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06.06.2018

Südafrika buhlt um Investitionen

Geschäftsklima verbessert sich spürbar / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (GTAI) - Südafrika wirbt mit der Botschaft eines Neubeginns um die Gunst ausländischer Investoren. Korruption und der Zerfall staatlicher Institutionen hatten das Investorenvertrauen stark erschüttert. Die Wirtschaft geriet in eine Abwärtsspirale. Der neue Präsident Cyril Ramaphosa macht sich nun an die Aufräumarbeiten und bringt wieder Zuversicht ans Kap. Wie Stimmen von Wirtschaftsvertretern zeigen, dürfte Südafrika auch bei deutschen Unternehmen an Attraktivität gewinnen.

Der neue Staatspräsident Südafrikas, Cyril Ramaphosa, geht auf Investorenfang. In den kommenden fünf Jahren sollen Neuinvestitionen mit einem Volumen von 100 Milliarden US-Dollar (US$) für die Kaprepublik gewonnen werden. Dazu sollen vier Sonderbeauftragte im In- und Ausland für die Geschäftsmöglichkeiten in Südafrika Werbung machen. Die Offensive ist Teil eines umfassenden Maßnahmenbündels, mit dem Ramaphosa einen wirtschaftlichen Neuanfang für Südafrika herbeiführen will. Dabei steht der Hoffnungsträger allerdings vor einem schwierigen Erbe. Sein Amtsvorgänger Jacob Zuma stürzte das Land in eine schwere Krise.

So wurde das Bonitätsranking der Kaprepublik von Standard & Poor's und Fitch auf Ramschstatus herabgestuft. Die von einem schweren Vertrauensverlust erfassten Unternehmen traten in einen Investitionsstreik. Der Index für das Konsumentenvertrauen blieb so lange im negativen Bereich wie seit 1985 nicht mehr, als sich Südafrika wegen des Apartheidkonfliktes im Ausnahmezustand befand. Das Wirtschaftswachstum erreichte in den vergangenen drei Jahren nur einen Durchschnitt von 1,1 Prozent. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums sank das Pro-Kopf-Einkommen und die Arbeitslosigkeit stieg im Jahresdurchschnitt 2017 auf 27,5 Prozent.

Ramaphosa leitet einen Neuanfang ein

Mit dem Versprechen den Niedergang zu beenden, kam im Februar 2018 Ramaphosa ans Ruder und legt seitdem als neuer Regierungschef einen vielversprechenden Start hin. Durch eine Kabinettsumbildung wurden zahlreiche mit Korruptionsvorwürfen belastete Minister vor die Tür gesetzt. Dass der Umbruch nicht noch größer ausfiel, ist dem Umstand geschuldet, dass Ramaphosa seine Machtbasis in der Regierungspartei African National Congress (ANC) erst noch konsolidieren muss. Noch immer sind wichtige Positionen mit Zuma-Leuten besetzt. Allerdings gelang es, einige der klugen Köpfe zurückzuholen, die unter Zuma aus der Regierung entfernt wurden.

So gilt der neue Finanzminister Nhlana Nene als bestens geeignet, Südafrika durch den schwierigen Prozess der erforderlichen Haushaltskonsolidierung zu führen. Pravin Gordhan als Minister für Staatsunternehmen greift bereits in den ersten Wochen seiner Amtszeit entschieden durch. Die Führungsriegen bei Eskom (Energie), Transnet (Logistik) und Denel (Verteidigung) wurden ausgetauscht. Im Zuge der Korruptionsbekämpfung wurden der Chef der Steuerbehörde entlassen sowie entsprechende Untersuchungen in zahlreichen Städten und Gemeinden eingeleitet.

Dadurch vollzieht sich ein deutlicher Stimmungswandel. "Der neuen Regierungsmannschaft gelingt es, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen", sagt Tim Abbot, Südafrika-Chef des Autobauers BMW. Dieser Ansicht ist auch Frank Aletter, stellvertretender Geschäftsführer der AHK Südliches Afrika, in dessen Augen Cyril Ramaphosa für eine verlässliche Wirtschaftspolitik steht, die internationalen Investoren eine sichere Basis für ihr Engagement in Südafrika bieten soll.

Bei der Bevölkerung kommt Ramaphosas Kurs ebenfalls gut an. Das Konsumentenvertrauen stieg im 1. Quartal 2018 sprunghaft auf einen historischen Höchststand an. Ökonomen haben die Wachstumsprognosen für 2018 auf 1,7 Prozent angehoben. Kingsley Makhubela, Geschäftsführer von Brand South Africa, sieht ebenfalls vielversprechende Anzeichen, dass 2018 ein Jahr der positiven Veränderung für Südafrika und seine Menschen sein wird.

Allerdings ist auch unter Ramaphosa das Investitionsklima nicht frei von Risiken. Für Nervosität sorgen Pläne des ANC, die nur schleppend vorankommende Landreform zugunsten der schwarzen Bevölkerung mit entschädigungslosen Enteignungen zu beschleunigen. Ein Vorschlag, der auch von dem als wirtschaftsfreundlich geltenden Ramaphosa im Grundsatz mitgetragen wird. Jedoch mit der Einschränkung, dass dies nicht zu negativen gesamtwirtschaftlichen Folgen oder einer Gefährdung der Ernährungssicherheit führen dürfe. Ein Drahtseilakt, welcher dadurch gelingen soll, entschädigungslose Enteignungen nach einem sich abzeichnenden Kompromiss auf wirtschaftlich ungenutzte Landflächen zu beschränken.

Langfristige Strukturreformen müssen folgen

Um den erhofften Investitionsboom zu entfachen, sind auch strukturelle Reformen erforderlich. Positive Ansätze sind bereits erkennbar. So bemüht sich die Regierung spürbar um die Beseitigung der regulatorischen Unsicherheit im Bergbau. Die Verabschiedung einer sich seit 2012 in der Schwebe befindenden Gesetzgebung gilt als prioritär. Noch 2018 soll es eine Einigung bezüglich der umstrittenen Mining Charter geben, die eine größere Teilhabe der schwarzen Bevölkerung im Bergbausektor herbeiführen will. Branchenkennern zufolge haben die südafrikanischen Minenbetreiber Ausbaupläne mit einem Volumen von rund10 Milliarden Euro in der Schublade.

Auch im Energiesektor arbeitet das Team um Ramaphosa an einem besseren Umfeld. Der Integrated Resource Plan (IRP) wird als zentrales Planungsinstrument der Regierung bis August 2018 überarbeitet. Frühere Entwürfe enthielten künstliche Barrieren für den Ausbau der erneuerbaren Energien und Gaskraft, um ein von Zuma unterstütztes Nuklearprogramm voranzubringen. Ramaphosa gilt jedoch als Befürworter der regenerativen Erzeugung. Im April 2018 gab es deshalb grünes Licht für die Unterzeichnung von lange blockierten Abnahmeverträgen mit 27 privaten Stromproduzenten. Die nun gesicherten Projekte dürften Investitionen von 3,8 Milliarden Euro auslösen.

Darüber hinaus ist bereits eine Verschlankung des mit 35 Ministerien extrem aufgeblähten Kabinetts angestoßen. Ein noch konsequenteres Reformprogramm nach den im Jahr 2019 anstehenden Wahlen könnte die Wachstumsrate Südafrikas mittelfristig wieder über die 3-Prozent-Marke hieven.

Deutsche Unternehmen setzen auf die Zukunft des Standortes Südafrika

Von den sich verbessernden Rahmenbedingungen dürften auch deutsche Investoren profitieren. Die Kaprepublik ist für viele Unternehmen das zentrale Sprungbrett in den afrikanischen Markt. Im Jahr 2016 entfielen rund 63 Prozent der deutschen Bestandsinvestitionen in Afrika auf die Kaprepublik, 415 deutsche Unternehmen hatten insgesamt 6,6 Milliarden Euro in Südafrika investiert. Die Nettozuflüsse aus Deutschland entwickelten sich bereits im Jahr 2017 wieder sehr positiv und erreichten einen Wert von 302 Millionen Euro (2016: 53 Millionen Euro).

Zu den Unternehmen, die ihre Präsenz in Südafrika stärken, zählen unter anderem SEW Eurodrive (Antriebstechnik), Fuchs Petrolub (Chemie) oder der Medizintechnikhersteller B.Braun. Jens Papperitz, Geschäftsführer B.Braun Medical, Südafrika, weist aber auch darauf hin, dass viel davon abhängen wird, ob Cyril Ramaphosa es schafft, die Wirtschaft schnell genug in Schwung zu bringen und gleichzeitig den ANC moderat zu modernisieren.

Zu den Stärken Südafrikas zählen neben einer breiten industriellen Basis und einer guten Infrastruktur auch gefestigte demokratische Strukturen und eine unabhängige Justiz. Allerdings bringt der Standort auch Herausforderungen mit sich. So müssen Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels viel in die eigene Ausbildung von Mitarbeitern investieren.

Zudem befindet sich das Land weiterhin in einem Transformationsprozess, die Regierung will die wirtschaftliche Teilhabe der während der Apartheid benachteiligten schwarzen Bevölkerung erhöhen. Im Rahmen der Broad Based Black Economic Empowerment (BBBEE)-Gesetzgebung werden dabei auch von deutschen Unternehmen Beiträge verlangt. Dies bezieht sich zum Beispiel auf Eigentumsanteile, Beschäftigungsquoten, Entwicklung lokaler Lieferanten oder soziale Projekte.

Viele in Südafrika erfolgreiche deutsche Unternehmen verstehen sich als langfristige Partner des Landes, die diese Entwicklungsziele aktiv begleiten. So hebt Sabine dall'Omo, CEO von Siemens Südafrika, hervor, dass das Bekenntnis von Wirtschaft und Politik zur Partnerschaft miteinander Möglichkeiten eröffnet, Potenziale zu entwickeln, berufliche Qualifikation zu stärken und dringend benötigte Jobs zu schaffen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein

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