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19.04.2019

Taiwans Kfz-Zulieferer leiden unter Umsatzeinbußen

Importe weiterhin gefragt / Von Alexander Hirschle

Taipei (GTAI) - Taiwanische Kfz-Zulieferer leiden unter schwachen Verkäufen aufgrund sinkender Nachfrage auf den Weltmärkten. Hoffnung macht der steigende Bedarf nach Teilen für Elektrofahrzeuge.

Die taiwanische Produktion von Kfz- und Kfz-Teilen musste 2018 Federn lassen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums MOEA (Ministry of Economic Affairs) sank die Inlandsherstellung im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent auf rund 10,5 Milliarden US-Dollar (US$). Dabei ging vor allem der Output von Fahrzeugen stark um 8,8 Prozent auf 4,8 Milliarden US$ zurück. Die Produktion von Teilen fiel um 2,3 Prozent auf 5,5 Milliarden US$. Das Institut IEK (Industrial Economy and Knowledge Center) prognostiziert für 2019 einen weiteren leichten Rückgang um 1 Prozent.

Die lokale Zulieferindustrie ist vom schieren Volumen her deutlich kleiner als die der Nachbarn in China oder auch Südkorea. Dennoch zeichnen die rund 3.000 Branchenfirmen mit ihrem Umsatz für rund 3 Prozent des industriellen Outputs des Landes verantwortlich. Der Sektor ist stark exportorientiert. Schätzungen zufolge gehen rund 75 Prozent der Produktion über die Landesgrenzen. Hauptabnehmer sind die USA, Japan, Europa und China. Allerdings dümpeln die Zuwachsraten der Exporte seit 2016 zwischen minus und plus 2 Prozent.

Auch 2019 rückläufige Verkäufe

Auch für 2019 sehen Finanzexperten schwache Absatzzahlen voraus. Demzufolge meldeten zahlreiche Branchenfirmen im Frühjahr 2019 rückläufige Verkäufe im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum. Im ersten Quartal gingen die Umsätze des Sektors übergreifend um 4,4 Prozent zurück - und es gibt wenig Anzeichen, dass sich an dieser Situation in den kommenden Monaten grundsätzliches ändern dürfte angesichts rezessiver Trends auf dem chinesischen Kfz-Markt und ebenfalls geringer Dynamik auf den Straßen der USA.

Einfuhren aus Deutschland ziehen deutlich an

Erst im zweiten Halbjahr 2019 könnte sich ein positiver Trend abzeichnen, unter anderem aufgrund der schwachen Vergleichswerte des Vorjahres. Branchenexperten wie das IEK empfehlen den Herstellern darüber hinaus, eine stärkere regionale Diversifizierung ihrer Exporte anzustreben. Dabei werden Schwellenländer in Süd- und Zentralamerika, die ASEAN-Staaten sowie Australien als Destinationen im Rahmen der sogenannten "New Southbound Policy" der Regierung genannt.

Die Importe von Kfz-Teilen legten 2018 noch um 2,3 Prozent zu, wobei vor allem Karosserien mit einem Plus von knapp 37 Prozent sehr gefragt waren. Aber auch die Einfuhren von Dieselmotoren entwickelten sich mit einem Zuwachs von 22,3 Prozent positiv. Darüber hinaus wiesen Beleuchtungs- und Signalgeräte sowie Fahrgestelle überdurchschnittliche Zuwachsraten zwischen 8 und 10 Prozent auf. Die Importe aus Deutschland stiegen im vergangenen Jahr mit +14,5 Prozent stark. Bei "Made in Germany" zogen vor allem die Bestellungen von Karosserien (+115 Prozent) sowie von Dieselmotoren (+82 Prozent) enorm an.

Zulieferer setzen auf Elektrofahrzeuge

Angesichts der schleppenden allgemeinen Entwicklung des Kfz-Marktes setzen die lokalen Hersteller von Teilen ihre Hoffnungen auf die Segmente E-Mobility und autonome Fahrzeuge. Nach Einschätzung des Verbandes CENS (China Economic News Service) richten internationale Firmen aus China, den USA und Europa ihr Augenmerk stärker auf Taiwan als Bezugsquelle für Kfz-Teile. Die lokale Kfz-Zulieferindustrie hat dabei gute Chancen, ihre Stärken wie etwa ein hohes Niveau bei Forschung und Entwicklung oder auch umfangreicher Erfahrungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) ausspielen zu können.

Darüber hinaus seien die überwiegend kleinen und mittleren Familienbetriebe im Gegensatz zu ihren Pendants etwa in China oder Japan sehr flexibel bei der Integration neuer Produkte in bestehende Lieferketten und verfügten gerade im künftig stark gefragten Elektronikbereich über eine hohe Produktqualität.

Die erwartete stark steigende globale Nachfrage nach Elektrofahrzeugen beflügelt derzeit die Phantasie der Zulieferindustrie. Das lokale Schwergewicht Hota Industrial, seines Zeichens Hersteller von Getrieben und Antriebswellen, berichtet in der lokalen Presse etwa von steigenden Bestellungen aus Übersee wie von Tesla und Ford. Um der erwarteten höheren Nachfrage nachzukommen, plant Hota eine neue Fabrik in Dapu im Landkreis Chiayi.

Für den lokalen Hersteller von Kabelsätzen BizLink Holding Inc prognostizieren Analysten einen zweistelligen Umsatzsprung im laufenden Jahr aufgrund der erwarteten Nachfrage ebenfalls von Tesla sowie dem steigenden Bedarf an Vorprodukten für Elektrofahrzeuge in China. Das Unternehmen Cayman Engley wiederum investiert Medienberichten zufolge in neue Ausrüstungen und will sich auf die Herstellung von Batteriekästen konzentrieren, unter anderem, um deutsche Hersteller zu beliefern. Als Ziel wurde von Firmenseite ein Marktanteil von 30 Prozent ausgegeben.

Infrastruktur für E-Fahrzeuge noch nicht ausreichend

Trotz relativ hoher Zuwachsraten von niedrigem Niveau aus geben Branchenvertreter zu bedenken, dass der taiwanische Markt für Elektrofahrzeuge selbst sich noch schleppend entwickle. Das Land verfüge noch nicht über eine konsistente Strategie für den Bereich. Zwar habe der Inselstaat hervorragende Voraussetzungen für ein Roll-Out in diesem Segment wie eine überschaubare Fläche, einheitliche Regularien und eine ansonsten gute Transportinfrastruktur.

Auch die grundsätzliche politische Weichenstellung in Richtung eines massiven Ausbaus erneuerbarer Energien weise in die richtige Richtung. Doch verhindere bisher vor allem der Mangel an Ladestationen einen durchschlagenden Erfolg von Elektrofahrzeugen. Kurzfristig seien auch keine wesentlichen Verbesserungen in diesem Bereich zu erwarten, so die Kritiker.

Als wichtiger Branchenevent gilt die Messe Ampa (Taipei International Auto Parts & Accessories Show), die 2019 vom 24. bis 27. April im Nangang Exhibition Center in Taipei stattfindet. Im Rahmen der Dachmesse Ampa werden weitere kleinere Spezialmessen ausgetragen. Bei der Veranstaltung finden sich nach Angaben des Auma (Verband der deutschen Messewirtschaft) Hersteller aus allen Segmenten der Kfz-Teileindustrie ein, von Werkstattausrüstungen, über Motoren, Reifen, Bremsen, Antriebstechnik und Batterien bis hin zu Elektrofahrzeugen und Energieerzeugung. Die Veranstalter erwarten für die diesjährige Ausgabe rund 1.500 Aussteller.

Einfuhr wichtiger Kfz-Teile nach Taiwan (in Mio. US$)
HS-Pos. Warenbezeichnung 2017 2018 davon aus Deutschland (2018)
8407.31-.34 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 255,8 205,6 1,5
8408.20 Diesel- oder Halbdieselmotoren 175,70 214,8 14,0
8413.30 Kraftstoff-, Öl-, Kühlmittelpumpen 40,4 36,7 4,6
8544.30 Zündkabelsätze 105,2 103,4 1,1
8511 Kfz-Elektrik 102,7 88,4 3,5
8512 Beleuchtung, Signalgeräte, Wischer 133,0 145,8 9,2
8706 Fahrgestelle 50,2 54,2 2,5
8707 Karosserien 70,3 96,1 6,3
8708 Stoßstangen, Bremsen, Getriebe, Achsen 1.444,8 1.487,2 123,8
Summe 2.378,1 2.432.2 166,5

Quelle: Directorate General of Customs, 2019

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Taiwan können Sie unter http://www.gtai.de/taiwan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Taiwan Straßenfahrzeuge, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Elektromobilität

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