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04.09.2018

Senegals Nahrungsmittelproduktion gewinnt an Dynamik

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Landwirtschaft steigert Produktion von Reis, Gemüse und Geflügel / Von Carsten Ehlers

Dakar (GTAI) - Senegal ist eines der wenigen Länder Afrikas, die ihre Nahrungsmittelimporte spürbar verringern konnten. Das sehr gute wirtschaftliche Umfeld dürfte weitere Investitionen stimulieren.

In den kommenden Jahren ist mit zahlreichen Aktivitäten in der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelverarbeitung in Senegal zu rechnen. Immer noch müssen große Teile des Nahrungsmittelbedarfs importiert werden. Allerdings ist das westafrikanische Land dabei, den Einfuhrbedarf bei einigen Produkten zu reduzieren, weil in die Nahrungsmittelproduktion investiert wird. Damit ist Senegal eines der wenigen Länder in Westafrika, die es trotz steigender Bevölkerung schaffen, die Nahrungsmittelimporte zu reduzieren. Der Mehrbedarf an Nahrungsmitteln steigt rasch, denn Senegals Bevölkerung von derzeit knapp über 16 Millionen wächst jährlich um rund 300.000 Menschen.

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld für Investitionen ist derzeit sehr gut. Für das Jahr 2018 erwartet Economist Intelligence Unit (EIU) ein BIP-Wachstum von 6,6 Prozent, für das Jahr 2019 von 6,2 Prozent. Ab 2021 könnte in Senegal in größerem Umfang Öl abgebaut werden, was dem Land enorme zusätzliche Geldflüsse bescheren würde. Gepaart mit der in Senegal vorherrschenden politischen Stabilität könnte die hohe wirtschaftliche Dynamik auch ausländische Investoren aus dem Nahrungsmittelbereich für den Markt interessieren.

Deutsche Landtechniklieferanten sind bislang nicht präsent

Die Möglichkeiten für deutsche Unternehmen, an Agrarprojekten als Lieferant zu partizipieren, sind gegeben. Senegals Absatzmarkt für Landtechnik wächst und unter anderem werden auch deutsche Marken nachgefragt. Ihre Präsenz ist in Senegal jedoch minimal. Kein Hersteller ist über einen lokalen Distributoren vertreten. Bei Traktoren dominieren Marken wie New Holland (Handelsvertreter ist Carrefour Automobiles), Massey Ferguson (TSE Afrique) und John Deere (DEM). Auch andere Marken wie Sonalika werden gekauft, dann aber in der Regel von Großfarmen direkt importiert.

Nach Zahlen des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) wurde aus Deutschland im Jahr 2017 Landtechnik im Wert von etwa 1,9 Millionen Euro nach Senegal geliefert. Damit war das westafrikanische Land in der Region der nach Nigeria zweitgrößte Absatzmarkt für diese Produktkategorie, wenngleich auf sehr niedrigem Niveau. Insbesondere bei Ausrüstungen für Geflügelfarmen dürften deutsche Anbieter über Chancen verfügen. Ebenfalls fließen Investitionen in den Ausbau der Bewässerungsanlagen im Norden Senegals für den Anbau von Hortikulturen, Reis und Zuckerrohr. Pumpen, Rohre und Ventile hierfür kommen mitunter auch aus Deutschland. Wichtig ist die Präsenz nicht nur in der Hauptstadt Dakar, sondern auch in der Agrarregion im Norden bei St. Louis, in der mehrere Landtechnikhersteller Vertriebsfilialen betreiben.

Anbau von ausgewählten Agrarerzeugnissen in Senegal
Anbausorte Jahresproduktion 2016/17 (in Mio. Tonnen) Bemerkung
Erdnüsse 1,4 Stagnierend. Wird überwiegend in der Tiefebene um die Stadt Kaolack herum angebaut. Einst weltgrößter Produzent.
Rohrzucker 1,25 Steigend. Wird ausschließlich angebaut von der Compagnie sucrière sénégalaise (CSS), die zur französischen Mimran-Gruppe gehört.
Hortikulturen 1,3 Starkes Wachstum in den letzten Jahren. Vor allem Anbau von Zwiebeln, Kartoffeln, Strauchtomaten, Mangos und Bananen.
Reis 1,0 Steigend. Vor allem Paddy-Reis wird an der Nordgrenze Senegals zu Mauretanien angebaut. Dort gibt es entlang des Senegalflusses fruchtbares Schwemmland. Die bewässerbaren Flächen sollen weiter ausgedehnt werden.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Hortikulturanbau für den lokalen Markt verzeichnet weiter Investitionen

Dynamik herrscht insbesondere beim Anbau von Gemüse vor allem für den lokalen Markt, aber auch für den Export nach Europa. Projekte mit privaten Investoren wie der indischen Senegindia bei Richard Toll produzieren verschiedene Obst- und Gemüsesorten. Laut Dr. Macoumba Diouf, für Hortikultur zuständiger Direktor im senegalesischen Landwirtschaftsministerium, werden in Senegal jährlich etwa 300.000 Tonnen Zwiebeln benötigt, von denen bislang etwa 120.000 Tonnen importiert werden müssen. "Zwar produzieren wir inzwischen etwa 500.000 Tonnen, aber durch fehlende Lagerkapazitäten geht ein Großteil der Ernte verloren. In diesem Bereich brauchen wir dringend Investitionen". Gesteigert werden konnte die Produktion auch bei Kartoffeln und Karotten.

Als Grundnahrungsmittel hat sich in Senegal in den letzten Jahrzehnten Reis etabliert. Nachdem die massenweisen Reisimporte die Handelsbilanz immer mehr belasteten, wird seit etwa zehn Jahren entlang des Senegalflusses vermehrt Reis angebaut. Eine weitere Ausweitung der Flächen ist geplant, da nach wie vor große Mengen des Grundnahrungsmittels importiert werden müssen. Deutlich gestiegen ist in den letzten Jahren die Produktion von Hühnerfleisch, nachdem im Jahr 2005 ein Importverbot verhängt wurde. Die Marktführer Sedima, NMA Sanders und Avisen haben massiv in neue Produktionen investiert. Weitere Investitionen sind möglich, allerdings drängen nach Angaben der senegalesischen Behörden insbesondere die EU und Brasilien darauf, die Importbeschränkungen aufzuheben. Mögliche Investoren beobachten die Entwicklung in der Politik daher genau, denn subventioniertes Importfleisch hätte Preisvorteile.

Agro-Processing bei Zucker und Reis wird verstärkt

Investiert wird in einigen Bereichen auch im Agro-Processing. So weitet der Zuckerproduzent Compagnie Sucrière du Sénégal (CSS) in Richard Toll an der Grenze zu Mauretanien seit Jahren seine Produktion von zuvor 80.000 auf demnächst 200.000 Tonnen im Jahr aus. Hierfür sind nicht nur neue Felder sondern auch eine Ausweitung der Raffineriekapazitäten notwendig. Gleiches gilt für die Verarbeitung von Reis in derselben Region, welcher nach der Ernte unter anderem geschält werden muss.

Auswahl an größeren Kunden für Landtechnik in Senegal
Name des Unternehmens Bereich
Compagnie Sucrière Sénégalaise (CSS) Zuckerrohr
Grands Domaines du Sénégal (GDS; Compagnie Fruitière) Hortikulturen
West Africa Farms (WAF) Hortikulturen
Safina Hortikulturen
Van Oers United Hortikulturen
Senegindia vor allem Kartoffeln
Compagnie Agricole de St. Louis (CASL) Reis
Coumba Nor Thiam (CNT) Reis
Groupement d'interêt économique (GIE, Genossenschaft) Pont Gendarme Reis
Sedima Geflügel
NMA Sanders Geflügel
Avisen Geflügel

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Ausbau der Nahrungsmittelindustrie wird erwartet

Dakar ist dabei, sich neben Lagos, Accra und Abidjan zu einem der großen Leichtindustriezentren Westafrikas zu entwickeln. Die Zukunft des Sektors schätzen Marktkenner sehr optimistisch ein. Wurden bis vor einigen Jahren noch die meisten industriell gefertigten Nahrungsmittel importiert, so geht der Trend nun zunehmend zur lokalen Fertigung. Bei den Produkten handelt es sich vor allem um einfache Nahrungsmittel wie Milchprodukte, Getränke, Backwaren oder Bouillonwürfel. "Erst seit einem Jahr wird in Senegal Mayonnaise hergestellt. Das ist bei vielen Produkten so. In den kommenden Jahren ist mit zahlreichen weiteren Aktivitäten zu rechnen", meint Ousmane Fall, Geschäftsführer von Senegal Automation Technology Assistance (SATA). SATA ist einer der größeren Dienstleister und Zulieferer der Branche.

Auswahl der größeren Nahrungsmittelhersteller in Senegal
Name des Herstellers Produkte
Agroline Tomatenmark
Fary Industries Saft
FKS Mehl
Grands Moulins de Dakar (GMD, gehört der US-amerikanischen Seaboard) Mehl
Kirène Wasser, Molkereiprodukte, Säfte
La Sénégalaise des Boissons (LSB) Bier, Softdrink
Nestlé Kaffee, Bouillonwürfel
NMA Sanders Mehl
Patisen Kaffee, Bouillonwürfel, Teigwaren, Essig
Sedima Geflügel, Mehl
Sénégalaise Industrie Commerce (Senico) Saft, Bouillonwürfel, Schokoladenpudding, Molkereiprodukte
Si Belle Wasser
Soboa Bier, Softdrink
Socas Tomatenmark
Société Africaine de Transformation et de Reconditionnement (Satrec) Molkereiprodukte der Marke Vitalait und Ardo
Sonia Senf
Takamoul Food Tomatenmark

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Im Jahr 2016 erreichte das Liefervolumen an Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen aus Deutschland einen Rekordwert von 18,4 Millionen Euro. Dieser Wert lässt sich zwar nicht so schnell wiederholen, aber auch in den Vorjahren wurden gute Absatzzahlen bei Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen erzielt. So betrug das Volumen im Jahr 2017 etwa 4,7 Millionen Euro. Deutsche Zulieferer von Maschinen oder technischen Komponenten sind bislang nur vereinzelt über lokale Unternehmen präsent, die sich darauf spezialisiert haben, der Nahrungsmittelindustrie ihre Dienste anzubieten. Dazu zählt neben SATA auch Yeri. Beide Unternehmen sind noch klein und suchen nach deutschen Partnern. Die Dienstleistungen reichen von der Installierung und Instandhaltung industrieller Automatisierungs-, Kontroll-, Mess- und Elektrotechnik bis hin zu Lösungen bei Themen wie Stromversorgung, Energieeffizienz, Wasser, Abwasser und Abfallrecycling.

Von Dakar aus können über 90 Millionen Menschen versorgt werden

Zwar ist Senegal selber mit nur knapp über 16 Millionen Menschen ein recht kleiner Markt. Jedoch werden von der lokalen Nahrungsmittelindustrie auch andere Länder der Region versorgt. Dazu zählen Mali, Gambia, Guinea-Bissau, Burkina Faso, Guinea und Niger. Damit bedient das Industriezentrum Dakar einen Markt von derzeit mindestens 90 Millionen Menschen. Das in der gesamten Region extrem hohe Bevölkerungswachstum sorgt für einen Zuwachs von mehreren Millionen Menschen im Jahr.

Die Regierung möchte die Nahrungsmittelindustrie aus dem zunehmend verstopften Dakar auslagern. Etwa 40 Kilometer vor den Toren der Stadt, nahe am neuen Flughafen, entsteht derzeit die neue Stadt Diamniadio. Dort soll sich nach der Vorstellung der Regierung auch die Leichtindustrie ansiedeln, wo Industriegebiete inklusive der dafür notwendigen Infrastruktur entstehen. Derzeit konzentriert sich die Industrie auf die drei großen Industriezonen in Sodida, Mbao und entlang des Boulevard de Centenaire de la Commune de Dakar. Alle drei mitten in Dakar gelegenen Zonen sind verstopft und die Infrastruktur völlig überlastet. Industrieabwässer fließen ungereinigt ins nahe Meer und die Möglichkeit, dort die Produktion weiter auszudehnen, ist begrenzt.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Senegal können Sie unter http://www.gtai.de/senegal abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Senegal Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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‎+49 228 24 993 238

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