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13.04.2018

Tansania will Kraftwerksprojekte beschleunigen

Verlässliche Stromversorgung für neue Eisenbahn und beheizbare Rohölpipeline / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Tansania will so schnell wie möglich seine Kraftwerkskapazitäten erhöhen, um die im Bau befindliche Eisenbahn des Landes elektrifizieren zu können. Denn das Land sieht sich schon seit ein paar Jahren in direkter Konkurrenz zu Kenia, so politische Beobachter in Dar es Salaam.

Tansania hat derzeit eine installierte elektrische Erzeugungskapazität von 1.500 Megawatt, der eine Nachfrage von 1.353 Megawatt gegenübersteht. Auf dem Papier reicht das zwar aus, in der Praxis aber nicht. Denn Stromausfälle gehören zum Alltag. Zwei Projekte sollen das alles bald der Vergangenheit angehören lassen. Dabei ist das ambitionierteste Vorhaben das 2.100 Megawatt-Wasserkraftwerk am Rufiji-Fluss in der Stiegler-Schlucht, 200 Kilometer südwestlich von Dar es Salaam. Das Kraftwerk soll innerhalb des Selous-Wildschutzgebiets gebaut werden, dem größten seiner Art in Afrika.

Nach tansanischer Einschätzung wird es zu keiner Beeinträchtigung der Tierwelt kommen, Umweltschützer und die Unesco, auf deren World-Heritage-Liste der Tierpark steht, sehen das traditionell anders. Eine detaillierte, von Norwegen finanzierte Durchführbarkeitsstudie liegt schon seit 1980 in der Schublade. Bislang fehlte es an Geld und an einer kooperativen Verwaltung, um das Kraftwerk zu bauen. Jetzt soll das Vorhaben angepackt und in Kürze eine Ausschreibung erarbeitet werden.

Das zweite Projekt ist das 432 Millionen US-Dollar (US$) teure Kinyerezi-II-Gaskraftwerk, mit dem im März 2016 begonnen wurde. Die volle Kapazität in Höhe von 240-Megawatt soll 2022 erreicht werden. In der Pipeline sind die Folgeprojekte Kinyerezi III und IV.

Tansania will Kenia technologisch überholen

Dank dieser neuen Kapazitäten soll dann eine Elektrifizierung der im Bau befindlichen Eisenbahn zwischen der Hafenstadt Dar es Salaam bis nach Mwanza am Viktoriasee möglich sein. Auch der Abstecher nach Kigali (Ruanda) soll auf Wunsch der ruandischen Regierung unbedingt elektrifiziert werden, um die Transportzeiten zu senken. Tansania braucht derweil nicht nur für seine Eisenbahn eine zuverlässige Stromversorgung, sondern auch für die beheizbare Ölpipeline zwischen Uganda und der tansanischen Küste, ein Vorhaben, bei dem Tansania Kenia zuvorgekommen ist - sehr zum Verdruss von Nairobi. (Das ugandische Öl ist wachsähnlich und nur erhitzt flüssig und pumpfähig.)

Bislang betreibt in der Region nur Äthiopien eine elektrische Eisenbahn. Überlegungen, die kenianische Strecke zu elektrifizieren, wurden im Februar 2018 verworfen, weil das zu teuer sei und eine unterbrechungsfreie Stromversorgung nicht gewährleistet werden könne, so die ehrliche Begründung. Dabei hat Kenia aktuell eine installierte Kapazität von 2.250 Megawatt, der eine Nachfrage von 1.640 gegenübersteht. Zudem hat das Land bei der Stabilität seines Netzes in den letzten drei Jahren spürbare, wenngleich noch nicht ausreichende Fortschritte gemacht.

Finanzierung geklärt

Von Zweifeln an der Finanzierbarkeit will der tansanische Staatspräsident John Magufuli nichts wissen: Seine Regierung habe das Geld, große Infrastrukturprojekte wie die Eisenbahn, Kraftwerke und sogar eine neue Flugzeugflotte zu finanzieren, sagte der Präsident Mitte März 2018 anlässlich der Eröffnung einer neuen Zigarettenfabrik. Dank einer "Steuereinsammelaktion" soll die Staatskasse gefüllt werden. Anlässlich der Debatten um den nächsten Staatshaushalt hatte Tansania noch das Bild eines Landes abgegeben, das große Schwierigkeiten hat, seine Einnahmeziele zu erfüllen. Im kommenden Finanzjahr (Juli 2018 bis Juni 2019) will Tansania 14,3 Milliarden US$ ausgeben - vornehmlich für Infrastrukturprojekte.

Dieser Artikel ist relevant für:

Tansania, Ostafrika Kraftwerksbau, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft

Kontakt

Katrin Weiper

‎+49 228 24 993 284

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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