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03.11.2016

Serbiens Telekomanbieter investieren in Netzausbau

Marktführer bringt dafür Großprojekt auf den Weg / LTE in den Mobilfunknetzen auf dem Vormarsch / Von Jan Triebel

Belgrad (GTAI) - Serbiens Telekomsektor setzt auf moderne Technologielösungen. Denn die Nachfrage nach hochwertigen Datenverbindungen nimmt stark zu. Allein der Marktführer im Bereich Festnetz, Telekom Srbija, investiert 150 Mio. Euro in den nächsten Jahren. Beim aktuellen Trend, hin zu Paketlösungen, die Festnetz und Internet vereinen, spielt das Unternehmen eine Vorreiterrolle. Im Mobilfunk treiben die Betreiber nationaler Netze die Aufrüstung ihrer Kapazitäten mit 4G-Technik voran. (Internetadressen)

Zu Serbiens wichtigsten Herausforderungen im Bereich der Telekommunikation zählt die umfassende Modernisierung des Festnetzes. Für den landesweit führenden Anbieter von Dienstleistungen in diesem Sektor, Telekom Srbija, bedeutet das, dass es seine veraltete technische Infrastruktur und die dort genutzten Übertragungs- und Vermittlungsmodi vollständig auf das Internetprotokoll (All-IP) umstellen wird. Für Beschaffung und Installation der geeigneten Funk- und Netzwerktechnik nimmt das Staatsunternehmen umgerechnet rund 150 Mio. Euro in die Hand.

Als Partner für dieses Vorhaben steht mittlerweile Huawei, ein aus der VR China stammende Ausrüster, fest. Ein auf mehrere Jahre angelegter Kooperations- und Liefervertrag wurde Anfang Oktober 2016 unterzeichnet.

Teilweise soll die Modernisierung der Festnetzkapazitäten mit dem Austausch vorhandener Kabelstränge durch Glasfaserleitungen einhergehen. Den Schwerpunkt bilden dabei größere Ballungsgebiete im Land. Dort ansässigen Privat- wie Geschäftskunden will Telekom Srbija zukünftig hochqualitative Kombilösungen von Festnetz und Internet offerieren. Im Datenverkehr etwa könnten so nach und nach Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s ermöglicht werden.

Telekom Srbija im Festnetz unangefochten

Serbiens Festnetz zählte 2015 landesweit insgesamt 2,60 Mio. Kunden. Angaben der unter anderem für den Telekomsektor zuständigen Regulierungsbehörde Ratel (Regulatorna agencija za elektronske komunikacije i postanske usluge) zufolge gingen 2015 im Vorjahresvergleich (2014: 2,72 Mio.) immerhin 4,4% des Kundenbestands verloren. Ein seit Jahren zu beobachtender, abwärts weisender Trend setzte sich somit fort. Die Verbreitung des Festnetzes, gemessen als Anzahl der vorhandenen Anschlüsse je 100 Einwohner, sank zwischen 2014 und 2015 von 37,99 auf 36,80.

Trotz der bereits vor einigen Jahren erfolgten Liberalisierung des Marktes und des darauf folgenden Eintritts mehrerer alternativer Anbieter in diesen spielt Telekom Srbija weiterhin die wichtigste Rolle für Festnetzdienste im Land. In seinem Geschäftsbericht von 2015 gibt das Unternehmen die Zahl der im eigenen Netz geschalteten Anschlüsse mit 2,44 Mio. an - zum Vorjahr ein Minus von 6,8%. Daneben sind noch Orion telekom und Telenor als Betreiber eigener öffentlicher Netze für die Festnetztelefonie aktiv. Darüber hinaus verfügten Ratel-Informationen zufolge Ende 2015 landesweit 14 Firmen über eine Lizenz, Festnetzleistungen zu offerieren.

Parallel dazu gab es in ganz Serbien 212 registrierte Anbieter von Internetzugängen. Jene Verbindungen ausgeklammert, die ausschließlich im Rahmen mobiler Lösungen hergestellt werden, betreuten diese Akteure zuletzt insgesamt 1,56 Mio. im Land bestehende Internet-Breitbandanschlüsse. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Zahl der Nutzer um 3,0%.

Die Versorgung mit Zugängen zum Breitbandinternet verdichtete sich laut Ratel zwischen 2014 und 2015 von 21,19 auf 22,55 je 100 Einwohner. Sonstige Möglichkeiten des Zugangs hinzugerechnet, verfügten zuletzt bereits 63,8% aller Privathaushalte in Serbien über einen Zugang zum Internet. Dies jedoch mit größeren regionalen Unterschieden: Während die Versorgungsrate der Haushalte mit Internet in der Hauptstadt Belgrad 2015 knapp 92% betrug, erreichte der im Süden des Landes gelegene Verwaltungsbezirk Toplica in dieser Hinsicht lediglich gut 38%.

Gut drei Viertel aller Internetzugänge über xDSL und Kabel

Als Hauptakteur sticht bei der Anbindung ans Internet erneut Telekom Srbija heraus, wenn auch weniger deutlich als beim Festnetz. Im Jahr 2015 umfasste der diesbezügliche Vertragsbestand des Unternehmens 743.000 Kunden. Ratel zufolge betreute Telekom Srbija zuletzt 46% des landesweiten Abonnentenstamms im Bereich Internet. Mit einem nennenswerten Marktanteil von 21% führte die Regulierungsbehörde in einer Aufstellung für 2015 den Kabelnetzbetreiber SBB als den nächstgrößeren Anbieter.

Unter den technischen Lösungen für einen Internetzugang dominierten 2015 in Serbien verschiedene Varianten des digitalen Teilnehmeranschlusses (xDSL) mit einer Abdeckungsquote von 46,3%. Es folgte das sogenannte Kabelinternet, dessen Marktanteil bei 30,5% lag. Auf 15,5% brachte es der Mobilfunk, der spätestens seit dem Aufkommen der Netze der dritten und vierten Generation immer häufiger als Vehikel für den Zugang zum Internet genutzt wird.

Um auf diesem hart umkämpften Markt auch weiterhin bestehen zu können, gilt der fortwährende Ausbau und die technische Aufrüstung der drahtlosen Telekommunikationsnetze als ein unbedingtes Muss. Bei den Betreibern der drei bestehenden nationalen Mobilfunknetze - Telekom Srbija, Telenor und Vip - steht daher derzeit unisono der Ausbau von Kapazitäten zur Verbreitung von Diensten der vierten Generation (4G; LTE) im Vordergrund.

Mobilfunkanbieter erweitern Abdeckung mit 4G

Gemessen an dem von der Regulierungsbehörde Ratel für Ende 2015 gemeldeten Status quo zur Abdeckung fällt der noch bestehende Ausbaubedarf je nach Anbieter unterschiedlich hoch aus. Bei den bisher verfolgten Aktivitäten bildeten jeweils die bevölkerungsreichsten Ballungsräume im Land die Schwerpunkte.

Am weitesten vorangekommen ist dabei Telekom Srbija, die bei LTE-Diensten mit einer territorialen Abdeckung von 9,3% Ende 2015 bereits 56,7% der Bevölkerung erreichen konnte. Vip erfasste mit seinem LTE-Netz zu diesem Zeitpunkt territorial 4,1% und in Bezug auf die Bevölkerung 26,3%. Telenor als dritter Akteur im Bunde lag bei der 4G-Technologie laut Angaben von Ratel Ende 2015 bei 0,4% (Territorium) und 6,5% (Bevölkerung).

Das Unternehmen verfolgt derzeit jedoch einen temporeichen Aufholprozess. Bis zum Jahresende 2016 will Telenor seine Netzkapazitäten in allen Gemeinden im Land der Größenordnung 10.000 Einwohner und mehr für die Versorgung mit LTE-Diensten aufgerüstet haben. Um somit in etwa die Hälfte von Serbiens Bevölkerung mit dem 4G-Standard zu erreichen, wird mit insgesamt rund 620 Basisstationen gerechnet. Laut einer Telenor-Pressemitteilung sollen davon bis Mitte Oktober 2016 bereits 450 Anlagen errichtet worden sein.

Angesichts einer Versorgungsquote von durchschnittlich 99,4% erzielen die drei Akteure im Mobilfunkstandard der zweiten Generation (2G; GSM) eine nahezu vollständige Abdeckung der serbischen Bevölkerung. Bei Diensten im Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G; UMTS) erreichten die Anbieter den Ratel-Erhebungen zufolge Ende 2015 zwischen 88,7% (Vip) und 97,3% (Telekom Srbija) der Bevölkerung.

Der serbische Mobilfunkmarkt zählte Ende 2015 insgesamt 9,16 Mio. Nutzer. Die Regulierungsbehörde Ratel ermittelt diese Größe jeweils anhand der Zahl der im 4. Quartal des Berichtsjahres tatsächlich genutzten Postpaid und Prepaid-SIM-Karten serbischer Mobilfunkprovider. Im Vergleich zum Vorjahr wurden demnach 1,9% weniger Karten eingesetzt. Entsprechend ging auch die Marktdurchdringungsrate von 130,8 auf 129,4% leicht zurück. Das Kräfteverhältnis zwischen Post- und Prepaid war mit 49,6 zu 50,4% nahezu ausgeglichen.

Internetadressen

VIP Mobile d.o.o. Beograd

E-Mail: komunikacije@vipmobile.rs; Internet: http://www.vipmobile.rs

Telekom Srbija a.d. Beograd

E-Mail: postmaster@telekom.rs; Internet: HYPERLINK "http://www.mts.rs" http://www.mts.rs

Telenor d.o.o. Beograd

E-Mail: marketing@telenor.rs; Internet: http://www.telenor.rs

(T.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Telekommunikationsdienste, Internetdienste

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 228 24 993 321

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