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06.02.2017

Serbiens Exporte legen stärker als Importe zu

Verflechtung der Wirtschaft mit dem EU-Binnenmarkt wächst / Von Jan Triebel (Januar 2017)

Belgrad (GTAI) - Serbien erzielt seit mehreren Jahren steigende Umsätze im Außenhandel. Eine wichtige Rolle spielt die zunehmende Verflechtung der Wirtschaft des Landes mit dem EU-Binnenmarkt. Schon heute entfallen auf diesen Wirtschaftsraum jeweils mehr als 60% der serbischen Im- und Exporte. Deutschland bildet das Hauptlieferland. Die meisten serbischen Exporte gehen nach Italien; Deutschland stellt den zweitwichtigsten Abnehmer. Maschinen und Fahrzeuge setzen einfuhr- wie ausfuhrseitig die Hauptakzente.

Serbiens Warenaustausch mit dem Ausland kennzeichnet seit Jahren ein recht hohes Handelsbilanzdefizit. In der jüngeren Vergangenheit ging der Fehlbetrag schrittweise zurück. Der Passivsaldo sank zwischen 2010 und 2015 auf Euro-Basis um 13,6%. Zwar verzeichneten Ein- wie Ausfuhren in diesem Zeitraum gleichermaßen kontinuierliche Zuwächse. Gegenüber den Importen expandierten die Exporte jedoch deutlich temporeicher.

Es spricht Einiges dafür, dass der Aufwärtstrend der Ausfuhren zunächst anhält. So schreitet der Auf- und Ausbau exportorientierter Produktionen in Serbien voran. Auch sind die Absatzprognosen für die wichtigsten Abnehmermärkte im Ausland überwiegend positiv. Trotzdem ist fraglich, ob das Außenhandelsdefizit weiter schrumpfen wird, da die Einfuhren angesichts des seit 2016 greifenden Konjunkturaufschwungs wieder deutlicher als zuletzt expandieren. Die Nachfrage nach einem breiten Spektrum an Importgütern belebt sich dank des robusten privaten Konsums und anziehender Investitionen.

Außenhandel Serbiens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2010 2015 Veränderung 2015/2010
Importe 12.423,5 16.387,5 31,9
Exporte 7.393,4 12.041,0 62,9
Handelsbilanzsaldo -5.030,1 -4.346,5 -

Quelle: Republicki zavod za statistiku (RZS; Statistikamt Serbiens)

Außenhandel nach Handelspartnern

Bilateraler Handel mit Deutschland und Italien am intensivsten

Zu Serbiens wichtigsten Bezugsquellen für Waren und Güter gehören die 28 Mitglieder der EU. Der Anteil der Staatengemeinschaft an den Importen erhöhte sich zwischen 2010 und 2015 um gut sieben Prozentpunkte auf 62,4%. Künftig dürfte er weiter steigen. Dafür spricht die Aussicht auf Mitgliedschaft in der EU und die zunehmende Verflechtung der serbischen Wirtschaft mit dem EU-Binnenmarkt.

Nach mehreren Jahren an zweiter Position führt Deutschland importseitig das serbische Länderranking seit 2014 an. Der deutsche Beitrag zu den Einfuhren nahm in der jüngeren Vergangenheit leicht aber beständig zu. Nächstgrößere Liefernation ist Italien, deren Importanteil jüngst leicht nachgab. Russland, derzeit die Nummer drei, hatte in Serbiens Importstatistik lange Zeit vorne gelegen. Geschuldet in erster Linie den zwischenzeitlich stark gesunkenen Preisen für Energieträger gab der russische Anteil an den Importen im Zeitraum 2010 bis 2015 um gut drei Prozentpunkte nach. Im Zuge steigender Öl- und Gaspreise dürfte Russlands Importbeitrag wieder zulegen.

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Wie auf Seiten der Importe ist die EU auch bei den Exporten für Serbien der wichtigste Partner. Ihre Bedeutung als Absatzregion für serbische Erzeugnisse ist zuletzt spürbar gestiegen. Der Ausfuhranteil nahm zwischen 2010 und 2015 um rund acht Prozentpunkte auf 65,7% zu.

Italien ist das bedeutendste Abnehmerland. Dorthin geht unter anderem das Gros der in Serbien gefertigten Pkws eines Fiat-Werks. Das Modell ist seit 2013 mit Abstand das wichtigste Exportgut des Landes; sein Absatz geriet jedoch zuletzt leicht ins Stocken. In der Folge gab Italiens Anteil an den serbischen Ausfuhren von 2014 auf 2015 um gut einen Prozentpunkt nach. Deutschland nahm hingegen in den letzten Jahren kontinuierlich mehr serbische Waren ab. Maßgeblich daran beteiligt ist die zunehmende Zahl an Vor-Ort-Engagements von Firmen im Zuliefergeschäft mit den Schwerpunkten Automobilbau und Deutschland.

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Außenhandel nach Warengruppen

Investitionsgüter am gefragtesten

Serbiens Außenhandel zeichnet seit Jahren eine rege Importtätigkeit aus. Dem Wert nach wuchsen die Einfuhren zwischen 2010 und 2015 um 31,9%. Strukturell weisen die Bezüge von Waren und Gütern aus dem Ausland in dieser Periode nur geringe Veränderungen auf. Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge stellen traditionell die Haupteinfuhrgüter des Landes (Lieferanteil 2015: 27,9%). Darunter entfiel 2015 der größte Teil auf Straßenfahrzeuge. Die dominierende Rolle in dieser Sparte spielen Teile und Zubehör für Kfz, die zwischenzeitlich Pkw überflügelt haben. Dies geht vor allem auf die Montage von Fiat-Pkw und den gestiegenen Bedarf an Vorprodukten für die Fertigung von Automobilkomponenten zurück. Die Bezüge von Maschinen legten im Berichtszeitraum wertmäßig um knapp drei Viertel zu.

Auf Rang zwei der Einfuhrgüter nach Warengruppen lagen 2015 Vorerzeugnisse mit einem Anteil von 18,1%. Schwerpunkte darunter bilden Eisen und Stahl, Papier und Pappe sowie NE-Metalle. Es folgten chemische Erzeugnisse, deren Beitrag zu den Gesamtimporten 15,0% ausmachte. In dieser Gruppe generieren Arzneimittel und Kunststoffe in Primärformen die höchsten Umsätze.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code *) 2010 2015
Gesamt, davon: 12.423,5 16.387,5
Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge, darunter: 7 2.610,4 4.567,1
.Maschinen 71-74 783,0 1.365,5
.Elektronik 75, 76, 776 554,5 661,0
.Elektrotechnik 77 minus 776 455,2 683,3
.Straßenfahrzeuge, darunter: 78 763,6 1.736,0
..Teile und Zubehör für Kfz 784 189,5 966,3
Vorerzeugnisse 6 2.466,2 2.963,7
Chemische Erzeugnisse 5 1.851,6 2.458,8
Mineralische Brennstoffe darunter: 3 2.454,7 1.887,1
.Erdöl 33 1.331,4 1.086,1
Sonstiges 9 726,4 1.359,5
Fertigerzeugnisse 8 981,1 1.201,9
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 660,3 1.028,3
Rohstoffe 2 513,8 671,8
Getränke/Tabak 1 128,5 202,6
Tierische/pflanzliche Öle 4 30,3 47,2

*) Das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: RZS

Pkw dominieren Ausfuhrgeschäft

Serbien Exporte legten zwischen 2010 und 2015 deutlich zu. Die Ausfuhren von Waren und Gütern stiegen um 62,9% und somit nahezu doppelt so stark wie die Einfuhren. Auf die Gruppe der Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge entfiel zuletzt mit einem Anteil von 29,1% auch ausfuhrseitig der größte Beitrag. Wachstumstreiber der letzten Jahre waren vor allem Pkw. Im Zuge des Einstiegs von Fiat in die überwiegend exportorientierte Serienfertigung schnellte der Pkw-Anteil an den serbischen Exporten von nahezu Null auf annähernd ein Zehntel in die Höhe. Zuletzt schrumpften die Verkäufe jedoch.

Die zweitwichtigste Gruppe der Ausfuhrgüter sind Vorerzeugnisse mit einem Anteil von 21,5%. In dieser sind Eisen und Stahl, Reifen und das NE-Metall Kupfer tonangebend. Einen wichtigen Beitrag zu Serbiens Exportgeschehen steuern außerdem Erzeugnisse der Gruppe Nahrungsmittel/lebende Tiere bei (2015: 15,6%). Einer guten Nachfrage im Ausland erfreuen sich vor allem die Nutzkultur Mais und haltbar gemachte Früchte mit dem Schwerpunkt Himbeeren.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code *) 2010 2015
Gesamt, davon: 7.393,4 12.041,0
Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge, darunter: 7 1.199,4 3.506,7
.Maschinen 71-74 356,5 738,9
.Elektronik 75, 76, 776 143,0 157,8
.Elektrotechnik 77 minus 776 445,2 762,6
.Straßenfahrzeuge, darunter: 78 142,1 1.183,2
..Pkw 781 29,7 1.170,5
Vorerzeugnisse 6 2.144,6 2.583,5
Nahrungsmittel/lebende Tiere, darunter: 0 1.334,7 1.879,1
Fertigerzeugnisse 8 932,1 1.585,8
Chemische Erzeugnisse 5 662,5 1.018,2
Rohstoffe 2 350,7 403,7
Getränke/Tabak 1 175,0 396,5
Mineralische Brennstoffe 3 377,8 342,5
Sonstiges 9 107,7 183,8
Tierische/pflanzliche Öle 4 108,9 141,3

*) Das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: RZS

(T.J.)

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Serbien Außenhandel / Struktur, allgemein

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