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21.02.2017

Serbische Großstadt Novi Sad investiert in Kulturbauten

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Zweitgrößte Kommune wird 2021 eine Kulturhauptstadt Europas / Projekte kosten 34 Mio. Euro / Von Jan Triebel

Belgrad (GTAI) - Die serbische Stadt Novi Sad verwirklicht in den nächsten Jahren mehrere Bauvorhaben mit kulturellem Bezug. Der Hintergrund: Die zweitgrößte Kommune des Landes wurde im Herbst 2016 von einem EU-Gremium als eine von drei Kulturhauptstädten Europas für das Jahr 2021 ausgewählt. Ein kreatives Jugendzentrum und eine kombinierte Musik- und Ballettschule bilden Schwerpunkte im Projektportfolio. Außerdem sind zahlreiche kleinteilige Vorhaben vorgesehen. (Kontaktanschrift)

Novi Sad plant zunächst mit einem Investitionsbudget in Höhe von 34,2 Mio. Euro, geben die Organisatoren des Kulturjahrs an. Damit könne es seiner Rolle als eine der drei Ausrichterstädte im europäischen Kulturjahr 2021 gerecht werden. Gut die Hälfte der für mehrere Vorhaben veranschlagten Gelder will die Hauptstadt der autonomen Provinz Vojvodina selbst aufbringen. Die öffentlichen Haushalte Serbiens und der Vojvodina steuern zusammen etwa ein Zehntel der Gesamtkosten bei, während für etwa 7% der Kosten auf Fördermittel der EU gesetzt wird. Das verbliebene Drittel des Gesamtbudgets sollen laut den Bewerbungsunterlagen für Novi Sad 2021 private Investoren stemmen.

Serbiens der Bevölkerung nach mit rund 350.000 Einwohnern zweitgrößte Metropole stellt die erste Kulturhauptstadt Europas aus einem Nicht-Mitgliedsstaat der EU dar. Erstmals in der Geschichte der EU-Initiative Europäische Kulturhauptstadt konnten für das Jahr 2021 auch Kandidatenländer oder potenzielle Kandidatenländer Vorschläge für eine Stadt als Ausrichter einreichen. Novi Sad entschied die Endauswahl im Herbst 2016 gegen Herceg Novi in Montenegro für sich.

Neben Novi Sad werden als Kulturhauptstädte Timisoara in West-Rumänien und der Athener Vorort Elefsina (Eleusis) in Griechenland 2021 an den Start gehen. Hinsichtlich der Höhe der kulturell orientierten Investitionen liegt Novi Sad mit rund 34 Mio. Euro im Mittelfeld. Timisoara gibt mit knapp 56 Mio. Euro am meisten aus; Elefsina kalkuliert mit rund 23 Mio. Euro.

Aufwertung des Gebiets am Dunavac-Kanal

Das größte Einzelbudget in Novi Sad ist mit knapp 16,7 Mio. Euro für ein neues kulturelles Highlight im Rahmen eines sogenannten Kreativen Jugendzentrums (Omladinski kreativni polis; OKP) vorgesehen. Dessen Standort bildet ein etwa 2 ha großes Grundstück südlich des Stadtzentrums. Auf dem Gelände im Stadtteil Liman, gelegen zwischen der Donaubrücke Most slobode (Freiheitsbrücke) und dem Dunavac-Kanal, befinden sich bereits zahlreiche Gebäude. Diese wurden einst für die Zwecke eines metallverarbeitenden Betriebs errichtet. Nach dessen Wegzug in den 1960er-Jahren siedelten sich kleine Handwerksbetriebe sowie eine Reihe von Bars und Restaurants in einigen der verlassenen Industriebauten an.

Im Zusammenhang mit dem Projekt Novi Sad 2021 will die Stadt mehr als die Hälfte der auf dem Areal vorhandenen Bausubstanz instand setzen und renovieren. Ebenso gilt es, die dort vorhandene Versorgungsinfrastruktur (Wasser, Abwasser, Strom) grundlegend zu überholen sowie neue Parkplätze, Zugangs- und Zufahrtswege zu schaffen. Darüber hinaus sucht Novi Sad private Investoren, die bereit sind, Freiflächen im östlichen und südlichen Bereich der Industriebrache passend zum kulturellen Konzept des OKP neu zu bebauen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Kulturzentrum ist außerdem eine neue Brücke vorgesehen. Sie überspannt den Dunavac-Kanal und verbindet den Stadtteil Liman mit einer Halbinsel an der Donau. Die Halbinsel ist bekannt als Naherholungsgebiet Ribarsko ostrovo und verfügt, in erster Linie flussseitig, ebenfalls über einige Restaurants und Bars. Konzipiert ausschließlich für Fußgänger und Radfahrer wird die circa 300 m lange Brücke gut 2,2 Mio. Euro kosten.

Einen weiteren Schwerpunkt zum Ausbau der kulturellen Infrastruktur in Novi Sad bildet ein neues Gebäude für eine städtische Musik- und Ballettschule. Hierfür sind Kosten in Höhe von 14,5 Mio. Euro veranschlagt. Der Neubau mit vier Etagen entsteht auf einem Grundstück an der zentralen Straße Bulevar cara Lazara. Die Schule soll Platz für die gleichzeitige Betreuung von rund 1.200 Schülern bieten und über einen Konzertsaal mit einer Kapazität von gut 400 Personen verfügen.

Darüber hinaus sind drei sogenannte Kulturstationen vorgesehen. Diese dienen als dezentrale Anlaufstellen, um zukünftig kulturelle Aktivitäten auch außerhalb des Stadtzentrums von Novi Sad der Bevölkerung gezielter als bisher offerieren zu können. Die Organisatoren rechnen mit einem relativ überschaubaren finanziellen Aufwand im Bereich von 145.000 bis 370.000 Euro, um bereits existierende Gebäude für verschiedene kulturelle Angebote auszustatten. Bei den Standorten für die Kulturstationen fiel die Wahl auf die Siedlungen Novo Naselje und Klisa in Novi Sad und auf die etwa 15 km außerhalb liegende Gemeinde Sremski Karlovci.

Hinzu kommen mehrere sogenannte Urban pockets als Treffpunkte im öffentlichen Raum für die Einwohner der insgesamt 46 Stadtteile Novi Sads. Die Kosten, um diese einzurichten, belaufen sich voraussichtlich auf zusammen rund 300.000 Euro.

Universität strebt Technologiepark auf neuem Campus an

Nachdem Novi Sad Mitte Oktober 2016 als Kulturhauptstadt bestätigt wurde, sind zwischenzeitlich weitere Ideen zur städtischen Entwicklung bekannt geworden. Zu den größeren Vorhaben zählt dabei der Plan der Universität Novi Sad, einen neuen Campus im Stadtgebiet einzurichten. In Frage kommen dafür die derzeit ungenutzten Gebäude einer ehemaligen Militärkaserne. Die Universität will das Areal für die zweite Ausbauphase ihres Technologieparks nutzen und dort sämtliche Studiengänge mit Bezug zum IT-Sektor ansiedeln. Darüber hinaus ist daran gedacht, auf dem neuen Campus die Kunstakademie und Teile der medizinischen Fakultät unterzubringen.

Auch könnte Novi Sad einen neuen Erholungspark erhalten. Dazu soll ein lange Zeit vernachlässigtes und als wilde Müllhalde genutztes Gelände zwischen den Siedlungen Novo Naselje und Detelinara umgestaltet werden. Umfangreich ausgestattet mit Ausrüstungen für Spiel und Sport würde sich der Park zunächst auf einer Fläche von 3,5 ha erstrecken. Nach der Klärung noch offener Eigentumsfragen ist eine Erweiterung um ein etwa 6,5 ha großes Areal denkbar, auf dem sich die alten Gleisanlagen eines stillgelegten Rangierbahnhofs befinden.

In kulturell-touristischer Hinsicht steht zudem in naher Zukunft ein Modernisierungsprojekt im Stadtzentrum für ein Gebäude mit historischem Wert an, das früher Stammsitz der Familie Maric war. Neben der umfassenden Restaurierung der Fassade des Gebäudes ist in seinem Inneren ein kleines Museum vorgesehen. Ein Spross der Familie, Mileva Maric, war die erste Ehefrau des Physikers Albert Einstein. Gemeinsam mit ihm lebte sie Anfang des 20. Jahrhunderts einige Zeit in diesem Haus.

Kontaktanschrift

Kulturni centar Novog Sada (Kulturzentrum der Stadt Novi Sad)

Katolicka porta 5, 21000 Novi Sad

Tel.: 00381 21/52 89 72

E-Mail: info@ns2021.rs, Internet: http://www.novisad2021.rs

(T.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Bauwirtschaft, allgemein, Gewerbebau, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 228 24 993 321

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