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22.06.2018

Südlich der Sahara nur moderates Wirtschaftswachstum

Internationaler Währungsfonds erwartet 2018 im Durchschnitt lediglich 3,4 Prozent / Von Marcus Knupp

Berlin (GTAI) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) bescheinigt den Volkswirtschaften Subsahara-Afrikas in den kommenden Jahren zwar graduell zunehmende Steigerungsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Diese Beschleunigung des realen Wachstums liegt aber mit mittelfristig erwarteten 4 Prozent angesichts nach oben schnellender Einwohnerzahlen sehr niedrig. Zwischen den Ländern gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede. Deutsche Unternehmen sollten daher einen gezielten Blick auf einzelne Märkte werfen.

Im Jahr 2017 konnten die Länder südlich der Sahara ein durchschnittliches reales Wirtschaftswachstum von lediglich 2,8 Prozent verzeichnen, stellt der IWF in seinem jüngsten Regional Economic Outlook von April 2018 fest. In den folgenden beiden Jahren erwartet der Fonds einen moderaten Anstieg auf 3,4 Prozent (2018) und 3,7 Prozent (2019). Insbesondere die gebremste Entwicklung in den beiden ökonomischen Schwergewichten Südafrika und Nigeria drückt den Durchschnitt nach unten. Eine Reihe von Ländern steht mit Wachstumsraten von 6 Prozent und mehr deutlich besser da. Zu dieser Gruppe gehören Äthiopien, Burkina Faso, Côte d'Ivoire, Ghana, Guinea, Ruanda, Senegal und Tansania.

Verschuldungsrisiko engt Spielraum ein

Der Leiter des Forschungsbereichs Afrika beim IWF, Papa N'Diaye, weist jedoch darauf hin, dass die Verwundbarkeit vieler Volkswirtschaften der Region durch eine wachsende Schuldenlast zunimmt. Sechs Länder - Eritrea, Kongo, Tschad, Südsudan, Mosambik und Simbabwe - konnten schon 2017 ihren Schuldendienst nicht voll leisten. Neun weitere stehen aktuell in einem erhöhten Risiko, die anfallenden Tilgungen und Zinsen nicht bezahlen zu können.

Eine höhere Wachstumsrate würde die Lage entspannen; eine weitere Verbesserung der öffentlichen Einnahmen ebenfalls. Diese haben sich zwar in vielen Ländern Subsahara-Afrikas bereits im Zeitraum 1995 bis 2016 deutlich positiv entwickelt. In nicht wenigen Fällen war dies aber im Wesentlichen ein Effekt gestiegener Rohstoffpreise. Mit dem Einbruch insbesondere des Erdölpreises sind in den letzten Jahren bei großen Exporteuren wie Angola oder Nigeria erhebliche Teile des Einnahmevolumens weggefallen. Eine leichte Erholung hat sich seit Mitte 2017 mit wieder anziehenden Preisen eingestellt.

Umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur bringen viele Länder der Region seit einigen Jahren nach vorne. Häufig wurden dafür allerdings Kredite aufgenommen, deren Bedienung die Haushalte der Staaten heute unter Stress setzt. Insbesondere die Ölexporteure Angola, Gabun und Tschad leiden unter hohen Zinszahlungen. Aber auch andere Länder wie Côte d'Ivoire, Ghana, Namibia, Sambia, Senegal, Togo oder Uganda sind hiervon betroffen. Im Durchschnitt der Staaten Subsahara-Afrikas wurden 2017 rund 12 Prozent des Budgets für Zinsen aufgewendet.

Private Investitionen verlangsamt

Ein wachsender Anteil der Gesamtinvestitionen entfiel zuletzt auf öffentliche Investitionen, während sich die Aktivität privater Investoren seit 2014 verlangsamt hat, wie die Experten des IWF feststellen. Als wichtige Faktoren erkennen sie zunächst schlicht das Fehlen profitabler Investitionsmöglichkeiten, dann und letztlich damit zusammenhängend Mängel im institutionellen Umfeld, in der Infrastruktur oder bei den finanziellen Institutionen. Ein Indikator ist die 2017 beobachtete Abnahme bei der Vergabe von Krediten an den Privatsektor. Andere Untersuchungen zeigen jedoch auch, dass die Bankenfinanzierung für kleinere Unternehmen in Afrika eine wesentlich geringere Rolle spielt als in anderen Weltregionen.

Unter dem Strich bleiben die privaten Investitionen in Subsahara-Afrika ein Schwachpunkt. Während die öffentliche Hand in den Jahren 2010 bis 2016 um die 5 Prozent des BIP investierte, und damit ähnliche Werte erreichte wie in anderen Regionen, lagen die privaten Investitionen bei durchschnittlich 15 Prozent - deutlich weniger als in asiatischen Entwicklungsländern mit 22 Prozent des BIP oder auch in Europa, wo 18 Prozent erreicht wurden.

Internationale Initiativen können Investitionstätigkeit anregen

Impulse von außen können die Gesamtinvestitionen anregen, bleiben hierbei aber durch die Konzentration auf einzelne Länder punktuell. Die größte Aufmerksamkeit erzielen derzeit die Belt and Road Initiative (BRI) Chinas und der Compact with Africa (CwA) der G20-Staaten. Beide verfolgen einen sehr unterschiedlichen Ansatz. Der Schwerpunkt der BRI liegt auf einem massiven Ausbau der Infrastruktur wie Häfen, Straßen und Eisenbahnlinien, auf Einrichtungen zur Energieversorgung sowie der Schaffung von Sonderwirtschaftszonen. Partnerländer sind hier die Asien zugewandten Küstenstaaten am Indischen Ozean also Kenia, Tansania, Mosambik und Südafrika sowie Äthiopien. Insgesamt 60 Milliarden Euro hat China 2015 an Krediten und direkter technischer Unterstützung zugesagt.

Der CwA zielt demgegenüber auf Maßnahmen in den teilnehmenden Ländern - in Subsahara-Afrika sind das Äthiopien, Benin, Côte d'Ivoire, Ghana, Guinea, Ruanda, Senegal und Togo - zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für private Investitionen und ausländische Direktinvestitionen. Beteiligt sind hier neben den G20 und den afrikanischen Partnerländern auch der IWF, die Afrikanische Entwicklungsbank und die Weltbank.

Die Schwerpunkte sind in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich gesetzt. So konzentrieren sich die Aktivitäten in Ghana beispielsweise auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz, in Côte d'Ivoire geht es vor allem um Beschäftigungsförderung und Stromversorgung, in Ruanda liegen das Steuersystem und die Finanzierung für den Privatsektor im Fokus und Senegal konzentriert sich auf regionale Entwicklungspole und Sonderwirtschaftszonen.

Daten zur Wirtschaftsentwicklung in Subsahara-Afrika 2018 *)
Land Wachstum des BIP (%) Wachstum des BIP pro Kopf (%) Anteil der Investitionen am BIP Haushaltssaldo (% des BIP)
Angola 2,2 -0,8 24,9 -1,7
Äquatorial-Guinea -8,5 -10,8 7,5 -1,1
Äthiopien 8,5 6,8 37,7 -2,5
Benin 6,0 3,3 28,3 -4,7
Botsuana 4,6 3,3 29,9 -1,2
Burkina Faso 6,0 3,2 16,7 -5,0
Burundi 0,1 -2,8 6,0 -9,3
Cabo Verde 4,3 3,0 36,0 -3,2
Côte d'Ivoire 7,4 4,6 22,6 -3,7
Eritrea 4,2 2,2 7,2 -13,2
Gabun 2,7 1,3 30,9 0,8
Gambia 5,4 2,2 30,5 -2,2
Ghana 6,3 3,6 14,2 -5,0
Guinea 5,8 3,2 17,9 -2,1
Guinea-Bissau 5,5 3,2 11,6 -2,2
Kamerun 4,0 1,5 26,2 -2,2
Kenia 5,5 2,6 18,1 -7,5
Komoren 3,0 0,3 21,2 -2,8
Kongo, Rep. 0,7 -1,7 19,2 3,9
Kongo, DR 3,8 0,7 12,2 0,1
Lesotho 1,7 1,4 37,1 -5,3
Liberia 3,2 0,8 k.A. -4,1
Madagaskar 5,1 2,3 17,4 -3,0
Malawi 3,5 0,6 13,4 -2,8
Mali 5,0 1,6 19,6 -3,3
Mauritius 3,9 3,5 20,6 -3,4
Mosambik 3,0 0,2 54,7 -7,5
Namibia 1,2 0,4 23,5 -7,7
Niger 5,1 2,0 38,3 -6,1
Nigeria 2,1 -0,6 13,2 -4,8
Ruanda 7,2 4,6 24,9 -2,0
Sambia 4,0 0,9 43,1 -7,8
Sao Tomé und Príncipe 5,0 2,6 22,3 -2,4
Senegal 7,0 4,0 27,6 -3,5
Seychellen 3,3 2,2 29,9 0,6
Sierra Leone 3,5 1,3 18,4 -8,2
Simbabwe 2,4 -0,2 18,8 -3,1
Südafrika 1,5 -0,1 18,7 -4,2
Südsudan -3,8 -6,7 6,3 -4,8
Swasiland -0,9 -2,1 12,0 -7,4
Tansania 6,4 4,3 30,0 -4,4
Tschad 3,5 1,0 22,8 0,9
Togo 4,9 2,3 27,7 -3,2
Uganda 5,2 2,1 27,6 -5,3
Zentralafrikanische Republik 4,0 2,0 14,0 1,5

*) Prognosen

Quelle: IWF, Regional Economic Outlook Sub-Saharan Africa

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