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17.10.2017

Slowenien will Tourismussektor stärken

Entwicklungsstrategie bis 2021 verabschiedet / Deutliche Steigerung der Einkünfte erwartet / Von Waldemar Lichter

Ljubljana (GTAI) - Slowenien will den Tourismussektor weiter ausbauen und dessen Bedeutung für die Wirtschaft des Landes steigern. Anfang Oktober 2017 verabschiedete die Regierung eine Strategie für die nachhaltige Entwicklung des Zweiges im Zeitraum 2017 bis 2021. Ziel ist, mehr ausländische Besucher nach Slowenien zu locken, die Übernachtungszahlen zu erhöhen und so deutlich mehr Einnahmen zu generieren.

Der slowenische Tourismussektor erzielt immer neue Rekorde. Zum ersten Mal seit seiner Unabhängigkeit verzeichnete die Branche 2015 mehr als 10 Millionen Übernachtungen. Dieses Ergebnis wurde 2016 noch einmal übertroffen (11,2 Millionen). Den größten Beitrag dazu leisteten ausländische Gäste (7,3 Millionen Übernachtungen, plus 11 Prozent gegenüber 2015). Die Marktforschungsfirma Business Monitor International (BMI) erwartet für 2017 einen weiteren Anstieg der Ankünfte um über 8 Prozent und der Übernachtungszahlen um über 6 Prozent.

Positive Entwicklung im Tourismussektor erwartet

Die günstige Entwicklung soll sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen und den positiven Beitrag des Sektors zur Wirtschaftsleistung steigern. BMI-Experten schätzen die langfristigen Aussichten des slowenischen Tourismussektors als sehr günstig ein. Die Regierung sieht die Perspektiven ebenfalls positiv. Nach Worten von Wirtschafts- und Technologieminister Zdravko Pocivalsek sollen deshalb auch künftig Maßnahmen ergriffen werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusbranche zu erhöhen.

Anfang Oktober 2017 hat die Regierung dazu ein neues Strategiepapier zur Entwicklung des Sektors verabschiedet (abrufbar in slowenischer Sprache unter: http://www.mgrt.gov.si/fileadmin/mgrt.gov.si/pageuploads/Strategija_turizem_koncno_5.10.2017.pdf). Es sieht als Ziel vor, die Übernachtungszahlen bis 2021 gegenüber 2016 um etwa 50 Prozent auf dann 16 Millionen bis 18 Millionen zu erhöhen. Die Zahl der Ankünfte soll von rund 4 Millionen auf bis zu 5,5 Millionen, die der Übernachtungen von 11 Millionen auf bis zu 18 Millionen steigen. Die durch touristische Dienstleistungen für ausländische Besucher generierten Einnahmen sollen bis 2021 auf zwischen 3,7 Milliarden und 4 Milliarden Euro wachsen. Nach Angaben von Pocivalsek beliefen sich diese 2016 auf 2,3 Milliarden Euro.

Kreditlinie für Tourismusunternehmen in Vorbereitung

Notwendig werden Investitionen in Übernachtungskapazitäten sein. Die Strategie geht davon aus, dass etwa 18.000 bis 22.000 neue Zimmer entstehen müssten, davon die Hälfte in Hotelbereich. Die Regierung will die gesetzlichen und institutionellen Rahmenbedingungen für den Sektor verbessern. Unterstützt werden sollen aber auch Investitionen. Pocivalsek kündigte eine Kreditlinie für Tourismusunternehmen an, die über die staatliche Export- und Entwicklungsbank SID abgewickelt würde. Das Anfangsvolumen der Linie wäre 80 Millionen Euro mit einer Option auf eine Erhöhung auf 160 Millionen Euro.

Unterstützt werden sollen aber auch Mikro-, Klein- und mittelgroße Unternehmen (Umsatz unter 50 Millionen Euro pro Jahr). Diese stünden derzeit nach Angaben des Wirtschafts- und Technologieministeriums für 76,2 Prozent aller Beschäftigten und 74,9 Prozent der Umsätze im slowenischen Tourismussektor. Für diese will das Ministerium Fördermittel als Hilfe für die Geschäftsentwicklung, für die Schaffung innovativer Tourismusprodukte und zur Verbesserung ihrer Qualität zur Verfügung stellen.

Angepackt werden soll ferner die Konsolidierung und Privatisierung der Unternehmen. Erwogen wird die Schaffung von zwei oder drei großen Gruppen, in denen die staatlichen Tourismusbeteiligungen konzentriert werden könnten. Slowenien verfüge zwar über einen gut entwickelten, aber fragmentierten Hotel- und Beherbergungssektor, so BMI-Experten in einer Analyse. Der größte Teil der Hotel- und Apartmentanlagen gehöre inländischen Unternehmen und werde auch von diesen betrieben.

Mehr Interesse ausländischer Hotelketten erwartet

Bisher sind nur wenige internationale Hotelketten in Slowenien aktiv. Diese seien bisher vor allem auf größere städtische Zentren (etwa die Hauptstadt Ljubljana) und auf die Sparte Geschäftsreisen konzentriert. BMI-Fachleute stellen jedoch ein wachsendes Interesse an dem Land fest. Die Dominanz der Spa-Resorts, des nachhaltigen und ländlichen Tourismus habe die Präsenz großer internationaler Ketten in Slowenien bisher gebremst. Es sei aber zu erwarten, dass diese in nächsten Jahren aktiver würden, um vom Wachstum des Tourismusmarktes zu profitieren.

Zu jüngsten ausländischen Neueinsteigern in Slowenien zählt die Intercontinental Hotels Group. In Partnerschaft mit der serbischen Delta Holding hat die Kette Ende September 2017 ihr erstes Hotel in Ljubljana eröffnet. Die Investitionen beliefen sich auf 50 Millionen Euro. Betrieben wird das Fünf-Sterne-Hotel von der IHG Management SL. Gebaut wurde die Anlage von der slowenischen Baufirma CGP.

Wichtigste lokale Unternehmen/Hotelketten im slowenischen Hotelsektor
Unternehmen/Hotelgruppe Wichtigste Kennziffern
Terme Catez Größter slowenischer Spa-Betreiber an Standorten Catez, Mokrice und Koper; sieben Hotels, vier Apartmentkomplexe und Campingplätze mit 1.500 Zimmern und 450 Apartments. 2016: 698.557 Übernachtungen
Sava Hotels&Resorts Größter slowenischer Hotelbetreiber; sechs Resorts mit 14 Hotels, 14 Campingplätzen sowie fünf Apartment- und Bungalowkomplexen. Flaggschiffe des Unternehmens sind: Grand Hotel Toplice/Bled, Hotel Livada Prestige/Moravske Toplice und Grand Hotel Primus/Ptuj; 2016: 1,13 Mio. Übernachtungen, Umsatz: 67,8 Mio. Euro
HIT Alpinea (gehört zur HIT-Gruppe) Drei Vier-Sterne-Hotels (zwei davon unter der Marke Ramada") sowie zahlreiche Apartments im Ski-Resort Kranjska Gora
Bernardin Group Drei Resorts an der Küste mit 1.184 Hotelzimmern, drei Hotels und ein Apartmentkomplex in Portoroz, weitere Hotels und Apartments in Strunjan und Izola, Betreiber des 5-Sterne-Grand Hotel Bernardin Portoroz mit 241 Zimmern
Epic Eco Hotel Group Sechs Hotels mit zwei Wellness- und drei Kongresszentren in Ljubljana, Maribor, Mozirje und Postojna
LifeClass Hotel and Spa (Istrabenz turizem d.d) Sechs Hotels in einem Resort in Portoroz, darunter das Fünf-Sterne Hotel Slovenja und die Vier-Sterne-Superior-Anlage Grand Hotel Portoroz; des Weiteren drei Hotels in Kroatien und ein Resort in Treviso/Italien
Union Hotels Group Vier Hotels in Ljubljana; High-End- und Geschäftsreisemarkt, 574 Zimmer

Quelle: BMI

Wichtigste ausländische Unternehmen/Hotelketten im slowenischen Hotelsektor
Unternehmen/Hotelgruppe Wichtigste Kennziffern
Best Western Drei Vier-Sterne-Hotels in Bled, Ljubljana und Maribor
Carlson Rezidor Radisson Blu Plaza Hotel mit 236 Zimmern und Suiten in Ljubljana seit 2015
Intercontinental Hotel Group Erstes Hotel in Ljubljana im September 2017 eröffnet; 165 Zimmer; Partnerschaft mit der serbischen Delta Holding
Starwood Hotels&Resorts Worldwide Betreibt die Hotelmarke Four Points by Sheraton in Ljubljana zusammen mit Kranjska Investicijska Druzba, Hotel mit 114 Zimmern eröffnet 2016, Starwood nun Teil von Marriott International
Wyndham Hotel Group Besitzt Ramada Hotel and Suites und Ramada Resort in Kranjska Gora, betrieben von HIT Alpinea

Quelle: BMI

(W.L.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowenien Tourismus, Hotels

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