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16.04.2019

Sri Lanka will in seine Infrastruktur investieren

Großprojekte sollen schnell wieder an Fahrt aufnehmen / Von Heena Nazir

Colombo/Mumbai (GTAI) - Sri Lankas neue Regierung ist bestrebt, die Infrastrukturinvestitionen möglichst rasch voranzubringen, trotz der angespannten Finanzlage.

Nachdem Sri Lankas Regierung Anfang 2019 die über Wochen anhaltende politische Krise für beendet erklärte, liegt der Fokus wieder verstärkt darauf, die teilweise ins Stocken geratenen Infrastrukturprojekte voranzubringen. Neben der Steigerung der Exporte sollen die Projekte vor allem die strukturellen Probleme angehen und so einen zentralen Beitrag dazu leisten, die Wirtschaft des Landes wieder anzukurbeln. Aufgrund der angespannten Finanzlage und des politischen Zündstoffs im Vorwahljahr - Parlamentswahlen stehen 2020 an - gestalten sich die Ausbaupläne derzeit jedoch als eher schwierig.

Mit Blick auf die benötigten Kredite aus dem Ausland schwelte es schon seit der Abwahl des China nahestehenden vormaligen Präsidenten Rajapaksa im Jahr 2015. Seitdem intensivierte sich der politische Machtkampf zwischen Chinas "Belt and Road Initiative" (BRI) und Indiens Ansprüchen im indischen Ozean. Besonders Rajapaksas Prestigeprojekte, der mit chinesischen Geldern gebaute Hafen und Flughafen von Hambantota, erwiesen sich als teure Fehlschläge, die die Finanzlage des kleinen Inselstaates stark überfordern. Die Rechte des Hafens wurden für 99 Jahre China übertragen. Dafür erlässt China Sri Lanka einen Teil seiner hohen Schulden. Anstatt die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig zu stärken, ließen die Fehlinvestitionen Sri Lankas Auslandsverschuldung in die Höhe schnellen.

Sri Lanka bemüht sich um Gleichgewicht

Der Ausbau der Infrastruktur bleibt für das wirtschaftliche Wachstum des Inselstaates vorrangig und behält auch in den Überlegungen und Strategien der wiederhergestellten Regierung eine zentrale Bedeutung. Allerdings hat Sri Lanka durch seine hohe Verschuldung kaum eigene Mittel, um in weitere Infrastrukturprojekte zu investieren. Im Jahr 2016 erhielt Sri Lanka einen Kredit in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar (US$) vom Internationaler Währungsfonds, welcher aber an die Kondition gebunden ist, das Budgetdefizit und die Staatsverschuldung weiter abzubauen. Circa 95 Prozent der Staatseinnahmen werden für die Schuldentilgung benötigt. Der Regierung hat wenig Spielraum für staatlich finanzierte Maßnahmen, da die Staatsverschuldung 2018 bei schätzungsweise 78 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lag.

Ausländische Geldgeber sind somit weiterhin willkommen, um die notwendigen Infrastrukturprojekte zu realisieren. Da Kredite für die Vorhaben hauptsächlich von asiatischen Geldgebern angeboten werden, ist es für die amtierende Regierung umso wichtiger, auch ein ausgeglichenes Verhältnis zu den regionalen Großmächten China und Indien zu finden. Wie auch in anderen Staaten der Region (beispielsweise Pakistan oder Malaysia) wird der starke Einfluss Chinas als größter Gläubiger - im Falle Sri Lankas eine geschätzte Schuldenlast zwischen 8 Milliarden und 9,2 Milliarden US$ - von der Bevölkerung kritisch gesehen. Die Regierung ist bemüht, durch eine Diversifizierung der Geldgeberländer das bisherige Ungleichgewicht auszubalancieren. Anfang Januar 2019 wurde mit der Vergabe (Finanzierung und Realisierung) des Großauftrags für das Colombo Light Rail Transit-Projekt (LRT) über 1,8 Milliarden US$ an Japan ein Zeichen gesetzt.

Neben den Public Public Partnerships (PuP) sollen mehr und mehr Public-private-Partnerships (PPP) auch im Infrastrukturbereich entstehen. Der Vorteil läge hierbei deutlich auf einer Entlastung des öffentlichen Haushalts und somit einer höheren Skalierbarkeit von Investitionen. Es wird erwartet, dass Sri Lanka 2019 verstärkt Anstrengungen unternimmt, um neue Investitionen des privaten Sektors für Infrastrukturprojekte anzuziehen. Bisher sind private Investoren noch zögerlich. Intransparente Bürokratie, unklare Zuständigkeitsbereiche in den Behörden und volatile Regierungsentscheidungen haben einige Vorhaben ausgebremst.

Ein zentrales Projekt, das wieder angestoßen wurde, ist beispielsweise die Colombo Port City. Mit 269 Hektar neugewonnenem Land sollen sich innerhalb des Hafens internationale Finanzunternehmen ansiedeln. Rund 78 Milliarden US$ sollen in das Projekt investiert werden. Aufgrund der Krise ist der Großteil der privaten Investoren aktuell zögerlich, oder haben Pläne zwischenzeitlich gar auf Eis gelegt. Mit wiederkehrender Stabilität sollte das Projekt jedoch wieder an Fahrt gewinnen.

Ausgewählte Großprojekte in Sri Lanka
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Western Region Megapolis Planning 78.402 Geplante Fertigstellung bis 2030 Ausbau der Metropolregion um Colombo herum. Ansprechpartner: Mr. Jayasekara, Projektleiter, E: pd@wrmpp.gov.lk
Central Express Way 3.753 Bau wird in vier Phasen durchgeführt; geplante Fertigstellung 2019 bis 2020 Bau einer Autobahn, die die Verbindung von der Zentralprovinz und Norden verbessern soll; weitere Kontaktdaten unter: http://www.cep.rda.gov.lk
Light Rail Transits System Project (LRT) 1.922 Geplante Fertigstellung Dezember 2026 Regierung von Sri Lanka und Japan International Corporation Agency (JICA) führen Projekt aus; Kontaktdaten: Mr. Chaminda Ariyadasa, Projekt Direktor, E: pdlrt.jica@gmail.com, W: http://www.clr.lk, http://www.megapolismin.gov.lk
Extension of Southern Expressway 1.359 Geplante Fertigstellung bis 2019 Ausbau der Autobahn von Matara nach Hambantota; Ansprechpartner: Mr. Nilawfer, Project Leiter, E: pdesepmb@gmail.com, W: http://www.rda.gov.lk
Colombo Port City 1.400 geplante Fertigstellung 2041; 90% Landgewinnung abgeschlossen; Hafenbauprojekt in Colombo; Ansprechpartner finden Sie unter: http://www.portcitycolombo.lk/contact/;E:enquiry_cpcc@chec.lk
Integrated Road Investment Program 1.431 geplante Fertigstellung 2024 Ausbau des Straßennetzwerkes in Sri Lanka; Ansprechpartner unter: http://www.iroad.rda.gov.lk
Metro Colombo Urban Development 320,6 geplante Fertigstellung 2020 Projekt zielt auf die Verbesserung der Infrastruktur in der Region Colombo ab; Ansprechpartner: Ms. A.H. Thushari; Projektdirektorin, E: mcudp_sllrdc@sltnet.lk
Colombo Urban Regeneration Project 280 2022 Projekt wird umgesetzt von E.A.C. Priyashantha Director, Housing, Urban Development Authority - Ministry of Megapolis and Western Development; W: http://www.uda.gov.lk

*) Umrechnung anhand des Wechselkurses 15. Februar 2019: 1 US$ = 178,17 Sri-Lanka-Rupien

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Geschäftschancen für deutsche Firmen

China wird auch in Zukunft im Rahmen von BRI in Sri Lanka eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von Finanzmitteln für Infrastrukturprojekte sowie bei deren operativer Umsetzung spielen wollen. Laut einer Studie von Business Monitor vom Januar 2018 ist an 40 Prozent aller Projekte in Sri-Lanka mindestens ein chinesisches Unternehmen beteiligt. Kurzfristig gesehen ist auch deshalb die direkte Beteiligung deutscher Firmen speziell an Infrastrukturprojekten eher zurückhaltend. Die Auftragsvergabe an chinesische Firmen ist an die Finanzmittel gekoppelt.

Das bedeutet nicht, dass deutsche Unternehmen nicht gefragt sind. Chancen ergeben sich für Firmen aus der Bundesrepublik vor allem als Subunternehmer und Zulieferer: Fahrstühle von Thyssen Krupp, Küchen für Fünf-Sterne-Hotels oder deutsche Medizintechnik werden stark nachgefragt. Beispielsweise konnte sich Knorr Bremse einen Großauftrag für die Lieferung von Bremsen für Lokomotiven sichern, und Bosch installiert Überwachungskameras auf sri-lankischen Autobahnen. Auch Siemens ist bei unterschiedlichen Projekten stark vertreten. "Deutsche Technik ist in Sri Lanka sehr beliebt und steht für Qualität", bestätigte Praseedh Philip, Sales and Marketing Manager Robert Bosch Lanka (Pvt) Ltd, in einem Interview mit Germany Trade & Invest.

Der Ausbau der Infrastruktur sowie der damit verbundene wirtschaftliche Aufschwung machen Sri Lanka mittel- bis langfristig zu einem attraktiven Markt. Weiterhin ist das Land aber auch wegen der Lage an der "maritimen Seidenstraße" vielversprechend. Hierdurch ergibt sich eine schnelle Anbindung an andere südasiatische Länder und damit den Zugang zu weiteren aufstrebenden Volkswirtschaften. Allerdings wird sich noch zeigen müssen, ob die Regierung den Balanceakt zwischen der Umsetzung benötigter Reformen, der Investitionsförderung und dem Schuldenabbau meistern wird.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Sri Lanka können Sie unter http://www.gtai.de/sri-lanka abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Sri Lanka Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Infrastruktur, Auslandsverschuldung

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