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14.01.2019

So viel verdient ein Verkaufsleiter in der Türkei

Wirtschaftsmagazin veröffentlicht Lohnstudie / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (GTAI) - Niedrige Löhne sind ein wichtiger Standortvorteil der Türkei. Doch mit welcher Summe sollte ein Unternehmen kalkulieren, wenn es einen Vertriebsleiter oder Buchhalter einstellen will?

Das türkische Wirtschaftsmagazin "Capital" veröffentlicht jeden Januar eine umfangreiche Zusammenstellung von Nettolöhnen in wichtigen Berufsgruppen und Branchen im Land. Die Zahlen basieren auf einer Umfrage unter den 500 größten Unternehmen. Germany Trade & Invest (GTAI) hat die Ergebnisse zusammengefasst.

In der Türkei werden weitaus niedrigere Gehälter gezahlt als in Deutschland und vielen anderen Ländern der Europäischen Union. Ein regionaler Verkaufsleiter verdient in der Türkei im Durchschnitt 15.750 türkische Lira netto im Monat, das sind umgerechnet knapp 2.484 Euro (1 Euro = 6,34 TL). Ein Ingenieur aus der Automobilbranche erhält etwa 10.500 TL. Beim aktuellen Wechselkurs sind das 1.656 Euro. Die geringsten Gehälter werden in der Textilindustrie gezahlt. Ein Geschäftsführer kommt in dieser Branche auf etwa 29.250 TL monatlich (4.614 Euro). In der IT-Branche würde er 70.000 TL verdienen (11.041 Euro). Hier geht es zur Lohntabelle.

Die tatsächlichen Kosten für Unternehmen sind allerdings höher, weil noch der Arbeitgeberanteil zu den Sozialabgaben hinzukommt. Hierzu informieren wir in unserer GTAI-Broschüre "Lohn- und Lohnnebenkosten Türkei", kostenfrei abrufbar unter https://www.gtai.de/MKT201806148007. Die Publikation bietet ferner Informationen zum Thema Arbeitsrecht.

Abkehr von Löhnen auf Devisenbasis bei internationalen Firmen

Die in der Türkei aktiven ausländischen Firmen zahlen in der Regel höhere Löhne und gewähren ihren Beschäftigten mehr Nebenleistungen als einheimische Betriebe. Internationale Unternehmen budgetieren ihre Arbeitskosten meistens in Euro oder US-Dollar.

Allerdings wächst auch bei ausländischen Firmen wegen des steigenden Wettbewerbs auf dem lokalen Markt die Neigung, das Arbeitskostenbudget auf einheimische Währung umzustellen. Daraus ergeben sich für die Unternehmen - in Euro oder US-Dollar gerechnet - geringere Arbeitskosten.

Viele Arbeitnehmer müssen mit Reallohnkürzungen rechnen

Mit einigen Abweichungen nach oben und unten werden die Reallöhne in der Türkei im Jahr 2019 im Durchschnitt voraussichtlich sinken. Es ist zu erwarten, dass die Inflation infolge der Währungsabwertung auch im 1. Halbjahr 2019 auf einem hohen Niveau verharrt.

Wegen der starken Abwertung der Landeswährung gegenüber dem Euro und der hohen Kreditzinsen, die zeitweise bis auf 40 Prozent stiegen, ist es türkischen Firmen kaum möglich, die Löhne und Gehälter zumindest an die Inflation anzupassen. Ausgenommen sind die große Konzerne, die mit dem Auslandsgeschäft Devisen erwirtschaften, von der Abwertung weniger betroffen sind und infolge der schwachen Lira sogar ihre Exporte steigern können.

Bei finanzstarken Großunternehmen können sich nach Einschätzung von Marktbeobachtern 2019 Gehaltserhöhungen von 20 bis 25 Prozent ergeben. In einzelnen Branchen wie IT und Energiewirtschaft sind nach der Prognose der Marktforschungsfirma Datassist sogar Steigerungen von mehr als 30 Prozent möglich.

Bei mittleren und kleineren Firmen dürften sich die Lohnerhöhungen in einer Größenordnung von nur 10 bis 16 Prozent bewegen.

Um die Lage der untersten Einkommensschichten zu verbessen, wurde zum 1. Januar 2019 der gesetzliche monatliche Mindestlohn (brutto) um 26 Prozent auf 2.558 Türkische Lira (404 Euro; 1 Euro = 6,34 TL) angehoben, was nach gesetzlichen Abzügen einem Nettobetrag von 2.021 TL entspricht.

Die hohe Jahresinflation, die im Dezember 2018 mit 20,3 Prozent beziffert wurde, bestimmt die Entwicklung der Arbeitskosten in der Türkei. Während Gewerkschaften unter Hinweis auf die hohen Kaufkraftverluste Lohnanpassungen von mehr als 20 Prozent fordern, sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die vornehmlich den Inlandsmarkt bedienen, kaum in der Lage, nennenswerte Lohnerhöhungen anzubieten. Sinkender Absatz und rückläufige Gewinne setzen vielen Firmen stark zu.

Dieser Artikel ist relevant für:

Türkei Arbeitsmarkt / Löhne / Ausbildung

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