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30.03.2017

Straßenbau in Kasachstan: "Die Bedingungen sind nicht einfach"

Die Geschäftsführerin der TOO Papenburg International gibt Tipps für ein erfolgreiches Kasachstan-Geschäft

Almaty (GTAI) - Bei Infrastrukturvorhaben in Kasachstan herrscht ein sehr starker Preiswettbewerb, der es deutschen Firmen nicht leicht macht. Ein Pionier im kasachischen Straßenbau ist die Firma GP Günter Papenburg AG. Die Geschäftsführerin von Papenburg International Kasachstan, Eleonora Bachtiosina, sprach mit GTAI über die Herausforderungen in der Steppenrepublik, den Vorteil geberfinanzierter Projekte und warum die "Papenburg-Technologie" noch heute in Kasachstan bekannt ist. (Kontaktanschrift)

Die Firma GP Günter Papenburg AG hat als einziges deutsches Unternehmen bereits Projekte im Straßenbau in Kasachstan durchgeführt. Nach dem erfolgreichen Bau von Teilstücken der Strecke von Astana nach Borowoje in den Jahren 2007 und 2008 wollte das Unternehmen aus Hannover sein Engagement in Kasachstan mit der Beteiligung an einer kasachischen Firma ausbauen. Doch das Vorhaben endete nicht wie erhofft. Vorwürfe des Vertragsbruchs, der Veruntreuung und der Vorgabe falscher Finanzzahlen seitens der kasachischen Firma stehen im Raum. Seit 2015 tobt ein Rechtsstreit und Papenburg gewinnt einen Einblick in die Schwierigkeiten, die es bei der Rechtssicherheit in Kasachstan immer noch gibt.

GTAI: Investitionen in den Straßenbau sind die Priorität des kasachischen Staates im Infrastrukturprogramm "Nurly Shol". Ergeben sich dadurch auch Chancen für deutsche Unternehmen?

Bachtiosina: Die Bedingungen im Straßenbau in Kasachstan sind nicht einfach. Es herrscht ein sehr starker Preiswettbewerb. Deutsche Firmen haben es nicht leicht. Sie neigen dazu, alles gründlich zu durchdenken und zu planen. Damit werden ihre Angebote teurer. Die Planungen im Straßenbau in Kasachstan hingegen sind häufig mangelhaft. Oft berücksichtigen sie zum Beispiel nicht den Einbau notwendiger Drainagesysteme oder die künftige Instandhaltung der Straßen. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Wettbewerber ihre Angebote bei Ausschreibungen künstlich niedrig ansetzen und dann auf Kompensation wegen höherer Gewalt oder der Verteuerung von Vorprodukten hoffen. Allerdings ist der kasachische Staat heute strenger bei dieser Praxis. Fehler in der Kalkulation werden nicht mehr angerechnet. Besser stehen die Chancen für Berater und Projektierungsunternehmen, weil das entsprechende Know-how in lokalen Firmen und den Behörden häufig noch fehlt.

GTAI: Die Firma Papenburg ist bereits seit 2007 in Kasachstan tätig. Welche Projekte haben Sie bislang umgesetzt?

Bachtiosina: In den Jahren 2007 und 2008 haben wir zwei Teilstücke mit insgesamt 100 km Länge an der Autobahn von Astana nach Borowoje gebaut. Die Strecken entstanden mit Betonfahrbahndecken. Damit haben wir eine neue Technologie in Kasachstan eingeführt. Noch heute wird die Bauweise hierzulande bisweilen als "Papenburg-Technologie" bezeichnet. Eine Herausforderung für uns waren dabei die klimatischen Bedingungen in Kasachstan. Die Schwankungsbreite der Temperaturen reicht wegen des kontinentalen Klimas von 35 Grad Hitze im Sommer bis Dauerfrost von minus 40 Grad im Winter. Hinzu kamen die logistischen Herausforderungen. Unser zweites Projekt umfasste Planungen für Teilstücke der Umgehungsstraße BAKAD um Almaty. Wegen der laufenden Rechtsstreitigkeiten halten wir uns aktuell aber mit neuen Projekten in Kasachstan zurück.

Aktiver waren wir zuletzt in Usbekistan. Von 2011 bis 2013 haben wir mitten in der Wüste zwischen Urgentsch und Buchara 50 km Straße gebaut. Auch dies war erneut eine große logistische Herausforderung. Eine deutsche Touristengruppe, die unsere Baustelle sah, glaubte, sie steht vor einer Fata Morgana. Mit der erfolgreichen Umsetzung des Projekts konnten wir die Planer in Usbekistan von unserer Qualität und Zuverlässigkeit überzeugen. Seitdem fragen sie bei jeder Ausschreibung bei uns nach, ob wir uns beteiligen werden.

GTAI: Das Projekt in Usbekistan wurde finanziert durch die Asiatische Entwicklungsbank. Was sind die Vorteile geberfinanzierter Vorhaben im Vergleich zu rein staatlich finanzierten Projekten?

Bachtiosina: Geberfinanzierte Projekte geben uns viel mehr Planungssicherheit. Da die Vorhaben in harter Währung fixiert sind, entfällt das Risiko extremer Wechselkursschwankungen, wie wir sie etwa nach der Freigabe des Wechselkurses in Kasachstan im 2. Halbjahr 2015 gesehen haben. Hinzu kommen die höheren Standards in puncto Qualität und Transparenz. Den Geberorganisationen können wir ohne Probleme nachweisen, dass wir dank unseres Mutterhauses in Deutschland und der weltweiten Erfahrung alle Voraussetzungen für die Teilnahme an Ausschreibungen mitbringen.

Bei staatlich finanzierten Projekten in Kasachstan gilt dagegen seit einigen Jahren ein sehr restriktives Lizenzsystem. Damit will der Staat die Sicherheits- und Qualitätsstandards sicherstellen. Dies können wir gut nachvollziehen, doch schießt der Staat dabei über das Ziel hinaus. Hauptauftragnehmer etwa kann nur werden, wer über eine Lizenz der ersten Kategorie verfügt. Um diese zu bekommen, müssen Firmen nachweisen, dass sie entsprechende Arbeiten in Kasachstan durchgeführt haben, was wiederum nicht möglich ist ohne die erwähnte Lizenz. Hinzu kommen umfangreiche Vorschriften, über welchen Personalstamm und welche Technik eine Firma verfügen muss. Diese dauerhaft vorzuhalten, macht jedoch nur in wenigen Fällen wirtschaftlichen Sinn. In der Folge sind die meisten ausländischen Unternehmen gezwungen, sich im Infrastrukturbereich auf geberfinanzierte Projekte zu beschränken.

GTAI: Was ist der größte Vorteil von Papenburg?

Bachtiosina: Im Vergleich zu großen Konzernen ist Papenburg als familiengeführtes Unternehmen wesentlich flexibler, mobiler und persönlicher. Wenn es Fragen oder Probleme gibt, kommt unser Chef selbst vorbei. Das hilft in Regionen wie Zentralasien, wo der persönliche Kontakt zählt und wo Herr Papenburg von deutscher Seite eine Pionierrolle im Straßenbau einnimmt. Trotz unserer aktuellen Schwierigkeiten ist Kasachstan immer noch das Lieblingsland unseres Chefs. Seit er in den 90er-Jahren das erste Mal auf einer Unternehmerreise mit Gerhard Schröder, dem damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, in die Steppenrepublik kam, ist er überzeugt von dem Potenzial des Landes. Heute ist Herr Papenburg als Honorarkonsul für Kasachstan in Niedersachsen tätig.

GTAI: Was sind wichtige Erfolgsfaktoren auf dem Markt?

Bachtiosina: Wer in Kasachstan erfolgreich sein will, braucht einen langen Atem und eine Präsenz vor Ort. Geschäfte hierzulande sind viel stärker personenorientiert als in Deutschland. Dabei sind Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten und Mentalität wichtig, doch sollte man immer sich selbst und seinen Prinzipien treu bleiben. Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist es, die Kunden mit Qualität und Service zu überzeugen. Dabei haben deutsche Firmen einen großen Bonus. "Made in Germany" hat einen ausgezeichneten Ruf in Kasachstan. Weiterer wichtiger Faktor sind die lokalen Mitarbeiter. Schulungen und das Kennenlernen des Mutterhauses stärken die Identifizierung mit dem Unternehmen und seinen Werten.

GTAI: Auf welche Schwierigkeiten treffen ausländische Firmen im Infrastruktursektor?

Bachtiosina: Eine Herausforderung für uns war die Tatsache, dass man in Kasachstan immer noch an aus der Sowjetzeit stammenden Direktiven und Baustandards festhält. Die Einführung unserer damals neuen Technologie hat uns viel Überzeugungsarbeit gekostet. Dies gilt auch für Usbekistan. Doch dürfte sich die Denkweise mit der nachkommenden Generation ändern. In Georgien zum Beispiel ist dies schon geschehen. Die neuen Standards dort sind stark an europäische angelehnt.

Interview: Fabian Nemitz, Germany Trade & Invest, Almaty

Kontaktanschrift

TOO Papenburg International Kasachstan

ul. Gogolja 86, 050000 Almaty

Geschäftsführerin: Eleonora Bachtiosina

Tel.: 007 727/259 99 58; Mobil: 007 701/543 01 83

E-Mail: eb@gp.ag; Internet: http://www.gp.ag

(N.M)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Geschäftspraxis allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein

Funktionen

Kontakt

Kathleen Beger

‎+49 228 24 993 283

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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