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17.10.2019

Strom und Straßen für die kanadische Arktis

Kanadas Norden soll mehr Infrastruktur bekommen / Von Daniel Lenkeit

Toronto (GTAI) - Die Regierung in Kanada verabschiedet einen neuen Arktisplan. Strategische Investitionen sollen folgen und klimaresistente Infrastruktur die Gebiete nachhaltig entwickeln.

Harsches Klima und dünn bevölkerte Landstriche - der Norden Kanadas bietet dennoch Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen für deutsche Unternehmen.

Die Northwest Territories (NWT), der Yukon und Nunavut (die drei Territorien, die Kanadas "Norden" gemeinhin umfassen) fordern mehr Beachtung und unterstützen jedes wirtschaftliche Engagement, das ihre Gebiete nachhaltig entwickelt. Um das wirtschaftliche Potenzial des Nordens, inklusive kanadischer Arktis, zu erschließen, will Kanada nun vor allem die dortige Infrastruktur wesentlich erweitern.

Denn die knapp 300 Gemeinden und 200.000 Menschen im Norden Kanadas sind abgeschnitten vom Rest des Landes. Zum nordamerikanischen Strom- und Gaspipelinenetz haben sie keinen Anschluss. Den kleinen, oft hunderte von Kilometern voneinander entfernten, Siedlungen mangelt es zudem an Straßen, Schienen, Energie- und Kommunikationsnetzen, kommunaler Infrastruktur sowie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Weiter bedürfen die Arktisgemeinden vor allem besserer Kartierung und der Erfassung von geowissenschaftlichen Daten, mehr Häfen- und Flughäfen.

Klimawandel erhöht Risiken und Anforderungen für Infrastruktur in der Arktis

Widrige Bedingungen im Norden Kanadas stellen hohe Anforderungen an die Errichtung und Erhaltung neuer Infrastruktur. Tauende oberflächennahe Permafrostböden gefährden bereits bestehende Gebäude und Straßen in den Arktisgebieten.

Die Auswirkungen des abtragenden Permafrost würden, laut dem Permafrost-Wissenschaftler Dr. Steve Kokelj bei einem Austausch in Yellowknife, in den nächsten Jahrzehnten die bestehende Infrastruktur beschädigen. Die Entwicklung der arktischen Gemeinden wäre dadurch bedroht. Eine Studie in der Fachzeitschrift "Nature" bestätigt seine Erkenntnisse aus den Northwest Territories. Die Integration von Straßen, Brücken, Übertragungsnetzen, welche den Belastungen des Klimawandels standhält, wird für die nördliche Infrastruktur Kanadas in Zukunft überlebenswichtig.

Siehe dazu auch: http://www.gtai.de/MKT201910168005

Weiter sorgen sich die Gemeinden im Norden um hohe Kosten und die Verlässlichkeit der Energieversorgung. Noch immer werden zwei Drittel der benötigten Energie aus Diesel gewonnen. Die Abhängigkeit von teuren, klimaschädlichen Energieressourcen wollen die lokalen Regierungen beenden.

Siehe dazu auch: http://www.gtai.de/MKT201910168000

Fokus auf Telekommunikation und Transportverbindungen

Höchste Priorität unter allen Infrastrukturmaßnahmen genießt aber der Ausbau eines verlässlichen Breitbandnetzes. Viele Gemeinden nutzen Internet ausschließlich über Satellitenverbindungen. Das ist allerdings zu unverlässlich und langsam für gute Bildungs- oder Gesundheitsangebote und zu wenig, um hier Wirtschaftswachstum zu generieren.

Über multifunktionale Korridore sollen die fernen Gebiete zukünftig mit Breitband, Energie und Transportwegen versorgt werden. Eine multimodale Verkehrsinfrastruktur soll zudem den Norden mit dem Rest Kanadas und internationalen Märkten verbinden. Auch das Angebot an Wetterstationen und die Überwachung von Klimadaten sowie die Marine- und Luftfahrtinfrastruktur will Kanada erweitern und verbessern. Das sind die großen Infrastrukturziele, festgelegt in dem neuen Arktisplan der Regierung.

Kanadas Arktisplan strotzt vor guten Ideen, ist aber noch zahnlos

Das vor wenigen Wochen verabschiedete "Arctic and Northern Policy Framework" soll bis 2030 strategische Investitionen in die kanadische Arktis steuern. Übergreifendes Ziel des neuen Arktis-Plans ist es, den nördlichen Bewohnern Kanadas die gleiche öffentliche Versorgung, die gleichen Chancen und Lebensstandards wie im südlichen Kanada zu ermöglichen.

Die in der Vergangenheit verabschiedeten Arktis-Strategien griffen regelmäßig zu kurz. Erstmalig sind nun alle Interessensvertreter eingebunden - regionale Regierungen, indigene Völker und der Bund entwarfen die Strategie gemeinsam, was der Umsetzung deutlich bessere Chancen einräumt.

Noch ist der Arktisplan allerdings ein lebendes Dokument, ohne genauen Fahrplan oder Förderrichtlinien - ein Anfang, mehr Vision als konkrete Ausführung. Im kanadischen Haushalt 2019 stehen immerhin 530 Millionen US-Dollar (US$) für Maßnahmen zur Umsetzung des Plans zur Verfügung. Alles Weitere muss noch folgen und wird wohl erst nach der Wahl Ende Oktober konkretisiert.

Wird die liberale Trudeau-Regierung bestätigt, ist davon auszugehen, dass sie jedes Jahr Förderbeträge im dreistelligen Millionenbereich für die Umsetzung des Rahmenplans in den Bundeshaushalt aufnimmt.

Nachhaltige Entwicklung und Teilhabe an Projekten erwünscht

Für alle zukünftigen Projekte streben die nördlichen Gemeinden echte Partnerschaften an. Das bedeutet neben finanziellem Engagement wird auch Unterstützung bei der Entwicklung der Gebiete gesucht - eine "Hilfe zur Selbsthilfe".

Alle Projekte sollten demnach Arbeit für Einheimische ermöglichen und entstandene Infrastruktur soll möglichst lokal instand gehalten werden - eine Chance für deutsche Unternehmen die ein nachhaltiges Engagement in der Arktis aufbauen möchten.

Im Rahmen des "Arctic and Northern Policy Framework" wurden dem "National Trade Corridors Fund" (NTCF) Kanadas weitere 300 Millionen US$ (insgesamt 600 US$) für die Stärkung und den Ausbau der nördlichen Transportinfrastruktur zugewiesen. Der NTCF ist ein bis 2028 angelegter 1,5 Milliarden US$ starker Infrastrukturfonds. Er (teil-)finanziert kanadische Infrastrukturprojekte, die die Beförderung von Menschen und Gütern in Kanada verbessern, beziehungsweise die Transportkorridore für die Folgen des Klimawandels optimieren.

Kanadas Norden ist weitläufig und dünn besiedelt. Auf etwa 40 Prozent der kanadischen Landmasse leben weniger als 1 Prozent der Bevölkerung. Die kaum erschlossenen Flächen schließen auch die arktischen Gebiete der Territorien Yukon, Nunavut und Northwest Territories (NWT) ein - Tundra Landschaften, in denen weit verstreut einzelne Siedlungen liegen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/kanada Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Canada's Arctic and Northern Policy Framework http://www.rcaanc-cirnac.gc.ca/eng/1560523306861/1560523330587 Arktisplan der Regierung

Weitere Informationen zu Kanada finden Sie unter: http://www.gtai.de/kanada

Dieser Artikel ist relevant für:

Kanada Energiepolitik, Strom-/ Energieerzeugung, sonst. erneuerb. Energien, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Infrastruktur

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