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17.12.2018

Südkorea plant Großprojekt für Wind- und Solarenergie

Saemangeum soll als neues Branchenzentrum etabliert werden / Von Alexander Hirschle

Seoul (GTAI) - Südkorea will ein gigantisches Projekt für erneuerbare Energien im Südwesten des Landes hochziehen. Dort soll künftig ein neuer Nukleus für Branchenfirmen entstehen.

Die südkoreanische Regierung erhöht die Schlagzahl beim Ausbau erneuerbarer Energien: Ende Oktober 2018 gab Präsident Moon Jae-in bekannt, dass ein gigantisches Projekt in Saemangeum bei Gunsan (Provinz Nord-Jeolla) im Südwesten Südkoreas umgesetzt werden soll. Dort werden Kapazitäten von 4 Gigawatt an erneuerbaren Energien aufgebaut. Das Vorhaben gilt weltweit als eines der größten seiner Art und soll nach Vorstellung der Verantwortlichen zum neuen Zentrum der erneuerbaren Energien in Südkorea avancieren.

Südkorea liegt bei Nutzung erneuerbarer Energien noch zurück

Moon sprach in der lokalen Presse sogar von einem Wendepunkt in der Energiepolitik des Landes. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hatte er das Ziel ausgegeben, die Nutzung von Kernkraft und Kohle stark einzuschränken, um im Gegenzug verstärkt auf nachhaltige Energiequellen zu setzen.

Im Plan "Renewable 3020" wurden Ende 2017 die Rahmendaten festgezurrt: Bis 2030 sollen 20 Prozent des südkoreanischen Energiemix aus erneuerbaren Energien stammen; 2017 lag der Vergleichswert noch bei knapp 8 Prozent - allerdings bei einer umfassenderen Definition als etwa in Deutschland üblich. Nach Einschätzung der Regierung hinkt Südkorea bei der Nutzung erneuerbarer Energien anderen Ländern noch hinterher.

Mit dem Großprojekt soll nun die Wettbewerbsfähigkeit der südkoreanischen Branchenunternehmen erhöht werden. In Saemangeum sollen auch Hersteller und Forschungsinstitute aus dem Bereich erneuerbare Energien angesiedelt werden. Die lokale Entwicklungsgesellschaft Saemangeum Development and Investment Agency rechnet damit, dass 100 Firmen dort ihre Zelte aufschlagen und für die Schaffung von 100.000 neuen Arbeitsplätzen sorgen werden.

Kernstück bleibt aber der Aufbau von Kapazitäten zur Erzeugung von Solarstrom in einer Größenordnung von fast 3 Gigawatt auf einem Areal von 38 Quadratkilometern sowie eines kleineren Windparks mit 0,2 Gigawatt auf dem Landstück innerhalb des Dammgebiets. Darüber hinaus sollen Offshore-Windenergiekapazitäten von 1 Gigawatt bis 2026 entstehen.

Der Zeitplan sieht bis 2020 die Anhörung der Bewohner sowie die Ausarbeitung der Grundplanung und Projektierung vor. Bis 2022 sollen die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Auswahl der Projektträger abgeschlossen sein. Insgesamt will die Regierung private Investitionen in einer Größenordnung von fast 9 Milliarden US-Dollar (US$) anlocken. Allein für den Bau des Offshore-Windparks werden 4 Milliarden US$ veranschlagt.

Liefermöglichkeiten für internationale Hersteller entstehen

Für die Hersteller von Produkten und Anlagen im Bereich erneuerbare Energien können sich in den kommenden Jahren umfangreiche Geschäftschancen im Rahmen des Projekts ergeben. Zumal lokale Produzenten in der jüngeren Vergangenheit in Südkorea Marktanteile an ausländische Lieferanten verloren haben. So stieg der mengenmäßige Anteil von aus China importierten Fotovoltaikmodulen zwischen 2014 und 2018 von 17 auf 33 Prozent.

Absatz von Fotovoltaikmodulen in Südkorea nach Ländern (in Prozent aller verkauften Geräte) 1)
Land 2014 2015 2016 2017 2018 2)
.Südkorea 83 79 73 73 67
.China 17 21 27 27 33
Insgesamt 100 100 100 100 100

1) mengenmäßiger Absatz; 2) Januar bis September

Quellen: Motie (Ministry of Trade, Industry and Energy); Korea Energy Acency

Bei Windkraftgeneratoren wiederum sank nach Angaben der Korea Energy Agency der Anteil lokaler Hersteller im gleichen Zeitraum von 100 auf 30 Prozent. Marktführer waren in den ersten neun Monaten 2018 Produkte aus Dänemark mit einem Marktanteil von 45 Prozent, "Made in Germany" lag an dritter Stelle. Den Rückgang der lokalen Marktanteile führen Branchenkenner darauf zurück, dass große Firmen wie etwa Hyundai Heavy oder Samsung Heavy im Zuge der Schiffbaukrise der vergangenen Jahre ihre Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien zurückgeschraubt hatten.

Absatz von Windkraftgeneratoren nach Ländern (in Prozent aller verkauften Geräte) 1)
Land 2014 2015 2016 2017 2018 2)
.Dänemark 0 30 9 2 45
.Südkorea 100 59 83 59 30
.Deutschland 0 0 0 15 15
.Spanien 0 11 9 0 10
.China 0 0 0 24 0
Insgesamt 100 100 100 100 100

1) mengenmäßiger Absatz; 2) Januar bis September

Quellen: Motie; Korea Energy Acency

Kritiker weisen auf Defizite des Projekts hin

Mit der Erschließung des rund 400 Quadratkilometer großen Landstücks hinter der 33 Kilometer langen "Saemangeum Seawall", einem der längsten künstlich aufgeschütteten Dämme weltweit, wurde bereits 1991 begonnen. Das Projekt war seither diversen Änderungen in der Planung unterworfen. Zunächst sollte das Territorium als landwirtschaftliche Fläche zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung Südkoreas beitragen. Dann wurde die Zielsetzung einer verstärkten industriellen Nutzung ausgegeben, bevor nun der Schwenk in Richtung erneuerbare Energien vollzogen wurde.

Allerdings gibt es auch Kritik am Megavorhaben. So sei zwar die Sonneneinstrahlung in der Gegend um Saemangeum höher als im Schnitt Südkoreas - aber dennoch nicht ausreichend, um die Energieerzeugung rentabel zu gestalten. Diese würde somit pro Jahr Verluste von mehr als 300 Millionen US$ für die staatliche Stromgesellschaft Kepco (Korea Electric Power Corporation) nach sich ziehen. Auch müssten für die sich beteiligenden Firmen noch die Bedingungen für die Abnahme des dort generierten Stroms definiert werden, um politische Risiken auf lange Sicht auszuschließen.

Übergreifend wird die bisher wenig detaillierte Planung des Vorhabens bemängelt. Ebenso sei das Projekt ohne die Zustimmung der Öffentlichkeit lanciert worden. Die Regierung hält dem entgegen, dass die Meinung der lokalen Bevölkerung im weiteren Verlauf des Prozesses und bei den einzelnen Bauschritten noch eingeholt werden solle.

Geringe Ausgleichsmöglichkeiten erhöhen Bedarf an Smart Grids

Übergreifend sah sich die neue Energiepolitik der Regierung Moon Zweifeln ausgesetzt, die eine derart schnelle Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien auf 20 Prozent als nur schwer realisierbar bezeichnen. Auch könne dies die ohnehin finanziell angeschlagene Kepco weiter in Bedrängnis bringen, so die Stimmen.

Südkorea sieht sich ferner dem Problem gegenüber, dass aufgrund seiner Lage keine Ausgleichsmöglichkeiten mit den Stromnetzen von Nachbarländern existieren. Die fluktuierende Einspeisung von alternativem Strom muss somit vollständig im Binnenmarkt austariert werden. Aus diesem Grund dürfte die Nachfrage nach Energiespeicherung und Smart Grids anziehen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Südkorea können Sie unter http://www.gtai.de/suedkorea abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Südkorea Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind

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