Suche

07.10.2016

Serbiens Wirtschaft erzielte 2015 wieder mehr Gewinne

Guter Konjunkturverlauf hebt Mehrzahl der Firmen ins Plus / NIS bei Umsätzen, Telekom Srbija bei Gewinnen vorne / Von Jan Triebel

Belgrad (GTAI) - In Serbien dominierten 2015 wieder Unternehmensabschlüsse mit schwarzen Zahlen. Dies ergab eine Studie zu den Eckdaten von gut 90.000 Unternehmen. Der gesamtwirtschaftliche Aufwärtstrend dürfte anhalten. In den letzten Jahren glich die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) einer Berg- und Talfahrt. Entsprechend war der geschäftliche Erfolg der lokal agierenden Firmen starken Schwankungen ausgesetzt.

Das serbische BIP dürfte sein Wachstum von 2,5% in diesem und 2,8% im kommenden Jahr auf 3,5% im Jahr 2018 beschleunigen, prognostizierte die Weltbank Ende September 2016 in ihrem Konjunkturreport zur Region Westbalkan. Auch die EU-Kommission, der Internationale Währungsfonds, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung oder das serbische Finanzministerium sind von einer mittelfristigen Verstetigung des positiven Konjunkturverlaufs in Serbien überzeugt.

In den letzten Jahren waren die Ausschläge der BIP-Veränderung nach unten und oben in der Regel recht moderat ausgefallen. Eine Rückkehr auf das vor der Wirtschaftskrise 2008/09 erreichte Leistungsniveau steht jedoch weiterhin aus.

Entwicklung des serbischen BIP im Zeitraum 2009 bis 2018 (reale Veränderung in %)
Jahr Veränderungsrate
2009 -3,1
2010 0,6
2011 1,4
2012 -1,0
2013 2,6
2014 -1,8
2015 0,8
2016 *) 2,5
2017 *) 2,8
2018 *) 3,5

*) Prognose

Quelle: Republicki zavod za statistiku (RZS - http://www.stat.gov.rs; Statistikamt Serbiens), Weltbank (South East Europe Regular Economic Report No. 10)

Gewinne überflügeln Umsätze beim Wachstum

Das Wiederanspringen des Konjunkturmotors fand 2015 in den Bilanzen vieler Unternehmen positiven Widerhall. Landesweit wurden Umsätze in Höhe von insgesamt 9.165,58 Mrd. Serbischen Dinar (RSD) getätigt. Laut einer Ende September 2016 veröffentlichten Studie der staatlichen Agentur für das Unternehmensregister (Agencija za privredne registre; APR - http://www.apr.gov.rs) zum Geschäftsverlauf in der serbischen Wirtschaft entsprach dies einem Anstieg gegenüber 2014 von 3,3%.

Diese und die nachfolgenden Angaben der APR basieren auf der Auswertung der obligatorisch an diese Institution zu übermittelnden Geschäftsberichte. Von den landesweit Ende 2015 registrierten 126.262 Unternehmen sollen laut APR 95.378 ihrer Berichtspflicht nachgekommen sein; bei 5.865 von diesen ruhte die Geschäftstätigkeit. In die Analyse flossen letztlich die Daten von 90.400 Firmen ein.

Diesen zufolge verbesserte sich 2015 die allgemeine Ertragssituation der Unternehmen wieder. Mit 54.475 schrieben drei Fünftel schwarze Zahlen. Und während im Vorjahr die landesweit verbuchten Nettoverluste die erzielten Nettogewinne deutlich übertroffen hatten, überwogen 2015 in der Gesamtaufrechnung letztere. Die Nettogewinne erhöhten sich gegenüber 2014 um 14,6%. Absolut betrachtet, summierten sie sich auf 466,66 Mrd. RSD. Dem standen auf Seiten der Nettoverluste 27.521 Firmen mit Fehlbeträgen von zusammen 322,87 Mrd. RSD gegenüber. Der Vergleichswert vom Vorjahr reduzierte sich somit um 41,2%.

Fünf Großunternehmen mit knapp 9% der Gesamtumsätze

Trotz eines leichten Rückgangs fällt der Konzentrationsgrad in der serbischen Wirtschaft nach wie vor recht hoch aus. Die 100 führenden Unternehmen, die der Anzahl nach einen Anteil von lediglich 0,1% aller in der APR-Studie berücksichtigten Firmen ausmachen, generierten im Berichtsjahr gemeinsam 31,5% des Gesamtumsatzes. Ein Jahr zuvor hatte der entsprechende Anteil noch bei 34,6% gelegen. Ihre Umsätze legten 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 8,2% zu.

Die Dominanz der dem Umsatz nach fünf größten Wirtschaftsakteure Serbiens bröckelte leicht ab. Nach 2014 mit einem Anteil von 9,6% an den Gesamtumsätzen vereinigten sie 2015 noch 8,7% auf sich. Darin schlug sich laut APR maßgeblich der deutliche Umsatzeinbruch nieder, den der serbische Wirtschaftsprimus, der Energiekonzern NIS wegen stark gesunkener Preise für Erdöl und Erdgas erlitt.

Serbiens umsatzstärkste Unternehmen (in Mio. Euro) 1)
Unternehmen (Branche/Sitz) 2014 2015
NIS (Erdöl/Erdgas, Petrochemie, Energie/Novi Sad)) 2.110,90 1.655,40
EPS Snabdevanje (Stromversorgung/Belgrad) 1.536,71 1.562,21
EPS (Energieholding/Belgrad)) 1.226,08 1.279,55
FCA Srbija (Automotive/Kragujevac) 1.330,40 1.156,17
Mercator-S (Einzelhandel/Novi Sad) 1.063,24 2) 929,57

1) umgerechnet zu den offiziellen Jahresmittelkursen der Narodna banka Srbija (NBS - http://www.nbs.rs; serbische Zentralbank) für 2014: 1 Euro = 117,306 RSD und 2015: 1 Euro = 120,7328 RSD; 2) konsolidierter Umsatz der 2014 von APR noch getrennt ausgewiesenen Gesellschaften Mercator-S und Idea

Quellen: APR, NBS; Berechnungen von GTAI

Ähnlich wie die Verteilung der Umsätze weißt diese auch bei Gewinnen und Verlusten weiterhin eine hohe Konzentration auf. So verbuchten etwa die im Gewinnranking ganz oben stehenden ersten 100 Firmen im Jahr 2015 zusammen 40,5% (2014: 42,4%) aller positiven Erträge auf ihren Konten. Auch erwies sich die Ertragslage der Spitzengruppe mit im Vorjahresvergleich um 30,0% gestiegenen Nettogewinnen als überdurchschnittlich stark. Die unter dem Aspekt "Nettogewinn" erstellte Top-100 enthält laut APR immerhin 41 Newcomer. Davon gelang es wiederum 14 Unternehmen, ihre Ertragslage im Vorjahresvergleich von negativ zu positiv zu wandeln.

Serbiens Unternehmen mit den höchsten Nettogewinnen (in Mio. Euro) *)
Unternehmen (Branche/Sitz) 2014 2015
Telekom Srbije (Telekommunikation/Belgrad) 143,87 135,15
NIS 260,51 133,34
EPS 22,79 91,04
Telenor (Telekommunikation/Belgrad) 89,93 80,15
Delta Real Estate (Immobilien/Belgrad) 30,76 64,85

*) umgerechnet zu den NBS-Kursen

Quellen: siehe oben

Die Liste der 100 serbischen Gesellschaften mit den höchsten Nettofehlbeträgen wurde 2015 angesichts von 54 Neuzugängen noch etwas stärker durchgemischt. Von diesen wiederum hatten 45 bereits im Jahr zuvor rote Zahlen geschrieben. Die restlichen neun Firmen stiegen aus der Gewinn- in die Verlustzone ab. Unter dem Strich nahmen die Nettoverluste der laut APR 100 verlustträchtigsten Unternehmen im Land um 17,4% zu; mit einem Anteil von 68,2% (2014: 54,6%) trugen sie am Gesamtnettofehlbetrag die Hauptlast.

Serbiens Unternehmen mit den höchsten Nettoverlusten (in Mio. Euro) 1)
Unternehmen (Branche/Sitz) 2) 2014 2015
Zelezara Smederovo (Stahl/Smederevo) -97,93 -146,82
Putevi Srbije (Straßennetz/Belgrad) -77,63 -79,50
EPS Snabdevanje -72,39 -58,73
Rudarsko-topionicarski basen Bor - Grupa (Metallverhüttung/Bor) -24,53 -38,26
RTB Bor Grupa RBB (Bergbau/Bor) -20,62 -35,70

1) umgerechnet zu den NBS-Kursen; 2) bereinigt um zwei im Insolvenzverfahren befindliche Unternehmen

Quellen: siehe oben

Verarbeitendes Gewerbe im Gewinn- und Verlustranking jeweils stark vertreten

Mit Blick auf die Branchenzugehörigkeit stellte das verarbeitende Gewerbe 2015 mit 47 Nennungen die meisten Schwergewichte. Sie verbuchten 14,6% der gesamten Gewinne im Ranking der Top-100. Die nächstgrößeren Beiträge des APR-Rankings lieferten vier Firmen des Sektors Information und Kommunikation mit 5,9% aller Gewinne sowie fünf Versorgungsunternehmen mit 5,5%.

Auf eine ansehnliche Präsenz bringt es das verarbeitende Gewerbe auch bei den 100 größten Verlustbringern. Hier sind es 34 Nennungen, die zusammen 36,1% aller Verluste verursachten. Auf 7,9% belief sich der Anteil von 15 Unternehmen des Bausektors, der von ebenfalls 15 Vertretern des Groß- und Einzelhandels auf 5,6%. (T.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Konjunktur, allgemein

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 (0)228 24 993-321

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechts-informationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche