Suche

12.02.2019

Taiwans Maschinenbau bleibt positiv gestimmt

Modernisierungsbedarf soll Nachfrage stützen / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Die schwächere internationale Konjunktur lässt die Wachstumserwartungen in Taiwans Maschinenbau sinken. Dennoch geht die Branche nicht von einem lang anhaltenden Abschwung aus.

Taiwans Maschinenbaubranche bleibt für die Wachstumsaussichten 2019 guter Dinge. Trotz des Gegenwindes, den die bereits seit Monaten andauernden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China verursachen, hält die Taiwan Association of Machinery Industry (TAMI) immer noch eine relativ robuste Produktions- und Exportentwicklung für möglich. Ab der zweiten Jahreshälfte wird mit neuen Impulsen gerechnet.

Die heimische Erzeugung soll 2019 weiter positive Zuwachsraten verzeichnen, auch wenn diese geringer ausfallen dürften als bislang angenommen. Laut Prognose des Ministry of Economic Affairs auf Basis der Zahlen der ersten drei Quartale 2018 wurde noch ein Produktionswachstum des Maschinenbaus von mehr als 8 Prozent erwartet. Gerade in den letzten Monaten 2018 hat sich jedoch die internationale Konjunktur eingetrübt und eine Verlangsamung der Dynamik in China angedeutet.

Dennoch sieht der Branchenverband insgesamt keinen signifikanten Einbruch der Maschinennachfrage, denn die Modernisierung im Lande und die Investitionen in anderen Märkten wie Südostasien sollen für einen Ausgleich sorgen. TAMI geht für 2018 von einem Zuwachs der Ausfuhren von zwischen 5 und 10 Prozent aus, geringer als die ursprünglich prognostizierten 15 Prozent.

Bestelleingang stimmt weiter positiv

Gemäß der Statistik der Exportbestellungen hält sich der Nachfragerückgang in Grenzen. Zwar zeigten die Ordereingänge auf US-Dollar-Basis im November und Dezember 2018 gegenüber den jeweiligen Vergleichsmonaten des Vorjahres negative Vorzeichen. Jedoch konnten 2018 die Exportbestellungen insgesamt (für alle Waren) immerhin noch um 3,9 Prozent auf rund 512 Milliarden US-Dollar (US$) zunehmen.

Ob diese Exportbestellungen alle umgesetzt werden, wird in hohem Maße von der weiteren Entwicklung im Handelsstreit abhängen. Dies beeinflusst die Investitionen in neue Ausrüstung, die Taiwans Maschinenbauer aus der heimischen Produktion bedienen. Im Lande selbst dürfte die Maschinennachfrage relativ robust bleiben. Denn die Unternehmen aus verschiedenen Branchen wie Kfz- Teilehersteller oder die Kunststoffindustrie investieren in smarte Herstellungsprozesse.

Investitionen bleiben robust

Im Maschinenbau selbst investieren Unternehmen in smarte Produktion, vor allem bei Werkzeugmaschinen. Die neue Fabrik von Victor Taichung mit Investitionen von 116 Millionen US$ soll im Verlauf des Jahres 2019 in Betrieb gehen. Delta Electronics hat angekündigt, in Taoyuan eine neue Anlage für 6-Achsen Roboter zu bauen, wofür rund 73 Millionen US$ vorgesehen sind. Ferner hat Hiwin Ende 2018 in Hsinchu Gelände gekauft, um dort ein neues Werk zu errichten und will auch in Chiayi eine neue Produktionsstätte aufbauen.

Größter Abnehmer von Maschinen bleibt jedoch die Halbleiterindustrie. Das Segment Herstellungsausrüstung für die Halbleiterindustrie sticht in der Importstatistik deutlich hervor. Sie macht den weitaus größten Teil des Einfuhrwertes aus, auch wenn die Auslandsbezüge 2018 sanken. Ohne den Halbleiterbereich wurde ein Einfuhrzuwachs erzielt, getragen insbesondere durch Werkzeugmaschinen.

Einfuhr ausgewählter Maschinen (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
HSPos. Maschinengruppe 2017 2018 Veränd.
8429-8430, 8479.10, 8474 Berg-, Hoch-, Tiefbaumaschinen 249 259 4,0
8439-8443 Druck-, Papiermaschinen 637 642 0,8
8425-28 Fördertechnik 536 508 -5,3
8477 Kunststoffmaschinen 309 316 2,2
8465, 8479.30 Holzbearbeitungsmaschinen 39 51 31,8
8422.30-40, 8437, 8438, 8479.20 Nahrungsmittel-, Verpackungsmaschinen 197 190 -3,4
8413, 8414 Pumpen, Kompressoren 1.241 1.257 1,3
8444-49, 8451-53 Textilmaschinen 365 345 -5,3
8456-63 Werkzeugmaschinen 835 965 15,5
8486 Maschinen zur Halbleiterherstellung 12.509 11.113 -11,2

Quelle: Statistics Department, Ministry of Finance

Deutschland gewinnt Lieferanteile hinzu

Bei den Importen aus Deutschland stellt ebenfalls Halbleiterausrüstung den dominierenden Posten. Einfuhren dieses Segments konnten gegenüber 2017 um knapp 69 Prozent auf 482 Millionen US$ zulegen. Wird diese Sparte nicht berücksichtigt, dann waren es 2018 Werkzeugmaschinen, die mit einem Plus von 34 Prozent auf 106 Millionen US$ das wachstumsstärkste Segment darstellten.

Zudem importierte die Insel mehr Pumpen und Kompressoren aus deutscher Erzeugung, deren Einfuhrwert 2018 gegenüber 2017 um 14,8 Prozent auf 103 Millionen US$ stieg. In anderen Segmenten schrumpften jedoch die Importe. Insgesamt konnte sich Deutschland als Lieferant gegenüber 2018 verbessern, so die Statistik des Branchenverbandes.

Wichtige Lieferländer von Maschinen und Anlagen nach Taiwan (in Mio. US$, Veränderung im Vergleich zum Vorjahr und Anteile 2018 in %)
Land 2017 2018 Anteil Veränd.
Japan 7.925 7.391 26,4 -6,7
USA 7.547 7.212 25,7 -4,4
China 3.345 3.866 13,8 15,6
Niederlande 2.088 2.357 8,4 12,9
Deutschland 1.455 1.755 6,3 20,6
Singapur 1.985 1.528 5,5 -23,0
Insgesamt 27.978 28.026 100,0 0,2

Quelle: TAMI, 2018

Die Regierung sieht den Maschinenbau als Schlüsselindustrie und unterstützt die Modernisierung der lokalen Unternehmen durch Beratungsleistungen und finanzielle Mittel. Mit Hilfe intelligenter Produktion soll die Wettbewerbsfähigkeit der Insel erhalten und erhöht werden. Zudem wird internationale Kooperation gesucht, um den Einsatz und die Entwicklung smarter Maschinen zu beschleunigen.

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Taiwan können Sie unter http://www.gtai.de/taiwan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Taiwan Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

Funktionen

Kontakt

Bernhard Schaaf

‎+49 228 24 993 349

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche