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18.04.2018

Startschuss für die Biomethan-Branche in Italien

Neues Fördergesetz stellt 4,7 Milliarden Euro bereit / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Italien hat ein neues Fördergesetz für die Produktion von Biomethan beschlossen. Das wird erhebliche Neuinvestitionen in technische Upgrades und den Bau von Neuanlagen auslösen. Branchenkenner erwarten gar einen Boom für den Zeitraum 2018 bis 2022. Deutsche Unternehmen haben als Technologieanbieter sehr gute Geschäftschancen. (Kontaktadressen)

Anfang März 2018 hat die Europäische Kommission grünes Licht für das neue Biomethan-Dekret Italiens gegeben. Es sieht vor, dass von 2018 bis 2022 staatliche Mittel in Höhe von 4,7 Milliarden Euro für die Förderung der Biomethanproduktion bereitgestellt werden. Das Dekret, auf das die Industrie seit zwei Jahren wartet, baut auf die 2016 definierten Standards des Erdgasnetzbetreibers SNAM auf. Es schafft Planungssicherheit, sodass die Firmen ihre Investitionsvorhaben endlich in die Tat umsetzen können.

Die Voraussetzungen für die Biomethan-Branche in Italien sind gut. Das Land verfügte Ende 2017 über insgesamt circa 1.500 Anlagen für die Biogasproduktion. Damit ist Italien nach Deutschland der zweitwichtigste Produzent in Europa. Zwischen 2008 und 2012 wurden viele Biogasanlagen für die Stromproduktion gebaut; in dieser Zeit gab es großzügige Fördermittel. Doch dann wurden die Einspeisetarife gekürzt, die Rentabilität neuer Anlagen ging zurück und damit auch die Investitionen.

Branchenkenner erwarten, dass die neuen Fördermittel vor allem dafür genutzt werden, viele bestehende Biogasanlagen umzurüsten und zu modernisieren. Die Mittel sind unter anderem dafür vorgesehen, dass Betreiber von Biogasanlagen in Technologien investieren, mit Hilfe derer Biogas in Biomethan umgewandelt werden kann - anstatt Strom zu erzeugen. Der gewonnene Kraftstoff kann dann entweder direkt als Treibstoff für Erdgasfahrzeuge verwendet, in das Erdgasnetz eingespeist werden oder aber als Brennstoff für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen dienen.

Deutsche Firmen zeigen großes Interesse

Jüngsten Daten des Erdgasnetzbetreibers SNAM zufolge gibt es in Italien erst circa sieben Anlagen für die Biomethanproduktion - und davon wurde bisher nur eine an das Erdgasnetz angeschlossen. Die anderen sechs kleineren Produktionsanlagen finden sich in der Landwirtschaft. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es über 170 solcher Anlagen.

Der Grund für diese schleppende Entwicklung liegt darin, dass es in Italien lange Zeit keine klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen für Biomethananlagen gegeben hat. Es fehlte die Definition von Qualitätsstandards, auch die technischen Anforderungen für die Einspeisung in das Erdgasnetz waren nicht festgelegt. Selbst die finanzielle Anreize und Fördermöglichkeiten standen nicht fest.

"Das neue Dekret ist ein lang erwartetes politisches Signal für die Branche. Das Interesse der Unternehmen ist momentan sehr groß. Wir erhalten zahlreiche Anfragen von diversen Branchenakteuren, darunter auch Firmen aus Deutschland. Mehrere Mitglieder in unserem Konsortium sind deutsche Technologieanbieter, die - auch mit unserer Unterstützung - aktiv zur Entwicklung der Branche beitragen," sagt Dr. Carlo Pieroni, Experte beim Biogaskonsortium CIB (Consorzio Italiano Biogas).

Italien versucht bereits seit 2016, die Biomethanproduktion in Schwung zu bringen. SNAM hat die Qualitätsstandards und Druckparameter, um Biomethan in das Erdgasnetz einzuspeisen, definiert. Inzwischen liegen dem Erdgasnetzbetreiber über 500 Interessensbekundungen und 80 offizielle Anfragen für einen Netzanschluss vor. Auch diese Zahlen lassen einen raschen Ausbau des Sektors erwarten.

Nachhaltiger Transport steht im Fokus

Die Förderung der Biomethanproduktion soll vor allem den nachhaltigen Transport forcieren. Bei diesem Thema hinkt Italien dem europäischen Zeitplan hinterher: Dieser sieht vor, dass bis 2020 immerhin 10 Prozent des Energiebedarfs für den Transport aus erneuerbaren Quellen stammen.

Biomethan trifft als Treibstoff für erdgasbetriebene Kfz in Italien auf großes Interesse, schließlich verfügt das Land über die größte Flotte von Erdgasfahrzeugen in Europa: Circa 1 Million Kfz in Italien haben einen Methan-Antrieb. Zudem gibt es bisher 1.100 Tankstellen, an denen Autofahrer ihre Erdgasautos betanken können. Im kommenden Jahrzehnt werden sich diese beiden Zahlen einer SNAM-Prognose zufolge verdoppeln.

In der italienischen Logistikbranche gewinnt auch das Thema Flüssigerdgas (LNG) an Bedeutung. Doch dieser Kraftstoff muss bisher vollständig importiert werden. Das dürfte künftig anders werden, schließlich ermöglicht das Biomethan-Dekret nicht nur die Förderung der Biomethangasproduktion, sondern auch die Förderung der inländischen LNG-Produktion.

"Bereits heute sehen wir eine Umstellung in der Logistik von Dieselmotoren auf LNG-Fahrzeuge. Auch wenn das Flüssigerdgas aktuell importiert wird, ist es trotzdem eine preisgünstige Lösung. Die Produktion von Biomethan in Italien würde zu einer weiteren Reduzierung der Kosten führen und den LNG-Markt begünstigen - mit einem positiven Effekt für die Umwelt," betont Dr. Pieroni weiter.

Auch für die Sicherheit der Energieversorgung spielt Biomethan eine wichtige Rolle. Die italienische Erdgasproduktion hat sich in den letzten Jahren signifikant reduziert, weshalb der Anteil der Importe steigt. Das in der Landwirtschaft gewonnene Biomethan könnte die Versorgungssicherheit in Zukunft deutlich erhöhen. Nach Angaben des Biogaskonsortiums CIB könnte Italien bis 2030 eine jährliche Produktion von 10 Milliarden Kubikmeter Biomethan erreichen. Dies entspricht circa 15 Prozent der aktuellen Gasnachfrage.

Großzügige Förderung für Biomethananlagen

Mit dem Biomethangesetz wird der Bau von Neuanlagen und das Upgrading von alten Anlagen für die Produktion von Biomethan gefördert. Die Prämie wird bezahlt, um die Produktionskosten im Vergleich zu herkömmlichen Energieträgern wettbewerbsfähig zu gestalten. Dabei wird die Gewährung der Prämien jährlich an die Marktbedingungen angepasst. Insgesamt können 1,1 Milliarden Kubikmeter pro Jahr gefördert werden.

Ansprechpartner für Detailfragen zu den konkreten Bedingungen ist das italienische Biogaskonsortium CIB (Consorzio Italiano Biogas), das zu diesem Thema auch Berichte in englischer Sprache veröffentlicht. Auch die deutsch-italienische Handelskammer in Mailand (AHK Italien) kann behilflich sein. Deutsche Unternehmen haben angesichts der Branchenentwicklungen gute Geschäftschancen in Italien. Insbesondere Technologieunternehmen, die auf die Umrüstung von Biogasanlagen für die Biomethanproduktion spezialisiert sind, können von den jüngsten Entwicklungen profitieren.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse
Consorzio Italiano Biogas (CIB)Italienisches Biogaskonsortium http://www.consorziobiogas.it
Deutsch-Italienische Handelskammer (AHK Italien) http://www.ahk-italien.it
SNAM Erdgasnetzbetreiber http://www.snam.it
GSE Stromverwaltungsbehörde http://www.gse.it

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Italien können Sie unter http://www.gtai.de/italien abrufen.

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Strom-/ Energieerzeugung, Bioenergie

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Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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