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22.02.2019

Taiwans Wirtschaft verliert zunehmend Dynamik

Regierung versucht, gegenzusteuern / Von Alexander Hirschle

Taipei (GTAI) - Die Konjunktur in Taiwan flaut ab, und Prognosen fallen aufgrund steigender Unsicherheiten auf den Weltmärkten schwächer aus. Die Einfuhren könnten sogar leicht schrumpfen.

Das DGBAS (Director-General of Budget, Accounting and Statistics) schraubte im Februar seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2019 von zuvor 2,4 Prozent auf 2,3 Prozent leicht nach unten. Andere lokale Wirtschaftsinstitute wie Chung-Hua Institution for Economic Research oder Taiwan Institute of Economic Research sehen sogar nur Zuwächse von 2,2 Prozent bis 2,1 Prozent für das BIP voraus.

Noch im November vergangenen Jahres hatten die Erwartungen bei einer BIP-Steigerung von 2,6 Prozent gelegen, andere Organisationen wie die Asiatische Entwicklungsbank ADB waren sogar von 2,8 Prozent Wachstum ausgegangen. 2018 hatte der BIP-Zuwachs 2,6 Prozent erreicht.

Konjunktur verliert an Dynamik

Doch im Zuge des nachlassenden Wachstums in China sowie der weiterhin drohenden Gefahr eines eskalierenden Handelskonflikts des Reichs der Mitte mit den USA macht sich zunehmende Skepsis breit. DGBAS-Verantwortliche ließen in der lokalen Presse verlauten, dass die Konjunktur weiter an Dynamik verliere, allerdings sich auch noch nicht in Richtung einer Rezession bewege. Doch die Aussichten für die nächsten Monate sind nicht berauschend, wie auch das Ifo-Institut durch eine Herabstufung seines Indikators für Taiwan im Rahmen des jüngsten "Ifo World Economic Survey" bestätigt.

Importen droht 2019 Stagnation

Sorgen bereitet der stark exportabhängigen Volkswirtschaft die stagnierende Nachfrage auf den Weltmärkten in wichtigen Abnehmersegmenten wie etwa Smartphones, PCs und auch die nachlassende Dynamik bei Speicherchips. Aus diesem Grund prognostiziert das DGBAS für die Ausfuhren nur einen marginalen Zuwachs von 0,2 Prozent für das laufende Jahr nach einem Ansteig von knapp 6 Prozent im Vorjahr. Die Importe sollen sich sogar um knapp 1 Prozent leicht rückläufig zeigen, nachdem die Einfuhren 2017 und 2018 noch um fast 13 beziehungsweise 10 Prozent zugelegt hatten.

Die für 2019 erwartete Stagnation der Importe ist unter anderem auf die schwache Nachfrage nach Kapitalgütern zurückzuführen. Aufgrund einer dürftigen Auftragslage zögern die lokalen Unternehmen mit der Planung von Kapazitätserweiterungen oder dem Aufbau neuer Fabriken. Dies kann sich auch negativ auf die Absatzchancen deutscher Hersteller von Maschinen und Komponenten im laufenden Jahr auswirken, die ein wichtiger Lieferant für taiwanische Firmen sind.

Öffentliche Investitionen werden ausgeweitet

Die Regierung versucht entgegenzusteuern, indem sie im laufenden Jahr die Investitionen öffentlicher Unternehmen um fast 9 Prozent nach oben schrauben will. Auch sollen die Infrastrukturausgaben um 7,7 Prozent auf 12,7 Milliarden US-Dollar (US$) erhöht werden. Regierungsinstitutionen wurden offensichtlich angewiesen, die Umsetzung geplanter Projekte voranzutreiben und die Ausführungsrate im Infrastrukturbereich zu verbessern. Die effizientere Durchführung öffentlicher Vorhaben soll unter anderem durch die Nutzung smarter Technologien zur Überwachung der Projektfortschritte vorangetrieben werden.

Darüber hinaus sollen kleine und mittelständische Unternehmen im Rahmen des "Five plus two Innovative Industry Plans" aus dem Jahr 2016, das als Kernstück des Wirtschaftsprogramms der Regierung gilt, zu Investitionen ermuntert werden. Im Rahmen des Plans soll sich die Wirtschaft vom bisher vorherrschenden Modell der Auftragsfertigung hin zu Produktion und Dienstleistungen mit hohem Mehrwert weiterentwickeln. Im Fokus stehen dabei die Branchen und Projekte intelligente Maschinen, Erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, "neue Landwirtschaft", Luftfahrt, Biomedizin und "Asia Silicon Valley".

Als weiteres Ziel haben sich die Verantwortlichen auf die Fahnen geschrieben, taiwanische Auslandsinvestoren zur Rückkehr oder zumindest zum verstärkten Engagement im Heimatmarkt zu bewegen. Bereits Ende Januar 2019 verkündete Wirtschaftsminister Sehn Jong-chin auf einer Pressekonferenz Neuinvestitionen in diesem Bereich in Höhe von mehr als 600 Millionen US$ an. Die Engagements entfallen lokalen Medien zufolge auf die Sektoren Elektronik, Netzwerkausrüstungen und Heimtextilien.

Weitere 40 Firmen würden derzeit vom Ministerium bei ihren Rückkehrplanungen unterstützt. Kritiker dieser Initiative geben jedoch zu bedenken, dass die Erfolgsaussichten für eine Rückkehr taiwanischer Investitionen aus China gering sind. Denn die Produktionskosten auf dem Heimatmarkt seien in vielen Bereichen mittlerweile zu hoch, um mit Standorten vor allem in Südostasien konkurrieren zu können - so die Stimmen.

Binnenkonsum soll stimuliert werden

Die Binnennachfrage könnte daher angesichts der weltwirtschaftlichen Unwägbarkeiten eine Schlüsselrolle bei der Ankurbelung der Konjunktur zukommen. Aus diesem Grund planen die Verantwortlichen verschiedene Maßnahmen zur Stimulierung des Binnenkonsums wie etwa Subventionen zur Anschaffung energieeffizienter Haushaltselektronik und von Motorrädern.

Auch sollen Inlandstourismus sowie der Messe- und Veranstaltungssektor gefördert werden. Über diese Maßnahmen könnten mehr als 200 Millionen US$ in den lokalen Wirtschaftskreislauf gepumpt werden. Ferner sind Steuererleichterungen für Arbeitnehmer geplant, um die verfügbaren Einkommen zu erhöhen. Ob diese tendenziell eher kurzfristig angelegten Maßnahmen ausreichen, um den allgemeinen Abwärtstrend ins Positive zu verkehren, wird von Wirtschaftsexperten bezweifelt.

Wirtschaftliche Entwicklung 2017 bis 2019 in Taiwan (reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
2017 2018 2019 2)
BIP 3,1 2,6 2,3
Einfuhr (cif) 1) 12,5 10,6 2,6
Bruttoanlageinvestitionen -0,1 3,6 5,4
Privater Verbrauch 2,5 2,2 2,2

1) Waren; 2) Prognose

Quelle: DBGAS

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Taiwan können Sie unter http://www.gtai.de/taiwan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Taiwan Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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