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22.02.2018

Steigender Konsum beflügelt polnischen Verpackungsmarkt

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Wachsende Investitionen der Nahrungsmittelverarbeiter / Convenience gewinnt an Bedeutung / Exporte nehmen zu / Von Beatrice Repetzki (Januar 2018)

Warschau (GTAI) - Polen steigert seine Produktion von Nahrungsmitteln, Getränken, Tabakwaren, Kosmetika, Haushaltschemie und Arzneien. Dadurch erhöht sich der Bedarf an Verpackungen und modernen Verpackungsmaschinen. Der Arbeitskräftemangel zwingt zur Automatisierung. Nicht nur der Inlandsmarkt nimmt diese Produkte auf, die Waren werden auch in zunehmendem Maße exportiert. Im Vordergrund stehen dabei EU-Länder. Aber auch entferntere Märkte in Asien, Afrika und Lateinamerika rücken stärker in den Fokus.

Nahrungsmittel

Die Investitionen in die Nahrungsmittelindustrie stiegen in den ersten drei Quartalen 2017 laut dem Statistischen Hauptamt GUS auf Zloty-Basis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Rückläufig waren dagegen die Investitionen in die Getränkeherstellung mit -16,6 Prozent auf 137 Millionen Euro sowie die in die Tabakverarbeitung mit -15,1 Prozent auf 216 Millionen Euro.

Produktion ausgewählter Nahrungsmittel in Polen (Menge in 1.000 t, sofern nicht anders angegeben)
2015 2016 Veränderung 2016/15
Geflügelfleisch 2.383,7 2.797,2 17,4
Räucherfisch 91,5 97,9 7,0
Marmelade (ohne Zitrusfrüchte) 47,4 42,7 -9,9
Obst- und Gemüsesäfte (1.000 hl) 9.451,7 9.707,9 2,7
Speiseeis (in 1.000 hl) 2.648,3 2.890,2 9,1
Frisches Brot 1.587,8 1.589,4 0,1
Nudeln 182,2 177,0 -2,8
Ketchup und Tomatensaucen 124,4 135,0 8,5
Suppen, Bouillons, Präparate für diese 90,3 95,7 6,0
Schokoladenhaltige Süßwaren 60,8 55,3 -9,1

Quelle: GUS: Industrieproduktion

Das Institut für Land- und Nahrungsmittelwirtschaft (Instytut Ekonomiki Rolnictwa i Gospodarki Zywnosciowej, IERiGZ) prognostizierte das Exportvolumen von Agrarerzeugnissen und Nahrungsmitteln 2017 auf 25,3 Milliarden Euro. Dies würde einen Anstieg von 5 Prozent gegenüber 2016 und über 66 Prozent gegenüber 2011 bedeuten. Im 1. Halbjahr 2018 sollen 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum hinzukommen. Nahrungsmittel aus Polen werden laut Landwirtschaftsminister Krzysztof Jurgiel in 74 Länder exportiert.

Fleischverarbeitung

Die Fleischverarbeitung ist die größte Sparte der Nahrungsmittelindustrie, sie erwirtschaftet fast ein Drittel der Umsätze. Auf Schweinefleisch entfällt ein Anteil von 47 Prozent, auf Geflügel von 43 Prozent. Die Exporte von Geflügelprodukten legen seit Jahren kräftig zu und überstiegen 2016 erstmals 1 Million Tonnen. Der Putenbetrieb Indykpol rechnet für 2017 mit einer weiteren Exportsteigerung um etwa 11 Prozent. Mit 2,5 Millionen Tonnen stieg die Produktion von Geflügelfleisch laut GUS in den ersten elf Monaten 2017 um 7,7 Prozent.

Indykpol will bis 2020 sein Werk in Olsztyn (Allenstein) für über 25 Millionen Euro ausbauen und die modernste Schlachterei in Mittelosteuropa in Betrieb nehmen. Im 1. Quartal 2018 wird Indykpol seine neue Investitionsstrategie vorstellen. Seinen Hühnerbereich plant die Firma hingegen zu verkaufen. Aussichtsreichster Interessent ist Superdrob, der etwa 46 Millionen Euro dafür bieten könnte. Fleischverarbeiter Cedrob S.A. expandiert in die Schweinezucht: Mittelfristig sollen 500 Schweinezuchtbetriebe, eine Schlachterei und Futterproduktion entstehen.

Der Inlandverzehr von Rindfleisch bleibt gering. Auch wenn Burger und Steaks zunehmend nachgefragt werden, exportiert Polen über 80 Prozent seiner Produktion. Konsumenten greifen zudem immer öfter nach teureren Fleischsorten gehobener Qualität. Verpackungen für verarbeitete Produkte sind gefragt. Euromonitor International rechnet 2017 mit Inlandsverkäufen von verarbeitetem Fleisch für 1.582 Millionen Euro und 2018 für 1.599 Millionen Euro.

Fischverarbeitung

Die Ausfuhren von Fisch wuchsen laut der Consulting-Firma KPMG 2016 wertmäßig um 13 Prozent. Sie hatten einen Anteil von 7 Prozent an den Nahrungsmittelexporten. Polen führt auch in starkem Maße Fisch ein, um ihn weiter zu verarbeiten. Das Land ist größter Importeur von rohem Lachs aus Norwegen. Der inländische Pro-Kopf-Verbrauch bleibt bei niedrigen 12 bis 13 Kilogramm jährlich.

Der polnische Markt für Fisch (Menge in 1.000 t)
2015 2016 1) 2017 2)
Meeresfänge 186 197 206
Binnengewässerfänge, Zucht 49 51 51
Import 876 916 915
Export 633 669 692

1) vorläufig; 2) Prognose

Quelle: Institut für Land- und Nahrungsmittelwirtschaft IERiGZ

Der einzige an der Börse gehandelte Fischverarbeitungsbetrieb Seko führt laut seinem Vorsitzenden Kazimierz Kustra 90 Prozent des zu verarbeitenden Fischs ein, hauptsächlich aus Irland, Norwegen und Kanada. Das Hauptabnehmerland der daraus hergestellten Produkte ist Deutschland. In einen weiteren großen Fischverarbeiter, Graal, investierte kürzlich der Fonds Abris Capital Partners. Die Gesellschaft Global Fish gehört seit 2016 der israelischen Aqua Maof International, die diese in eine Lachszucht umwandelt. Die derzeitigen Kapazitäten betragen jährlich 580 Tonnen und sollen bis Mitte 2018 für bis zu 17,5 Millionen Euro nahezu vervierfacht werden.

Backwaren

Laut GUS dürfte die Getreideernte 2017 um 7,4 Prozent auf 32 Millionen Tonnen gestiegen sein. Getreide wird verstärkt als Futtermittel und zur industriellen Verarbeitung verwendet. Die Goodmills Gruppe vergrößert in Stradunia ihre Mühlenkapazitäten von 440 auf 740 Tonnen pro Tag. Sie strebt einen Anteil am polnischen Markt von 20 Prozent an (derzeit 17 Prozent).

Der Konsum von Backwaren geht jährlich um 3 bis 4 Prozent zurück und liegt derzeit bei 45 Kilogramm pro Kopf jährlich. Auf sie entfallen 15,5 Prozent der gesamten Nahrungsmittelausgaben der Polen. Die Anzahl der Bäckereien sank laut der Auskunftei Bisnode zwischen 2012 und Mitte 2017 von rund 8.100 auf 7.700. Überwiegend handelt es sich um Kleinbetriebe.

Vor allem dank der starken Exporte erwartet der IERiGZ, dass die Backwarenproduktion 2017 auf 1,6 Millionen Tonnen leicht ansteigen wird. Mit Brot, Brötchen, Kuchen und Keksen generierten polnische Betriebe 2016 Auslandsumsätze von über 1,3 Milliarden Euro (ein Plus von 21 Prozent auf Zloty-Basis gegenüber 2015). Die Ausfuhren von Trocken- und Toastbrot stiegen sogar um 54 Prozent auf 5,7 Millionen Euro. Immer mehr Bäckereien investieren in gefrorene Produkte, für die die Nachfrage jährlich um etwa 5 bis 10 Prozent zunimmt.

Convenience-Produkte

Im Inland verstärkt sich der Trend zu Fertiggerichten. Die Firma Virtu eröffnet eine für 19 Millionen Euro dafür errichtete Produktionsstätte in Zawiercie. Bounty Brands Holding Limited will den auf Fertigsuppen und Pasteten spezialisierten Hersteller Profi übernehmen. Weitere Anbieter sind Joyfood, C-Borg Food oder Maspex. Discount-Märkte setzten verstärkt auf das Segment.

Verkäufe von Fertiggerichten in Polen (in Mio. Euro)
2015 2016 2017 *) 2018 *)
293 291 316 329

*) Prognose

Quelle: Euromonitor International

Die Verkäufe von portioniert verpackten Trockenfrüchten, Nüssen, Kernen und Körnern wachsen laut dem Vorsitzenden von Bakalland, Marek Moczulski, jährlich zweistellig und nähern sich 238 Millionen Euro an.

Süßwaren

Nach Abschaffung der EU-Zuckerquote im Oktober 2017 will Polen seine Produktion davon um die Hälfte auf 2,1 Millionen Tonnen aufstocken. Der Inlandsbedarf liegt bei 1,6 Millionen Tonnen. Von sinkenden Zuckerpreisen wollen Süßwarenhersteller profitieren: Die zur KSC gehörende Pszczolka (Bienchen) eröffnete ein 36 Millionen Euro teures Werk für Schokopralinen und -Kugeln in Lublin. Der Konkurrent Lotte Wedel startete einen Ausbau seiner Fabrik in Warschau für 48 Millionen Euro. Zwischen 2020 bis 2022 will die Firma einen mindestens ebenso hohen Betrag aufwenden. Aufgrund des Arbeitskräftemangels muss der Automatisierungsgrad erhöht werden.

Laut der Marktforschungsfirma Nielsen hatten von Oktober 2016 bis September 2017 am Markt für Süßwaren und Knabbergebäck Kekse, Kaugummis, Fertigkuchen und Trockenfrüchte ohne Schokolade einen Anteil von 39 Prozent, gefolgt von schokoladenhaltigen Produkten (30 Prozent Anteil), salzigen Snacks (20 Prozent) und Speiseeis (11 Prozent). KPMG bezifferte Süßwarenumsätze 2016 auf 3 Milliarden Euro.

Molkereiprodukte

Der Vorsitzende des Krajowy Zwiazek Spoldzielni Mleczarskich (KZSM, Landesverband der Molkereigenossenschaften), Waldemar Bros, geht davon aus, dass der Export von Molkereierzeugnissen 2017 auf 2 Milliarden Euro zunehmen wird. Laut der Agencja Rynku Rolnego (ARR, Agentur für den Agrarmarkt) gab es 2015 rund 150.000 Molkereibetriebe. Fast die Hälfte der Erzeugung entfällt auf sieben Großproduzenten.

Getränke

Die Inlandsverkäufe von nichtalkoholischen Getränken 2016 beziffert KPMG auf 5 Milliarden Euro. Etwa 45 Prozent entfallen auf Mineralwasser. Euromonitor International erwartet weitere Zuwächse bei allen Getränkearten. Die Nachfrage nach Energy Drinks soll zwischen 2016 und 2020 von 344 Millionen Euro auf 430 Millionen Euro steigen. Zu den führenden polnischen Herstellern zählen FoodCare und Maspex.

Verbrauchsprognose ausgewählter Getränke in Polen (in Mio. l)
2017 2018 2019 2020 2021
Wasser in Flaschen 3.749 4.007 4.250 4.479 4.698
Säfte 1.495 1.550 1.605 1.659 1.701
Energy Drinks 182 198 213 229 244

Quelle: Euromonitor International

Nachdem die Herstellung von Frucht- und Gemüsesäften laut GUS 2016 um 8,3 Prozent auf 9,7 Millionen Hektoliter gestiegen war, brach sie in den ersten elf Monaten 2017 um 13,4 Prozent ein. Grund war die schwache Obsternte 2017: Bei Äpfeln könnte sie um über 30 Prozent auf 2,3 Millionen bis 2,6 Millionen Tonnen gesunken sein.

Produktion ausgewählter Getränke in Polen (Menge in t, sofern nicht anders angegeben, Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/15
Malz 404.100 400.800 -0,8
Honiglikör (in hl) 8.603 8.423 -2,1
Fermentierte Getränke (ohne Most, 1.000 hl) 1.241 1.098 -11,5
Wein aus Trauben (in hl) 153.044 148.869 -2,7
Röstkaffee (mit Koffein) 80.229 82.744 3,1
Tee (verpackt) 35.794 35.093 -2,0

Quelle: GUS: Industrieproduktion

Pharma

Die Umsätze der Apotheken sollen 2017 laut der Marktforschungsfirma PEX Pharma Sequence auf Zloty-Basis um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 7,9 Milliarden Euro steigen. Der Narodowy Fundusz Zdrowia (NFZ, Landesgesundheitsfonds) will 2017 Patienten 2 Milliarden Euro für Medikamentenkäufe erstatten (+4,8 Prozent).

Am dynamischsten entwickeln sich rezeptfreie Präparate, die die größte Produktgruppe bilden. Die führenden Anbieter davon sind inländische Hersteller. Der Marktforschungsfirma PMR zufolge entfallen 55 Prozent der rezeptfreien Einkäufe in Apotheken auf Medikamente, 23 Prozent auf Nahrungsergänzungsmittel und jeweils 11 Prozent auf dermatologische Kosmetika und übrige. Die Umsätze mit Nahrungsergänzungsmitteln sollen laut PMR und der Aliant Consulting Group zwischen 2017 und 2020 von 0,9 Milliarden auf 1,2 Milliarden Euro zunehmen.

Kosmetika

Kosmetika und Hautpflegeprodukte sind in Polen zunehmend gefragt. Das Premiumsegment macht über 11 Prozent der gesamten Umsätze aus, die 2017 laut Euromonitor International 3,9 Milliarden Euro erreichen sollten. Bis 2021 prognostizieren die Experten einen Nachfragezuwachs um über ein Fünftel.

Inländische Hersteller haben eine starke Position. Der Branche gehören rund 400, meist Kleinbetriebe an. Zehn oder mehr Beschäftigte haben nur 87 Unternehmen, darunter ausländische Konzerne. Die Investitionsausgaben des Sektors sollen laut Umfragen der Tageszeitung Rzeczpospolita über 70 Millionen Euro betragen: Für neue Fabriken, moderne Technologielinien und Logistikbasen. Sie zielen besonders auf Exportmärkte.

Produktion ausgewählter Reinigungsmittel und Kosmetika in Polen (Menge in t, Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/15
Seife und ähnliche oberflächenwirksame Mittel 166.828 182.480 9,4
Wasch- und Reinigungsmittel, auch Seife enthaltend, für den Einzelhandel 743.217 748.567 0,7
Haarpflegemittel 158.478 175.769 10,9

Quelle: GUS: Industrieproduktion

Dank Investitionen von nahezu 60 Millionen Euro will der französische Konzern L'Oreal die Produktion im Warschauer Werk bis 2022 auf über 400 Millionen Stück Präparate steigern. Die polnische Fabrik von Oriflame verlassen jährlich rund 200 Millionen Stück Kosmetika, die jährlichen Investitionsausgaben liegen bei 5 Millionen bis 10 Millionen Euro. Der Output von Avon Operations Polska übersteigt jährlich 500 Millionen Stück.

Von den 2,7 Milliarden Euro Exportumsatz entfiel 2016 ein Anteil von 43 Prozent auf Präparate zur Hautpflege, jeweils 14 Prozent auf die Kategorien Parfums und Eaux de Toilette sowie Rasierbedarf, Desodorants und Badezusätze, jeweils 13 Prozent auf die Kategorien Zahn- und Mundpflegeprodukte sowie Haarpräparate.

Mehr zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Körperpflegemittel und Kosmetika, Getränke, Nahrungsmittel

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