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26.07.2018

Taiwans Möbelmarkt in gedämpfter Stimmung

Umsatz könnte 2018 leicht steigen / Produktion stagniert / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Der Möbelmarkt in Taiwan weist gegenwärtig wenig Dynamik auf. Die Nachfrage nach Immobilien und damit auch Möbeln könnte 2018 jedoch leicht zulegen. Davon dürften Branchenimporte profitieren. Hingegen bleibt die Herstellung von Möbeln auf Schrumpfkurs. Lediglich Metallmöbel zeigen weiteres Zuwachspotenzial. Die Produktion von Holzmöbeln wird aufgrund steigender Kosten und mangelnder Rohstoffverfügbarkeit immer schwieriger. Dies hat Auswirkungen auf den Bedarf an Holzbearbeitungsmaschinen.

In Taiwan ist 2018 eine leichte Erholung für den Möbelumsatz zu erwarten, da sich der Immobilienmarkt stabilisiert. Höheres Wirtschaftswachstum und eine Abflachung der über Jahre aufwärts gerichteten Preisspirale für Wohnraum hat die Neigung der Verbraucher erhöht, wieder in Apartments zu investieren. Die Neukäufe beziehungsweise Renovierung von Wohnungen sollten die Verkäufe von Möbeln steigen lassen.

Jedoch wird dies für die eigene Möbelproduktion insgesamt nur wenige Wachstumsimpulse bringen. Die Produktion ging in den letzten Jahren zurück, wie die Statistik des Ministry of Economic Affairs ausweist. Sie lag 2017 bei 1,3 Milliarden US-Dollar (US$). Viele Möbelhersteller haben ihre Produktion schon lange nach China oder Vietnam verlagert.

Die im Lande verbliebenen Möbelhersteller konzentrieren sich hauptsächlich auf Möbel aus Metall, Glas oder aus anderen Werkstoffen. Bei Metallverarbeitung und Eisenwaren ist die Insel stark, was die Möbelindustrie unterstützt. Die Herstellung von Möbeln aus Metall weist seit vielen Jahren einen Zuwachs auf, der sich 2017 auf 2 Prozent belief. Insgesamt hat der Produktionsanteil von Inneneinrichtung aus Metall weiter zugelegt und machte circa 65 Prozent an der Möbelherstellung aus.

Entwicklung der Möbelindustrie in Taiwan (in Mrd. NT$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2015 2016 2017 Veränd
Gesamt 40,2 39,9 39,8 -0,3
Möbel aus Holz 11,6 11,0 10,5 -5,1
Möbel aus Metall 23,9 24,6 25,1 2,0
Andere 4,6 4,3 4,3 -0,5

Quelle: Ministry of Economic Affairs

Holzmöbel sind vor allem Importprodukte

Rückgängig ist hingegen das Segment Holzmöbel, dessen Erzeugungswert 2017 auf Basis der Landeswährung gegenüber 2016 um 5,1 Prozent sank. Die verbleibenden Holzmöbelfirmen konzentrieren sich auf höherwertige Designprodukte für den lokalen Markt, wohingegen die früher vorherrschende Auftragsfertigung für ausländische Marken deutlich geschrumpft ist.

Dementsprechend lag 2017 die Einfuhr von Holzmöbeln (HSPos. 9403.30 - .60) mit 179 Millionen US$ höher als die Ausfuhr mit 125 Millionen US$. Beim Import handelt es sich um hochpreisige Inneneinrichtung von internationalen Markenanbietern aus Italien oder Deutschland, aber auch um Massenware aus China.

Die Holzmöbelherstellung wird weiter schrumpfen. Denn der erforderliche Rohstoff muss meist importiert werden. Zwar gibt es noch viele Bäume an den Hängen des sehr gebirgigen Landes. Jedoch sind diese aus gutem Grund geschützt, um Landrutsche zu vermeiden. Zudem sind nicht alle Holzsorten für die Verarbeitung geeignet, und für Zuchtplantagen fehlen auf der sehr eng besiedelten Insel die erforderlichen Flächen.

Holzbearbeitungsmaschinen sind vor allem Exportware

Daher ist der Bedarf an Holzbearbeitungsmaschinen sowie Span- und Faserplattenpressen begrenzt und dürfte tendenziell weiter sinken. Für die meisten Möbelhersteller bleiben die steigenden Material- und Arbeitskosten Hauptprobleme, um die lokale Produktion aufrecht zu erhalten. Dies ist nur möglich, wenn die Branchenfirmen verstärkt auf automatisierte und intelligente Holzbearbeitungsmaschinen setzen.

Diese werden teilweise importiert, wofür China, Japan und Deutschland die wichtigsten Lieferanten sind. Bei den Einfuhren aus China dürfte es sich zum überwiegenden Teil um Geräte handeln, die dort von japanischen, deutschen oder taiwanischen Firmen gefertigt werden.

Taiwans Einfuhr von Holzbearbeitungsmaschinen (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2015 2016 2017 Veränd.
Holzbearbeitungsmaschinen 82,6 82,6 78,2 -5,4
Span-, Faserplattenpressen 3,3 0,7 0,9 35,9
Gesamt 85,8 83,3 79,1 -5,0

Quelle: Customs Statistics

Taiwans Hersteller selbst gehören weltweit zu den Top-Fünf Lieferanten von Holzbearbeitungsmaschinen. Sie konnten 2017 ihre Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 13,8 Prozent auf rund 696 Millionen US$ ausweiten. Wichtigste Kunden sind die USA, wohin 40 Prozent der Maschinen geliefert werden, gefolgt von China mit 17,5 und Vietnam mit 6,7 Prozent.

Viele taiwanische Möbelhersteller haben ihre Produktion nach China und Vietnam verlagert. Dort sind sie weiter Abnehmer von Holzbearbeitungsmaschinen, sei es von taiwanischer oder deutscher Provenienz. Möbelhersteller der Insel gehören zu den größten Auftragsherstellern für eine Vielzahl von internationalen Möbelanbietern - unter anderem auch von US-amerikanischen Marken.

Taiwans Einfuhr von Möbeln 1) (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zur Vorperiode in %)
2015 2016 2017 2018 2) Veränd.
567 649 685 341 6,7

1) SITC-Pos. 82; 2) 1. Halbjahr

Quellen: UN Comtrade; Customs Statistics

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Taiwan können Sie unter http://www.gtai.de/taiwan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Taiwan Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas), Holzbearbeitungsmaschinen

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