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02.04.2019

Start-ups in China bauen auf künstliche Intelligenz

Schwerpunkt liegt auf Computer Vision und Spracherkennung / Von Corinne Abele

Shanghai (GTAI) - Chinas Start-up-Szene setzt auf Künstliche Intelligenz. In einigen Bereichen sind chinesische Firmen führend, in anderen besteht noch eine hohe Abhängigkeit vor allem von den USA.

Chinas Start-up Szene für künstliche Intelligenz (KI) boomt. Rund 36 Prozent der Start-ups halten KI für am vielversprechendsten, so der "China Startup Outlook 2018" von der Silicon Valley Bank. Auch 2019 sind die Aussichten dank entschiedener Förderung der Regierung gut. Allerdings spürt auch die Start-up-Szene die nachlassende Konjunktur sowie vor allem die Handels- und Technologieauseinandersetzung zwischen China und den USA.

Finanzierungsrunden werden schwieriger und auch kommerzielle Forschungskooperationen zwischen Akteuren in China und USA stoßen mitunter auf Hindernisse. Dies könnte neue Kooperationsmöglichkeiten zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen schaffen, denn gerade im KI-Bereich bleibt die Dynamik groß.

Bislang denken nur wenige deutsche Firmen in Richtung Zusammenarbeit mit chinesischen KI-Start-ups. Joint Ventures wie das von Volkswagen und Mobvoi sind Ausnahmen. Das chinesische Unternehmen entwickelt Spracherkennungssoftware für Autos. Volkswagen will mit dem Gemeinschaftsunternehmen die eigenen Fahrzeuge mit KI versehen.

Top-10 chinesische KI-Firmen (in alphabetischer Ordnung) *)
Firmen (Hauptsitz) Beschreibung Branche
Cambricon (Beijing) KI-Chipherstellung KI-Chips for Smartphones (u.a. Huawei)
Cloudwalk (Guangzhou) Gesichtserkennung Sicherheitstechnik für Grenzkontrollen
DJI (Shenzhen) Drohnen, teilweise ausgestattet mit KI Konsumelektronik, Logistik, Militär
Horizon Robotics (Beijing) Entwicklung einer Plattform für Hardware, Software und Cloud zur Bedienung von Smart Devices Smart IoT, Smart City, autonomes Fahren, smarter Einzelhandel
Megvii Technology (Face++) (Beijing) Gesichts-, Bewegungs- und Verhaltenserkennung Web API, FaceID, Sicherheitstechnik, Smartphone, Einzelhandel
Mobvoi (Beijing) Voice Recognition Smart Devices basierend auf Voice Recognition Technologie (Smart Watch, Smart Speaker, Smart Car), u.a. Joint Venture mit Volkswagen
SenseTime (Shenzhen/Hongkong) Gesichts-, Bewegungs- und Verhaltenserkennung Sicherheitstechnik im öffentlichen und privaten Raum, auf Smartphones und für Bezahlfunktionen; autonomes Fahren
Ubtech Robotics (Shenzhen) Humanoide Roboter Konsumelektronik, Dienstleistungen in Hotellerie, Gesundheitssektor, Regierung, Erziehung
Unisound (Beijing) Voice Recognition Stimmbasiertes Authentifizierungssystem
Yitu Technology (Shanghai) Computer Vision Öffentliche Sicherheit, Bankensektor, Smart Retail, Smart City

*) basierend auf Privatunternehmen, deren Fokus auf Forschung und Entwicklung von KI-Technologie und seinen kommerziellen Produkten und Dienstleistungen liegt

Quelle: China Money Network: China AI Top 10 , September 2018

Chinas führende KI-Start-ups profitieren von gewaltigen Datenmengen, die nicht selten der chinesische Staat zur Verfügung stellt. Gleichzeitig treten staatliche Einheiten als wichtige Kunden auf. So entwickelte das zeitweise höchstbewertete Start-up SenseTime seine Gesichtserkennung durch die Zusammenarbeit mit der Hongkonger Polizei. Regierungseinheiten waren nach eigenen Angaben 2018 auch der größte Auftraggeber für das Computer Vision Start-up Face++, und die Gesichtserkennung von Cloudwalk wird an der Grenzkontrolle sowie in 24 Provinzen eingesetzt.

Chinas Hauptstadt ist auch Zentrum für künstliche Intelligenz

Mit rund 400 Firmen bildet mit deutlichem Abstand Chinas Hauptstadt Beijing das Zentrum der chinesischen KI-Branche. Sie ist auch weltweit die Stadt mit den meisten KI-Firmen. Dies liegt maßgeblich an dem Pool von KI-Talenten der dortigen Spitzenuniversitäten sowie an einem vorteilhaften Umfeld gerade für Tech-Start-ups. Hier ist insbesondere der High-Tech-Park Zhongguancun zu nennen, aus dem Unternehmen wie Baidu hervorgegangen sind. Bis 2020 baut die Parkverwaltung im Bezirk Mentougou den ersten "AI Industrial Park" der Stadt für rund 1,4 Milliarden US$.

Hinter Beijing verfügen Shanghai (210 Firmen), Guangdong (165) und die Provinzen Zhejiang (66) und Jiangsu (42) über die meisten KI-Firmen. Insgesamt befinden sich allein 87 Prozent aller 1.000 chinesischen KI-Firmen in diesen fünf Regionen. Bei weltweit grob geschätzten rund 5.000 KI-Firmen liegt das Land damit hinter den USA (rund 2.000 KI-Firmen), aber mit deutlichem Abstand vor dem Vereinigten Königreich.

An zahlreichen KI-Start-ups sind die drei Firmen Baidu, Alibaba und Tencent (kurz BAT) beteiligt - allein an zwölf der von "China Money Network" ausgewählten Top 50 KI-Start-ups. BAT trägt wesentlich zum chinaspezifischen Ökosystem in Sachen Big Data und KI bei, denn die Firmen haben entscheidend von der Abschottung des chinesischen Internets vor ausländischen Anbietern wie Google oder Amazon profitiert. BAT gehört zu den Top 15 Patentanmeldern Chinas im KI-Bereich. Auch Huawei gehört dazu.

Große Player dominieren KI-Patentanmeldungen

Zwar melden auch junge Startups KI-Patente an, können jedoch zahlenmäßig die großen inländischen Player nicht einholen. Dabei kommt Chinas Spitzenreiter bei KI-Patenten überraschenderweise aus der Energiebranche. Gemäß dem "China AI Development Report 2018" (kurz: China AI Report 2018) vom Juli 2018 meldete allein die State Grid Corporation mehr Patente im KI-Bereich an als die nachfolgenden 14 Unternehmen zusammen.

Top 15 KI-Patentantragssteller der chinesischen Wirtschaft 2013 bis 2017 1)

Unternehmen Patent(gruppen) 2)
1 State Grid Corporation of China 4.246
2 Baidu 542
3 Changhong Electric 402
4 Oppo 346
5 Xiaomi Corporation 333
6 Midea Group 270
7 ZTE 267
8 Tencent 261
9 TCL Group 260
10 Phicomm 239
11 Alibaba 228
12 Huawei 211
13 BOE 199
14 LeEco 183
15 Gree Electric 167

*) basierend auf dem Derwent World Patents Index (DWPI); 2) Anzahl an Patentenanmeldungen 2013 bis 2017; Patente zur gleichen Erfindung wurden in Patentfamilien gebündelt

Quelle: China AI Development Report 2018

Chinesische Firmen bislang schwach bei KI-Chips

Chinas KI-Markt dürfte 2018 laut dem "China AI Development Report 2018" rund 63 Milliarden US$ groß gewesen sein und 2019 mit rund 65 Prozent weiter gewaltig wachsen. Mit knapp 35 Prozent entfällt der größte Marktanteil auf Computer Vision, gefolgt von Spracherkennung mit 25 Prozent. In diesen Bereichen sind auch über zwei Drittel der chinesischen KI-Firmen tätig.

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Im Hinblick auf KI-Anwendungen fokussieren sich die Firmen vor allem auf KI für vertikale Anwendungen (KI+) (China: 46 Prozent; Ausland: 77 Prozent) sowie intelligente Robotik (China: 22 Prozent; Ausland 6 Prozent). Damit liegen sie einmal deutlich unter, einmal deutlich über dem jeweiligen Anteil der KI-Firmen im Ausland.

Auch bei KI-Anwendungsbereichen wie Drohnen sowie Big Data und Datendienstleistungen sind chinesische KI-Firmen überdurchschnittlich stark. Schwach aufgestellt ist China hingegen bislang bei Design und Herstellung von KI-Chips. Zwar macht das Start-up Cambricon von sich reden, das unter anderem KI-Chips für Huawei herstellt; doch die Abhängigkeit von Importen aus den USA bleibt hoch.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Forschung und Entwicklung, Digitalisierung, Start-up

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