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09.03.2017

Straßenbau ist Priorität der kasachischen Infrastrukturpolitik

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Ausbau der Korridore Nord-Süd, Zentrum-Ost und Zentrum-West hat Vorrang / VR China beteiligt sich an Finanzierung / Von Fabian Nemitz

Almaty (GTAI) - Der Ausbau der Straßen zwischen den wichtigsten Städten des Landes ist Schwerpunkt der Infrastrukturpolitik der kasachischen Regierung. Neben internationalen Geberorganisationen wird künftig auch die VR China Kasachstan bei der Finanzierung unterstützen. Das Netz mautpflichtiger Straßen soll bis 2020 auf 6.000 km wachsen. Die Gebühren werden in den Unterhalt der Strecken fließen. Entlang der Straßen sollen moderne Rasthöfe entstehen. (Projektliste, Kontaktanschriften)

Schlaglöcher und Schotterpisten - wer in Kasachstan mit dem Auto unterwegs ist, braucht in vielen Regionen einen Geländewagen. Zwar wurden in den vergangenen Jahren viele Strecken saniert, doch sind laut Regierungsangaben immer noch ein Drittel aller Straßen verschlissen. Kritisch ist die Lage besonders bei lokalen und regionalen Trassen, während die Nationalstraßen in einem besseren Zustand sind.

Die Verbesserung der Straßenverbindungen zwischen den wichtigsten Städten des Landes ist Schwerpunkt des Infrastrukturprogramms "Nurly Shol". Wie der Vizeminister für Investitionen und Entwicklung, Roman Skljar, am 16.2.17 bekannt gab, sollen 2017 mehr als 600 km Straße ausgebaut werden. Dies betrifft Teilstrecken der Verbindungen Beineu-Aktau (230 km), Almaty-Taldykorgan (24 km), Astana-Pawlodar (232 km), Uralsk-Kamenka (50 km), Aktöbe-Atyrau (26 km) und ein 40 km langes Stück bei Kordai (Teil des Straßenverkehrskorridors Westeuropa-Westchina). Im Jahr 2016 wurden insgesamt 767 km Strecken fertiggestellt.

Das Gesamtbudget für die Straßenarbeiten beläuft sich Skljar zufolge 2017 auf knapp 286 Mrd. Tenge (T; rund 893 Mio. US$; durchschnittlicher Wechselkurs der Nationalbank im Februar 2017: 1 US$ = 320,18 T). Davon stammen 143,5 Mrd. T aus dem Nationalfonds (sog. Ölfonds) und 45,9 Mrd. T aus dem Staatsbudget. Die verbleibenden 96,5 Mrd. T steuern internationale Geberorganisationen bei. Von 2017 bis 2019 sollen insgesamt 4.400 km Strecke ausgebaut werden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 1,7 Bill. T.

Kennzahlen zum Straßennetz in Kasachstan (Angaben in km)
2011 2012 2013 2014 2015
Gesamtlänge, davon 97.155 97.418 96.873 96.421 96.529
.mit fester Fahrdecke 86.217 87.140 86.581 86.419 86.244
.Nationalstraßen 23.494 23.485 23.657 23.680 23.699
Ausbau und Sanierung von Straßen (außer Wartung) 199,2 559,3 159,8 109,2 684,2

Quelle: Agentur für Statistik, Astana

Internationale Geberorganisationen und VR China finanzieren Straßenbauprojekte

Bei der Umsetzung der Projekte setzt Kasachstan auf die Unterstützung durch internationale Finanzorganisationen. Laut Programm Nurly Shol hofft die Regierung auf Kredite im Umfang von insgesamt 5,58 Mrd. $ (Weltbank: 3,18 Mrd. $; Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE): 0,94 Mrd. $; Islamische Entwicklungsbank (IDB): 0,91 Mrd. $; Asiatische Entwicklungsbank (ADB): 0,55 Mrd. $). Besonders die Weltbank hatte Kasachstan bereits in der Vergangenheit bei Straßenbauprojekten unterstützt. Künftig kommt als weiterer Kreditgeber die Exim-Bank of China hinzu. Auch die von der Regierung der VR China initiierte Asiatische Infrastrukturinvestitionsbank (AIIB) erwägt eine Beteiligung.

Regierung will Mautstraßennetz bis 2020 auf 6.000 km ausweiten

Um den Unterhalt der Straßen zu verbessern, sollen laut Planungen der Regierung bis 2020 schrittweise insgesamt 6.000 km mautpflichtig werden. Davon erhoffen sich die Politiker Einnahmen von 30 Mrd. T jährlich. Bislang ist der Bereich unterfinanziert. Laut Angaben von KasAwtoShol standen der Behörde für die Instandhaltung der fast 24.000 km Nationalstraßen 2016 nur 13 Mrd. T zur Verfügung, bei einem tatsächlichen Bedarf von rund 41 Mrd. T.

Die bislang einzige mautpflichtige Straße in Kasachstan ist die rund 200 km lange Autobahn von Astana nach Schtschutschinsk. Im November 2017 soll auf weiteren etwa 470 km ein Gebührensystem eingeführt werden. Die betrifft die Strecken Astana-Temirtau, Almaty-Kaptschagai und Almaty-Chorgos.

Bau von Rasthöfen geplant

Großer Nachholbedarf besteht in Kasachstan an modernen Rasthöfen. Das Programm Nurly Shol sieht bis 2020 den Bau, Ausbau und die Modernisierung von 260 Rasthöfen vor. Davon sollen 31 aus dem Staatsbudget finanziert werden, die restlichen durch private Investoren. Aktuell gibt es laut Regierungsangaben rund 3.000 Serviceobjekte (Tankstellen, Läden und Imbissstuben, Hotels, Werkstätten und Parkplätze) an den Fernstraßen. Nur 70 dieser Objekte bieten jedoch das volle Spektrum an Dienstleistungen und entsprechen internationalen Standards.

Ausbau der wichtigsten Verkehrskorridore

Die wichtigsten im Programm Nurly Shol verankerten Straßenbauprojekte umfassen die Korridore Nord-Süd, Zentrum-Ost, Zentrum-West und die Trasse Westeuropa-Westchina. Teilweise laufen die Arbeiten an den Strecken bereits beziehungsweise Teilstücke sind schon fertiggestellt.

Straßenverkehrskorridor Nord-Süd

Die rund 1.288 km lange Trasse Nord-Süd verläuft von der Hauptstadt Astana über Karagandy und Balchasch nach Almaty. Einzelne Streckenabschnitte sind bereits gebaut. Der Gesamtkorridor soll laut Regierungsangaben bis 2021 fertiggestellt sein und der Kategorie 1 entsprechen. Mit einem Aufkommen von 10.000 Kfz pro Tag ist die Straße eine der wichtigsten Verkehrsachsen Kasachstans. Perspektivisch wird ein Anstieg auf 15.000 Kfz pro Tag erwartet. Die EBWE und die Weltbank unterstützen den Ausbau des 228 km langen Teilstücks von Kurty nach Burylbaital. Für die Strecke Merke-Burylbaital (266 km; 298 Mio. $) ist laut Regierungsangaben eine Finanzierung durch die Exim-Bank of China vorgesehen. Auch die AIIB könnte sich in den Ausbau einbringen. Laut eigenen Angaben erwägt sie die Beteiligung an dem vierspurigen Ausbau der 660 km langen Strecke von Karagandy nach Burylbaital. Die Fertigstellung avisiert sie jedoch erst auf Ende 2023.

Straßenverkehrskorridor Zentrum-Ost

Das zweite Großprojekt, die rund 1.018 km lange Trasse Zentrum-Ost, verläuft von Astana über Pawlodar, Semei und Kalbatau nach Öskemen. Die Straße soll bis 2020 auf einen Standard der Kategorien 1 und 2 ausgebaut werden. Dabei liegt die Auslastung auf dem Teilstück von Astana nach Pawlodar bei mehr als 9.000 Kfz pro Tag. Für die restlichen Strecken beträgt der Wert 5.000 Kfz pro Tag. Mitte Dezember 2016 wurde zwischen Aksu und Pawlodar über dem Irtysch nach mehr als drei Jahren Bauzeit die längste Brücke Zentralasiens in Betrieb genommen. Bauherr war Kasachdorstroi, eine Tochter der kasachischen BI Group.

Straßenverkehrskorridor Zentrum-West

Der Korridor Zentrum-West verläuft von Astana über Arkalyk, Torgai, Irgis, Schalkar nach Kandyagasch. Dort trifft die Strecke auf die Trasse von Aktöbe über Atyrau nach Astrachan (Russland). Durch den Bau fehlender Teilstücke verkürzt sich die Fahrt von Astana nach Aktöbe um sieben Stunden. Bislang müssen Fahrer auf dieser Strecke einen Umweg über Kostanai machen. Vorgesehen ist ein Ausbau der Trasse auf Kategorie 2 bis 2021. Die Weltbank hat am 9.6.16 einen Kredit über knapp 1 Mrd. $ für den Bau von Strecken zwischen Astana und Schalkar gebilligt.

Straßenverkehrskorridor Westeuropa-Westchina

Ein weiteres, inzwischen fast fertiggestelltes Großprojekt ist der Straßenverkehrskorridor Westchina-Westeuropa, der von Chorgos an der Grenze zur VR China über Almaty, Schymkent, Kysylorda und Aktöbe weiter nach Orenburg (Russland) verläuft. Laut Angaben des Komitees für Straßenbau ist die auf kasachischem Territorium fast 2.800 km lange Trasse inzwischen durchgehend für den Verkehr freigegeben. Ausgebaut werden sollen bis 2019 noch die Trasse Usynagasch-Otar (96 km) sowie Strecken bei Kordai (80 km). Bis der Gesamtkorridor bis Europa hergestellt ist, werden aber noch Jahre vergehen. So haben die Ausbauarbeiten in Russland noch gar nicht begonnen. China hingegen hatte sein 3.425 km langes Teilstück bereits 2011 in Betrieb genommen.

Für den Straßenbau zuständige Behörden

Wichtigster Ansprechpartner für Unternehmen im Straßenbau in Kasachstan ist Kasawtoshol (http://www.kazautozhol.kz). Auf der Internetseite der Behörde werden Informationen über Projekte und Ausschreibungen veröffentlicht. Unter folgendem Link kann eine Liste aller aktuell in Umsetzung befindlicher Projekte einschließlich der Auftragnehmer in russischer Sprache abgerufen werden:

http://www.kazautozhol.kz/index.php/ru/dorogi/rekonstruktsiya

Zuständig für Wartungsarbeiten an den Straßen ist das staatliche Unternehmen Kasachawtodor (http://www.kazavtodor.kz). Beide Gesellschaften fallen in den Zuständigkeitsbereich des beim Ministerium für Investitionen und Entwicklung (http://www.mir.gov.kz) angesiedelten Komitees für Straßen (http://roads.mid.gov.kz). Letzteres ist für die langfristige Planung zuständig und führt auch die Verhandlungen mit internationalen Geberorganisationen.

Weitere im Präsidentenerlass Nr. 389 festgelegte Ausbaustrecken umfassen die Trassen Astana-Petropawl-Grenze zu Russland, Kysylorda-Sheskasgan-Karagandy-Pawlodar, Sheskasgan-Petropawl und Öskemen-Katon Karagai-Rachmanowskije Kljutschi. Hinzu kommt die Straße Usynagasch-Karassai Batyr, durch die sich die Fahrt von Almaty zum Issyk-Kul (Kirgisistan) von 480 auf 280 km verkürzt. Hierfür neugebaut werden muss die Strecke Kastek-Karassai Batyr (47 km).

Weitere wichtige Straßenbauprojekte sollen im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften durchgeführt werden. Hierzu zählen die Umgehungsstraßen um Almaty (BAKAD) und Schymkent sowie um weitere große Städte des Landes, die an Transitrouten gelegen sind.

Eine Übersicht über Vorhaben im kasachischen Straßenbau können Sie nachfolgend herunterladen: Projektliste Straßenbauvorhaben in Kasachstan

Schwierigkeiten bei Projekten im Straßenbau

Der Straßenbau in Kasachstan ist kein einfaches Feld für Unternehmen. Negative Faktoren sind ein hoher Preiswettbewerb besonders seitens türkischer, südkoreanischer, kasachischer und chinesischer Firmen, intransparente Vergabepraktiken und veraltete Denkweisen in Bezug auf Baustandards in den Behörden. Hinzu kommen Mängel bei den Kontrollmechanismen. Laut Angaben des Wirtschaftsmagazins Kazakhstan Business Magazine geben Firmen Aufträge im Straßenbau häufig an eine Kette von Subunternehmern weiter. So kommt oft nur etwa die Hälfte der vom Staat zur Verfügung gestellten Mittel bei den Unternehmen an. Um auf ihren Gewinn zu kommen, müssten letztere ihre Ausgaben für Lohnkosten und Materialen kürzen mit der Folge erheblicher Qualitätsmängel bei den Straßen.

Ausgewählte Zielwerte des Programms Nurly Shol
Indikator 2016 2017 2018 2019
Anteil der Nationalstraßen, die dem Standard der Kategorie 1 oder 2 entsprechen (in %) 29 30 31 33
Anteil der Nationalstraßen in gutem oder befriedigendem Zustand (in %) 85 86 87 88
Anteil der Gebiets- oder Landkreisstraßen in gutem oder befriedigendem Zustand (in %) 65 66 67 68
Anteil der Mautstraßen an den Nationalstraßen (in %) 1 4 25 27
Versorgung der Nationalstraßen mit Rasthöfen und Servicestationen (in %) 33 52 76 100

Quelle: Präsidentenerlass Nr. 389 vom 12.12.16

Kontaktanschriften

Ministerium für Investitionen und Entwicklung

Komitee für Straßen

Vorsitzender: Herr Mereke Pschembajew

Tel.: 007 7172/75 46 55

Internet: http://roads.mid.gov.kz

Kasawtoshol

Vorsitzender: Herr Ermek Kisatow

Tel.: 007 7172/27 88 00

Abteilung für internationale Zusammenarbeit und Investitionen

Tel.: 007 7172/52 22 32

Internet: http://www.kazautozhol.kz

Kasachawtodor

Internet: http://www.kazavtodor.kz

(N.M)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Straßen-, Brücken- und Tunnelbau

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