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11.09.2018

Taiwans Papierindustrie will Kapazitäten optimieren

Deutschland bleibt zweitgrößter Maschinenlieferant / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Taiwans Papiermarkt ist relativ gesättigt. Daher investiert die Branche in kosteneffiziente Produktion im Inland und in neue Kapazitäten vorwiegend im Ausland.

In Taiwan bewegt sich der inländische Absatz von Papier- und Pappe-Erzeugnissen gegenwärtig nur bei Haushalts- und Hygienepapieren mengenmäßig nach oben. Hier stieg der Absatz 2017 gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent. Obwohl der verpackungsintensive E-Commerce-Handel und die industrielle Produktion zunehmen, ist die Nachfrage nach Wellpappe und anderem Verpackungsmaterial aus Papier mehr oder weniger gleich geblieben.

Während die Nachfrage nach Industriepapier relativ konstant bleibt, haben einige Branchenfirmen die Erzeugung von Papier für den Bürobedarf und Druckprodukte eingestellt oder ihre Herstellung teilweise in Richtung Spezialpapiere umgewidmet. Denn die Digitalisierung hat den Papierbedarf schrumpfen lassen. Für Haushalts- und Hygienepapiere steigt jedoch die Nachfrage.

Papierindustrie investiert in Effizienzsteigerung

In diesem Segment ist Taiwan ein Nettoimporteur. Die Produktion von Haushalts- und Hygienepapier in Höhe von 322.000 t reicht nicht aus, um den Absatz zu decken, der 2017 bei knapp 400.000 t lag, so Zahlen der Taiwan Paper Industry Association. Daher hat der Hersteller Cheng Loong Corp. angekündigt, 2018 sein Angebot vor allem an umweltfreundlichem Toilettenpapier zu erhöhen.

Die Produktion soll, was energieeffiziente Herstellung und Abwasserbehandlung anbelangt, ebenfalls höheren Umweltschutzanforderungen genügen,. Allgemein sind im Land aber keine großen Kapazitätserweiterungen zu erwarten. Die Unternehmen investieren vor allem in die Effizienzverbesserung bestehender Kapazitäten. Dabei geht der Trend zu mehr recycelbaren Verpackungen aus Papier.

Die Importe der Papierindustrie zeigen sich sehr schwankungsintensiv. So schrumpften sie 2017 deutlich, haben jedoch in den ersten sechs Monaten 2018 wieder angezogen. Deutschland ist zweitgrößter Lieferant von Papiermaschinen. An den Brancheneinfuhren im Wert von 67,3 Millionen US-Dollar (US$) machten deutsche Ausrüstungen etwa ein Viertel aus. China stand an erster Stelle mit 21,7 Millionen US$.

Produktion kann zulegen

Nach letztverfügbaren Angaben des Statistikamtes waren 2015 circa 1.400 Firmen in der Papier- und Pappeherstellung auf der Insel aktiv, darunter viele kleine Unternehmen. Den Löwenanteil der Produktion machen drei Großhersteller aus: YFY Group, Long Chen Paper und die Cheng Loong Corp. Insgesamt wuchs die Erzeugung der Papierindustrie laut Taiwan Paper Industry Association 2017 gegenüber 2016 mengenmäßig um 2,3 Prozent.

Wertmäßig zeigte die lokale Herstellung jedoch ein höheres Wachstum, das auf Basis der Landeswährung über 5 Prozent betrug, so die Angaben des Ministry of Economic Affairs. Der Produktionswert steigt stärker als die mengenmäßige Erzeugung, da durch die international erhöhte Nachfrage die Preise für Zellstoff und Papiere zugelegt haben.

Papier- und Pappe-Produktion (in Mio. US$; Veränderung gegenüber der Vorperiode in Landeswährung in %)
2016 2017 Veränd. 2018 *) Veränd.
Papier and Pappe-Erzeugnisse 5.054 5.668 5,6 2.992 5,7
.Zellstoff 150 167 4,7 87 9,8
.Papier 442 455 -3,2 244 8,1
.Pappe 1.209 1,473 14,8 804 13,5
.Behälter (Papier/Pappe 1.874 2,128 6,9 1.099 3,1
.Haushalts- und Hygiene-Papiere 722 752 -1,8 402 2,4
.andere Papierprodukte 658 693 -0,7 356 -0,7

*) 1. Halbjahr

Quelle: Ministry of Economy Affairs

Papierindustrie in Taiwan ist exportorientiert

Bei Papier und Pappeerzeugnissen sowie bei Haushalts- und Hygienepapier übersteigt der Konsum die Eigenproduktion in Taiwan. Hingegen ist bei industriellem Papier ein hoher Ausfuhranteil zu verzeichnen. Die mengenmäßige Ausfuhr von industriellem Papier stieg 2017 gegenüber dem Vorjahr um 15,8 Prozent auf 1 Million t. Der einheimische Absatz nahm dagegen nur um 0,4 Prozent auf 1,75 Millionen t zu.

Die Insel exportiert Papier und Pappe vor allem nach China, aber auch zunehmend nach Vietnam und Malaysia, weil unter anderem die Produktion von taiwanischen Werken ausgebaut wird. In China besteht die größte Konzentration von Auslandsfabrikationen taiwanischer Hersteller. Daher die Nachfrage von dort nach Industriepapier besonders hoch. Da China Ende 2017 einen Importbann für unsortiertes Altpapier verhängt hat, wird der Nachschub dieses wichtigen Grundstoffs schwieriger.

Einige taiwanische Papier- und Pappehersteller haben hohe Produktionskapzitäten in China aufgebaut, die auf Altpapier als Grundstoff setzt. Cheng Loong beispielsweise hat elf Produktionsstätten im Reich der Mitte, will jedoch nicht weiter expandieren, sondern setzt darauf, die existierenden Werke besser auszulasten. Zudem diversifiziert das Unternehmen nach Vietnam. Dort hat Cheng Loong 240 Millionen US$ in ein Wellpappewerk mit 300.000 t Jahreskapazität investiert, das 2018 den Betrieb aufnimmt.

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Hongkong können Sie unter http://www.gtai.de/taiwan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Taiwan Papier-, Pappe-Erzeugnisse, Druck- und Papiermaschinen

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