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25.09.2019

Südafrika plant LNG-Terminal in Richards Bay

Ausschreibung für 2020 vorgesehen / Von Marcus Knupp

Berlin (GTAI) - Um seine Energieversorgung zu diversifizieren, schafft Südafrika die Logistik zum Import von Flüssiggas. Dazu gehört neben der Regasifizierungsanlage die Anpassung bestehender Pipelines.

Der Hafen Richards Bay nördlich von Durban spielt eine herausragende Rolle beim Export südafrikanischer Kohle. Ab 2024 könnte er auch für den Import von Energierohstoffen wichtig werden. Das staatliche Logistikunternehmen Transnet plant dort ein Terminal für Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LNG) zu errichten. Neben Verlade- und Lagereinrichtungen soll das Terminal eine Regasifizierungsanlage erhalten und über Pipelines mit den Industrieregionen im Landesinneren verbunden werden.

Für eine Machbarkeitsstudie erhält Transnet eine Finanzierung in Höhe von 2 Millionen US-Dollar (US$) von der zur Weltbankgruppe gehörenden International Finance Corporation (IFC). Die Studie wird das Design der Anlagen und Details für Bau und Betrieb umfassen und damit auch den endgültigen Investitionsrahmen festlegen. Die Ausschreibung für das Terminal ist für das 2. oder 3. Quartal 2020 vorgesehen. Bei der Umsetzung sollen private Partner beteiligt werden.

Erdgas kommt im Energiemix Südafrikas bisher keine bedeutende Rolle zu. Im Land selbst gibt es nur geringe konventionelle Vorkommen. Der größte Nutzer ist die petrochemische Industrie, die Gas über Pipelines aus dem Nachbarland Mosambik einführt. Mehrere Faktoren führen nun zu einem Umdenken.

Mehr Energie für Südafrika

Die in Teilen marode Kraftwerks- und Leitungsinfrastruktur hat in den letzten Jahren immer wieder zu Engpässen in der Stromversorgung geführt, wenn Anlagen im Zuge des "load shedding" (Lastabschaltung) vom Netz genommen wurden. Zugleich sieht der Entwurf für den Integrated Resource Plan 2018 (IRP 2018) vor, dass sich die Erzeugungskapazitäten von 54.177 Megawatt im Jahr 2018 bis 2030 auf 78.444 Megawatt erhöhen. Die größten Zuwächse sind dabei für erneuerbare Energien, vor allem Windkraft und Fotovoltaik, und für Gaskraftwerke vorgesehen.

Bisher betreibt der staatliche Stromversorger Eskom vier thermische Kraftwerke für die Befeuerung mit Öl oder Gas (verwendet wird derzeit Diesel), hinzu kommen einige Anlagen im kommunalen Betrieb beziehungsweise beim Petrochemiekonzern Sasol. Der IRP 2018 gibt die Gesamtkapazität dieser Kategorie mit aktuell 3.830 Megawatt an. Bis 2030 sollen es 11.930 Megawatt sein. Eine große Rolle spielen dabei die an den Küstenstandorten Richards Bay, Coega (Ngqura, Eastern Cape) und später eventuell auch in Saldanha (Western Cape) geplanten Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 1.000 bis 3.000 Megawatt.

Verbesserter Klimaschutz

Diese werden in Zukunft eine wichtige Rolle spielen zur Abdeckung der Grundlast in Ergänzung zu den erneuerbaren Energien. Denn deren Anteil (Wind, Solar, Wasserkraft einschließlich Pumpspeicherkraftwerke) soll bis 2030 von 16,4 Prozent auf 36,5 Prozent der Stromerzeugungskapazität steigen, womit sich tendenziell auch die Variabilität der Erzeugung erhöht.

Da die Emissionen bei Gaskraftwerken deutlich unter jenen der bestehenden Kohlekraftwerke liegen, würden die geplanten Anlagen auch einen Beitrag zum Klimaschutz liefern. Ihre Lage an der Küste könnte zudem die Beanspruchung der Übertragungsleitungen verringern - die meisten Kohlekraftwerke befinden sich im Landesinneren nahe zu den Abbaugebieten. Der Strom muss dann zu den Küstenstädten wie Kapstadt oder Durban geleitet werden.

Der Anteil der Kohle an der Stromproduktion, laut IRP 2018 rund 72 Prozent der Kapazität, trockenheitsbedingt aber zeitweise bis zu 90 Prozent der tatsächlichen Erzeugung - so Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) - soll sich erheblich verringern und 2030 bei nur noch 43 Prozent der Kapazität liegen. Mehrere alte Anlagen würden dafür vom Netz gehen. Allerdings kommen mit den Großkraftwerken Kusile und Medupi auch neue Kohlekraftwerke hinzu.

Stromerzeugungskapazitäten in Südafrika nach Energieträgern (in Megawatt)
Energieträger 2018 2030
Kohle 39.126 33.847
Kernkraft 1.860 1.860
Wasserkraft 2.196 4.696
Speicherkraftwerke 2.912 2.912
Fotovoltaik 1.474 7.958
Windenergie 1.980 11.442
Solarthermie 300 600
Gas/Diesel 3.830 11.930
Andere (u.a. Biomasse) 499 499
Eigenerzeugung der Industrie - 2.600
Insgesamt 54.177 78.444

Quelle: Draft Integrated Resource Plan 2018

Rohstoff für die Petrochemie

Der wichtigste Rohstoff der petrochemischen Industrie Südafrikas ist traditionell aus Kohle gewonnenes Gas. Auf der Basis des heimischen Rohstoffs stellt vor allem Sasol synthetische Kraftstoffe, aber auch eine Reihe weiterer chemischer Grundstoffe her. Seit 2004 werden die Fabriken in Secunda und Sasolburg daneben über eine 865 Kilometer lange Pipeline mit Erdgas aus den Feldern Pande und Temane im Westen Mosambiks beliefert. Ab 2023 könnte es hier wegen der Erschöpfung der Felder zu Engpässen kommen.

Nach den umfangreichen Erdgasfunden vor der Küste Nordmosambiks ist zwar der Bau einer rund 2.600 Kilometer messenden Gasleitung nach Südafrika im Gespräch. Experten halten diese Lösung in Anbetracht von Baukosten von mindestens 6 Milliarden US$ jedoch für wirtschaftlich problematisch. Diese Einschätzung beruht auf dem sowohl entlang der Strecke in Mosambik als auch in Südafrika mittelfristig begrenzten Bedarf.

Der Transport in Form von Flüssiggas könnte daher eine flexible Alternative sein. Verflüssigungsanlagen werden in Mosambik ohnehin entstehen. Die Belieferung des Terminals in Richards Bay zur Regasifizierung kann dann aber auch von anderen Herkunftsländern wie Angola oder Katar erfolgen. Für die Weiterleitung zu den Petrochemiestandorten im Landesinneren können nach Anpassungen bestehende Pipelines von Transnet genutzt werden. Eine für den Gastransport konvertierte Leitung läuft bereits von Secunda nach Durban mit einem Anschluss in Richards Bay. Zusätzlich fasst Transnet den Transport mit der Eisenbahn ins Auge.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Transnet http://www.transnet.net Staatliche Infrastrukturgesellschaft Südafrikas
Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika https://suedafrika.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in Südafrika

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Südafrika können Sie unter http://www.gtai.de/suedafrika abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Kraftwerksbau, Pipelinebau, etc., Wasser-, Hafenbau

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