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15.08.2016

Serbiens Außenhandel legt weiter zu

Starke Zuwächse bei Exporten / Importe nehmen moderater zu / Von Jan Triebel

Belgrad (GTAI) - Serbiens Außenhandel erhält weiterhin Rückenwind. Im- wie Exporte knüpften im 1. Halbjahr 2016 an das gute Abschneiden im Vorjahr an. Dabei wuchsen die Ausfuhren etwas temporeicher als die Einfuhren. Knapp ein Viertel aller für Abnehmer im Ausland bestimmten Waren stammt von zehn lokal produzierenden Unternehmen. Die Verflechtung mit dem EU-Binnenmarkt ist beachtlich: 2015 stammten gut 62% aller Importe aus der EU-28; bei den Exporten betrug der Anteil knapp 66%.

Der Warenaustausch des größten Westbalkanstaats mit dem Ausland präsentierte sich im 1. Halbjahr 2016 robust wachstumsorientiert. Vorläufigen Erhebungen des Statistikamtes RZS (Republicki zavod za statistiku) von Ende Juli 2016 zufolge erhöhten sich Serbiens Importe um 5,8% auf 8,51 Mrd. Euro.

Angesichts eines Lieferzuwachses von 10,2% entwickelten sich die Exporte sogar noch temporeicher. Ihr wertmäßiger Umfang belief sich zwischen Januar und Juni 2016 auf 6,58 Mrd. Euro. Im Zuge der höheren Dynamik auf Seiten der Ausfuhren verringerte sich das chronische Defizit der serbischen Außenhandelsbilanz. Im Vorjahresvergleich gab es um 6,6% auf 1,93 Mrd. Euro nach.

Die hohe Dynamik des Exportgeschehens zählt derzeit zu den wichtigsten Trägern für den wirtschaftlichen Aufschwung im Land. Der aktuell zu verzeichnende Aufwärtstrend der serbischen Wirtschaft - das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte 2016 in den ersten beiden Jahresquartalen real um 3,5 und 1,8% zu - ist nicht zuletzt der recht schwungvollen Entwicklung des Außenhandels zu verdanken.

Der Erfolg im Ausfuhrgeschehen liegt auf zahlreichen Schultern. Als besonders wichtig erweist sich jedoch das Abschneiden der exportstärksten Unternehmen. Im Fokus regelmäßiger Betrachtungen seitens des serbischen Finanzministeriums (Ministarstvo finansija) steht dabei eine in ihrer Zusammensetzung relativ homogene, 15 Firmen starke Gruppe, die mit ihren jeweiligen Lieferungen ins Ausland in der Regel Umsätze ab 50 Mio. Euro aufwärts erzielen.

Führende Exporteure zuletzt mit Einbußen

Davon vereinigten allein die wiederum zehn ausfuhrstärksten Firmen des Landes in den ersten sechs Monaten 2016 mit 24,4% knapp ein Viertel aller serbischen Exporte auf sich. Im Vergleich dazu hatten die zehn führenden Exporteure - in leicht anderer Konstellation - im entsprechenden Zeitraum ein Jahr zuvor mit 27,7% sogar noch etwas stärker abgeschnitten.

Als hauptverantwortlich für den leichten Anteilsschwund gelten stärkere Absatzeinbußen bei Unternehmen in der unmittelbaren Führungsgruppe der Top-10. So verringerte sich etwa der Beitrag zu Serbiens Gesamtausfuhren seitens des mit Abstand wichtigsten Exporteur, dem Pkw-Produzenten FCA Srbija, von 12,3 auf 10,1% im Vorjahresvergleich. Prozentual im zweistelligen Bereich gaben zudem die Ausfuhrerlöse für Hesteel Serbia und NIS nach, die beide unter den weiterhin niedrigen Weltmarktpreisen für ihre Produktpalette litten.

Neu unter Serbiens zehn wichtigsten Exporteuren sind im 1. Halbjahr 2016 die Unternehmen MK Group und Yura Corporation zu finden gewesen. Ihre Plätze dort räumten mussten zunächst der zur deutschen Stada zählende Arzneimittelproduzent Hemofarm und der Vermarkter von Wehrtechnik Yugoimport-SDPR.

Serbiens führende Exportunternehmen (Lieferwert in Mio. Euro)
Unternehmen (Standort) Produktionsprofil 1. Halbjahr 2015 1. Halbjahr 2016 Veränderung 1. Halbjahr 2016/1. Halbjahr 2015 (in %)
FCA Srbija (Kragujevac) Pkw 735,0 663,6 -9,7
Tigar Tyres (Pirot) Automobilreifen 141,0 160,9 14,1
Hesteel Serbia Iron & Steel*) (Smederevo) Heiß- und Kaltwalzgut 172,6 133,7 -26,5
Philip Morris Operations (Nis) Tabakwaren 70,4 110,4 56,8
NIS (Novi Sad) Erzeugnisse der Ölverarbeitung 134,0 103,4 -22,8
HIP-Petrohemija (Pancevo) Polymere 84,1 97,2 15,6
MK Group (Novi Sad, Kula) Nahrungsgüter k.A. 86,4 k.A.
Gorenje (Valjevo, Stara Pazova) Elektrische Haushaltsgeräte 79,9 84,9 6,3
Tetra Pak Production (Belgrad) Verpackungsmittel 92,0 83,3 -9,5
Yura Corporation (Raca) Automobilelektrik 62,3 80,6 29,4

*) bis Ende Juni 2016 unter der Bezeichnung Zelezara Smederovo

Quelle: serbisches Finanzministerium unter Verwendung von Daten der Zollverwaltung

Mit den aktuellen Resultaten für den Zeitraum Januar bis Juni 2016 knüpft Serbiens Außenhandel nahtlos an den positiven Verlauf im Jahr 2015 an. Der Warenumsatz hatte gegenüber 2014 wertmäßig um 6,7% angezogen, von 26,65 Mrd. auf 28,43 Mrd. Euro.

Rekordniveau für Ausfuhren 2015

Auf Seiten der Ausfuhren hatte 2015 der Aufwärtstrend mit einem Plus von 7,9% sogar zu einem neuen Rekord geführt. Getragen von der guten Nachfrage des Auslands nach Waren serbischen Ursprungs steigerte das Land 2015 seine Lieferungen ins Ausland gegenüber 2014 von 11,16 Mrd. auf 12,04 Mrd. Euro.

Nicht zuletzt wegen der anhaltenden Preisflaute bei Rohstoffen entwickelten sich die Importe parallel dazu etwas verhaltener. Das Wachstum der Einfuhren - von 15,49 Mrd. auf 16,39 Mrd. Euro - fiel mit 5,8% aber immer noch beachtlich aus. Der für Serbiens Einfuhren aus dem Jahr 2008 stammende Höchstwert (16,48 Mio. Euro) behielt aber weiterhin Bestand.

Auch reichte die im Vergleich mit den Einfuhren leicht höher ausfallende Dynamik auf Seiten der Ausfuhren nicht aus, um das Defizit der Handelsbilanz auch 2015 weiter zurückzufahren. Der traditionelle Nettoimporteur Serbien wies im Berichtsjahr einen Passivsaldo in Höhe von 4,35 Mrd. Euro auf, was gegenüber dem Vorjahr einer leichten Ausweitung um 0,3% entsprach.

Entwicklung von Einfuhr und Ausfuhr in Serbien nach wichtigen Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe (SITC) 2014 2015 Veränderung 2015/2014 (in %)
Einfuhr *):
.Straßenfahrzeuge (78) 1.709,8 1.736,1 1,5
.Erdöl, Erdölerzeugnisse und verwandte Waren (33) 1.366,8 1.082,9 -20,8
.Elektrische Maschinen, Apparate, Geräte, Einrichtungen und elektrische Teile davon (77) 625,7 703,2 12,4
.Maschinen, Apparate und Geräte für verschiedene Zwecke und Teile davon (74) 562,7 648,7 15,3
.Arzneimittel (537,5 537,5 574,9 7,0
.Erdgas (34) 607,7 559,0 -8,0
.Eisen und Stahl (67) 491,2 498,3 1,4
.Kunststoffe in Vorformen (57) 460,8 484,1 5,1
.Papier, Pappe (64) 485,9 469,1 -3,5
.NE-Metalle (68) 437,6 466,9 6,7
Ausfuhr:
.Straßenfahrzeuge (78) 1.537,2 1.411,0 -8,2
.Elektrische Maschinen, Apparate, Geräte, Einrichtungen und elektrische Teile davon (77) 873,9 927,8 6,2
.Gemüse und Früchte (05) 564,0 687,6 21,9
.Getreide und Getreideerzeugnisse (04) 595,2 575,1 -3,5
.NE-Metalle (68) 443,7 506,4 14,1
.Metallwaren, andere (69) 466,5 479,3 2,7
.Bekleidung und Bekleidungszubehör (84) 473,1 474,9 0,4
.Eisen und Stahl (67) 369,6 440,2 19,1
.Kautschukwaren, andere (62) 359,2 426,7 18,8
.Kraftmaschinen und Kraftmaschinenausrüstungen (71) 291,0 383,7 31,9

*) Einen nennenswerten Umfang erreicht zudem regelmäßig die Gruppe der nicht klassifizierten Waren, zu denen etwa militärische Ausrüstungen oder Güter in Zollagern und in Freizonen zählen. Deren Einfuhren machten 2015 (2014) 1,36 (1,10) Mrd. Euro aus.

Quelle: Republicki zavod za statistiku (RZS; Statistikamt Serbiens)

Deutschland, Italien und Russland wichtigste Handelspartner

In der geografischen Struktur der Warenströme hat es kaum Verschiebungen gegeben. Der mit Abstand wichtigste Handelspartner Serbiens ist die EU. Der Beitrag der EU-28 zum serbischen Außenhandel machte auf Seiten der Importe 62,4% (2014: 63,0)% aus. Bei den serbischen Exporten entfiel 2015 ein Anteil von 65,7% (64,6%) auf Abnehmer in der EU-28.

Entwicklung von Einfuhr und Ausfuhr in Serbien nach wichtigen Ländern (in Mio. Euro)
Land 2014 2015 Veränderung 2015/2014 (in %)
Ausfuhr insgesamt; darunter nach: 11.158,6 12.041,0 7,9
.Italien 1.932,4 1.945,6 0,7
.Deutschland 1.330,1 1.503,8 13,1
.Bosnien und Herzegowina 993,7 1.055,3 6,2
.Rumänien 628,0 670,5 6,8
.Russische Föderation 774,5 653,2 -15,7
Einfuhr insgesamt; darunter aus: 15.490,4 16.387,5 5,8
.Deutschland 1.822,4 2.031,6 11,5
.Italien 1.728,0 1.732,0 0,2
.Russische Föderation 1.756,7 1.567,4 -10,8
.VR China 1.174,9 1.386,2 18,0
.Ungarn 765,8 780,9 2,0

Quelle: RZS

(T.J.)

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