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10.01.2019

Sudan setzt auf stärkere Verarbeitung lokaler Rohstoffe

Weltweit führender Exporteur von Gummiarabikum / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - In Sudan bestehen Lücken beim Verpacken von Obst und Gemüse für den Export. Die Zuckerproduktion expandiert und Fleisch soll in die arabische Welt exportiert werden.

Nahrungsmittel sind ein wichtiger Pfeiler des sudanesischen Außenhandels. Bei den Importen stellen sie die wichtigste Warengruppe, bei den Ausfuhren sind sie neben verschiedenen Rohstoffen ebenfalls stark vertreten. Von 2015 auf 2016 schrumpfte das sudanesische Warenhandelsdefizit um 1 Milliarde auf 4,2 Milliarden US-Dollar (US$). Die Einfuhren fielen von 8,4 Milliarden auf 7,3 Milliarden US$ zurück. Die sudanesischen Ausfuhren gaben um 0,1 Milliarde US$ auf 3,1 Milliarden US$ nach.

Grundsätzlich bietet Sudan erhebliche Chancen, die reichhaltigen landwirtschaftlichen Ressourcen zu verarbeiten und die lokale Wertschöpfung auszubauen. Hinzu kommt, dass der Ausbau der Landwirtschaft künftig noch eine Verbreiterung der Rohstoffbasis erwarten lässt. Eine sehr junge Bevölkerung ist vorhanden und eine Modernisierung sowie ein Ausbau des stark fragmentierten Einzelhandels.

Inflation drückt auf Konsumklima

Kurzfristig schlagen jedoch die galoppierende Inflation und der geschwächte Außenwert des sudanesischen Pfundes auf das Konsumklima durch. Am 7. Oktober 2018 setzte die Central Bank of Sudan den Kurs des sudanesischen Pfundes zum US-Dollar auf 47,50 fest. Damit wurde die Landeswährung zum dritten Mal im Jahr 2018 abgewertet, dieses Mal um nahezu 70 Prozent. Der Inflationsdruck nahm im Sommer mit einer Rate von 66 Prozent im August stark zu. Die Economist Intelligence Unit geht von einem Rückgang des privaten Verbrauchs um real 0,3 Prozent in 2018 aus. Für 2019 beträgt der erwartete Anstieg 0,5 Prozent. Die Verbraucherpreise sollen um 56 Prozent hochschnellen und die Zunahme 2019 immer noch 37,2 Prozent betragen.

Gleich mehrere Treiber sorgen dafür, dass Sudan stärker auf die Verarbeitung lokaler Rohstoffe setzt. Einerseits soll die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten reduziert werden, die angesichts des chronischen Devisenmangels schwierig zu finanzieren sind. Zudem rückt nach dem Einbruch der Einnahmen aus den Erdölexporten und in Erwartung niedriger Durchleitungsgebühren für südsudanesisches Öl die Diversifizierung der Wirtschaft auf die Agenda. Vielfach kann der Inlandsbedarf durch die lokale Produktion nicht gedeckt werden. Bereiche wie die Zuckerherstellung oder Fleischverarbeitung bieten außerdem konkrete Exportmöglichkeiten in die arabische Welt. Premierminister Mutaz Mousa besuchte im Oktober 2018 die Schlachthöfe in Gnawa, Kadro, Karri und Sablaqa. Er legt großen Wert auf die Renovierung der inländischen Kapazitäten, um mehr verarbeitetes Fleisch exportieren zu können. Bislang dominieren lebende Schafe, Kamele etc. die Ausfuhren.

Gummiarabikum-Pulver wäre zukunftsträchtig

Lücken bestehen in Sudan beim Verpacken von Obst und Gemüse für den Export. Auch beim Aufbau durchgängiger Kühlketten ist noch einiges zu tun. Die Expansion der Zuckerherstellung genießt derzeit besondere Aufmerksamkeit. Sudan als weltweit führender Exporteur von Gummiarabikum hat Chancen, durch eine Verarbeitung im Land die Wertschöpfung deutlich zu steigern. Gegenüber der Rohstoffausfuhr wäre der Export von Gummiarabikum-Pulver ein erheblicher Fortschritt. Zudem ist die Milcherzeugung im Land noch deutlich ausbaufähig. Einzelne Leuchttürme modern ausgerüsteter Unternehmen existieren jedoch durchaus. Das gilt zum Beispiel für die DAL Group, die unter anderem Lebensmittel und Getränke herstellt.

Laut einer Pressemeldung von Juni 2018 plant das katarische Unternehmen Hassad binnen drei Jahren Investitionen von 500 Millionen US$ in die sudanesische Nahrungsmittelindustrie. Dazu möchte das Tochterunternehmen der Qatar Investment Authority mit einer Reihe von sudanesischen Partnern zusammenarbeiten. Details zu den anvisierten Produkten wurden noch nicht bekanntgegeben.

Die sudanesische Industrie und die Bruttoanlageinvestitionen treten 2018 und 2019 in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld eher auf der Stelle. Die European Intelligence Unit sagt der Industrie ein reales Wachstum von 0,3 beziehungsweise 0,7 Prozent voraus. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen 2018 um 1,1 beziehungsweise 2019 um 1,5 Prozent zulegen. Die anhaltend kritische Devisensituation erschwert auch den Import von Maschinen und Anlagen. Allerdings soll sich die Einfuhr von Waren und Dienstleistungen kurzfristig erholen. Nach einem Minus um 2 Prozent in 2018 ist der Ausblick für 2019 mit plus 3 Prozent wieder optimistischer.

Aus deutscher Sicht ist der industrielle Ausbau in Sudan mit Absatzchancen verbunden, zumal deutsche Waren und Dienstleistungen im Land sehr geschätzt werden. Kaufkräftige sudanesische Abnehmer zeigen ein hohes Qualitätsbewusstsein und berichten gerne von ihren Erfahrungen mit langlebiger deutscher Technik. Die anhaltend kritische Devisensituation erschwert allerdings Importe massiv. Deutsche Unternehmen bearbeiten den sudanesischen Markt allgemein von der Golfregion, Kenia, Ägypten oder Südafrika aus und setzen auf lokale Vertreter. Konkurrenzbedingter Preisdruck kann Anpassungen von Produkten erforderlich machen.

Zwei Fachmessen bieten sich als Kontaktforen und zur Markterkundung an. Die International Fair of Khartoum deckt als Investitions- und Konsumgütermesse ein breites Feld ab und findet jährlich im Januar statt. Sie ist im Auslandsmesseprogramm des Bundes enthalten und wird von etwa zehn deutschen Ausstellern pro Veranstaltung besucht. Eine weitere noch junge Messe ist auf den Agrar-, Nahrungsmittel- und Verpackungssektor fokussiert. Vom 4. bis 6. März 2019 findet die zweite Sudan Agrofood and Packaging in Khartum statt. Knapp 900 Fachbesucher und 52 Aussteller aus acht Ländern waren auf der ersten Messe im Frühjahr 2018 vertreten.

Weiterführende Informationen zu Sudan finden Sie unter http://www.gtai.de/sudan

Dieser Artikel ist relevant für:

Sudan Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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