Suche

16.02.2017

Taiwans Außenhandel von China und Elektronik geprägt

Regierung strebt Verringerung der Abhängigkeiten an / Von Jürgen Maurer (Februar 2017)

Taipei (GTAI) - Der Außenhandel spielt für Taiwan eine große Rolle. Da die Insel nicht über eigene Rohstoffe verfügt, ist sie stark auf Importe angewiesen. Auf der Exportseite benötigt das Land eine hohe internationale Nachfrage, um die aufgebauten lokalen und überseeischen Produktionskapazitäten auslasten zu können. Dabei stehen der Handel mit China und mit Elektronikerzeugnissen im Fokus. Mit Deutschland entwickelt sich der Außenhandel relativ konstant.

Taiwans Außenhandelsüberschuss legt seit Jahren zu und hat sich im Zeitraum zwischen 2011 und 2016 auf knapp 50 Mrd. US$ verdoppelt. Dabei hat die relativ höhere Exportstärke geholfen. Denn insgesamt sind die Ausfuhren in diesem Zeitraum weniger gesunken als die Einfuhren, die um etwa ein Fünftel schrumpften. Der Rückgang der Importe lässt sich weitgehend durch den Preisverfall für Rohstoffe erklären. Ansonsten entwickeln sich die Einfuhren vor allem für Investitionsgüter robust.

Insgesamt dominieren Elektronikerzeugnisse sowie Informations- und Kommunikationstechnik, was angesichts des globalen Digitalisierungstrendes anhalten wird. Verringern will die Regierung die hohe Abhängigkeit im Warenaustausch mit dem chinesischen Festland. Vor allem der Handel mit Südost- und Südasien soll ausgebaut werden.

Außenhandel Taiwans (in Mio. US$; Veränderung in %)
2011 2016 Veränderung 2016/2011
Importe 288.062 230.888 -19,8
Exporte 312.923 280.394 -10,4
Handelsbilanzsaldo 24.860 49.505 99,1

Quelle: Ministry of Finance

Außenhandel nach Handelspartnern

China-Handel bleibt im Fokus

Für Taiwan ist das chinesische Festland nicht erst im Zeitraum 2011 bis 2016 zum Haupthandelspartner geworden. Als Exportdestination führt China, inklusive Hongkong (SVR), mit einem Anteil von etwa 40% schon längere Zeit die Liste an. Relativ jung ist die Entwicklung, dass der Importanteil stärker zugelegt hat. Aufgrund der Regierungspolitik, die Abhängigkeit von China zu verringern, dürften sich hier in den nächsten Jahren Verschiebungen ergeben.

Als Lieferland steht Japan bereits seit langer Zeit ganz vorne. Daran sollte sich aufgrund der engen wirtschaftlichen Beziehungen auch nichts ändern, auch wenn der Anteil der Importe aus China näher herangerückt ist. Mit einem Sprung von mehr als 3 Prozentpunkten legten die Einfuhren aus den USA zwischen 2011 und 2013 beträchtlich zu.

Unter den größten Handelspartnern konnte Deutschland seine Position auf Rang fünf verbessern. Die hohe Wertschätzung deutscher Erzeugnisse spricht für eine weitere Ausweitung der Lieferanteile. Dennoch dürfte es schwierig sein, zum viertgrößten Lieferanten zu werden, da der Abstand zu Korea (Rep.) relativ groß ist. In den letzten Jahren haben vor allem Rohstofflieferländer wie Saudi Arabien und Australien an Positionen eingebüßt.

Bei der Exportstruktur haben sich keine größeren Veränderungen ergeben. Zugenommen hat der Anteil südostasiatischer Länder an den Ausfuhren wie etwa Vietnam, die Philippinen und Malaysia. Deutschland blieb auf Platz zehn der Abnehmerländer mit einem kaum veränderten Anteil von 2,1%.

MKT201702158006.14

MKT201702158006.15

Außenhandel nach Warengruppen

Taiwan importiert vor allem Investitionsgüter

Durch den Verfall der Rohstoffpreise haben vor allem deren Importe 2011 und 2016 deutlich abgenommen. Hingegen ist der Einfuhrwert von Maschinen, Elektrotechnik und Tranportausrüstung gestiegen. Da die einheimischen Produzenten überwiegend als Auftragsfertiger und Zulieferanten arbeiten, steht die Einfuhr von Investitionsgütern sowie Vor- und Zwischenerzeugnissen im Vordergrund.

Ein Segment mit relativ konstant hoher Importnachfrage bilden Ausrüstungen zur Halbleiterherstellung sowie die dazu benötigten Werkstoffe, die das Land selbst kaum anbietet. Insgesamt sind die Einfuhren von Investitionsgütern dennoch zurückgegangen, da taiwanische Firmen die Produktion vor allem arbeits- und rohstoffintensiver Erzeugnisse weiter ins Ausland verlagert haben. Dies wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen.

Aus Deutschland importiert die Insel hauptsächlich chemische Erzeugnisse, Transportausrüstungen und Maschinen. Diese haben, wie die Gesamteinfuhr aus Deutschland zwischen 2011 und 2016, moderat abgenommen. Deutlich geschrumpft sind die Einfuhren von Elektrotechnik, deren Wert von 2,3 Mrd. auf 1,3 Mrd. US$ sank. Hingegen haben die Importe von Elektronikerzeugnissen von 0,5 Mrd. US$ auf knapp 1,1 Mrd. US$ zugelegt.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code *) 2011 2016
Gesamt 288.062 230.888
Elektronik 75, 76, 776 49.827 52.046
Mineralische Brennstoffe 3 63.325 31.875
Chemische Erzeugnisse 5 40.460 29.300
Maschinen 71-74 27.296 29.118
Vorerzeugnisse 6 34.195 22.863
Fertigerzeugnisse 8 21.090 20.228
Elektrotechnik 77 minus 776 12.675 9.973
Rohstoffe 2 15.271 8.849
Nahrungsmittel 0 7.950 8.276
Straßenfahrzeuge 78 6.500 7.309
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 2.225 4.072

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: Ministry of Finance

Export wird von Elektronik dominiert

Bei den Ausfuhren liegt der Schwerpunkt auf elektronischen Erzeugnissen, deren Anteil am Gesamtexport zwischen 2011 und 2016 stark gestiegen ist. Hingegen hat die chemische Branche der Insel an Kraft verloren, was sowohl an den geringeren zu erzielenden Absatzpreisen als auch an der Abwanderung der Kunststoffproduktion liegt. Zudem haben die metallverarbeitende Industrie und die Elektrotechnik in diesem Zeitraum im Ausland weniger abgesetzt.

Im Handel mit Deutschland steht ebenfalls Elektronik auf der Exportliste ganz oben. Der Ausfuhrwert dorthin ging zwischen 2011 und 2016 etwas zurück, wobei es Verschiebungen hin zu einem größeren Anteil elektronischer Bauteile gab, während Informations- und Kommunikationstechnik abnahm. Zu den umfangreicheren Ausfuhrsegmenten gehörten zudem Metallwaren und Maschinen.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code 2011 2016
Gesamt 312.923 280.394
Elektronik 75, 76, 776 49.215 111.742
Vorerzeugnisse 6 40.670 38.871
Fertigerzeugnisse 8 41.207 31.148
Chemische Erzeugnisse 5 98.533 30.858
Maschinen 71-74 20.204 21.644
Elektrotechnik 77 minus 776 23.019 15.516
Mineralische Brennstoffe 3 17.656 9.820
Straßenfahrzeuge 78 8.985 9.292
Rohstoffe 2 4.527 3.783
Nahrungsmittel 0 2.960 3.333
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 1.268 1.509

Quelle: Ministry of Finance

(M.J.)

"Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Taiwan finden Sie unter http://www.gtai.de/taiwan. Einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region Asien-Pazifik finden Sie unter http://www.gtai.de/asien-pazifik".

Dieser Artikel ist relevant für:

Taiwan Export, Import, Außenhandel / Struktur, allgemein

Funktionen

Kontakt

Bernhard Schaaf

‎+49 228 24 993 349

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche