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22.06.2018

Senegals Wasserbedarf nimmt rasant zu

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Zwei Großprojekte sollen den Großraum Dakar entlasten / Abwasserprobleme beeinträchtigen den Badetourismus / Von Carsten Ehlers

Dakar (GTAI) - In Senegal wird massiv in die Wasserversorgungsinfrastruktur investiert. Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum sorgen für einen steigenden Wasserbedarf. Die Hauptstadt Dakar leidet unter Wasserknappheit. Projekte werden in erster Linie von internationalen Geberorganisationen finanziert. Kaum investiert wird im Abwasserbereich, obwohl Abwässer vermehrt anfallen und die Umwelt belasten. Eine vorbildliche Abwasserentsorgung soll die neue Stadt Diamniadio erhalten. (Kontaktadressen)

Nachdem sich die Wasserversorgung in Senegal in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert hat, werden nun zum ersten Mal seit den 1980er Jahren umfangreiche Maßnahmen durchgeführt, mit denen insbesondere der Großraum Dakar besser versorgt werden soll. Die Metropolregion leidet immer häufiger unter Wasserknappheit. Für ausländische Unternehmen bietet der Wassersektor in Senegal vor allem Beratungs- und Lieferchancen. In größerem Stil bestehen hier Möglichkeiten bei staatlichen Ausschreibungen für größere geberfinanzierte Projekte. Gleichfalls besteht ein Bedarf seitens der Nahrungsmittelindustrie und der Landwirtschaft. Die Präsenz deutscher Firmen ist in Senegal jedoch minimal und beschränkt auf das Angebot von Komponenten.

Keur Momar Sarr 3 soll Wasserversorgung Dakars garantieren

Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht das Projekt Keur Momar Sarr 3 (KMS3). KMS3 ist eines der aktuell größten Infrastrukturprojekte Senegals. Es kostet etwa 524 Millionen Euro. Im Rahmen von KMS3 wird in der am Binnensee Lac de Guiers gelegenen Ortschaft Keur Momar Sarr eine dritte Trinkwasseraufbereitungsanlage mit einer Kapazität von 200.000 Kubikmetern pro Tag gebaut. Von dort aus wird eine zusätzliche Pipeline über etwa 200 Kilometer über die Städte Louga und Thiès bis nach Dakar verlegt. In Thiès und Sébikhoutane sollen zudem zwei Wasserlagerreservoirs mit je 10.000 Kubikmeter gebaut werden. Darüber hinaus werden Verteilungsbecken in Thiès, am neuen Flughafen Aeroport International Blaise Diagne (AIBD) und in der neuen Vorstadt Dakars Diamniadio entstehen. Das Verteilungsnetz soll um fast 800 Kilometer erweitert werden.

Insgesamt würden etwa 3 Millionen Einwohner des Landes von dem Projekt profitieren.

Mit KMS 3 soll zum einen die ländliche Trinkwasserversorgung verbessert werden sowie auch die Wasserversorgung für die dortige Landwirtschaft. Insbesondere den zunehmenden Anbau von Obst und Gemüse wünscht sich die Regierung in dieser Region. Der Schwerpunkt des Projekts liegt indes auf der Wasserversorgung von Dakar und seinem Umland. Experten prognostizieren für das Jahr 2025 einen Wasserbedarf von 550.000 Kubikmeter pro Tag in dieser Metropolregion. Derzeit liegt die Wasserbereitstellung bei etwa 421.000 Kubikmeter pro Tag. Finanziert wird KMS3 durch ein Geberkonsortium bestehend aus der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), der Islamischen Entwicklungsbank (IDB), der französischen Agence Francaise de Développement (AFD), der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Weltbank. Auch der senegalesische Staat mit seinem staatlichen Wasserversorger Société Nationale des Eaux du Sénégal (SONES) ist beteiligt.

"Mamelles"-Meerwasserentsalzungsanlage wird von japanischer Seite geplant

Ein weiteres Großprojekt soll der Bau der "Mamelles" Meerwasserentsalzungsanlage mit japanischer Unterstützung werden. Für das Projekt hat die japanische Regierung Ende des Jahres 2016 einen Kredit bewilligt. Die Kosten werden auf insgesamt 290 Millionen US-Dollar (US$) geschätzt. Die japanische Regierungsorganisation JICA will das Projekt implementieren. Zunächst soll die nahe der Innenstadt von Dakar gelegene Anlage eine Kapazität von 50.000 Kubikmeter pro Tag erhalten und später dann auf das Doppelte ausgebaut werden. Ebenfalls Teil des Projektes ist die Erneuerung des aus der Kolonialzeit stammenden Wassernetzes im Innenstadtbereich Dakars auf einer Länge von insgesamt etwa 460 Kilometern. Alleine durch diese Maßnahme könnten weitere 40.000 bis 50.000 Kubikmeter pro Tag eingespart werden, denn die Wasserverluste des alten Systems sind hoch.

Die Nachfrage nach Trinkwasser dürfte in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Ein Auslöser ist zum einen das hohe Bevölkerungswachstum des Landes. Derzeit leben in Senegal knapp über 16 Millionen Menschen. Die Bevölkerung steigt jedoch stark um jährlich etwa 300.000 Menschen an. Hinzu kommt derzeit eine Phase hoher wirtschaftlicher Dynamik. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Senegals wächst nach Einschätzung von Economist Intelligence Unit (EIU) im Jahr 2018 um 6,6 Prozent und für das Jahr 2019 werden 6,2 Prozent prognostiziert. Insbesondere die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie boomen, beides Sektoren mit sehr hohem Wasserbedarf. Senegal ist abgesehen von der tropischen im Süden des Landes gelegenen Casamance ein Land mit trockenem Klima, das mit seinen Wasservorräten sorgfältig umgehen muss.

Grundwasservorräte reichen kaum noch aus

Speziell die Region zwischen den Städten Dakar, Thiès und Mbour wächst immer mehr zu einer großen Metropolregion zusammen. Durch den neuen Flughafen etwa 40 Kilometer außerhalb Dakars sowie dem nahe gelegenen freien Land, auf dem gerade die neue Stadt Diamniadio gebaut wird, muss in hohem Maß neue Infrastruktur verlegt werden. Bislang wird die Region zu etwa 45 Prozent mit Wasser aus dem Lac de Guiers gespeist. Der Rest kommt aus Grundwasserreservoirs. Diese jedoch sanken in den letzten 30 Jahren drastisch und sind zum Teil mit Salzwasser kontaminiert.

Die Regierung wünscht sich private Investoren im Bereich der Wasserversorgung, behält aber weiterhin die Kontrolle über den Sektor. Die entscheidende Stellschraube ist der Wasserpreis, der vom Staat bestimmt und deutlich unter dem Marktpreis gehalten wird. Die ersten 20 Kubikmeter gibt es für etwa 30 Eurocent je Kubikmeter. Danach steigt der Preis auf rund 78 Eurocent. Immerhin gilt der Betrieb von Senegals städtischer Wasserinfrastruktur als vergleichsweise effizient im afrikanischen Vergleich. So betreibt die private Gesellschaft Senegalaise des Eaux (SDE) die Wasserversorgungsinfrastruktur. SDE gehört zum französischen Infrastrukturbetreiber Eranove, der auch in Côte d'Ivoire die Wassernetze betreibt. Halbwegs effiziente und transparente Strukturen sind die Voraussetzung dafür, dass sich die Geber in einem Sektor finanziell engagieren. Genau dies scheint im Wassersektor der Fall zu sein.

Trotz Zunahme der Abwässer wird kaum in den Bereich investiert

Hingegen existiert ein solcher privater Betreiber im Abwassersektor nicht. Es ist schwierig, hier Anreize für private Unternehmen zu setzen, denn anders als in der Wasserversorgung entstehen durch eine Netzausdehnung nicht weitere Einnahmen für das Entsorgungsunternehmen, sondern nur zusätzliche Ausgaben für die Bevölkerung. Eine in Europa übliche Aufbereitung der Abwässer zu Trinkwasser, mit der Einnahmen generiert werden könnten, würde die Bevölkerung in Senegal nicht akzeptieren. Entsprechend gering fallen im Abwassersektor auch die Investitionen aus, obwohl sie dringend nötig wären. Die Abwässer aus Dakar werden ungereinigt ins Meer geleitet und beeinträchtigen die Wasserqualität zunehmend. Auch weil in Senegal viele Arbeitsplätze vom Badetourismus abhängen, sind die Folgen der Wasserverschmutzung gravierend für das Land.

Insbesondere Industrieabwässer sorgen für Probleme. Die Regierung investiert derzeit mit großem finanziellen Aufwand in den Bau der neuen Stadt Diamniadio. Dort entsteht auch ein Areal speziell für die verarbeitende Industrie. Der Staat hofft, dass die in Dakar zahlreich vertretene Nahrungsmittelindustrie aus den alten Industriegebieten in der Stadt nach Diamniadio übersiedelt. Die Industrieabwässer könnten dort besser entsorgt werden.

Kontaktadressen

Name der Institution Funktion Webseite
Ministère de l'Hydraulique et de l'Assainissement Für den Wasser- und Abwassersektor zuständiges Ministerium. http://www.mha.gouv.sn
Société Nationale des Eaux du Sénégal (SONES) Staatlicher Eigentümer der Wasserversorgungsinfrastruktur. http://www.sones.sn
Senegalaise des Eaux (SDE) Privater Betreiber der Wasserversorgungsinfrastruktur im Auftrag von SONES. http://www.sde.sn
Office Nationale de l' Assainissement du Sénégal (ONAS) Nationaler städtischer Abwasserentsorger. http://www.onas.sn

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Dieser Artikel ist relevant für:

Senegal Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung

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Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

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