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23.02.2018

Spanien baut Schienennetz für Hochgeschwindigkeitszüge weiter aus

Viele Projekte zum Atlantik- und Mittelmeerkorridor / 2023 sollen wichtige Trassen abgeschlossen sein / Von Miriam Neubert

Madrid (GTAI) - Spaniens Schienennetzbetreiber Adif Alta Velocidad will ab dem 2. Quartal 2018 den Bau von sechs Abschnitten der Hochgeschwindigkeitsstrecke Murcia-Almeria ausschreiben. Die Gesamtinvestition wird auf 3,3 Milliarden Euro geschätzt. Die Strecke ist Teil des Mittelmeerkorridors, der bis 2023 auf internationaler Spurweite laufen soll. Ausgeschrieben wird auch der Bau tunnelreicher Abschnitte eines Knotenpunktes im Baskenland, der zum Atlantikkorridor gehört. (Kontaktadressen)

Spaniens Hochgeschwindigkeitsstrecke AVE (Alta Velocidad Espanola) ist in den 26 Jahren seit Einweihung der ersten Strecke von Madrid nach Sevilla im Zuge der Weltausstellung auf über 3.300 Kilometer angewachsen. Es ist nach China weltweit das zweitlängste Streckennetz für Hochgeschwindigkeitszüge. Das vorrangig radial von der Hauptstadt Madrid ausgehende Streckensystem soll zunehmend kreisförmige Verbindungen erhalten und die Städte in den Regionen, ganz besonders der Mittelmeerküste, untereinander und mit Frankreich sowie dem übrigen Europa verbinden. In den tourismus- und exportstarken Regionen Katalonien und Valencia mit ihren industriellen und hafenlogistischen Knotenpunkten fordern Unternehmerverbände dies schon seit Jahren. Dass der Mittelmeerkorridor (Corredor Mediterraneo) derzeit einem Flickenteppich gleicht, nutzte zum Beispiel die katalanische Separatistenbewegung als Argument der Vernachlässigung gegen die spanische Regierung.

Spanischer Beitrag zu zwei europäischen Kernnetzen

Die Vollendung des Mittelmeerkorridors als Transportachse und Wirtschaftsmotor genießt seit Mitte 2017 neue Priorität. Ende Januar 2018 war die Einweihung des Abschnitts Valencia-Castellon ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg. Die Strecke von mehr als 1.200 Kilometern von Algeciras bis zur französischen Grenze sind Teil einer transeuropäischen Hochgeschwindigkeitstrasse von insgesamt 3.500 Kilometern Länge für den Güter und Passagiertransport. Sie führt über Italien, Slowenien und Ungarn bis an die ukrainische Grenze und gehört zu den neun europäischen Kerntransportinfrastrukturen, die die Connecting Europe-Fazilität (CEF) fördert. Die zweite Trasse ist der Atlantische Korridor (Corredor Atlantico), der auf spanischem Gebiet eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von Madrid über Valladolid und das baskische Vitoria bis hin zur französischen Grenze beinhaltet sowie von Madrid in Richtung portugiesische Grenze über die Region Extremadura.

Tunnelreicher Knoten von Bergara im Baskenland

Ausschreibungen für das baskische Projekt sind auch dank eines Darlehens der Europäischen Investitionsbank EIB über 1.030 Millionen Euro in Gang gekommen, welches im Oktober 2017 unterzeichnet wurde. Bei dem Vorhaben geht es um die beiden Strecken Vitoria-Bilbao und Bergara-San Sebastian, welche im Knotenpunkt Bergara Y-förmig verbunden werden. Daher läuft das Projekt auch unter den Namen "Baskisches Y" oder "Knoten von Bergara". Die Gesamtinvestition beträgt laut EIB 4.860 Millionen Euro.

Sie umfasst die 160 Kilometer an neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen den drei baskischen Städten Vitoria, Bilbao und San Sebastian. Dabei geht es auch um die Integration bestehender Bahnhöfe und den Ausbau von 17 Kilometern konventioneller Schiene von San Sebastian nach Irun an der französischen Grenze zu einer zweigleisigen Schnellstrecke mit international kompatibler Spurweite. Aufrufe zu diesem mit 80 Kilometern Tunnellänge und 25 Kilometern Brücken heraufordernden Projekt sind seit Herbst 2017 im Gange (siehe Tabelle). Der Termin zur Ausschreibung des Anschlusses der Stadt Pamplona an das Baskische Y stand zur Drucklegung dieses Artikels noch nicht fest.

Aufrufe für neue Streckenabschnitte des Mittelmeerkorridors

Parallel nimmt die Aktivität beim Mittelmeerkorridor zu. Die Aufrufe zum Bau der Strecke Murcia-Almeria sollen ab dem 2. Quartal 2018 starten. Mit der Veröffentlichung zu den die andalusische Provinz Almeria betreffenden Abschnitten sei im ersten Halbjahr 2018 zu rechnen, hieß es bei Adif Alta Velocidad gegenüber Germany Trade & Invest. Die verbleibenden in der Region Murcia sollen im Laufe des zweiten Halbjahres folgen. Wie genau sich das auf 3,3 Milliarden Euro geschätzte Projekt vom Wert her auf die Einzelabschnitte herunterbricht, war im Februar 2018 noch nicht bekannt.

Ausgewählte Hochgeschwindigkeitsprojekte in Spanien
Abschnitt/Strecke (Korridor) Summe (in Mio. Euro) 1) Stand Mitte Februar 2018 Anmerkungen
Sechs Abschnitte der Strecke Murcia-Almeria 3.300 Ausschreibung geplant teils 2. Quartal, teils 2. Halbjahr 2018 185 km, zweigleisig, elektrifiziert, ERTMS
Mondragon-Elorrio-Bergara; Sektor 1/Vitoria-Bilbao-San Sebastian, Grenze 192 Evaluierung der Angebote 5,1 km, 3 Tunnel, künstlicher Tunnel, Viadukt
Mondragon-Elorrio-Bergara, Sektor 2/Vitoria-Bilbao-San Sebastian, Grenze 255 Evaluierung der Angebote 5,2 km zweispurig; 4 Tunnel
Mondragon-Bergara, Sektor 3/Vitoria-Bilbao-San Sebastian 89 In Ausschreibung (Angebotsfrist bis 13.3.18) 2,8 km, Umsetzung geplant in 37 Monaten
Evakuierungsgalerien auf der Strecke Vitoria-Bilbao 36 Genehmigung der Auftragvergabe durch die Regierung am 16.2.2018 Sieben neue Evakuierungstunnelwegen EU-Sicherheitsregeln
Pamplona-Baskisches Y (Kantabrisch-Mediterraner Korridor) 580 oder 1.705 je nach Lösung 2) Projektstudie im öffentlichen Informationsprozess Günstigere Lösung Pamplona-Vitoria folgt bestehenden Gleisen
Peralta-Olite/Strecke Zaragoza-Pamplona (Kantabrisch-Mediterraner Korridor) 43 Angebotsauswertung der Bauausschreibung 10,3 km, zweigleisig, 330 km/h (Passagiere), 100 km/h (Güter)
Villafranca-Peralta/Strecke Zaragoza-Pamplona (Kantabrisch-Mediterraner Korridor) 81 Angebotsauswertung der Bauausschreibung 5 km, 2 Brücken; Bauaufsicht ausgeschrieben mit 2,3 Mio. Euro bis 2.4.18
Burgos-Vitoria 1.374 oder 1.241 Projektstudie zu zwei Varianten im öffentlichen Informationsprozess Neue zweigleisige Linie, 350 km/h, elektrifiziert 2x25kV, ERTMS
Abschnitt um Almodovar del Rio (Cordoba) als Verbindung der Linien Madrid-Sevilla und Cordoba-Malaga k. A. Projektierungsphase Beratung zum Bauprojekt vergeben im Januar 2018 an Ayesa Ingenieria y Arquitectura
Castejon-Logroño (Kantabrisch-Mediterraner Korridor) k. A. Kurz vor Ausschreibung der Projektstudie Personen- und Güterverkehr; umweltverträgliche Strecke gesucht
Arroyo de Santa Maria-Navalmoral de la Mata/Strecke Madrid-Extremadura (Atlantikkorridor) k.A. Projektierungsphase Beratung zur Abfassung des Bauprojekts ausgeschrieben Ende Dezember 2017
Madrid-Oropesa/Strecke Madrid-Extremadura (Atlantikkorridor) k.A. Projektierungsphase Projektstudie vergeben am 16.2.18 an Acciona Ingenieria

1) einschließlich Mehrwertsteuer; 2) ohne Mehrwertsteuer

Quelle: Recherche Germany Trade & Invest

Eine weitere Baustelle, auf die im November 2017 eine Demonstration von Bürgern aus der Extremadura in Madrid aufmerksam machte, ist die Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid-Extremadura-portugiesische Grenze. Hierfür sah der Haushalt 2017, der in Ermangelung der parlamentarischen Mehrheiten auch für 2018 zugrunde gelegt wird, 189 Millionen Euro vor. Von 2017 bis 2020 sind mehr als eine Milliarde Euro vorgesehen.

Kontaktadressen

Beschreibung Internetadresse
Als Partner des European Tender Information System (ETIS) bietet Germany Trade & Invest Ihnen Zugang zur umfassendsten Quelle für Informationen über die europaweite Auftragsvergabe, darunter in Spanien http://www.gtai-eu-ausschreibungen.de/gtai/rfq/searchExpert.do
Ausschreibungsinformationsseite Adif Alta Velocidad http://www.adifaltavelocidad.es/es_ES/empresas_servicios/licitaciones/licitaciones_en_curso.shtml
Offizielles Portal Spaniens für öffentliche Ausschreibungen http://www.contrataciondelestado.es

(M.N.)

Mehr Informationen zu Spanien finden Sie unter http://www.gtai.de/spanien

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien Eisenbahnbau, Schienenfahrzeuge

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