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10.11.2017

Südtirol bietet gute Chancen für deutsche Firmen

Region gilt als Sprungbrett für den italienischen Markt / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Südtirol bietet mit seiner wohlhabenden Bevölkerung und der kulturellen Nähe zu Deutschland gute Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Deutsch ist die zweite Amtssprache der Region, das erleichtert den Markteintritt. Die Wirtschaft Südtirols entwickelt sich positiv, doch der lokale Markt ist klein. Ideal ist es, die Region als Sprungbrett für den italienischen Markt zu nutzen. Jüngstes Beispiel eines erfolgreichen Markteinstiegs in Südtirol ist die Optikerkette Fielmann.

Die autonome Region Trentino-Südtirol wird in zwei Provinzen unterteilt. Etwa die Hälfte der knapp über eine Million Einwohner lebt in der deutschsprachigen Provinz von Bozen, die andere Hälfte in der Provinz von Trentino. Die Region grenzt an Österreich, die Schweiz, die Lombardei und Venetien. Sie ist für viele deutsche Unternehmen der Einstieg in den italienischen Markt. Die Hauptstadt der Region ist Trient, obwohl administrative Funktionen mit Bozen geteilt werden.

Trentino-Südtirol ist klein, hat aber eine hohe Kaufkraft. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von fast 38.000 Euro gehört die Region zu den reichsten in Italien. Das BIP pro Kopf ist vergleichbar mit dem der Einwohner in Bayern und Baden-Württemberg. Es erreicht etwa 143 Prozent des europäischen Durchschnittwerts. Die Arbeitslosenquote liegt unter fünf Prozent.

Die Wirtschaft in Trentino-Südtirol entwickelt sich positiv. Nach Angaben des Instituts für Wirtschaftsforschung der Bozener Handelskammer gehen 90 Prozent der befragten Unternehmen von einer zufriedenstellenden Ertragslage im Jahr 2017 aus. Sie erwarten steigende Umsätze und planen Neuinvestitionen, was deutschen Zulieferern Geschäftschancen bietet. Das gilt für alle Wirtschaftszweige, auch für den Großhandel und das Baugewerbe, das sind die beiden Branchen die von der italienischen Wirtschaftskrise besonders stark betroffenen waren.

Eckdaten der Region Trentino-Südtirol
Trentino-Südtirol Italien Anteil in %
Fläche (qkm) 13.606 307.328 4,4
Bevölkerung 1.1.2017 (Mio.) 1,1 60,6 1,8
Bevölkerungsdichte (Einwohner pro qkm, 1.1.2015) 78 201 -
BIP zu Marktpreisen (Mio. Euro, 2015) 39.987 1.642.444 2,4
BIP pro Kopf (Euro, 2015) 37.813 27.045 -
Einfuhren (Mio. Euro, 2016) 6.387 365.579 1,7
Ausfuhren (Mio. Euro, 2016) 7.820 417.077 1,9
Einfuhren pro Kopf (Euro, 2016) 5.806 6.032 -
Ausfuhren pro Kopf (Euro, 2016) 7.109 6.882 -
Erwerbsquote 15 bis 64-Jährige (in %, 2017) 64,4 64,2 -
Beschäftigungsrate 15 bis 64-Jährige (in %,1.Quartal 2017) 68,3 57,2 -

Quelle: ISTAT

Die Wirtschaft wird vor allem durch den Dienstleistungsbereich geprägt. Jüngsten Daten aus dem Jahr 2015 zufolge entfielen 72 Prozent der Bruttowertschöpfung auf Dienstleistungen. Die kleine Bergregion hat sich vor allem auf den Tourismus spezialisiert. Das Angebot an Skiorten, Spa-Hotels, Wanderwegen, und "Agriturismi" gehört zu den attraktivsten in Italien. Die Gastronomie und Beherbergungsstätten machen 8,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

Was den Einzelhandel betrifft, gilt Trentino-Südtirol als "Testgelände" für viele deutsche Unternehmen. Die Kette Fielmann hatte 2015 ihre erste Filiale in Italien in Südtirol eröffnet, seitdem hat das Unternehmen weitere Verkaufsstellen in der Lombardei und Venetien eröffnet. Auch der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin betreibt fünf Geschäfte in Südtirol.

Auf das verarbeitende Gewerbe entfallen zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Produktion von Lebensmitteln und Getränken sowie die Holzverarbeitung und die Papierindustrie sind die wichtigsten Industriezweige, gefolgt vom Maschinenbau und der Metallverarbeitung. Die Bergregion ist zudem für die Energieproduktion aus Wasserkraft von Bedeutung, davon wird über die Hälfte exportiert. In Trentino-Südtirol ist eine Reihe von "Hidden Champions" zuhause. Bekannte Beispiele sind Leitner (Seilbahnbau), Technoalpin (Beschneiungsanlagenbau) oder Rubner (Holzverarbeitung).

Die Landwirtschaft erzielt nur noch vier Prozent der Bruttowertschöpfung der Region, weitere zwei Prozent entfallen auf die Lebensmittelproduktion. Allerdings hat Trentino-Südtirol durch bekannte Produkte wie Äpfel - hier werden zwölf Prozent der europäischen Apfelernte erzielt -, Südtiroler Speck und eine Vielzahl von prämierten Weinsorten eine starke Marke etabliert, sodass Agrarprodukte und Lebensmittel ein Drittel der Exporte der Region ausmachen. Das Qualitätszeichen Südtirol existiert seit 2005 und ist durch die heimischen Produkte europaweit bekannt geworden. Sowohl bei Herstellern als auch bei Konsumenten ist das Bio-Image der Region stark etabliert.

Als Absatzmarkt für deutsche Waren ist Trient-Südtirol übersichtlich. Für den Handel zwischen Deutschland und dem Rest Italiens aber ist der Brennerpass von enormer Bedeutung. In Südtirol und Österreich wird derzeit eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in Europa, der neue Brennerbasistunnel, realisiert. Die 64-Kilometer lange Strecke soll ab 2026 Innsbruck mit der südtiroler Gemeinde Franzensfeste verbinden. Es wird die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt werden. Ziel des Projektes ist es, den Schwerverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Für deutsche Exporteure wird der Weg nach Italien kürzer.

Einfuhren der Region Trentino-Südtirol (in Mio. Euro, Veränderung und Anteil in Prozent))
2016 Welt 2016 Deutschland Veränderung Deutschland 2016/2015 Anteil Deutschland 2016
Nahrungsmittel und lebende Tiere 1.187 533 12,1 44,9
Getränke und Tabak 64 35 17,0 54,7
Rohstoffe 383 52 17,5 13,6
Brennstoffe, Energie 42 29 1,1 69,0
Tier, Öle, Fette, Wachse 13 9 20,9 69,2
Chemische Erzeugnisse 674 257 -2,9 38,1
Bearbeitete Waren 1.238 459 -1,3 37,1
Maschinen und Fahrzeuge 1.736 619 10,9 35,7
Sonstige Fertigwaren 1.048 433 9,7 41,3
Andere 2 0,04 -12,4 2,0
Insgesamt 6.387 2.425 7,0 38,0

Quelle: ISTAT

Hauptlieferländer (in Mio. Euro, Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in Prozent)
Land 2015 2016 Veränderung 2016/15
Insgesamt 6.149 6.387 3,9
Deutschland 2.267 2.425 7,0
Österreich 1.163 1.193 2,6
Frankreich 383 535 39,5
Niederlande 475 388 -18,4
China 189 180 -4,5

Quelle: ISTAT

(R.J.S.)

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Italien Export, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wirtschaftsstruktur, allgemein, Investitionen im Ausland / Joint Ventures

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