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26.03.2018

Slowenien investiert in die Transportinfrastruktur

Rund 17 Milliarden Euro bis 2030 notwendig / Ausbau der Bahnstrecke Koper-Divaca wichtigstes Vorhaben / Von Waldemar Lichter

Ljubljana (GTAI) - Die Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung der slowenischen Transportinfrastruktur werden sich bis zum Jahr 2030 auf insgesamt 17 Milliarden Euro summieren. Das sieht die Entwicklungsstrategie, die von der Regierung verabschiedet worden ist, vor. Zu den Schwerpunkten werden Vorhaben im Bereich der Bahninfrastruktur und Projekte zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gehören. Auch der Karawankentunnel soll ausgebaut werden. (Kontaktadresse)

Slowenien will in den kommenden zwölf Jahren 17 Milliarden Euro in die Transportinfrastruktur investieren. Von dieser Summe werden 9 Milliarden Euro direkt von der öffentlichen Hand aufgebracht, der Rest soll zu einem Teil von staatlichen beziehungsweise öffentlichen Unternehmen wie dem Autobahnbetreiber DARS oder der Hafengesellschaft Luka Koper investiert werden. Ein weiterer Teil wird von privaten Konzessionären und anderen Unternehmen getragen.

Ausbau der Bahninfrastruktur im Fokus

Der größte Teil der vorgesehenen Investitionen wird auf den Verkehrsträger Straße beziehungsweise Autobahn entfallen. Bis 2022 sind dafür 4,36 Milliarden und von 2023 bis 2030 weitere 4,49 Milliarden Euro vorgesehen. Von größerer Bedeutung ist nach Einschätzung des Ministeriums für Infrastruktur aber der Ausbau der Bahn. In diesem Bereich werden laut Transportstrategie bis 2022 Investitionen in Höhe von 3,2 Milliarden und zwischen 2023 und 2030 von weiteren 2,2 Milliarden Euro fließen.

Die größere Bedeutung des Bahnsektors ist zum einen damit zu erklären, dass die Regierung beabsichtigt, den Güterverkehr künftig stärker von der Straße auf die Schiene zu verlegen. Hinzu kommt, dass derzeit zahlreiche mittelgroße Projekte durchgeführt werden. Nicht zuletzt wird gerade die Modernisierung und der zweigleisigen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke vom Adria-Hafen Koper nach Divaca im slowenischen Hinterland vorbereitet. Die Strecke ist 27 Kilometer lang. Das Vorhaben zählt zu den wichtigsten Infrastrukturprojekten im Land.

Ausbau der Strecke Koper-Divaca von strategischer Bedeutung

Zur Realisierung des Vorhabens, dessen Kosten auf fast 1 Milliarde Euro geschätzt werden, ist eine Projektgesellschaft, 2TDK, Druzba za razvoj projekta, d.o.o., gegründet worden. Das Vorhaben wird von der Europäischen Kommission unterstützt.

Das Projekt ist nach Einschätzung der slowenischen EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc von strategischer Bedeutung - nicht nur für Slowenien, sondern auch für die EU. Die Strecke gilt derzeit als Flaschenhals im bestehenden TEN-T-Netz, was den Güterverkehr behindert. Zur Teilfinanzierung des Vorhabens sind deshalb von Brüssel erste Gelder zugesagt worden - 109 Millionen Euro aus der Connecting Europe Facility (CEF) unter anderem zum Bau von Tunneln sowie weitere 44 Millionen Euro zur Kofinanzierung von Studien und vorläufigen Baumaßnahmen.

Der Ausbau der Bahnstrecke ist von besonderer Bedeutung für die weitere Entwicklung des einzigen slowenischen Handelshafens Koper, aber auch für den Transportsektor des Landes insgesamt, weil dieser dadurch ein größeres Gewicht im europäischen Transitverkehr für Güter bekommen könnte. Auch die Budapester Regierung hat ihre Bereitschaft erkennen lassen, sich am Ausbau der Bahnlinie auch mit einer Investition - möglicherweise in Form einer Beteiligung - zu engagieren. Im Gespräch ist ein Beitrag in Höhe von 200 Millionen Euro. Schließlich kann der Hafen Koper auch für Ungarn weiter an Bedeutung gewinnen.

Neues Referendum für das Bahnprojekt

Das Vorhaben stößt derzeit auf unerwartete Schwierigkeiten. Ein Referendum zu dem Ausbauprojekt, das im September 2017 durchgeführt wurde, fiel zunächst positiv aus. Doch im März 2018 erklärte das slowenische Oberste Gericht die Ergebnisse des Plebiszits für ungültig. Sloweniens Premierminister Miro Cerar ist daraufhin von seinem Amt zurückgetreten. Es wird erwartet, dass das Referendum im April oder Mai 2018 wiederholt werden wird. Über dessen erneuten positiven Ausgang sind sich Vertreter der Regierung zwar sicher. Die Realisierung des Vorhabens dürfte sich jedoch dadurch auf jeden Fall verzögern.

Im Bereich Straßeninfrastruktur ist der Ausbau des Autobahnnetzes nach Aussagen von Vertretern des Infrastrukturministeriums weitgehend abgeschlossen. Was fehlt, ist noch ein kleinerer Autobahnabschnitt, der den Ort Postojna mit der kroatischen Adria-Stadt Rijeka verbindet. Bis Herbst 2018 wird eine weitere Autobahnverbindung nach Kroatien im östlichen Landesteil fertiggestellt.

Die Investitionen im Straßensektor konzentrieren sich derzeit vor allem auf den Bau der sogenannten dritten und vierten Entwicklungsachse. Es handelt sich dabei um Schnellstraßen in nord-südlicher Richtung. Ziel dieser Vorhaben ist es, die schwächer entwickelten Regionen nördlich und südlich der slowenischen Hauptverkehrsachsen besser an das Transportnetz des Landes anzubinden.

Karawankentunnel vor dem Ausbau

Ein wichtiges Projekt im Straßensektor ist der Ausbau des Karawankentunnels um eine zweite Röhre. Das Projekt wird von der slowenischen DARS und der österreichischen Gesellschaft ASFINAG realisiert. Beim Tender für den Bau des slowenischen Teils bis zur Grenze mit Österreich (3.546 Meter plus 620 Meter Verbindung zur Mautstelle) haben sich Ende März 2018 neun Unternehmen beziehungsweise Konsortien aus Slowenien, Österreich, der Türkei, Tschechien, Italien sowie Bosnien und Herzegowina um Aufträge beworben. Das günstigste Gebot mit 89,3 Millionen Euro reichte Cengiz Insaat aus der Türkei ein. Der Bau soll noch 2018 starten und in fünf Jahren beendet sein.

Ein wichtiges Ziel der mittelfristigen Strategie für den Transportsektor ist es ferner, nachhaltige Mobilitätskonzepte zu entwickeln und das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs zu stärken. Beabsichtigt ist, die Rolle der schienengebundenen Verkehrsträger vor allem für die Einzugsgebiete von Ljubljana, Maribor und Koper zu stärken, um die Belastung der Städte durch Autopendler zu reduzieren. In diesem Zusammenhang ist auch die Modernisierung des entsprechenden Fahrzeugparks der öffentlichen Nahverkehrsbetriebe vorgesehen.

Kontaktadresse

Ministrstvo za infrastrukturo (Ministerium für Infrastruktur)

Ansprechpartner: Matjaz Vrcko, Abteilung für internationale Beziehungen

Langusova ulica 4

1535 Ljubljana/Slowenien

T +386 (1)478 82 50

matjaz.vrcko@gov.si

http://www.mzi.gov.si

(W.L.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowenien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau

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Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

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