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08.11.2019

Solarenergie in Thailand benötigt neue Impulse

Ehrgeizige Ziele, jedoch zu wenige Investitionen / Von Thomas Hundt

Bangkok (GTAI) - Pläne fordern bis 2037 knapp 13 Gigawatt an neuen Solaranlagen in Thailand. Haushalte und Developer halten sich noch zurück. Betriebe investieren schon, weil Eigenstrom sich lohnt.

Erneuerbare Energien (EE) erzeugen in Thailand knapp 10 Prozent des elektrischen Stroms. Die alternativen Energiequellen sollen nach staatlichen Plänen weiter ausgebaut werden, um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Gas- und Kohlekraftwerke produzierten 2018 etwa drei Viertel des Stroms.

Innerhalb des Energieministeriums ist das Department of Alternative Energy Development and Efficiency (DEDE) für die Energiewende zuständig. Das Energieministerium legt dessen Pläne und Maßnahmen wiederum dem National Energy Policy Council vor, dem der Premierminister vorsitzt.

Das DEDE passt seine Pläne für alternative Energieträger regelmäßig an neue Entwicklungen an. Weil Solarzellen die günstigste elektrische Energie erzeugen, setzt der Alternative Energy Development Plan (AEDP) in der Version vom Juli 2019 insbesondere auf die Photovoltaik (PV). Der Plan sieht bis 2037 einen Zubau von 12,7 Gigawatt an PV-Kapazitäten vor.

Vorläufige Ziele für Erneuerbare Energien und Müllverbrennung in Thailand (in Megawatt)
Energieträger Kapazitäten 2019 Geplante Kapazitäten 2037
Solar 2.849 15.574
Biomasse 2.290 5.786
Windkraft 1.504 2.989
Biogas 382 928
Kommunale Müllverbrennungsanlagen 500 900
Industriemüllverbrennungsanlagen 31 75
Kleinwasserkraftwerke 188 188
Insgesamt 7.744 26.440

Quelle: Ministry of Energy

Ansprechpartner der Energiewirtschaft ist die Behörde Energy Regulatory Commission (ERC). Sie reguliert den Energiesektor, genehmigt Projekte und Energiepreise. Der Wettbewerb im Stromnetz ist allerdings eingeschränkt. Drei Staatsunternehmen dominieren die Erzeugung und Verteilung.

Die einzigen Verteilernetzbetreiber sind die Metropolitan Electricity Authority (MEA) und die Provincial Electricity Authority (PEA). MEA ist für den Großraum Bangkok und die PEA für den Rest des Landes zuständig. MEA und PEA unterstehen dem Innenministerium.

Der einzige Betreiber des Übertragungsnetzes und der größte Stromerzeuger mit einer Kapazität von 15,8 Gigawatt ist die Electricity Generating Authority of Thailand (EGAT), die zum Energieministerium gehört.

Die EGAT hat einige mittelgroße Solarparks errichtet und testet dort verschiedene Module. Mitte 2019 startete ein Megaplan für insgesamt 16 schwimmende PV-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 2,7 Gigawatt. Sie sollen bis 2037 auf neun Stauseen von Wasserkraftwerken entstehen. EGAT hat im Juni 2019 als erstes das 45 Megawatt Sirindhorn Dam Hydro-Floating Solar Hybrid Pilot Project international ausgeschrieben. Die Beschaffungen der EGAT sind unter www4.egat.co.th/fprocurement/biddingeng zu finden.

Solarmarkt will Anschluss nicht verlieren

Die meisten PV-Anlagen entstanden zwischen 2011 und 2016, als die Energy Regulatory Commission attraktive feste Einspeisetarife für Freiflächenanlagen und größere Aufdachanlagen gewährte. Die Regierung befürchtete 2017, dass die Förderkosten aus dem Ruder laufen und die Aufschläge auf den Strompreis für Verbraucher zu teuer werden.

Die Ausschreibungen von netzgebundenen Abnahmeverträgen für EE-Anlagen wurden reduziert oder eingestellt. Der netzgebundene EE-Markt wuchs seitdem kaum noch. Thailand verfügte 2017 und 2018 mit rund 3 Gigawatt immerhin noch über zwei Drittel der Solarkapazitäten in Südostasien.

Thailands Bestand an netzgebundenen Solarprojekten (Anzahl) und -leistungen (in Megawatt)
Projekte 2017 Leistung 2017 Projekte 2018 Leistung 2018
Freiflächenanlagen 466 2.623 473 2.632
Dachanlagen *) 6.131 130 6.131 130
Förderprogramm Solaranlagen für öffentliche Stellen und landwirtschaftliche Genossenschaften 55 233 64 272
Insgesamt 6.652 2.986 6.668 3.034

*) Vergaben erfolgten 2013 und 2015

Quelle: ERC

Solarfirmen, die Anlagen mit Kapazitäten von 10 bis 90 Megawatt betreiben, fallen in die Kategorie Small Power Producer (SPP). Sie dürfen den Strom entweder an die EGAT oder Industriekunden verkaufen. Die Very Small Renewable Power Producer (VSPP) betreiben Anlagen mit bis zu 10 Megawatt und schließen Verträge mit den Grundversorgern MEA oder PEA ab.

Das National Energy Policy Committee hat nun auf weniger attraktive Stromabnahmeverträge umgestellt. Die neuen Verträge verlangen, dass die Betreiber Strom zu bestimmten Spitzenlastzeiten garantiert liefern.

Falls die Solaranlage zu wenig Strom ins Netz speist, muss daher ein Stromspeicher einspringen. Den garantierten Strom kann auch eine Hybridanlage liefern, zum Beispiel ein zusätzliches Biomasse- oder Biogaskraftwerk. Die Modelle mit Speicher- oder Hybridtechnik sind jedoch wenig erprobt. Ein Ausfall der zugesicherten Stromerzeugung erscheint vielen Investoren zu riskant.

Einige etablierte Betreiber von Solarparks investieren lieber im Ausland. Die Aktiengesellschaft SPCG installiert derzeit beispielsweise ihren größten Solarpark mit 480 Megawatt in Japan. SPCG bezeichnet sich als den größten Developer von Freiflächenanlagen (Solarfarmen) in Thailand. Die 42 SPCG-Tochtergesellschaften errichteten von 2010 bis 2014 insgesamt 36 Solarfarmen mit einer Gesamtleistung von 260 Megawatt.

Werden Dachanlagen der neue Renner?

Andere Solarfirmen wollen sich auf Aufdachanlagen konzentrieren. Die Thai Photovoltaic Industries Association sieht hier Chancen. Dem Verband gehören 78 Firmen an, die Anlagen planen und warten sowie Investoren beraten. Einige produzieren Module und Komponenten. Industriefirmen, Supermarktketten und Einrichtungshäuser haben bereits PV-Anlagen auf ihren Gebäuden oder überdachten Parkplätzen installieren lassen. Weil die Versorger kein Net-Metering bieten, sind die Anlagen auf den Eigenverbrauch ausgerichtet.

Weitere Gewerbebetriebe wollen angesichts der relativ hohen Strompreise in eine eigene, günstige Energieversorgung investieren. Sie können eine PV-Anlage selbst betreiben oder an eine externe Gesellschaft auslagern. Diese baut und wartet die Anlage und verkauft den Strom an den Auftraggeber.

SPCG hat sich beispielsweise im Juli 2019 an einem Joint Venture beteiligt, das insbesondere Fabriken und Lagerhäuser von japanischen Unternehmen mit PV-Anlagen ausstatten möchte. Japanische Firmen haben mit Abstand die meisten ausländischen Direktinvestitionen getätigt. SPCG übernimmt in dem neuen Gemeinschaftsunternehmen Planung und Bau. Kyocera liefert die Solarmodule. Mitsubishi UFJ Lease & Finance berät die Kunden und eine Tochter der Provincial Electricity Authority besorgt die Genehmigungen.

Peer-To-Peer-Energiehandel wird getestet

Seit Mitte 2019 entstehen auch Pilotvorhaben, bei denen Eigentümer von Dachanlagen ihren Solarstrom Peer-to-Peer (P2P) handeln. Die MEA ermöglicht in ihrem Netz sogar einen Blockchain-basierten P2P-Handel. Das Pilotvorhaben setzen die Immobiliengesellschaft Sansiri, die Solarfirma BCPG und der Blockchain-Anbieter Power Ledger aus Australien um. Sansiri möchte den Blockchain-Handel der bisher vier beteiligten Gebäude auf weitere Immobilien ausdehnen.

Nur wenige private Haushalte haben allerdings bislang PV-Anlagen auf ihren Dächern installiert. Das Energy Research Institute, das an der Chulalongkorn Universität in Bangkok angesiedelt ist, hat die Hemmnisse untersucht. Es bezeichnet die Kosten als hoch, die Beantragungen seien zu beschwerlich. Familien scheuen die unbekannte Technik. Weil im Wohnungssektor Erfahrungen mit Aufdachanlagen fehlen, vergeben Banken auch keine Kredite dafür.

Aufdachprogramm benötigt Überzeugungsarbeit

Das Institut berechnet, dass sich Aufdachanlagen für Haushalte eigentlich lohnen. Die durchschnittlichen Stromgestehungskosten einer Fünfkilowattanlage betragen bei einer Laufzeit von 25 Jahren umgerechnet ungefähr 4,3 US-Cent pro Kilowattstunde. Haushalte bezahlen im Schnitt mehr als 11 US-Cent an die Versorger. Bei Eigenverbrauch ohne Einspeisung könne sich die Investition nach acht Jahren schon amortisieren.

Die Energy Regulatory Commission gab Anfang 2019 ein Programm frei, dass Haushalten zusätzlich einen Net-Metering-Tarif in Höhe von 1,68 Baht (umgerechnet rund 5,5 US-Cent) pro Kilowattstunde bei einem zehnjährigen Abnahmevertrag und der Installation einer Anlage mit mindestens 10 Kilowatt gewährt.

Das Programm gab das Startsignal für einen bis 2037 anvisierten Zubau von 10 Gigawatt von Aufdachanlagen in Haushalten. Die ERC hoffte auf eine stürmische Nachfrage und setzte den Vergabestellen MEA und PEA eine jährliche Obergrenze in Höhe von 100 Megawatt.

Die Resonanz fiel angesichts der geringen Vergütung sehr mäßig aus. Es meldeten sich nur 121 Teilnehmer mit einem Antragsvolumen von insgesamt 0,6 Megawatt. Das Energieministerium will die Förderung neu gestalten oder in das derzeit diskutierte Programm Energy for All integrieren, mit dem kommunale Ökostromanlagen gefördert werden sollen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Thailand können Sie unter http://www.gtai.de/thailand abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Thailand Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, alternative Energien

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