmungen. In Folge des globalen Klimawandels ist damit zu rechnen, dass diese Extremwettererscheinungen weiter zunehmen werden. Der Senegal ist daher eines der ersten Länder, die eine Klimarisikoversicherung abgeschlossen und auch bereits davon Gebrauch gemacht haben.

Vor der Küste wurden in den vergangenen Jahren wiederholt enorme Öl- und Gasvorkommen entdeckt. Dies zieht internationale Großkonzerne an und nährt die Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung.

Ethnische Vielfalt und verbindende Werte

Die senegalesische Bevölkerung ist sehr jung, geprägt von großer ethnischer Vielfalt und wächst jährlich um circa 2,8 Prozent. Derzeit leben rund 16 Millionen Menschen in dem westafrikanischen Land, fast ein Viertel davon im Großraum Dakar. Die Gebiete direkt an oder nahe der Küste sind am dichtesten besiedelt. So leben in der Hauptstadt Dakar geschätzt fast 5.000 Einwohner*innen auf einem Quadratkilometer, im Osten des Landes sind es dagegen nur etwa 15.

In dem Staatsgebiet, das früher französische Kolonie war, sind etwa 20 verschiedene Ethnien mit einer entsprechenden Vielzahl an offiziell anerkannten Nationalsprachen und Dialekten beheimatet. Zwar ist Französisch bis heute die offizielle Amtssprache, im Alltag wird aber oft Wolof verwendet, eine einheimische afrikanische Sprache, die von fast 90 Prozent der Senegalesinnen und Senegalesen gesprochen wird.

Die Religion spielt eine wichtige Rolle im Leben der Menschen. 95 Prozent von ihnen sind Muslime, circa 4 Prozent Christen und 1 Prozent Anhänger*innen traditioneller Glaubensrichtungen. Bereits seit dem 12. Jahrhundert zählt der Senegal zur islamischen Welt. Die Mehrzahl der Gläubigen praktiziert eine friedfertige und spirituelle Form des Sufi-Islam. Im Gegensatz zu seinen nördlichen Nachbarn ist das Land von extremistischen Einflüssen und Terroranschlägen bislang weitgehend verschont geblieben.

Familiäre Bindungen sind wichtig und Respekt vor dem Alter ist ein bedeutender Grundwert in einer Gesellschaft, in der fast jeder Zweite unter 18 Jahre alt ist. Da es von staatlicher Seite so gut wie keine soziale Vorsorge gibt, bedeutet die erweiterte Großfamilie gleichzeitig auch sozialen Rückhalt, Altersvorsorge und Krankenversicherung. Fast ein Viertel der Bevölkerung lebt unterhalb der absoluten Armutsgrenze und muss mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen.

Der Senegal verfügt über eine vielfältige und lebendige Medienlandschaft. Auch elektronische Medien sind relativ stark verbreitet. So gibt es eine Vielzahl von Internetportalen oder politischen Blogs, die auch eine Anbindung der vielen im Ausland lebenden Senegales*innen an ihr Heimatland ermöglichen. Der Anteil der Internetnutzer*innen lag laut nationaler Fernmelderegulationsagentur im Jahr 2017 bei 58 Prozent. Die Einführung des Mobilfunks hat den Telekommunikationssektor im Senegal revolutioniert. Selbst in den entlegensten Landesteilen gibt es heute Handyempfang und die Dichte von Mobilfunknutzern ist eine der höchsten in ganz Afrika.

Demokratisch gefestigt

Der Senegal verfügt über eine lange demokratische Tradition und gilt als politisch stabil. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1960 ist das Land eine Präsidialdemokratie nach französischem Vorbild und wurde durchgehend zivil regiert. In Folge mehrerer friedlicher Machtwechsel in den vergangenen Dekaden gilt das westafrikanische Land als demokratischer Musterstaat in der Region. Auf dem Demokratie-Status-Index der Bertelsmann-Stiftung (Bertelsmann Transformation Index, BTI) belegte der Senegal im Jahr 2018 Rang 33 von 129 Ländern. Bei den jüngsten Präsidentschaftswahlen im Februar 2019 wurde Amtsinhaber Macky Sall mit deutlichem Vorsprung für sieben Jahre wiedergewählt.

Die staatliche Verwaltung ist wie in Frankreich stark zentralistisch aufgebaut. Auf Grundlage eines Dezentralisierungsgesetzes von 2013 vollzieht sich jedoch derzeit ein massiver Reformprozess. Der Senegal verfügt über eine rechtsstaatliche Verfassung und ein ähnliches Rechtssystem wie das der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich. Formal herrscht Gewaltenteilung, in der Praxis kommt es aber immer wieder zu versuchten Einflussnahmen und Korruption. Das Zivilrecht findet im Senegal interessanterweise kaum Anwendung - Streitigkeiten um Erbschaft, Landbesitz oder auch Scheidungen werden oftmals nach traditionellem oder islamischem Recht geregelt.

Durch das Nachbarland Gambia, das als Enklave in den Senegal hineinragt, ist das Staatsgebiet in einen Nord- und einen Südteil getrennt. Die weitgehende politische wie auch wirtschaftliche Isolation vom Rest des Landes hat in der südlichen Region Casamance zu Unabhängigkeitsbestrebungen geführt, die immer wieder auch in gewalttätigen Auseinandersetzungen mündeten. In den vergangenen Jahren hat sich die Lage entspannt.

Große Hoffnungen für die Entwicklung der Region wurden in den Bau einer Brücke über den Fluss Gambia gesetzt, die den Norden Senegals mit der Casamance verbindet. Die seit den 1970er-Jahren geplante Farafenni-Bridge wurde im Januar 2019 eingeweiht und soll ab Mitte des Jahres auch für den Auto- und Lkw-Verkehr freigegeben werden.

Die grundlegenden Menschenrechte werden im Senegal weitgehend geachtet, auch die UN-Kinderrechtskonvention hat der Staat ratifiziert. In diesem Bereich bleibt jedoch noch viel zu tun; in den ärmeren Bevölkerungsschichten bleibt Kinderarbeit weit verbreitet und die Einschulungsquote gering. Nur etwas mehr als die Hälfte der Menschen im Senegal kann lesen und schreiben. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt zudem in extremer Armut, mehr als 10 Prozent gelten als unterernährt. Besonders groß sind Armut und Hunger in den ländlichen Gebieten im Norden und Osten, wo aufgrund der anhaltenden Trockenheit kaum landwirtschaftliche Nutzung möglich ist.

Im Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen belegt Senegal aktuell Rang 164 von 189 und zählt somit zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde (Least Developed Countries, LDCs). Energieknappheit, Nahrungsmittelkrisen und eine hohe Arbeitslosigkeit hemmen die Entwicklung.

Reformpartner Deutschlands

Auf seinem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung wird der Senegal seit vielen Jahren von Deutschland unterstützt. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich vorrangig auf den Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Über die African Risk Capacity Insurance Company (ARC) finanziert das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) zudem eine Klimarisikoversicherung, aus welcher der Senegal im Jahr 2015 als erstes Land überhaupt eine Auszahlung erhielt.

Der Senegal zählt auch zu den Staaten, mit denen das BMZ eine Reformpartnerschaft geschlossen hat. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit setzt die Bundesregierung den Marshallplan mit Afrika und die G20-Inititative "Compact with Africa" um. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für private Investitionen zu verbessern und damit mehr Beschäftigung und Zukunftsperspektiven für die Jugend im Land zu schaffen.

Trotz der anhaltenden innenpolitischen Herausforderungen ist der Senegal auch außenpolitisch engagiert. Traditionell werden enge diplomatische Beziehungen mit der westlichen Welt, insbesondere der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, gepflegt. Das westafrikanische Land ist in vielen internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen (United Nations, UN), der Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO), der Weltbank und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) vertreten und unterhält auch in die islamische Welt enge Verbindungen. In der Region gilt der Senegal als Stabilitätsfaktor und Vermittler. An der internationalen Unterstützungsmission für Mali (MISMA) beteiligt sich die Republik Senegal mit 500 Soldaten.

Zentrales Thema der senegalesischen Afrika-Politik sind die afrikanische Einheit und der Ausbau der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (Union Economique et Monétaire Ouest Africaine, UEMOA), die einen gemeinsamen Markt nach EU-Vorbild anstrebt. Zudem ist der Senegal Mitglied in der umfassenderen Regionalorganisation CEDEAO / ECOWAS (Economic Community of West African States), der auch anglofone Staaten angehören.

Allgemeine und aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise erteilt das Auswärtige Amt: https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/senegal-node/senegalsicherheit/208190

(Stand: März 2019)

Kontaktadressen

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland

20, Avenue Pasteur

Angle Rue Mermoz

2100 Dakar

Senegal

T +221 33 889 48 84

F +221 33 822 52 99

reg1@daka.auswaertiges-amt.de

http://www.dakar.diplo.de

Botschaft der Republik Senegal

Klingelhöferstraße 5

10785 Berlin

T +49 30 85 62 19 0

F +49 30 85 62 19 21

info@botschaft-senegal.de

http://www.botschaft-senegal.de

Dieser Artikel ist relevant für:

Senegal Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein

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