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18.04.2019

Sri Lankas IT-Branche wächst dynamisch

Sektor ist wichtige Säule der Exportwirtschaft / Von Heena Nazir

Colombo (GTAI) - Bessere politische und regulatorische Rahmenbedingungen sind essenziell, um den weiteren Wachstumspfad der sri-lankischen Informationstechnologie zu ebnen.

Der Inselstaat mit einem Inlandsmarkt von 21 Millionen Verbrauchern hat eine stark vom Außenhandel abhängige Volkswirtschaft, die seit Jahren einen negativen Handelsbilanzsaldo aufweist. Dabei ist der Export auf wenige Produktkategorien und Empfängermärkte - Europäische Union (EU) 36 Prozent und USA 25 Prozent - konzentriert.

Diese Einseitigkeit macht Sri Lankas Wirtschaft verletzlich. Nachfrageschwankungen in den Hauptexportregionen führen unmittelbar zu volatilen Ausfuhrwerten. Langfristig gesehen muss Sri Lanka für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum seine Exportbasis differenzieren. Dabei sind die Informationstechnologie (IT) und das Business Process Outsourcing (BPO) von besonderer Bedeutung und wichtige Teile der neuen nationalen Exportstrategie der sri-lankischen Regierung.

Nach der Textilindustrie und dem Tourismus macht der IT/BPO-Sektor circa 13,2 Prozent der gesamten Dienstleistungsexporte aus. Insgesamt erzielte die Branche 2018 Exporterlöse in Höhe von einer Milliarde US-Dollar (US$). Damit liegt die jährliche durchschnittliche Wachstumsrate bei 23 Prozent. Für 2019 rechnet der Branchenverband Sri Lanka Association of Software and Service Companies (SLASSCOM) mit Ausfuhren in Höhe von 1,8 Milliarden US$. Das ehrgeizige Ziel ist, die IT- und BPO-Exporte bis 2022 auf einen Wert von 5 Milliarden US$ zu steigern.

Über 300 lokale IT-Unternehmen exportieren Softwareprodukte und -dienstleistungen in mehrere Regionen, hauptsächlich nach Nordamerika, in die EU, nach Australien, Ostasien, in den Nahen Osten, nach Afrika und in die nordischen Regionen. Zum Gesamtabsatz gibt es kaum verlässliche Daten. Schätzungen aus Fachkreisen betrug er 2018 etwa 1,2 Milliarden US$.

Sri Lanka fungiert auch als Offshore-Entwicklungszentrum für Fortune-500-Unternehmen aus USA, Irland, Vereinigtes Königreich, Australien und Schweden sowie Joint Ventures mit Sitz in Schweden, Norwegen und Japan. Der Inselstaat wurde 2017 von der Unternehmensberatung AT Kearney in ihrer Studie "Offshore Location Attractiveness Index" auf Rang 11 der 55 globalen Outsourcing-Destinationen platziert und stieg damit seit 2016 um drei Plätze. Vor allem der Kostenvorteil überzeugt: Die durchschnittlichen Nebenkosten können bis zu 30 Prozent niedriger sein als in anderen Destinationen.

Auch das Klima und die Lebensqualität machen Sri Lanka zu einem attraktiven Standort, allerdings gibt es auch starke Konkurrenz in Asien. "Mit Ländern wie Indien kann Sri Lanka kaum mithalten", sagte Azam Hussain Sallie, Managing Director von Eves Information Technology, in einem Interview mit GTAI. In Indien wurden im Finanzjahr 2018/19 circa 137 Milliarden US$ durch Exporte generiert. Um langfristig erfolgreich zu sein, muss Sri Lanka auch deshalb seine Wertschöpfungskette optimieren.

Künstliche Intelligenz soll zur dritten Säule werden

Derzeit dominieren zwei Bereiche die sri-lankische IT-Industrie - die Entwicklung kundenspezifischer Software-Dienstleistungen sowie die Auslagerung von Geschäftsprozessen. Das Land ist ein bedeutender Anbieter von Finance Accounting Outsourcing mit den Schwerpunkten Telekommunikation, Bankwesen, Finanzen und Versicherungen.

Mittel bis langfristig muss Sri Lanka in hochwertigere Lösungen investieren, da sich der Schwerpunkt der IT-Dienstleistungen weltweit verändert. SLASSCOM hat dies erkannt und will den Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) ausbauen. Der Verband arbeitet mit Branchenkennern an einem nationalen Strategiepapier zum Thema KI, das im Laufe des 1. Halbjahres 2019 vorgestellt werden soll. "Im Wesentlichen orientiert sich Sri Lanka dabei an der indischen KI-Vorgehensweise und wird den Schwerpunkt auf digitale Lösungen für Probleme in sozialen Bereichen wie Gesundheit und Bildung sowie auf die Entwicklung von Infrastruktur und Landwirtschaft legen", sagte Jeevan Gnanam, CEO von SLASSCOM in einem Interview mit GTAI.

16,7 Millionen US$ sollen in den IT-Sektor investiert werden

Um den Sektor weiter zu fördern, wurden einige Maßnahmen seitens der Regierung ergriffen. Im IT-Bereich sollen Arbeitsvisa für qualifiziertes Personal einfacher und öfter auch längerfristig ausgestellt werden. Das ist dringend notwendig, da die Zahl der Absolventen nicht ausreicht, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen. In den kommenden Jahren wird der Industriezweig mindestens dreimal so viele Arbeitskräfte auf der Angebotsseite benötigen, um seine Ziele zu erreichen. Branchenkennern zufolge werden jährlich bis zu 18.000 neue IT-Absolventen benötigt. Aktuell gibt es circa 5.000 Absolventen.

Das Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte ist oftmals nicht ausreichend. Die Unternehmen müssen die Absolventen meist selbst in Aus- und Weiterbildungsprogrammen schulen, bevor sie beschäftigt werden können. Hinzu kommt, dass die Produktivität von Ingenieuren und Akademikern in sri-lankischen Betrieben insgesamt viel niedriger ist als bei der ausländischen Konkurrenz. Vor allem in Managementpositionen ist es sehr schwierig, geeignetes Personal zu finden, und das zeigt sich auch in der Gehaltsstruktur. Einer Studie der Oxford Business Group (OBG) zufolge zahlt man in Sri Lanka für Personal in Schlüsselpositionen ähnlich viel wie im Vereinigten Königreich. Kurzfristig gesehen mag die Vereinfachung der Visaregularien für Fachkräfte im IT-Bereich Abhilfe schaffen, doch langfristig muss Sri Lanka in ein verbessertes Ausbildungssystem investieren.

Sri Lanka ist bestrebt, dem Information Technology Agreement (ITA) beizutreten. Das Abkommen der WTO reduziert die Zölle der betreffenden Produkte für Mitgliedsstaaten auf null. Darüber hinaus arbeiten Indien und Sri Lanka am Abschluss des Abkommens über wirtschaftliche Technologiekooperation (ETCA). Bei einer Unterzeichnung würde der Pakt das derzeitige Freihandelsabkommen um Dienstleistungen und Investitionen erweitern. Damit könnten Fachkräfte aus Indien einfacher in Sri Lanka beschäftigt werden.

Insgesamt sollen umgerechnet circa 16,7 Millionen US$ in den Sektor investiert werden. 2018 wurden umgerechnet 1,7 Millionen US$ zur Durchführung verschiedener Aktivitäten zur Förderung der IT-Entwicklung durch das Export Development Board (EDB) bereitgestellt. Mit den Geldern soll auch der sri-lankischen Start-up Szene Auftrieb verliehen werden.

Rahmenbedingungen müssen verbessert werden

Allerdings reichen diese Maßnahmen alleine nicht aus. Die meisten in der IT/BPO-Branche ermittelten Probleme beziehen sich auf institutionelle und regulatorische Rahmenbedingungen. "Die Industrie entwickelte sich angeregt durch die internationale Nachfrage, jedoch mit begrenzter Unterstützung des öffentlichen Sektors," so Gnanam im Gespräch mit GTAI. Regulierungsauflagen im Zusammenhang mit Firmengründungen und -schließungen beispielsweise sind sehr kostspielig und schrecken vor allem Jungunternehmer ab. Weiterhin sind rigide Arbeitsregulierungen beschwerlich, so ist es etwa schwierig einen Arbeitsvertrag zu kündigen.

Es ist für Firmengründer nicht leicht, sich in der Fülle der Vorschriften und Gesetzen zurechtzufinden oder sich gar bei Rechtsstreitigkeiten durchzusetzen. Finanzielle Unterstützung erhalten viele Gründer zunächst von ihrer Familie, von Freunden oder Nachbarn. Die Finanzierung über Banken ist ähnlich wie für andere kleine Unternehmen im Land schwierig. Banken stellen zumeist hohe Anforderungen für die Gewährung eines Kredits. Geschäfte mit etablierten Kunden bedeuten für die Kreditinstitute einen vergleichbaren Aufwand, allerdings ein geringeres Risiko und sind daher interessanter.

Für die Branche kommt es nun darauf an, dass die Regierung attraktive Rahmenbedingungen schafft. Konkret bedeutet dies eine gezielte Unterstützung bei der Firmengründung. Außerdem sind Förderungen von Innovationen sowie mehr und qualitativ hochwertigere Ausbildungsmöglichkeiten erforderlich. Das Image des Landes als Standort für IT-Dienste und -Innovationen kann nur so international stärker werden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Sri Lanka können Sie unter http://www.gtai.de/sri-lanka abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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