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02.02.2018

Spanien stellt Zukunftsplan für Transport und Infrastruktur vor

Mehr Chancen für spanische Infrastrukturunternehmen im Ausland / Von Miriam Neubert

Madrid (GTAI) - Spanien hält international eine Spitzenposition bei Bau und Betrieb von Verkehrsinfrastrukturen. Während der Tiefbau im Inland noch auf Sparflamme läuft, soll der neue Internationalisierungsplan 2018 bis 2020 das Geschäft im Ausland strategisch unterstützen. Der Plan konzentriert sich auf 110 Initiativen, elf prioritäre Märkte und neun, in denen Chancen gesehen werden. Für deutsche Zulieferer, potenzielle Partner aber auch Wettbewerber dürfte interessant sein, worauf die Spanier setzen.

Spaniens Bauingenieurwesen sowie Infrastrukturbau- und Konzessionsunternehmen sind mit dem einstigen Bauboom im eigenen Land gewachsen und seit vielen Jahren erfolgreich im Ausland unterwegs. Der neue Internationalisierungsplan für Transport und Infrastruktur will diese Position konsolidieren und ausbauen. Der Plan analysiert die weltweite Aktivität sowohl staatlicher spanischer Unternehmen, als auch des privaten Infrastrukturbausektors. Abgeglichen wird dies mit Märkten, in denen die Nachfrage dem spanischen Angebot entspricht und wo die größten Chancen bestehen.

Der Minister für öffentliches Bauwesen Iñigo de la Serna auf einer Veranstaltung der privaten Organisation Nueva Economia Forum elf vorrangige Märkte: Saudi-Arabien, Australien, Kanada, Kolumbien, die Vereinigten Arabische Emirate, USA, Mexiko, Norwegen, Peru, Schweden und das Vereinigte Königreich. Als chancenreich gelten zudem Argentinien, Chile, Dänemark, Ägypten, Indien, Israel, Malaysia, Marokko und Singapur. Komplementär zu den genannten Ländern werden auch die Projekte der europäischen Institutionen gesehen, wie beispielsweise die Connecting Europe Fazilität, die Programme Horizont 2020, Europe Aid, Shift2Rail oder Rail Baltica.

Die Investitionsprojekte in ausgewählte Infrastrukturen der elf prioritären Märkte beziffert das Bauministerium auf 2,5 Billionen Euro in den kommenden zehn Jahren. Die bedeutendsten Projekte darunter sind die Hochgeschwindigkeitsnetze für den Bahnverkehr in Kalifornien, dem Vereinigten Königreich und Schweden. Ferner Flughafenprojekte, wie die Erweiterung des Flughafens Jorge Chavez in Lima (Peru); die Renovierung der amerikanischen Flughäfen JFK und San Diego oder der neue australische Airport in Sidney. Zudem U-Bahnprojekte in Sidney, Bogota, Lima oder die Erweiterung der Leichtzugverbindungen in Kanada (Calgary) und dem Vereinigten Königreich (Crossrail2). Im Bereich Autobahnbau sind es Vorhaben wie die E-39 in Norwegen, WestConnex in Australien oder King Hamad Causeway in Saudi-Arabien.

Neues Observatorium für Transport und Infrastrukturen

?Der Plan mehrt und verbessert die Geschäftschancen spanischer Infrastrukturunternehmen im Ausland?, betonte de la Serna. Er stärke das technologische, innovative und unternehmerische Ansehen Spaniens. Ganz zentral geht es darum, operative und geschäftliche Synergien zwischen den Unternehmen der Gruppe Fomento, die zum Ministerium für öffentliches Bauwesen (Ministerio de Fomento) gehören, und dem privaten Sektor zu identifizieren. Nach Abschluss des Konsultationsprozesses Ende Januar 2018, soll es mit den Maßnahmen losgehen.

Dazu gehört die Einrichtung eines Spanischen Observatoriums für Transport und Infrastrukturen, das als Internationalisierungsplattform dienen soll. Im Rahmen einer Spain Transport Lab getauften Initiative sollen spanische Unternehmen auf technischen Foren und Kongressen als Meinungsführer des spanischen Angebots auftreten. Gipfelveranstaltungen in prioritären Märkten, sogenannte Spain Tech Transport Summits, werden die spanischen Kapazitäten im Bereich Infrastruktur und ihre Innovationsstärke präsentieren. Hinzu kommen, als Innovationsbrücken, Veranstaltungen in Spanien vor Infrastrukturentscheidern eingeladener Länder.

Kooperation öffentlicher und privater Unternehmen

Ausführlich analysiert der Plan das Angebot der neun Unternehmen des Verkehrsinfrastrukturwesens, die unter die Zuständigkeit des Bauministeriums fallen. Im Schienenverkehr sind dies der Betreiber Adif und Bahndienstleister Renfe, im Luftfahrtsektor Aena, Enaire, Senasa und Aesa. Mit von der Partie sind auch die Ingenieurdienstleistungsunternehmen Cedex und Ineco sowie Hafenbetreiber Puertos del Estado.

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit öffentlicher und privater spanischer Unternehmen, ist der Bau der Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnverbindung zwischen Medina und Mekka in Saudi-Arabien. Die erste Demonstrationsfahrt konnte der sogenannte Wüsten-AVE (AVE steht für Alta Velocidad Española, den spanischen Hochgeschwindigkeitszug) am 31. Dezember 2017 absolvieren. Er ist ein Vorzeigeprojekt der Marke ?Marca España?, unter der Spanien seine Spitzenunternehmen und Errungenschaften vermarktet.

Größte Projekte aus einer internationalen Pipeline von über 120 Vorhaben
Land Projekt Durchführendes Organ Zeitraum Investitionsvolumen in Mrd. Euro
Vereinigtes Königreich Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 HS2 2012 bis 2033 63,0
USA Hochgeschwindigkeitsstrecke Kalifornien California High Speed Railway Authority 2009 bis 2014 55,0
Vereinigtes Königreich Crossrail 2 Transport for London/Network Rail 2023 bis 2030 35,0
Norwegen Europastraße E-39 Statens Vegvesen 2017 bis 2026 35,0
Vereinigtes Königreich Londoner Metro Transport for London (TfL) 2016 bis 2021 29,2
Vereinigte Arabische Emirate Erweiterung des Internationalen Flughafens Al Maktoum, Dubai Dubai Aviation Engineering Projects (DAEP) 2017 bis 2025 28,4
Vereinigte Arabische Emirate Zugverbindung des Golfs Etihad Rail Steht aktuell still 25,8
Mexiko Erweiterung des Metronetzes von Mexico Stadt Sistema de Transporte Colectivo k.A. 25,0
Australien Verbesserung der interurbanen Zugverbindungen Australian Government Department of Infrastructure (DIRD) 2018 bis 2025 25,0
Vereinigte Arabische Emirate Metro Dubai Roads & Transport Authority (RTA) 2009 bis 2030 24,1
Australien Metro Sidney Sydney Metro 2019 bis 2025 20,0
Vereinigtes Königreich Erweiterung des Flughafen Heathrow Heathrow Airport 2018 bis 2028 18,0

Quelle: Ministerio de Fomento

Globale Tendenzen, die den Infrastruktursektor wandeln

Neue Trends werden den Infrastruktursektor verändern und Chancen für Unternehmen und Investoren mit sich bringen. Der Fokus wird dabei zunehmend auf nachhaltige Projekte gerichtet sein, die über internationale Institutionen für nachhaltige Vorhaben finanziert werden. Juristisch solide Rahmenbedingungen werden benötigt, um den privaten Sektor bei der Finanzierung und Entwicklung neuer Infrastrukturprojekte in Form von öffentlich-privaten Partnerschaften PPP (Public-Private Partnership) zu animieren. Durch die Einbeziehung disruptiver Technologien werden neue Geschäftsmodelle entstehen. Ansprüche an die Cybersicherheit im Bereich der Transportinfrastruktur werden Geschäftschancen im IT-Sektor generieren. Eine weitere Veränderung wird die Marktliberalisierung der Schiene in Europa bringen.

Weitere Informationen

Plan de Internacionalizacion del Transporte y las Infraestructuras 2018-2020

http://www.fomento.gob.es/NR/rdonlyres/9C972880-C074-44E1-B9CF-081972A4AC70/146576/Plan_internacionalizacion_2017_12_13_web.pdf

(M.N.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien Transport und Verkehr, allgemein, EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Schienenverkehr

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