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05.11.2018

Sydney auf dem Weg zur polyzentralen Metropolregion

Masterplan legt Schwerpunkt auf den Ausbau der Verkehrswege / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - Der Großraum Sydney steht unter gewaltigem Wachstumsdruck. Daher stehen eine flächenmäßige Dezentralisierung sowie große Ausbauvorhaben für das Straßen- und Schienennetz auf der Agenda.

Sydney ist die älteste und mit 4,7 Millionen Einwohnern auch größte Stadt auf dem australischen Kontinent. Internationale Bedeutung erreicht der ausgeprägte Finanzsektor, und mit der Australian Securities Exchange (ASX) ist Sydney zudem ein wichtiger Börsenplatz. Die einzigartige Lage entlang eines ausgedehnten Naturhafens beschert der Stadt Schönheit und eine hohe Lebensqualität. In den Ranglisten der lebenswertesten Städte der Welt erzielt Sydney regelmäßig einen Spitzenplatz und lockt außerdem Millionen Touristen an.

Basisdaten Sydney
Indikator 2017
Einwohner (Mio.) 4,7
Fläche (qkm im urbanen Gebiet) 4.064
BIP/Kopf (US$ in 2016/17)*) 61.299
Bevölkerungsdichte (Einwohner/qkm) 1.157
Anteil der Haushalte mit Zugang zu Elektrizität(%) 99,9
Elektrizitätsverbrauch pro Haushalt (kWh/Tag in 2016/17) 15,7
Länge des ÖPNV-Schienennetzes (km) 370
Abfall pro Einwohner (kg/Jahr in 2016/17 im City of Sydney Council) 303
Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwasser (%) 99,9
Wasserverbrauch pro Kopf (Liter/Tag in 2016/17) 307

*) Finanzjahr (1. Juli bis 30. Juni); Durchschnittskurs des gebrochenen Wirtschaftsjahres: 1 $A = 0,75399 US-Dollar (US$)

Quellen: Australian Bureau of Statistics; Ausgrid; Sydney Water; City of Sydney; Government of New South Wales

Wachstum soll sich auf drei Stadtzentren verteilen

Allerdings sorgt die Anziehungskraft Sydneys auch für Herausforderungen. Die Stadt erlebt einen ungebremsten Bevölkerungsboom. Bis 2036 soll die Einwohnerzahl auf 6,1 Millionen ansteigen. Im Jahr 2056 könnten nach Prognosen bereits rund 8 Millionen Menschen in Sydney leben. Über 80 Prozent des Bevölkerungswachstums gehen dabei auf die Zuwanderung aus Übersee zurück.

Da insbesondere die Verkehrsinfrastruktur nicht mit dem Bevölkerungsanstieg mithalten kann, werden kritische Stimmen immer lauter. Diese befürchten, dass die Stadt viel von der sie auszeichnenden Lebensqualität einzubüßen droht. Lange Staus und überfüllte Pendlerzüge sind bereits an der Tagesordnung. Hinzu kommen eklatant hohe Immobilienpreise.

Erschwert wird eine vorausschauende Stadtplanung durch die zersplitterten Strukturen der Kommunalverwaltung. Das Gebiet von Greater Sydney zerteilt sich in 33 verschiedene Councils mit eigenständigen Verwaltungskompetenzen. Um eine übergreifende Zukunftsplanung zu ermöglichen, wurde deshalb die Greater Sydney Commission ins Leben gerufen. Diese stellte 2018 den Regionalentwicklungsplan "A Metropolis of Three Cities" vor, welcher eine Dezentralisierung anstrebt. Während sich bislang alles auf den an der Ostküste gelegenen Central Business District (CBD) ausrichtet, soll sich das künftige Wachstum stärker in das westliche Landesinnere verteilen.

Dazu soll in Parramatta ein zweites großes Stadtzentrum entstehen. Noch weiter westlich ist mit der Western Parkland City ein polyzentrales Stadtgebilde vorgesehen, das über verschiedene Kerngebiete wie Liverpool, Penrith oder die neue Aerotropolis um den sich im Bau befindlichen Western Sydney Airport verfügt. Das damit verfolgte Ziel ist eine 30-Minuten-Metropole, in der alle Einwohner maximal eine halbe Stunde in das nächstgelegene Zentrum pendeln müssen, um Arbeitsmöglichkeiten oder Kultur- und Bildungseinrichtungen zu erreichen.

Verkehrswege erhalten Milliardenspritze

In diesem Rahmen wird es in den kommenden Jahren zu gewaltigen Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur kommen. Das rund 13,2 Milliarden US$ teure Straßenprojekt WestConnex (16,8 Milliarden $A, Jahresdurchschnittskurs 2017:1 $A = 0,7681 US$) ist bereits in Bau. Zur Liste der geplanten Megavorhaben zählen zum Beispiel die beiden Tunnelprojekte Western Harbour und Beaches Link (zusammen circa 11 Milliarden US$). Entlang der M4 Autobahn entsteht bis 2020 auch der erste Smart Highway Sydneys.

Ein Schwerpunkt wird auf das Schienennetz gelegt, das im Vergleich zur riesigen Stadtfläche nur schwach ausgebaut ist. Zwar verkehren einige Nahverkehrszüge im Innenstadtbereich unterirdisch, ein spezielles U-Bahnnetz ist bislang jedoch nicht vorhanden. Bis 2024 entsteht mit der Sydney Metro nun die erste U-Bahnlinie der Stadt (circa 16 Milliarden US$). Auf der 66 Kilometer langen Strecke werden fahrerlose Züge zum Einsatz kommen. Eine zweite Linie nach Parramatta ist bereits in Planung. Auch Straßenbahnnetze und Strecken für neue Nahverkehrszüge sind in der Pipeline.

Langfristig soll Sydney klimaneutral werden

Zunehmende Bedeutung gewinnt das Thema Klimaschutz. Bis 2050 sollen die Nettoemissionen an Kohlendioxid (CO2) im Großraum Sydney auf null reduziert werden. Zur Erreichung dieser Zielvorgabe erstellen die 33 Councils jeweils eigene Pläne. Der für den CBD zuständige Council City of Sydney will beispielsweise bis 2030 eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 70 Prozent erreichen, und 50 Prozent des Strombedarfs sollen aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Eine weitergehende Strategie bis 2050 ist bereits in Arbeit.

Großes Potenzial sehen Experten für grüne Gebäudetechnik. Bis 2036 müssen rund 725.000 neue Wohnungen gebaut werden. Künftig will Sydney verstärkt auf grüne Stadtbezirke setzen. Ein erstes Beispiel ist der auf Nachhaltigkeit ausgerichtete neue Stadtteil Green Square, welcher bis 2030 rund 40.000 Einwohner beherbergen soll.

Für die Stromnetze sind die Betreiber Ausgrid und Endeavour Energy zuständig. Beide Unternehmen müssen weiter in den Netzausbau für den Anschluss von Neukunden investieren. Insbesondere im westlichen Einzugsgebiet von Endeavour Energy sind mehrere neue Wohngebiete mit teilweise über 10.000 Hektar vorgesehen. Ausgrid rechnet bis 2024 mit einem Anstieg der Spitzenlast um 710 Megawatt. Im Zeitraum 2019 bis 2024 werden insgesamt rund 2,4 Milliarden US$ in das eigene Verteilungsnetz investiert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Übergang zu einem Smart Grid, um verstärkte Eigenerzeugung und Stromspeicherung durch die Kunden zu ermöglichen.

Nachhaltiges Wasser- und Abfallmanagement ist gefragt

Die Wasserversorgung liegt in den Händen von Sydney Water. Bis 2022 wird ein Ausgabenprogramm von 3 Milliarden US$ für die Wasserinfrastruktur umgesetzt. Trotz des Bevölkerungswachstums soll ein Anstieg des Wasserverbrauchs im Versorgungsgebiet durch Effizienzmaßnahmen vermieden werden, damit keine neuen Frischwasserquellen erschlossen werden müssen. Zuletzt lag der Bedarf bei insgesamt 558 Milliarden Liter pro Jahr (2016/17).

Die Wasserversorgung Sydneys speist sich zu über 90 Prozent aus Oberflächenwasser eines verbundenen Staudammnetzes, welches über eine Kapazität von etwa 565 Milliarden bis 585 Milliarden Liter pro Jahr verfügt. Sydney setzt bereits auf die Wiederverwendung von Abwasser und konnte 2016/17 in 14 Anlagen insgesamt 38 Milliarden Liter Abwasser recyceln. Im Rahmen des 2017 aufgesetzten "WaterSmart Cities Program" will Sydney verstärkt in integrierte Wasserkreisläufe investieren.

Problematisch sind die mit der steigenden Bevölkerung einhergehenden Müllmengen. Die Deponien im Großraum Sydney stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Council City of Sydney erreicht bereits eine Recyclingquote von 69 Prozent, die bis 2030 auf 90 Prozent gesteigert werden soll. Im Westen des Großraums liegt die Wiederverwertungsrate zurzeit bei nur 57 Prozent, wobei bis 2025 ein Wert von 70 Prozent angestrebt wird.

Ausgewählte Großprojekte Sydney
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
F6 Extension 1.Phase: 1.800; insgesamt etwa 6.900 Planung Bau eines neuen Highways im Süden Sydneys mit mehreren Tunneln
Western Sydney Infrastructure Plan 2.800 Planung Straßenbaupaket, beinhaltet u.a. den M12 Motorway zum neuen Western Sydney Airport
Sydney Metro West erste Schätzung bis zu 11.500 Planung Bau einer U-Bahnlinie vom CBD nach Parramatta (ca. 25 km)
North South Rail Link 1.Phase: 5.400, insgesamt etwa 12.000 Planung, Realisierung der 1. Phase bis 2026 neuer Nahverkehrszug durch den Westen Sydneys und zum Western Sydney Airport
Western Sydney Airport 4.100 in Bau bis 2026 neuer internationaler Flughafen

*) Umrechnung anhand des Jahresdurchschnittskurses 2017: 1 $A = 0,7681 US$

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Australien können Sie unter http://www.gtai.de/australien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Australien Transport und Verkehr, allgemein, Bauwirtschaft, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Hochbau, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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