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04.11.2016

Serbien setzt zunehmend auf moderne IKT-Lösungen

Hoher Nutzungsgrad bei Computern in Unternehmen / Jährlicher Import von IKT-Hardware für mehr als 700 Mio. US$ / Von Jan Triebel

Belgrad (GTAI) - Moderne Lösungen des Bereichs Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) finden auch in Serbien immer stärkere Verbreitung. In fast jedem Unternehmen kommen mittlerweile Computer zum Einsatz. Ähnlich umfassend wird in der serbischen Geschäftswelt das Internet genutzt. Im Unterschied dazu hat der Fortschritt im Bereich IKT längst noch nicht Einzug in allen Privathaushalten gehalten. Ihr Versorgungsgrad dürfte sich im Zuge absehbarer Einkommensverbesserungen aber schrittweise erhöhen.

Kaum noch ein Unternehmen in Serbien kommt in seinem Alltag ohne den Einsatz von moderner IKT aus. Für entsprechende Ausrüstungen weist eine Studie des Statistikamtes des Landes, RZS (Republicki zavod za statistiku), 2016 etwa beim Einsatz von Computern im unternehmerischen Bereich eine Verbreitungsrate von immerhin 99,8% aus. Der Rückgriff auf Open Source-Software erreicht dabei noch ein relativ überschaubares Niveau. Die konkrete Frage, ob im jeweiligen internen Netzwerk Linux als Betriebssystem verwendet wird, bejahten nur 14,5% die Firmen.

Computer und Internet in Unternehmen ein Muss

Als absolutes Muss gilt für die Geschäftswelt hingegen ein Zugang zum Internet. Der RZS-Auswertung zufolge ist in jeder Firma, die auf Computer zurückgreift, auch ein Internetanschluss vorhanden. Jedenfalls beläuft sich der Anteil der Firmen derzeit auch auf 99,8%. Und mit einem Anteil von 99,1% wird dabei nahezu ausnahmslos auf Breitbandtechnik gesetzt.

Mit dazu beigetragen, dass in Serbien kaum noch ein Unternehmen aufs Internet verzichten kann, hat nicht zuletzt auch, dass mehr und mehr Verwaltungsabläufe nur noch auf elektronischem Weg abgewickelt werden können. Seit einiger Zeit ist dies etwa obligatorisch für die regelmäßige Berichtstätigkeit der Firmen gegenüber der Agentur für das Unternehmensregister, APR (Agencija za privredne registre).

Überhaupt befinden sich das Internet und mit diesem verbundene Anwendungen in Serbien sichtbar auf dem Vormarsch. Aktuell verfügen der RZS-Studie zufolge bereits 80,8% aller im Land registrierten Firmen über eine eigene Webseite. Im Vergleich dazu hatte der entsprechende Anteil im Jahr 2015 noch bei 75,2% gelegen. Demgegenüber steht die Mehrheit der Unternehmen der Möglichkeit, Waren und Dienstleistungen online zu erwerben, noch eher reserviert gegenüber. Jedenfalls gab es in dieser Hinsicht mit einem nahezu stagnierenden Anteil von 41,0% in der jüngeren Vergangenheit kaum Bewegung.

Zudem begegnen viele Firmen in Serbien Cloud-Diensten bisher noch zurückhaltend. Angesichts eines Anteils von 19,4% nahm zuletzt nur knapp ein Fünftel der geschäftlichen Internetnutzer im Land die in diesem Rahmen offerierten Möglichkeiten, etwa um extern Daten zu speichern, in Anspruch.

Neben dem Unternehmenssektor hat sich das serbische Statistikamt in seiner Studie zur Anwendung von IKT-Lösungen auch deren Nutzung im privaten Bereich gewidmet. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse machen deutlich, dass Ausrüstungsanbieter ihre Absatzstrategien zukünftig noch stärker als bisher auf Privathaushalte ausrichten sollten.

Zwar handelt es sich bei dieser Absatzklientel längst nicht mehr um völliges Neuland, bestimmte Aspekte machen jedoch einen beachtlichen Nachholbedarf deutlich. Und dank schrittweiser Einkommensverbesserungen, zu denen es in den nächsten Jahren nach Einschätzungen von Beobachtern kommen wird, sind auf Seiten der privaten Klientel bessere Absatzchancen zu erwarten.

Erst zwei Drittel aller Privathaushalte computerisiert

Mit einem Anteil von 65,8% verfügten 2016 annähernd zwei Drittel aller Haushalte im Land in den eigenen vier Wänden über einen Computer. Gegenüber dem entsprechenden Stand ein Jahr zuvor (64,4%) registrierte RZS somit eine Steigerung um 1,4 Prozentpunkte. In 39,2% der Haushalte (2015: 39,0%) wurde als Computer ein Laptop/Notebook genutzt.

Auf die drei Einkommensgruppen - jeweils pro Monat - weniger als 300 Euro, 300 bis 600 Euro und mehr als 600 Euro heruntergebrochen fällt bei Computern der Verbreitungsgrad in den für serbische Verhältnisse finanziell am besten ausgestatteten Haushalten erwartungsgemäß am höchsten aus. Mit einer für 2016 im Vorjahresvergleich vermeldeten Verbesserung um 6,6 Prozentpunkte auf 95,0% dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis jeder dieser Haushalte mindestens einen Computer für den Privatgebrauch sein eigen nennt.

Ein teilweise recht deutlicher Aufholbedarf wurde demgegenüber in den Haushalten der mittleren und unteren Einkommensgruppen mit Ausstattungsgraden von derzeit 83,2 und 47,1% ermittelt. Im regionalen Vergleich schnitt der Großraum Belgrad mit 75,9% am besten ab. In der autonomen Provinz Vojvodina besaßen 67,7% der Haushalte einen eigenen PC, in Zentralserbien waren es lediglich 59,4%.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich zudem bei der Versorgung mit Internetanschlüssen ab. Dem serbischen Statistikamt zufolge fiel die entsprechende Dichte in der Hauptstadt Belgrad mit 73,1% der Haushalte am höchsten aus. Die autonome Region Vojvodina folgte dahinter mit immerhin 68,7%, während der Rest des Landes mit lediglich 57,9% spürbar abfiel.

Auch, was die Nutzung des Internets angeht, machen die statistischen Erhebungen deutlich, dass erneut Bezieher höherer Einkommen sich derartige Dienste eher leisten können als weniger gut Verdienende. So sind jene Haushalte, die regelmäßig mit monatlich über 600 Euro kalkulieren können, mittlerweile zu 94,7% ans Internet angeschlossen. Parallel dazu muss in der Gruppe der Geringverdiener, deren verfügbares Gesamtbudget bei weniger als 300 Euro pro Monat liegt, angesichts einer Verbreitungsrate von lediglich 46,1% noch mehr als jeder zweite Haushalt ohne eigenes Internet auskommen.

Knapp 30% der Bevölkerung noch ohne Interneterfahrungen

In Bezug auf die Inanspruchnahme des Internets förderte die repräsentative RZS-Umfrage unter anderem zu Tage, dass 29,1% der serbischen Einwohner noch keine Erfahrungen mit dem Internet gemacht haben. Als regelmäßige Nutzer bezeichneten sich 2016 hingegen hochgerechnet mehr als 3,1 Mio. Bewohner des Landes (insgesamt: 7,1 Mio. Einwohner). Gegenüber den Umfrageergebnissen des Vorjahres nahm die Zahl der regelmäßigen Nutzer mit etwa 150.000 um gut 5% zu.

Bei Themen, die in Serbien beim Surfen im Internet am häufigsten angesteuert werden, liegen laut der Umfrage Nachrichtenseiten mit 77,4% ganz vorne. Dahinter folgen Informationsangebote für Waren und Dienstleistungen (71,3%), soziale Netzwerke (68,7%), internetbasierte Telefonie/Videotelefonie (60,2%) und das Senden und Empfangen von E-Mails (58,2%). Zudem beträgt der Anteil jener Privatpersonen, die regelmäßig internetbasierte Dienstleistungen von Einrichtungen der öffentlichen Hand im Rahmen des E-Government nutzen, 28,1%, beim Internetbanking 19,2%.

Durchaus Luft nach oben besteht in Serbien auch im privaten Bereich beim Rückgriff auf das Internet zum Einkaufen von Waren und Dienstleistungen. Mit 54,6% sind mehr als die Hälfte der landesweiten Internetnutzer diesbezüglich noch nicht aktiv geworden. Andererseits sind in Serbien in den letzten Monaten immerhin 1,45 Mio. Personen mit konkreten Kaufabsichten im Internet unterwegs gewesen. Gegenüber 2015 hat sich deren Zahl mit circa 230.000 um knapp 19% erhöht.

Serbische Importe von IKT-Hardware (Auswahl; in Mio. US$)
Warengruppe (SITC) 2012 2013 2014 2015
Büromaschinen (75) 276,1 304,4 249,0 240,5
.Deutschland 20,0 19,8 9,9 11,7
Datenverarbeitungstechnik (752) 180,6 183,9 148,5 150,1
.Deutschland 15,9 11,9 5,7 7,0
Geräte für Nachrichtentechnik, Bild und Ton (76) 430,8 445,0 390,9 471,9
.Deutschland 8,3 7,2 5,4 11,8
Nachrichtentechnik (764) 342,8 356,8 321,4 344,2
.Deutschland 7,5 6,5 5,1 10,5
Elektronische Bauelemente (776) 28,2 36,5 27,6 22,1
.Deutschland 1,4 1,7 2,2 2,7
Halbleiterbauelemente (7763) 15,3 18,0 13,3 8,9
.Deutschland 0,7 0,6 0,7 1,2

Quelle: UN Comtrade

(T.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Internetdienste, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

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