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24.01.2018

Spaniens Markt für digitale Inhalte wächst

Onlinewerbung und Videospiele mit kräftigen Umsatzsteigerungen / Von Miriam Neubert

GTAI (Madrid) - Wirtschaftswachstum, digitale Transformation und steigende Glasfaserdichte sind die Basis für die anhaltend positive Dynamik der Sparte digitale Inhalte, die bereits 2014 einsetzte. Onlineangebote werden in Spanien vor allem über das Smartphone konsumiert. Filme und Serien zunehmend über Smart-TVs. Fast ein Drittel der Bevölkerung hat schon einmal für die Bereitstellung von Online-Inhalten bezahlt.

Angesichts der positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und des robust wachsenden privaten Konsums könnte Spaniens Industrie für digitale Inhalte 2017 die Umsatzgrenze von 10 Milliarden Euro überschritten haben. Dem im Dezember vorgestellten Jahresbericht des Nationalen Observatoriums für Telekommunikation und Informationsgesellschaft Ontsi (Observatorio Nacional de las Telecomunicaciones y la Sociedad de Información) zufolge, hat der Sektor 2016 im dritten Jahr in Folge seine Erlöse gesteigert. Mit über 9,8 Milliarden Euro waren es 4,8 Prozent mehr als 2015. Gegenüber dem rezessiven Tiefstand von 2013 entsprach das einem Plus von 22,7 Prozent.

Die größte Bedeutung haben dabei die Segmente Radio/Fernsehen sowie Kino/Video mit Anteilen von jeweils rund 38 und 30 Prozent. Auch die digitale Werbung spielt mit 16 Prozent eine wichtige Rolle. Verlagswesen und Videospiele tragen zu jeweils 7 beziehungsweise 6 Prozent bei, während Musikbearbeitung und Tonaufnahmen sowie sonstige Informationsdienstleistungen (darunter Online-Kurse) mit knapp 2 beziehungsweise 1 Prozent eine untergeordnete Rolle spielen.

Videospiele wachsen am stärksten

Insgesamt besteht die spanische Industrie für Informationsinhalte (Verlagswesen, Kino und Video, Tonstudios, Radio- und Fernsehen, digitale Werbung, Computerspiele etc.) aus rund 9.750 Unternehmen. Die Branche setzte laut Ontsi 2016 rund 17,5 Milliarden Euro um. Der digitale Teil dieser Industrie umfasst Entwicklung, Verlag, Vertrieb und Kommerzialisierung von digitalen Aktivitäten (Waren oder Dienstleistungen). Der Umsatzanteil lag in der digitalen Sparte mit 9,8 Milliarden Euro, ähnlich wie in früheren Jahren bei 56 Prozent. Am höchsten ist die Digitalisierungsrate mit 100 Prozent bei den Videospielen und der Onlinewerbung. Am niedrigsten mit 12,7 Prozent bei der Veröffentlichung von Büchern, Zeitungen und anderen verlegerischen Produkten.

Während die Investitionen des Gesamtsektors Informationsinhalte laut Ontsi 2016 um 12,6 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro anstiegen, nahmen sie im Bereich der digitalen Inhalte um 17,8 Prozent auf 605 Millionen Euro ab. Fast 80 Prozent der investierten Summe konzentriert sich fast gleichberechtigt auf die Segmente Radio und Fernsehen sowie Publikationswesen.

Umsatzentwicklung der Industrie für digitale Inhalte (in Millionen Euro)
Segment 2011 2013 2014 2015 2016
Insgesamt 9.284 8.012 8.229 9.384 9.834
.Radio und TV 3.733 3.295 3.454 3.867 3.753
.Kino und Video 3.143 2.832 2.611 2.792 2.027
.Digitale Werbung 899 960 1.066 1.289 1.566
.Verlagswesen 708 354 510 669 723
.Videospiele 499 314 412 511 617

Quelle: Nationales Observatorium für Telekommunikation und Informationsgesellschaft Ontsi

Die Dynamik der einzelnen Segmente ist sehr unterschiedlich. Online-Werbung und Videospiele wuchsen 2016 am kräftigsten mit jeweils 21,5 Prozent und 20,7 Prozent. Rückläufig war die Umsatzentwicklung bei Radio- und Fernsehprogrammen (-2 Prozent) und anderen Informationsdienstleistungen (-20 Prozent).

Digitale Fotos am meisten, Online-Kurse am wenigsten gefragt

Von den verschiedenen digitalen Angeboten nutzten Spanier zwischen 16 und 74 Jahren vor allem digitale Fotos (fast 72 Prozent der Bevölkerung), gefolgt von mobilen Applikationen (67 Prozent), digitaler Presse (66 Prozent), sozialen Medien (60 Prozent) sowie Filmen, Serien, Dokumentarberichten und Videos (60 Prozent). Mehr als die Hälfte ist auch bei Musik und Podcasts (58 Prozent) mit dabei oder verfolgt Blogs und Foren (55 Prozent). Deutlich weniger Menschen lesen elektronische Bücher (24 Prozent), spielen digital (23 Prozent) oder nutzen Online-Kurse (20 Prozent).

Ende 2016 erklärte knapp ein Drittel der Bevölkerung, für einige digitale Angebote bezahlt zu haben. Bei audiovisuellen Inhalten waren es fast 20 Prozent, bei E-Books und Musik über 10 Prozent, Videospielen 9 Prozent und Onlinekursen 8 Prozent. Obwohl die digitale Nutzung der Presse verbreitet und beliebt ist, zahlen nur 5 Prozent der Leser für Onlineartikel, Zeitungen und Zeitschriften. Es ist der niedrigste Wert, der zugleich am geringsten wächst.

Voraussetzung für die Dynamik der Industrie ist, dass immer mehr Familien Zugang zu einer effizienten Telekommunikationsinfrastruktur haben, die die Nutzung der digitalen Inhalte überhaupt erst ermöglicht und sie attraktiv macht. Diese technologische Seite hat sich in Spanien weiter verbessert. Die Abdeckung mit dem Mobilfunkstandard LTE erreichte im Jahr 2016 laut Ontsi 94 Prozent. Das waren 18 Prozentpunkte mehr als 2015. Die Glasfaserabdeckung nahm ebenfalls um 18 Prozentpunkte auf 63 Prozent zu.

Digitale Inhalte werden in Spanien vor allem über das Smartphone konsumiert, über das sich 81 Prozent der Nutzer mit dem Internet verbinden. Im Mittelfeld liegen Laptops (52 Prozent), klassische Desktop-Computer (46 Prozent) und Tablets (32 Prozent). Rund ein Zehntel der Zahl der Haushalte nutzt das Internet via Smart-TV.

(M.N.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Internetdienste

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